Bayerns Sieg in Sevilla Eine Grätsche als Kunstwerk

Sevillas Serie riss, die von Jupp Heynckes hielt. Ausnahmsweise war kein Treffer der entscheidende Moment der Champions-League-Partie, sondern eine spektakuläre Abwehraktion.

Javi Martínez (r.) und Franco Vázquez
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Javi Martínez (r.) und Franco Vázquez


Szene des Spiels: In der 49. Minute ließ Sevillas Stürmer Wissam Ben Yedder Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng auf Höhe der Mittellinie schön aussteigen und schickte Joaquín Correa über links. Dessen Pass Richtung Zentrum schien unausweichlich den gut positionierten Franco Vázquez zu finden, doch eine Grätsche malerischer Schönheit verhinderte Schlimmeres aus Sicht der Gäste. Javi Martínez spitzelte dem abschlussbereiten Sevillista den Ball vom Fuß. Eine Rettungsaktion so prachtvoll anzusehen wie ein Dribbling durch fünf taumelnde Verteidiger.

Ergebnis: Mit einem 2:1 (1:1) beim FC Sevilla hat sich der FC Bayern eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gesichert. Hier geht's zur Meldung.

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Bayerns Sieg in Sevilla: Abgefälscht

Faktor Bernat: Beim Führungstreffer für die Gastgeber spielte der Linksverteidiger der Bayern die Hauptrolle. Dass dieser nicht David Alaba hieß sondern Juan Bernat, lag am kurzfristigen Ausfall des Österreichers. Beim weiten Flankenwechsel durch Sergio Escudero ließ sich der Spanier die bessere Position zum Ball von Pablo Sarabia viel zu leicht entreißen. Dieser brachte seinen Körper vor den Bernats, konnte den Ball unter Kontrolle und dann im Tor unterbringen. Zwei Minuten später holte sich der frustrierte Bayern-Akteur Gelb ab. Nach 45 Minuten hatte Heynckes genug gesehen, Rafinha übernahm fortan die Außenverteidigerposition.

Die erste Hälfte: Die Bayern begannen flott und kamen nach 60 Sekunden zum ersten gefährlichen Eindringen in den Strafraum der Gastgeber. Es sollte allerdings auch der letzte für mehr als eine halbe Stunde bleiben. Vorne war Robert Lewandowski völlig abgemeldet, Franck Ribéry und Thomas Müller kamen nicht hinter die Abwehrkette. Stattdessen erspielte sich Sevilla hervorragende Möglichkeiten: In der 20. Minute vergab Sarabia noch völlig freistehend das mögliche 1:0, zwölf Minuten später machte er es besser. In der 37. Minute wollte Ribéry von links in die Mitte flanken, seinen Passversuch lenkte Jesús Navas unglücklich ins kurze Eck. Der schmeichelhafte Ausgleich fiel nur eine Minute nach der Einwechslung des Kolumbianers James Rodríguez, der für den verletzten Vidal aufs Feld gekommen war.

Gute Gäste: Die Fortsetzung einer Serie, auf die man aus Münchner Sicht gern verzichtet hätte:

Die zweite Hälfte: Nach der durch die Martínez-Grätsche aufgelösten Schrecksekunde in der 49. Minute übernahmen die Gäste das Kommando. Die Münchner agierten jetzt zielstrebiger und umspielten das Pressing Sevillas mit Flankenwechseln. In der 66. Minute vergab Martínez noch nach einer scharfen Hereingabe von Müller, zwei Minuten später fiel der entscheidende Treffer: Einen Lupfer von Ribéry über das Abwehrzentrum hinweg fand am zweiten Pfosten Thiago, dessen Kopfball am Fuß von Escudero und von dort aus unhaltbar im Kasten von David Soria landete. Sevilla konnte nicht mehr zurückschlagen. Es blieb bei kleinen Gelegenheiten für Sandro Ramírez (81.) und Lewandowski (83.)

Sevillas Serienende: Elf Spiele hatte der aktuelle Tabellensechste der Primera Divisíon bislang im Europapokal gegen deutsche Teams absolviert, keines davon verloren. Nummer zwölf bedeutete für das Team von Vincenzo Montella, der die Ex-Bundesligaspieler Simon Kjær (ehemals VfL Wolfsburg) und den ehemaligen Schalker Escudero von Beginn an spielen ließ, das Ende dieses eindrucksvollen Laufs. Ein anderer Lauf hält hingegen weiterhin an:

Correa-Krise: Nach einer Viertelstunde holte sich der flinke Flügelspieler Gelb für eine Schwalbe im Bayern-Strafraum ab, in der 35. Minute gab er nach einem Schubserchen von Kimmich den sterbenden Schwan, um in der zweiten Halbzeit seinem Gegenüber Thiago hart auf den Fuß zu steigen. Schiedsrichter Daniele Orsato ließ aber ebenso Gnade vor Recht walten wie bei Ribérys Trikotzieher plus Schubser gegenüber Ben Yedder nach 13 Minuten. Als Correa kurz vor Schluss ausgewechselt wurde, dürfte vor allem Kimmich aufgeatmet haben, denn der 23-jährige Argentinier hatte für Wirbel auf seiner Abwehrseite gesorgt.

Volle Kapelle beim Rückspiel: Wenn es kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF und Sky) zum Rückspiel in München kommt, muss Heynckes auf keinen seiner Schützlinge verzichten. Die von einer Gelbsperre bedrohten Lewandowski, Kimmich und Boateng kamen ohne weitere Verwarnung durch die Partie.



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Ultras 04.04.2018
1. Ribery
Daß der Torschütze und Vorlagengeber Ribery bei beiden Aktionen nicht mehr auf dem Feld hätte sein dürfen, weil er Ben Yedder am Schlaffitchen packte und ihm eine verpaßte, wird natürlich gekonnt vergessen. Ich weiß gar, die wievielte derartige Aktion von Ribery das war, die wieder einmal völlig ungeahndet blieb, Gelb gab's ja immerhin für sein Foul unmittelbar davor, aber es ist doch schon sehr auffällig, daß der Franzose immer wieder damit durchkommt.
n.a.i.s 04.04.2018
2. Ergebnis gut, Spiel durchwachsen
Also der Totalausfall von Bernat war ein Hauptgrund für die schlechte erste Halbzeit. Außerdem war das Aufbauspiel nicht stabil, insbesondere durch die in früheren Zeiten beste Innenverteidigung mit Boateng und Hummels. Das Mittelfeld litt darunter, dass Vidal früh angeschlagen war, Müller und Ribery waren aber I. O. Als Frechheit empfand ich aber die Leistung von Lewandowsky, der nach hinten überhaupt nicht gearbeitet hat, die gegnerische Verteidigung überhaupt nicht angelaufen ist, ja teilweise diese einfach vorbeilaufen ließ. Das war m. M. n. gewollt schwach, will er wohl doch die Stimmung so vermiesen, dass die Bayern in doch zu Real gehen lassen? Bei mir hat er sehr verloren gestern.
retterdernation 04.04.2018
3. Die Problem-Bayern ...
haben es ihren Kritikern gestern gezeigt, wie man in Spanien gewinnt. Stumm verfolgten die Problemsucher, wie der deutsche Meister das Spiel sehr, sehr ordentlich gestaltete, gegen einen starken Gegner. Dabei hat der Tüchtige dann auch das Glück, was ihn zum Sieger macht. Gleich zwei Mal waren die Spanier mit am Ball, den sie dann auch noch aus dem eigen Tor holen mussten. Der Druck war einfach zu groß, den die Münchner machten, ist wohl die Erklärung dafür. Ein sehr unterhaltsamer Abend, mit einem Ergebnis, welches auf das Halbfinale hoffen lässt.
stoffi 04.04.2018
4. Der Beitrag
beschreibt sehr gut, was sich gestern auf dem Platz tat. Anzumerken wäre noch, das sich die Spanier überaus oft fallen liessen um ersten das Spiel des FCB zu unterbrechen und auch um Freistösse zu provzieren. Das hatte aber der Schiri von Beginn an durchschaut. An seiner Leistung ist kaum was zu kritisieren. Ribery hat zu Recht kein rot gesehen, denn die Spieler liess sich sofort fallen.Ansonsten hätte Jupp besser auf Bernard verzichtet und Vidal hätte eher runter gemusst. Das Rückspiel wird anders laufen. So konnte man in der zweiten Halbzeit klar die Veränderung der Spielweise des FCB erkennen.
tomaraya 04.04.2018
5.
"...wie bei Ribérys Wischer ins Gesicht von Ben Yedder... " Ruhig ms al genauer hin gucken: Ribéry wischt ihm nicht durchs Gesicht, sonder zieht an seinem Trikot. War gestern im Nachbericht vom ZDF recht deutlich zu sehen. Und mit der gelben Karte auch ausreichend bestraft. Jedenfalls nicht rot würdig. Viel lustiger fand ich da die gelbe Karte für Müller. Wie schön sich die Schiris doch immer wieder veräppeln lassen...;)
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