Robben-Gala gegen Augsburg Unverzichtbar

Die Jugend enttäuscht, der alte Mann brilliert: Arjen Robben hat gegen Augsburg einmal mehr seine Qualitäten bewiesen. Die Vertragsverlängerung mit dem 32-Jährigen steht bevor.

Robert Lewandowski und Arjen Robben
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Robert Lewandowski und Arjen Robben

Aus Augsburg berichtet Florian Kinast


Zehn Minuten vor Abpfiff war Zeit für die Verkehrsnachrichten. Auf der Anzeigetafel stand, dass für die B17 Richtung Landsberg keine Meldungen vorliegen würden. Diese Information war in etwa so aufregend wie die gesamte Schlussphase des südbayerischen Derbys in der Augsburger Arena.

Das Spiel war zu einseitig und der Auftritt des FC Bayern viel zu dominant. Souverän spielten die Münchner ihren 3:1 (2:0)-Sieg nach Hause, an einem Nachmittag, an dem gerade zwei Routiniers brillierten: Arjen Robben (32 Jahre) und Robert Lewandowski (28), die als Torschützen und Vorbereiter aller drei Tore bewiesen, wie wichtig gerade erfahrene Stammkräfte wie sie für den Rekordmeister momentan sind. Ein müheloser Erfolg, erspielt mit der Leichtigkeit des Alters - und ein Tag, an dem auch Karl-Heinz Rummenigge erstmals durchblicken ließ, dass neben Lewandowski auch Robben mit einem neuen Vertrag rechnen darf.

Die Bayern brauchen ihre Alten schließlich noch - in einer Phase, in der sich die Jungen gerade sehr schwer tun.

Wie bereits am Mittwoch mit dem gleichen Ergebnis beim Pokalspiel in München war der FC Augsburg auch am Samstag ohne jede Siegchance. Nach gut 20 Minuten war das Bundesligaspiel gelaufen, erst schoss Lewandowski das 1:0 nach Pass von Robben (19. Minute), dann traf Robben nach Lewandowski-Zuspiel zum zweiten Tor (21.). Kurz nach der Halbzeit legte Robben Lewandowski zum dritten Tor auf (48.). Dass Koo noch auf 1:3 verkürzte (68.), trübte die Münchner Stimmung nicht, es herrschte Heiterkeit nach Abpfiff, sogar beim gewöhnlich eher ernsten Vorstandsboss.

"Die beiden haben heute noch ein Date", scherzte Rummenigge über das harmonische Verständnis zwischen den Stars des Spiels, und auch Robben selbst sagte: "Wir haben schon einen Tisch für heute Abend im Restaurant bestellt." Dann sprach der Niederländer noch launig über die vergebene Chance Lewandowskis zum vierten Tor: "Wenn er den gemacht hätte, dann wäre auch noch eine Übernachtung drin gewesen."

Starker Robben: So müssen die Bayern mit ihm verlängern

Selten hatte man Robben in den vergangenen Wochen derart gelöst gesehen, weder im Spiel noch danach. Das lag am Samstag sicher nicht an der bevorstehenden Reise in seine Heimat, zum Champions-League-Spiel am Dienstag bei Ex-Klub PSV Eindhoven (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) - sondern weil er weiß, dass die Bayern gar nicht anders können, als den am Saisonende auslaufenden Vertrag mit ihm zu verlängern.

Nach seinem sechsmonatigen Ausfall seit März hatte es Zweifel gegeben, ob Robben wirklich wieder zu alter Form zurückfinden würde. Spätestens nach dem Spiel in Augsburg stellt sich die Frage nicht mehr, auch wenn Robben das Thema noch sichtlich bemüht herunterspielte: "Ich beschäftige mich nicht damit." Zu einem möglichen Treffen von Rummenigge mit seinem Vater und Berater Hans Robben sagte er: "Er hat die Telefonnummer von meinem Vater, er kann ihn jederzeit auf einen Kaffee einladen."

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Sogar Rummenigge selbst, sonst stets bedeckt in Sachen Verhandlungsstand, ging diesmal aus der Deckung und stellte eine baldige Vollzugsmeldung in Sachen Robben in Aussicht: "Wenn es so weit ist, verkünden wir es, aber ein bisschen Geduld noch." Und weiter: "Wir wissen, was wir an jedem Spieler haben, was wir an Arjen haben. Wir haben einen großartigen Kader und wollen im nächsten Jahr auch noch einen großartigen Kader haben. Deswegen braucht man sich keine Sorgen machen bei uns." So deutlich hatte Rummenigge das noch nie formuliert. Unklar ist nur der Zeitpunkt. Auf den Vergleich der Vertragsverhandlungen mit einer Schwangerschaft angesprochen, ob man im sechsten oder achten Monat sei, sagte Rummenigge: "Ich bin keine Hebamme."

Jungstars stagnieren

Klar ist, dass der FC Bayern dringender denn je auf die altgedienten Kräfte angewiesen ist. Außer Joshua Kimmich schwächeln zurzeit die jungen Spieler, der gerade verletzte Kingsley Coman (20) stagniert ebenso wie der hochgelobte, aber bislang enttäuschende Europameister Renato Sanches (19). In Augsburg saß er wieder nur auf der Bank, seinen Anfang mit dem FC Bayern hatte er sich anders vorgestellt. Und der FC Bayern den Anfang mit ihm sicher auch.

Ob Coman oder Sanches jemals prägende Klub-Persönlichkeiten werden, ist fraglich, und wenn, dann dauert das noch. So lange brauchen die Bayern noch ihre Routiniers. Dass Lewandowski einen neuen Vertrag bis 2021 erhält, scheint beschlossene Sache, auch Franck Ribéry darf ab Sommer 2017 mit mindestens einem weiteren Jahr in München rechnen.

Und auch Hans Robben dürfte bald nach München reisen. Für einen neuen Vertrag des Sohns und einen Kaffee mit Herrn Rummenigge.



insgesamt 58 Beiträge
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bauerbernd 29.10.2016
1. Alter Mann??
32 Jahre und "Alter Mann"? Habt Ihr sie noch alle? Hört denn der Jugendwahn nie auf? Auch im Fussball ist man mit 32 Jahren noch kein alter Mann - Miro Klose hat gezeigt, was möglich ist.
spon_2937981 29.10.2016
2. Alter Mann?
Also bitte. Robben ist sicher kein Jungspund mehr, ja, es ist das bereits etwas höhere Fußballer-Alter. Aber 'alter Mann'? Ab 36, 36 ok. Aber mit 32? Also wirklich. Wir wissen doch: es gibt keine jungen oder alten Spieler, nur gute und schlechte. Bzw. im Falle von Flügelflitzern könnte man noch ergänzen: schnelle und langsame.
panzerknacker 51 29.10.2016
3. alt?
erfahren und weise im besten Jahrgang
okav 29.10.2016
4. Altherren Spieler
Alter Mann hört sich vielleicht komisch an, aber beim Fußball darf man mit 32 in der Altherren Mannschaft spielen.
brüggebrecht 29.10.2016
5.
Robben ist Gold wert, egal in welchem Alter. Einer der besten Einkäufe aller Zeiten. Hier haben sich zwei gefunden, die einfach zusammen gehören. Das ist selten im bezahlten Fußball.
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