Von Jan Reschke
Hamburg/München - Eigentlich hätte man ahnen können, dass der Champions-League-Auftakt des FC Bayern München eine zähe Angelegenheit werden würde. Gegner Valencia steht in der Liga nur auf Platz elf und hat bislang von vier Spielen erst eins gewonnen. Da war nicht unbedingt zu erwarten, dass die Spanier beim deutschen Rekordmeister Hurra-Fußball zelebrieren würden.
Also lief es wie so oft: Neun Mann postierten sich um den eigenen Strafraum und die Bayern-Profis ließen den Ball von links nach rechts laufen, bis sich eine Lücke auftat. Je nach Qualität des Gegners dauert das mal länger und mal kürzer. Gegen Valencia waren es 38 Minuten, dann traf Bastian Schweinsteiger zum 1:0. Und noch einmal bis zur 76. Minute, als Toni Kroos das 2:0 erzielte.
Das Gegentor durch den ehemaligen Bundesliga-Profi Nelson Valdez (90.+1) war nicht mehr als Ergebniskosmetik zum 2:1 (1:0)-Endstand. Der vergebene Elfmeter von Mario Mandzukic (90.+3) - wer fragt nach einem gewonnenen Spiel noch danach? Kapitän Philipp Lahm zumindest nicht: "Ein Sieg gegen den ärgsten Konkurrenten in unserer Gruppe, das ist ein guter Start", so Lahm.
Es gibt nun andere Möglichkeiten
Die Spielweise des FC Valencia war nicht neu für den FC Bayern, und doch fiel etwas auf: Das Team von Trainer Jupp Heynckes ist auf der Suche nach Chancen variantenreicher geworden, wenn es gegen tief stehende Gegner geht. In der ersten Hälfte rotierten Arjen Robben, Franck Ribéry und Toni Kroos permanent, um Unruhe in die gegnerische Abwehr zu bringen.
Außerdem bedeutet die Aufstellung der beiden Ausnahmekönner Ribéry und Robben nicht mehr zwangsläufig, dass das Spiel über sie laufen muss. Es gibt nun andere Möglichkeiten: So schaltete sich der wieder als Linksverteidiger eingesetzte Holger Badstuber wie Lahm auf der anderen Seite häufig in die Offensive ein. Gelegenheiten wurden zudem oftmals durch die Mitte gesucht.
Status Spitzenmannschaft
Das war nicht immer so: Unter Louis van Gaal hat man in Reinkultur sehen können, dass Dominanz nicht gleichbedeutend mit Erfolgen sein muss. Auch in der vergangenen Saison galten die Münchner als zu leicht ausrechenbar.
Mit einer kleinen Einschränkung: Wie weit das Team tatsächlich in seinem Entwicklungsprozess ist, werden andere Partien zeigen müssen. Denn so abgeklärt die Münchner auch gespielt haben in der bisherigen Bundesliga-Saison, mit drei Siegen aus drei Partien und nun in der Champions League, die Gegner hatten schlicht zu wenig Qualität. Für ein abschließendes Urteil ist es zu früh.
Denn die Bayern hatten durchaus kurze Schwächephasen in der ersten Halbzeit gegen Fürth, Stuttgart und zum Ende der Partie gegen Valencia. So sagte Heynckes nach dem Spiel: "Die Schlussphase muss man kritisch sehen. Das darf einer Mannschaft wie der unseren nicht passieren. Da haben wir die Konzentration verloren."
Es wird interessant zu sehen, wo die Münchner wirklich stehen. Am kommenden Wochenende wird es sich zeigen. Dann geht es gegen Schalke 04.
FC Bayern München - FC Valencia 2:1 (1:0)
1:0 Schweinsteiger (38.)
2:0 Kroos (76.)
2:1 Valdez (90.+1)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Martínez (69. Gustavo), Schweinsteiger - Robben, Kroos, Ribéry (46. Müller) - Pizarro (63. Mandzukic)
Valencia: Alves - Pereira, Ricadro Costa, Rami, Cissokho - Feghouli, Parejo, Costa, Guardado (71. Viera) - Jonas (63. Valdez), Soldado
Schiedsrichter: Aydinus
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Costa, Rami (Gelb-Rot)
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