Bayerns Abgang im Pokalfinale Sie können einfach nicht verlieren

Frankfurt hat das Finale gewonnen - noch mehr aber hat es der FC Bayern verloren: Statt Größe zu zeigen, flüchteten die Münchner in die Kabinen. Kein Wunder, so wird es den Profis von der Klubführung vorgelebt.

Joshua Kimmich
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Der FC Bayern verliert ein Fußballspiel. Das allein taugt schon als große Nachricht. Noch wuchtiger wird es dadurch, dass ein Großteil der Münchner Spieler und Betreuer unmittelbar nach der Finalniederlage gegen Eintracht Frankfurt in den Katakomben des Berliner Olympiastadions verschwunden war, bevor der Pokal überreicht wurde. Lieber Frust schieben als dem Überraschungssieger artig zu applaudieren. Wirklich schlechter Stil.

Sie seien nicht ins Prozedere eingeweiht gewesen, alles war nur ein Missverständnis. "Ich hätte erwartet", sagte Münchens Trainer Jupp Heynckes, "dass ein Verantwortlicher uns mitteilt, so lange zu warten, bis der Pokal überreicht ist." Das ist natürlich Unfug, es mag das letzte Finale des Trainers gewesen sein, aber es war nicht sein erstes.

Immer gibt es einen billigen Ausweg

Das Verhalten der Münchner kommt nicht überraschend: Größe in der Niederlage, das hat es beim FC Bayern in den vergangenen Jahren nur sehr selten gegeben. Einerseits, weil der Serienmeister eben auch nur sehr selten verliert. Andererseits - und das ist viel entscheidender -, weil die Klubführung die meisten dieser seltenen Niederlagen in herrlich kuschelige Legenden gekleidet hat, die Fans und Spielern immer einen billigen Ausweg boten. Wann hieß es denn einmal, der Gegner habe gewonnen, weil er besser war?

Im Champions-League-Viertelfinale 2017 schied der FC Bayern in der Verlängerung gegen Real Madrid aus. Das kann passieren, aber die Münchner sind damals "beschissen worden" (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge). Vor dem Rückspiel des diesjährigen Halbfinalduells mit den Königlichen verstrickte Rummenigge sich gar öffentlich in Verschwörungstheorien über den Schiedsrichter Cüneyt Cakir, der habe doch schon 2016 beim Halbfinal-Aus gegen Atletico "keine glückliche Figur" abgegeben. Erkennen Sie das Muster?

Dass ein anderes Team über 90 oder 180 Minuten besser ist, das ist einfach nicht mehr vorgesehen im Kosmos Bayern. Immer gibt es eine externe Erklärung für das Scheitern, denn: An uns kann es ja gar nicht gelegen haben. Der Schiedsrichter hat uns verpfiffen! Der sture Italiener hat falsch aufgestellt! Der Hund hat das Siegtor gefressen! Von Angestellten, die in einer solchen Alibi-Unternehmenskultur arbeiten, ist kaum zu erwarten, dass sie im Moment der Niederlage Selbstbewusstsein und Größe zeigen.

Es gibt allerdings Hoffnung: Obwohl nämlich der FC Bayern nur Minuten vorher eine mindestens einmal diskutable Elfmeterentscheidung zu seinen Ungunsten hatte hinnehmen müssen, ordnete Rummenigge den Abend überraschend fair ein: "Eintracht Frankfurt hat verdient gewonnen", sagte er, der Gegner habe "ein Stück mehr Wille in dieses Spiel reingelegt, sie wollten mit aller Gewalt gewinnen."

Wenn das wirklich der nachhaltig neue Ton in München ist, dürfte das die deutlich größere Zäsur sein als der Abschied von Jupp Heynckes. Es wird dem größten deutschen Klub ganz sicher auch wieder neue Freunde bringen.



insgesamt 211 Beiträge
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a.meyer79 20.05.2018
1. Zukunft?
Mit Robben, Ribery, Süle und Kovac? Nächste Saison wird Bayern Meister werden und im Pokalfinale stehen. Die CM werden sie mit diesem Kader aber erneut nicht gewinnen. Hummels ist in den letzten Jahren auch nicht besser geworden und Müller palavert mehr als er Fußball spielt.
tmhamacher1 20.05.2018
2. Endlich!
Endlich durften die Bayern wieder einmal national erfahren, wie sich eine Niederlage anfühlt Danke an die Eintracht!
goethefreund 20.05.2018
3. Die Welt braucht Menschen wie Felix Zwayer
Das Verhalten der Bayern bei der Siegerehrung war grob unsportlich. Begründung: Die Strafstoss-Regel ist sowieso ein Missstand im Fussball-Regelwerk bzw. deren Anwendung und Auslegung muss dringend verändert werden. Es dürfte z.B. nur Strafstoss geben, wenn einem Spieler durch ein Foul oder ein absichtliches Handspiel eine gute oder sehr gute Torchance genommen wird. Ansonsten darf es nur Freistoss geben. In der umstrittenen Situation in der vierten Minute der Nachspielzeit wollen Martinez und Boateng beide zum Ball, Boateng kommt minimal zu spät und trifft Martinez am Fuss. Martinez steht mit dem Rücken zum Tor und ist deshalb in relativ aussichtsloser Position. Wenn Herr Zwayer hier Elfmeter gegeben hätte, dann wäre das ein völlig unangemessener Eingriff ins Spielgeschehen gewesen. Daher war es fachlich und sachlich richtig, hier das nötige Feingefühl zu zeigen und keinen Strafstoss zu geben. Herr Zwayer hat Mut und Charakter bewiesen. Auch in der Situation vor dem 2:1 hat er völlig richtig entschieden: in den an dieser Stelle richtigen Fussball-Regeln steht ganz klar drin, dass nur absichtliches Handspiel geahndet werden muss. Frankfurt hatte zwar auch Glück, da dem 1:0 ein Fehler der Bayern vorausging, aber letztendlich war der Sieg nicht unverdient und daher Gratulation an Eintracht Frankfurt.
cmann 20.05.2018
4. Einfach nur peinlich!
Bei allem Frust als hoher Favorit zu verlieren, das war einfach nur schwach und unsportlich. Es zeugt auch von einer gewissen Selbstüberschätzung wie saie schon im Spiel gegen Stuttgart zu bemerken war. Auch ein FC. Bayern gewinnt Spiele gegen einen hochmotivierten Gegner nicht mit "Links"! Kovac hat mit der taktischen Einstellung seiner Mannschaft den Bayern "den Zahn gezogen" und nicht unverdient gewonnen. Die Jammerei und Ausreden hätten sich Spieler und "Großkopfete" beim FC. Bayern sparen können. Ich bin durchaus ein Fan des FC. Bayern, allerdings gefällt mir die in der letzten Zeit gezeigte Haltung von Verantwortlichen (Ausnahme Jupp Heynckes) und Mannschaft immer weniger. Hier wäre etwas mehr Demut und wenigert Arroganz (Hoeneß und Rummenigge) sehr angebracht.
mucman 20.05.2018
5. Borniert und arrogant
Borniert und arrogant - so kennt man die FCB Fußball Merchandising AG nunmal schon seit Jahrzehnten. "Mia san mia" - keine Motivation und keine Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen. Hoffnung auf Besserung wegen einer einzigen KHR-Äußerung? Ich glaub's eher nicht. 100% treffend ist der Kommentar indes bezüglich der Unternehmenskultur. Der Fisch stinkt nun mal vom Kopf. Und bei einem vorbestraften Spitzen-Duo, das Termini wie Anstand oder Moral nicht mal buchstabieren, geschweige denn definieren kann....
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