0:1-Niederlage bei Atlético Madrid Sie sind wie wir!

Der FC Bayern verliert ein Fußballspiel. Nach acht Siegen unter Carlo Ancelotti bringt die Pleite bei Atlético eine Erkenntnis: Ganz so einfach wird es dann doch nicht. Alles Wichtige zum Spiel.


Ausgangslage: Acht Spiele, acht Siege. Der FC Bayern war bislang durch die Saison gepflügt, ohne dabei große Widerstände zu spüren. Das Gruppenspiel bei Atlético galt deshalb als erste echte Standortbestimmung der Ära Carlo Ancelotti. Die Rojiblancos haben immerhin zwei der vergangenen drei Champions-League-Endspiele erreicht. Und obwohl inzwischen jeder weiß, wie das Team von Trainer Diego Simeone spielt, ist ein zuverlässiges Gegenmittel unbekannt. Von ihren letzten 30 Europapokalheimspielen hatten die Spanier zudem lediglich zwei verloren.

Startformationen:
Atlético: Oblak - Juanfran, Godín, Savic, Filipe Luís - Gabi, Koke - Saúl Ñíguez, Carrasco - Griezmann, Torres
FC Bayern
: Neuer - Lahm, Boateng, Martínez, Alaba - Alonso - Thiago, Vidal - Müller, Lewandowski, Ribéry

Das Ergebnis: 1:0 (1:0) für Atlético. Ja, wirklich! Hier geht's zum Spielbericht.

Vorgeschichte: Wer schon etwas länger dabei ist, denkt an "Katsche" Schwarzenbecks späten Ausgleichstreffer in Brüssel (Mai 1974). Wer neu ist - oder einfach kein besonders gutes Gedächtnis hat - denkt an das Halbfinalduell vor nur fünf Monaten, in dem sich Atlético nur aufgrund der Auswärtstorregel durchsetzte. Das heutige Duell war keines für die Geschichtsbücher.

Die erste Hälfte: Eine knappe Viertelstunde passierte wenig, dann ließ Thomas Müller die beste Gelegenheit der Münchner im gesamten ersten Durchgang aus: Nach starkem Thiago-Pass scheiterte er mit seiner Direktabnahme an Schlussmann Jan Oblak. In der Folge machte Atlético, was Atlético eben macht: wenig Ballbesitz (30 Prozent), intelligentes Pressing, bei Bedarf die bekannte lückenlose Strafraumverteidigung. Offensiv hatten die Spanier obendrein die gefährlicheren Aktionen: Fernando Torres scheiterte je einmal an Javi Martínez (12. Minute), am Pfosten (22.) und dem rutschigen Boden (34.). Besser machte es der Belgier Yannick Carrasco: Mit seiner zweiten guten Möglichkeit traf er mit einem präzisen Linksschuss zum 1:0 (35.). Zu diesem Zeitpunkt dem Spielverlauf angemessen.

Yannick Carrasco erzielt das 1:0 (34.)
REUTERS

Yannick Carrasco erzielt das 1:0 (34.)

Oldies: Vier Änderungen gab's am Mittwoch beim FC Bayern: Mats Hummels, 27 Jahre, Joshua Kimmich, 21, Renato Sanches, 19, Kingsley Coman, 20, rotierten zurück auf die Bank. Jérôme Boateng, 28, Arturo Vidal, 29, Xabi Alonso, 34, und Franck Ribéry, 33, standen in Madrid wieder in der Startelf. Als wollte der 57-jährige Carlo Ancelotti sagen: Wer die Königsklasse gewinnen will, braucht in erster Linie Erfahrung.

Die zweite Hälfte: Kam insgesamt ein bisschen zerfahrener daher und sah den FC Bayern lange in einem seltsamen Zwischenstadium gefangen. Man wollte mehr Risiko, aber keinesfalls weniger Kontrolle. Ancelotti suchte nach dem passenden Schlüssel, brachte Arjen Robben, brachte Hummels, brachte Kimmich. Und Bayern hatte auch seine Möglichkeiten: Müller (50.), David Alaba (56.), Ribéry (76.), Robert Lewandowski (77.), Robben (81.) - alle verpassten den Ausgleich. Atlético kam auf der Gegenseite zunächst nur noch zu Distanzversuchen, später gegen die schwächere Absicherung der Bayern vermehrt zu guten Umschaltgelegenheiten. Die beste Chance zum möglichen 2:0 ließ aber Antoine Griezmann per Foulelfmeter liegen.

Déjà-vu des Abends: Sechs Minuten vor dem Ende stand der französische Nationalstürmer Griezmann dem deutschen Nationaltorwart Manuel Neuer gegenüber - wie zuletzt am 7. Juli in Marseille. Im EM-Halbfinale hatte der Franzose den Strafstoß eiskalt links ins Netz gesetzt, diesmal traf er den Querbalken - was aber nichts mehr daran änderte, dass Griezmann den Platz erneut als Sieger verließ.

Foul des Abends: Arturo Vidal (29 Jahre alt, sehr erfahren) rannte in der 83. Minute komplett übermotiviert an der Strafraumgrenze seinen Gegenspieler Filipe Luís um und schenkte Atlético so den späten Elfmeter. So gewinnt man die Champions League definitiv nicht.

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Bayerns Niederlage gegen Atlético: Kein Durchkommen, kein Punkt

Erkenntnis des Spiels: Wie so oft wenn Mannschaften auf diesem Niveau aufeinandertreffen, machen viele kleine, oft unscheinbare Szenen den Unterschied. Bayern war natürlich auch heute nicht chancenlos, bei Atlético darf man zudem verlieren. So übermächtig die Münchner national auch wirken, so ausgeglichen geht es in der internationalen Oberklasse zu. Das spricht im Zweifel aber viel mehr gegen die Bundesliga als gegen die Bayern.

insgesamt 60 Beiträge
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Attila2009 29.09.2016
1.
Huch ! da war wohl der Gegner doch eine Nummer zu knackig ? Selten so hilflose Bayern gesehen . Atletico hat die wohl bestens sortierte Abwehr der Welt.
verruca 29.09.2016
2. Auf den Punkt!
Zitat: "So übermächtig die Münchner national auch wirken, so ausgeglichen geht es in der internationalen Oberklasse zu. Das spricht im Zweifel aber viel mehr gegen die Bundesliga als gegen die Bayern." Zitatende Chapeau! Besser kann man's nicht ausdrücken! Das war heute für die Münchner ein anderes Spiel als gegen egal wen in den bisherigen Partien dieser Saison. Die Bayern hatten auswärts mehr vom Spiel - die Madrilenen hatten die besseren Chancen. Unter'm Strich ein nicht unverdienter Sieg der Spanier und ein wirklich rassig-hochklassiges Fußballspiel in dem Kleinigkeiten bzw. Zentimeter den Ausschlag gaben. Spannend bis in die 95. Minute! Kampf, Taktik, Technik ... da war alles dabei, was ein Fußballerherz sich so wünscht. Und jetzt erzähle mir keiner der ewig und unbelehrbar über monetäre Chancencenungleichheit nölenden BuLi-Zweitklässler, dass Atletico das nur mit einem Ensemble von Weltstars hingekriegt hätte! Schalke, Leverkusen, Wolfburg, etc. stehen dem AM Kader in nichts nach!
sonntag500 29.09.2016
3. Das ist aber Schade für Bayern München ...
... aber zeigt es das alte Problem: national können sie zehn, 15, 20 Punkte in der Tabelle führen und Deutscher Meister werden, aber international bedeutungslos bleiben. Das ändert nichts, nur weil der neue Trainer anders ist, als der vorige. Bayern München ist eben nur eine Heimmannschaft und da täuschtt auch kein 5:0 gegen eine schwache Truppe aus Rostow hinweg.
bernhard29 29.09.2016
4. Mehr kann Bayern München nicht
Eigentlich waren die Bayern mit dem null zu eins sehr gut bedient. Fast alle Zweikämpfe verloren, konzeptlos ohne Struktur über das gesamte Spiel hinweg. Das einzige waren üble Fouls um den schnellen Gegner zu stoppen. Einige rote Karten wären angebracht gewesen, aber bei Bayer München ist das so eine Sache was das durchgreifen des Schiedsrichters anbelangt. Dies sieht man ja jede Woche bei ihrem Bundesliga Auftritt.
brotherandrew 29.09.2016
5. Hoffentlich ...
... ein Dämpfer zur rechten Zeit. Wobei ich jetzt schon dem Guardiolafussball nachtrauere. Der FCB hat mich als Fan gestern nicht überzeugt.
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