Bayerns nächster Kantersieg gegen den HSV "Das ist kein Fußball, den ich sehen will"

Same procedure as every year: Der HSV holt sich seine Klatsche in der Münchner Arena ab, der Abstieg wird immer wahrscheinlicher. Trainer Hollerbach war schon nach 20 Minuten bedient. Darf er weitermachen?

Arjen Robben (M.) im Duell mit zwei Hamburgern
REUTERS

Arjen Robben (M.) im Duell mit zwei Hamburgern

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Zahl des Tages: Sechs. Diesmal "nur" sechs Gegentore für den Hamburger SV. So absurd das klingt - damit lagen die Norddeutschen am Ende sogar knapp unter dem Schnitt (6,3) der vergangenen sieben Jahre. Der Trend zeigt für den HSV also aufwärts.

Das Ergebnis: 6:0. Der FC Bayern verprügelt den Hamburger SV. Alles wie immer. Hier geht's zur Meldung.

Die erste Hälfte: "Uns gegenseitig helfen, dass wir die Flügel dicht kriegen." Das hatte HSV-Trainer Bernd Hollerbach vor dem Spiel gefordert, es klappte aber nur sieben Minuten lang. Dann setzte sich auf dem rechten Flügel (!) Robert Lewandowski durch, Gotoku Sakai grätschte den Ball unglücklich in den Lauf von Franck Ribéry, der wiederum HSV-Keeper Christian Mathenia umkurvte und zum 1:0 einschob. Ab hier nahmen die Dinge ihren erwarteten Gang.

Franck Ribéry trifft zum 1:0
AFP

Franck Ribéry trifft zum 1:0

Ungleiches Duell: Nach nicht einmal 20 Minuten war dieses Bundesligaspiel entschieden - weil Lewandowski machte, was Lewandowski eben so macht: seine Saisontreffer 21 und 22. "Und dann war das Spiel gelaufen", sagte Hollerbach nach Spielende. Kurz vor dem Abpfiff legte Lewandowski sogar noch einmal mit der Nummer 23 nach. Zur Einordnung: Alle HSV-Profis zusammen haben in der aktuellen Saison fünf Treffer weniger erzielt als der polnische Torjäger des FC Bayern.

Auf den Punkt: Sky-Experte Lothar Matthäus wurde nach einer knappen halben Stunde für eine kurze Einschätzung zugeschaltet. So schwach seine Konsonanten, so scharf sein Urteil über den Tabellenvorletzten. "Sie verdeidigen naiv. Oder sie verdeidigen gar nicht", sagte Matthäus. Er wirkte nicht wütend, sondern seltsam enttäuscht. "So spielt ein dybbischer Absteiger." Recht hatte er.

Umstellung: Ein Spiel, in dem ein Trainer nicht mehr viel richtig machen kann? Au contraire! Hollerbach nahm nach nur 24 Minuten Dennis Diekmeier vom Feld, beorderte stattdessen Sakai auf die rechte Abwehrseite, auf der David Alaba und Ribéry sich zuvor ausgetobt hatten. Das stabilisierte die HSV-Defensive, wenn auch auf weiter niedrigem Niveau.

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Bundesliga: Die nächste Klatsche

Die zweite Hälfte: Begann wie die erste - mit einem frühen Bayern-Tor. Robben drosch den Ball nach einem Fehler von Rick van Drongelen ins Netz. Der - Spoiler-Warnung! - Deutsche Meister 2018 verwaltete seine Überlegenheit locker ins Ziel. Ribéry krönte seinen starken Auftritt noch mit einem sehenswerten Dribbling zum 5:0. Gegen richtige Gegner wäre das allerdings deutlich schwerer gewesen als gegen das Trio Josha Vagnoman, Gideon Jung und Kyriakos Papadopoulos. (Vagnoman? Wer?)

100: Lewandowski brachte schließlich in der Nachspielzeit seinen zweiten (!) Foulelfmeter im Netz unter. Und durfte damit doch noch sein Jubiläum feiern.

Und nun? "Die Art und Weise", sagte Hollerbach nach dem Spiel am Sky-Mikrofon, "das ist kein Fußball, den ich sehen will. Man kann verlieren, aber dann muss man auch zur Sache gehen." Das als fußballerischer Ausblick auf die kommenden Wochen.

Bernd Hollerbach (2.v.l.)
AFP

Bernd Hollerbach (2.v.l.)

Abschiedstour: Acht Spiele bleiben dem HSV noch, um den ersten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte irgendwie abzuwenden. (Spoiler: Das wird diesmal nicht klappen.) Welcher Trainer aber darf/soll/muss den HSV über die Schwelle begleiten? Hollerbach, der auch im siebten Anlauf ohne Sieg blieb? "Stand heute halte ich einen Trainerwechsel nicht für möglich", hatte Frank Wettstein, der neue - kommissarische - Vorstandschef des Tabellenvorletzten, noch am Donnerstag betont. Das ist allerdings auch schon wieder zwei Tage und sechs Gegentore her.

Bayern München - Hamburger SV 6:0 (3:0)
1:0 Ribéry (8.)
2:0 Lewandowski (12.)
3:0 Lewandowski (19.)
4:0 Robben (55.)
5:0 Ribéry (81.)
6:0 Lewandowski (90. Foulelfmeter)
München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba - Martinez, Vidal (45. Tolisso, 65. Rudy) - Robben (63. Robben), Müller, Ribéry - Lewandowski
Hamburg: Mathenia - Diekmeier (24. Janjicic), Sakai, Papadopoulos, van Drongelen, Santos - Jung, Walace (70. Vagnoman) - Hunt (87. Jatta) - Kostic, Schipplock
Schiedsrichter: Christian Dingert
Gelbe Karten: Vidal / Van Drongelen, Santos
Besonderes Vorkommnis: Lewandowski verschießt Foulelfmeter (86.)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
jens20505 10.03.2018
1. Wird ...
... mal wieder Zeit für ein Grillfest oder freien Eintritt für alle beim nächsten Heimspiel so als Entschuldigung für Null-Fussball.
retterdernation 10.03.2018
2. 50:3 Tore
haben die Münchner Zuschauer in den vergangenen acht Heimspielen gegen den HSV gesehen. Was eine Belustigung ist das denn - man geht völlig tiefen-entspannt ins Stadion und weiß schon beim Ticketkauf, also Wochen, Monate vorher, in diesem Fall muss man schon von Jahren sprechen: heute gibt es ein Schützenfest. Seufz - was eine Lebensfreude - von der man aus Berliner Sicht nur träumen kann. Immerhin ein Punkt für den Klassenerhalt. Kommende Woche erwarten die Fans in der Hauptstadt maximal mehr - da beim Uhren-Dino :-))) alles andere wäre die Mega-Blamage ...
jujo 10.03.2018
3. ...
Neuer Trainer? Aus der Gurkentruppe könnte selbst Heynckes bis zum Saisonende keine wettbewerbsfähige Truppe mehr machen. Mir blutet das Herz, aber lieber HSV, seht der Tatsache ins Auge und fangt ab Morgen an für die zweite Liga zu planen und den möglichen (?) direkten wieder Aufstieg.
Europa! 10.03.2018
4. Was soll das heißen?
"Zur Sache gehen", weil man die schlechtere Mannschaft ist und verliert? Soll das heißen, man soll gute Fußballspieler foulen und ihnen womöglich schwere Verletzungen beibringen, weil einem die spielerischen und taktischen Mittel fehlen? Das sind Sprüche, die ich nicht hören möchte. 2 Elfmeter in sechs Minuten sind zwei zu viel.
garfield53 10.03.2018
5. mmm
Das ist Realität 2018. Es gibt keinen Verein in Deutschland, welcher aufgrund einer medial hochgepushten Tradition, seit Jahren wegen akuter Führungsschwäche und gravierender Mittelmäßigkeit, durch die Liga gezogen wird, wie den HSV. Die Vereinsführung und der Großteil der Fans leben in einer Parallelwelt , "Gott, der Klabautermann oder der Schiri" wird´s schon richten. Es ist vorbei, da helfen auch kosmetische Operationen nicht mehr und auch Kühne hat seinen Anteil daran, das der Irrglaube die Vereinsführung übernahm, sein Geld wird den HSV retten. Schon vor Jahren hätte ein tiefer Schnitt zwischen Wahn und Wirklichkeit gemacht werden müssen, nur war das gegen obskure Interessen der Medien, falscher Freunde und Berater und seltsamer Interessenverbände, wie 11Freunde oder Faszination Fankurve, welche wider besseren Wissens aggresiv medial die Fiktion vom heilen Traditionsverein haben weiter wie ein Irrlicht schweben lassen. Stuttgart hat gezeigt, wieweit gesunder Realitätssinn neue Erfolge erzielen kann. Nur scheint man in Hamburg Kaiserlautern folgen zu wollen und nach unten rollt der Zug schneller. Das liegt weder an der wirtschaftlichen Lage und an der Existenz von RB Leipzig und Hoffenheim, oder der dominanten wirtschaftlichen, verbandspolitischen Sondermachtstellung des FCB, auch der BVB ist noch nicht in ruhigen Gewässern. Aber diese Vereine haben gezeigt, das mit viel oder auch weniger Geld mit einer klaren Strategie und der Bündelung von Vereins- und Mannschaftsinteressen Erfolge erzielt werden können. Nur der Glauben an tote Helden und eine glorreiche Vergangenheit, das wird nichts. Spart Euch den Strom für die Totenuhr, das Geld ist für andere Dinge wichtiger.
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