Bayern-Sieg gegen Bremen Frühlingsgefühle in München

Es war ein lockerer Spaziergang. Aber nach dem höchsten Saisonsieg des FC Bayern in der Bundesliga denken alle Münchner schon an die nächste Prüfung: Juventus.

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Aus München berichtet Florian Kinast


Gemächlich schlenderten sie nach Abpfiff über den Platz. Philipp Lahm und Medhi Benatia lächelten versonnen vor sich hin, neben ihnen steckten Thomas Müller und Joshua Kimmich lässig die Hände in die Taschen ihrer wärmenden Jacken, die sie sich nach ihrer Auswechslung übergeworfen hatten. Wie die Spieler des FC Bayern in diesem Moment kollektiv über den Rasen schlurften, das war ein entspannter Spaziergang an einem Samstagabend, der harmonische Ausklang eines gemütlichen Arbeitstags, an dem sie ohne großen Aufwand Werder Bremen 5:0 abgefertigt hatten.

Es war nach dem gleichen Ergebnis gegen den anderen hanseatischen Bundesligisten zum Saisonauftakt, den HSV, der höchste Saisonsieg der Bayern - und gleichzeitig ein Spiel, das nur wenige Minuten nach Spielende schon keinen mehr interessierte.

Um 20 nach 8 war Samstagabend gegen Bremen Schluss. Spätestens ab halb neun dachten alle nur noch an Mittwoch. An Juve in der Champions League.

Wie immer gab es anstandshalber zunächst noch einige nette Worte in Richtung Verlierer. David Alaba etwa meinte, Bremen habe es den Bayern schwer gemacht, was eine hanebüchene Lüge war, denn gegen keine Mannschaft taten sich die Münchner in dieser Saison leichter als gegen die wehrlosesten Werderaner aller Zeiten. Je zweimal Thiago und Müller, einmal Lewandowski, ein erfrischend schonendes Aufwärmprogramm vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Juventus.

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Franck Ribéry, der mit einem Volleyschuss aus 20 Metern fast ein Tor für die Ewigkeit erzielt hätte - nach der Parade von Torwart Wiedwald staubte Müller immerhin zum 3:0 ab - meinte hingegen offen und ehrlich: "Das hat ein bisschen Spaß gemacht, für uns und für die Zuschauer." Ob es am Mittwoch auch so lustig wird? Zumindest wird es sicher spannender. Ribéry sprach von der Erfahrung der Juve-Spieler, von der Mentalität italienischer Mannschaften und von der Gefährlichkeit der Turiner Konter: "Da müssen wir uns dann richtig konzentrieren." Gegen Bremen war das ja nicht zwingend nötig.

Zwingend nötig aber war ein Erfolgserlebnis wie das von Samstagabend für die Bayern allemal nach den letzten drei Wochen. Nach dem 2:2 im Hinspiel in Turin und der dort verspielten 2:0-Führung. Nach dem 1:2 daheim gegen Mainz. Nach einem auch nicht ganz erfreulichen 0:0 in Dortmund. Und nach einem Ausflug von Pep Guardiola Anfang der Woche nach Amsterdam, wo er sich mit Txiki Begiristain traf, dem Sportchef seines künftigen Klubs Manchester City; ein Kurztrip, der Fragen aufgeworfen hatte, ob Guardiola gedanklich vielleicht schon in England sei. Ein Ausrutscher gegen Bremen, und es hätte doch noch ein wenig unruhig werden können, ausgerechnet vor dem so wichtigen Juve-Mittwoch.

Franck Ribéry
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Franck Ribéry

Guardiola selbst antwortete eher ausweichend auf die Frage, ob er sich schon einmal Gedanken gemacht habe, dass dies sein letztes Champions-League-Spiel für die Bayern sein könnte. Lieber sagte er, man müsse intelligent spielen, und dass man vorsichtig sein müsse gegen die Italiener, das war aber nicht wirklich eine erhellende Neuigkeit.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Gaudi-Kick gegen Bremen war dagegen, dass in den kommenden Wochen auch auf jene Spieler, denen zuletzt der Stammplatz Ersatzbank wenig behagte, wieder zu zählen ist. Auf Thiago ebenso wie auf Mario Götze oder auch Sebastian Rode. Auch Javier Martínez ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, was im Moment für ganz neue Frühlingsgefühle an der Säbener Straße sorgt.

In den vergangenen beiden Jahren verabschiedete sich in der entscheidenden Phase der Saison ein Stammspieler nach dem anderen in den Krankenstand. "Jetzt aber kommen die verletzten Spieler gerade rechtzeitig wieder zurück", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, "gut, dass der Trainer jetzt wieder so viele Spieler an Bord hat." Um Kurs zu nehmen auf das mögliche Triple.

Die Meisterschaft scheint zumindest entschieden, fast amüsant klang es, als Rummenigge meinte, dass man mit dem 5:0 "auch etwas fürs Torverhältnis getan" habe, angesichts von plus 17 Toren und acht Punkten gegenüber Dortmund (vor dem Mainz-Spiel am Sonntag) ein bemühter Versuch, das Titelrennen noch einmal spannend zu reden. Am schwersten wird sicher die Champions League, mit dem Ziel, nach dem Achtelfinal-Erfolg gegen Juve zum fünften Mal in Serie das Halbfinale zu erreichen und am besten auch das Endspiel.

Das Endspiel im DFB-Pokal zu erreichen, das wird dafür gar nicht schwer. Das Halbfinale Mitte April wird ganz leicht. Daheim. Gegen Bremen.



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Institutsmitarbeiter 13.03.2016
1. Tolles Spiel
von Bayern. Ich zitiere mal den SPON Liveticker, der sehr unterhaltsam vom Spiel berichtete. Sehr empfehlenswert. " Das Spiel ist beendet. Die Bayern gewinnen für Bremen etwas schmeichelhaft mit 5:0. In der Französischen Revolution, auf dem Weg zum Schafott, waren die Überlebenschancen größer als die der Bremer heute in München. Einseitig trifft es nicht ganz, wenn man das Spiel charakterisieren will.Greift eindeutig zu kurz." " Sie könnten das gesamte Spiel aufzeichnen, die Tore ausschneiden und als Bildschirmschoner in Dauerschleife laufenlassen. Und trotzdem wäre kein Bremer am Ball." Ich habe eine 11-minütige Zusammenfassung gesehen und Bremen hatte wirklich nie den Ball. Tolle Fußballkunst von Bayern.
brainstormerene 13.03.2016
2.
juventus am mittwich ist nur sparingspartne und hat keine chance gegen einen fc bayern in nornalform. im viertelfinale dann bitte real madrid un real der letzten titelchance berauben . auf die langen gesichter in madrid freue ich.mich jetzt schon wenn sie von der kuenstlertruppe des fc bayern gedemuetigt werden..
romeov 13.03.2016
3. Mittwoch kann kommen
...das Training gestern war schon einmal erste Sahne!
hanswurst3838 13.03.2016
4. Nein...
...falls es Mittwoch klappt mit dem Weiterkommen, sollte Bayern im Viertelfinale auf Wolfsburg treffen. Die sind mit Abstand der leichteste Gegner und haben in der Champions League im Grunde nichts verloren...
MarkusW77 13.03.2016
5.
Ich ahne böses... Bayern wird Juve abfertigen. Leider.
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