Von Benjamin Knaack
Franck Ribéry war nicht zu halten. Der französische Mittelfeldspieler schnappte sich den 52 Zentimeter hohen, knapp 100.000 Euro teuren Pokal und sprintete grinsend durch das Berliner Olympiastadion. Seine Mitspieler sahen ihm lachend hinterher und ließen den Flügelspieler gewähren - schließlich war es der erste DFB-Pokalsieg für Ribéry.
Der unterlegene Gegner hieß damals, 2008, Borussia Dortmund. Zwei Tore von Luca Toni - eines davon in der Verlängerung - sorgten für den Bayern-Sieg über den BVB. Es war das bislang einzige Mal, dass beide Teams im Endspiel des Pokal-Wettbewerbs aufeinandertrafen. Am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird sich das Duell wiederholen.
Die Vorzeichen sind diesmal andere: Meister Dortmund hat in der Liga beide Spiele gegen die Münchner gewonnen, saisonübergreifend waren es zuletzt vier Siege in den Duellen in Serie. "Wenn man viermal verliert, hat man eine gewisse Wut im Bauch", sagt denn auch FCB-Nationalspieler Thomas Müller. Man wolle Dortmund zeigen: "Es geht jetzt nicht die nächsten fünf Jahre so weiter."
Bayern mit guten Nerven in K.o.-Spielen
In K.o.-Spielen haben die Bayern zuletzt gerade in der Champions League gute Nerven bewiesen. Zudem ist ein DFB-Pokal-Sieg für die Münchner mittlerweile fast so selbstverständlich wie es der Gewinn der Deutschen Meisterschaft bis vor kurzem war - vor dem Erstarken der Dortmunder. 15-mal konnte der FCB den Pott in die Höhe stemmen. Rekord.
Ansonsten war die Beziehung der Dortmunder zum Pokalwettbewerb bislang eher gestört. Allzu häufig strich der BVB bereits in den ersten Runden die Segel. Dem diesjährigen Finaleinzug und der Endspiel-Niederlage 2008 stehen in den vergangenen zehn Jahren sechs Pleiten in der ersten oder zweiten Runde gegenüber.
Beide Mannschaften blamierten sich schon oft im Pokal
Den BVB-Profis dürfte vor allem die Blamage gegen Kickers Offenbach noch gut in Erinnerung sein: In der vergangenen Saison düpierte der Drittligist das Team von Jürgen Klopp: 0:0 stand es nach 120 Minuten, im Elfmeterschießen wurde dann Kickers-Torhüter Robert Wulnikowski zum großen Helden. Er hielt die Versuche von Lucas Barrios und Robert Lewandowski, Offenbach siegte am Ende 4:2.
Die Pleite gegen die Kickers war längst nicht die einzige Blamage. Auch der damalige Zweitligist Eintracht Braunschweig (2005) und das Reserveteam des VfL Wolfsburg (2001) warfen den BVB schon aus dem Wettbewerb. Insgesamt scheiterte der BVB in seiner DFB-Pokal-Geschichte elfmal in der ersten Runde und elfmal in der zweiten.
Ganz anders liest sich die Bilanz des FC Bayern, die man einfach in dieser Länge ausführen muss, um die Pokal-Dominanz des FCB zu unterstreichen. 2011: Halbfinale, 2010: Sieger, 2009: Viertelfinale, 2008: Sieger, 2007: Achtelfinale, 2006: Sieger, 2005: Sieger, 2004 Viertefinale, 2003: Sieger, 2002: Halbfinale.
Dortmunds Bilanz gegen die Bayern ist negativ
Doch auch die Bayern haben ihre dunklen Pokalflecken. Beim Namen TSV Vestenbergsgreuth dürfte es so manchen FCB-Fan noch gehörig schütteln. Der Verein aus der Regionalliga warf die Stars um Lothar Matthäus 1994 in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. "Oliver Kahn hat verdutzt dagestanden, Lothar Matthäus hat sich vor Schreck die Hand vor den Mund gehalten", sagte der Torschütze des einzigen Tores, Roland Stein, später der Tageszeitung "tz".
Für viele waren es die schönsten Pokal-Geschichten, wenn kleine Clubs die großen Bayern rauswarfen: Namen wie Alemannia Aachen (2:4 im Achtelfinale 2007), FV Weinheim (0:1 in der ersten Runde 1990/1991) oder FC 08 Homburg (2:4 nach Verlängerung in der zweiten Runde 1991/1992 und 1:3 in der dritten Runde 1977/1978) sorgen bei FCB-Anhängern für Kopfschütteln - und bei den Fans anderer Clubs für schadenfrohes Grinsen.
Von solchen Blamagen blieben beide Teams in dieser Spielzeit verschont - auch wenn sich Dortmund im Achtelfinale erst im Elfmeterschießen gegen Zweitligist Fortuna Düsseldorf durchsetzte und sich gegen Fürth durch die Verlängerung des Halbfinals quälen musste. Erst in letzter Minute zog der BVB durch ein Tor von Ilkay Gündogan ins Endspiel ein. Bayern hielt sich gegen Eintracht Braunschweig (3:0), Ingolstadt (6:0) und Bochum (2:1) schadlos.
Dortmunds Bilanz im DFB-Pokal gegen die Bayern ist negativ. Neben der Niederlage 2008 verlor der BVB auch 1981/1982 (0:4, dritte Runde) und 1965/1966 (0:2 in der Qualifikationsrunde). Einmal konnten die Schwarz-Gelben immerhin gewinnen: 1992/1993 setzte sich Dortmund in der zweiten Runde 7:6 nach Elfmeterschießen durch.
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