Bayerns Sieg im Supercup Die Rache der alten Männer

Niko Kovac hat schon wieder alles richtig gemacht: Beim Sieg der Bayern im Supercup nutzte er gegen seinen alten Klub Eintracht Frankfurt genau jenen Frust der Spieler, den er selbst entfacht hat.

Robert Lewandowski (r.) uns Thomas Müller
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Robert Lewandowski (r.) uns Thomas Müller

Von Christoph Leischwitz


Niko Kovac hatte noch ein wenig Konfetti auf der Schulter, als er die Pressekonferenz am späten Sonntagabend beendete. Seriös dreinblickend legte er die Fingerspitzen der beiden Hände aufeinander, dann überbrachte er eine schlechte Nachricht für die Bundesliga: "Ich glaube, dass die Trotzreaktion heute zu sehen war. Und in der ganzen Saison zu sehen sein wird."

Gemeint waren die Nationalspieler seiner Mannschaft, die sich nach dem Ausscheiden bei der WM rehabilitieren wollen, die sich "gegenseitig pushen", wie Kovac sagte. Denen müsse man gar nichts sagen. Fast so, als ob er als neuer Trainer des FC Bayern München gar nichts dafür kann, dass die Mannschaft im DFL-Supercup Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion mit 5:0 demontierte.

Damit schlug Kovac natürlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn somit wäre er ja auch gar nicht für die Blamage seines ehemaligen Klubs verantwortlich. Er bemühte sich auch, seinen Freunden bei der Eintracht noch eine gute Nachricht zu übermitteln: Der neue Trainer Adi Hütter habe "ein gutes Fundament. Ich bin zuversichtlich, dass Frankfurt eine gute Saison spielen wird", so Kovac.

"Jeder will sich anbieten"

Die Nationalspieler der Bayern lagen sich nach der Partie zwar nicht freudetrunken in den Armen, aber kurze Gesänge aus der Gästekabine waren nach der Siegerehrung schon zu hören. "Wir wollten heute ein Zeichen setzen. Und nach einem 2:0 oder 3:0 auch durchziehen", sagte Thomas Müller. Das habe Spaß gemacht. Es hörte sich an wie: Ihr lernt uns jetzt alle noch einmal so richtig kennen. Laut Müller hat aber Niko Kovac sehr wohl etwas mit der guten Frühform der Spieler zu tun: "Die Motivation ist sehr hoch, jeder will sich anbieten."

Der WM-Stachel mag tief sitzen. Aber eigentlich waren die deutschen WM-Ausscheider gar nicht die entscheidenden Protagonisten des Abends, auch wenn Joshua Kimmichs butterweiche Flanke vor dem 1:0 eine "Topaktion war, die das Spiel öffnete", wie Kovac sagte. Es gibt noch andere Gründe, wieder Gas zu geben. In Wahrheit dürfte Kovacs 3:1-Pokalsieg mit Frankfurt gegen Bayern vor knapp drei Monaten ebenfalls ein Stachel sein, den sich die Spieler ziehen wollten. Die Startelf war voll mit bewährten Kräften wie Arjen Robben und Franck Ribéry, die es laut Kovac alle noch einmal wissen wollen. Insgesamt neun Spieler, die auch in Berlin im Finale standen, waren von Beginn an dabei.

Zweitens gab es da noch einen anderen WM-Ausscheider, einen polnischen, der obendrein im Frühjahr besonders schwere Wochen beim FC Bayern verbracht hatte: Ausgerechnet Robert Lewandowski erzielte die ersten drei Tore des Spiels (21., 26., 54.). "Das war eine super Antwort auf egal welche Fragen und Attacken", sagte Müller über Lewandowskis Dreierpack.

Lewandowski erinnerte an seine besten Tage

Der Stürmer, der drei Tage vor dem Bundesliga-Start gegen TSG Hoffenheim 30 Jahre alt wird, war im Frühjahr von Bayern-Fans kritisiert worden, weil er in entscheidendenChampions-League-Spielen nie treffe. Später rankten sich Wechselgerüchte um ihn, Lewandowski wollte weg. Am Sonntagabend aber blühte er wieder auf. Ihm war es sogar gelungen, in David Abraham einen Gegenspieler dermaßen zu nerven, dass dieser sich bisweilen nur noch mit Tätlichkeiten zu helfen wusste. Lewandowski musste viel einstecken. Und dass ihn das nicht hemmte, erinnerte an seine besten Tage.

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Niko Kovac: Zwei Spiele, zwei Titel

Es war auch sonst vieles wie früher: Arjen Robben beackerte fleißig die rechte Seite, wenngleich etwas defensiver als sonst. Franck Ribéry harmonierte gut mit David Alaba bis zu dessen humpelndem Abgang - das 5:0 durch Thiago fiel dann noch in Unterzahl. Die noch nicht diagnostizierte Verletzung des Österreichers trübte am Sonntag die Stimmung in der Kabine ein wenig. Mats Hummels ließ nichts anbrennen, auch auf Kosten einer dunkelgelben Karte. Manuel Neuer wirkte wieder wie ein ruhender Pol, der kaum gefordert war, aber so konzentriert am Spielaufbau mitwirkte wie eh und je.

Eine Personalie ist noch nicht geklärt

Kurz: Die alten Bayern sind in alter Qualität und fast in derselben Besetzung zurück, in der sie jahrelang die Liga dominierten. Es gibt keinerlei Anzeichen, warum sich das ändern sollte, zumal die Jüngeren den Konkurrenzkampf hochhalten - und der junge Trainer Kovac nun seine Pflichtspiel-Feuertaufe bestanden hat. "Wir freuen uns für Niko, dass er so einen Start in die Saison hat, das erleichtert vieles", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Eine Personalie ist allerdings noch nicht geklärt: Bleibt Jérôme Boateng nun in München oder nicht? Sein vermeintlicher Lieblingsklub Paris Saint-Germain hat in Thilo Kehrer ein überraschend junges Talent von Schalke 04 verpflichtet, der englische Transfermarkt ist bereits geschlossen. Die Bayern-Vereinsspitze würde ihm zwar keine Träne nachweinen. Doch wie einige andere Spieler würde sich auch Thomas Müller freuen, wenn Boateng bliebe. "Jérôme ist ein ganz wichtiger Spieler", sagt Müller über den Verteidiger, der offiziell in Frankfurt wegen einer Verletzung fehlte. Bliebe er, dann wäre die alte Garde komplett.



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honnzo 13.08.2018
1. Leichtathletik
Alles was im Ersten Programm die Leichtathletik geboten hat war Spannender Frischer und Unterhaltsamer als dieses Fußballspiel
kritischer-spiegelleser 13.08.2018
2. Deutschland international doch nicht Spitzenklasse.
Die Bundesliga scheint wohl das Niveau der "großen" Mannschaften nicht erreicht zu erreichen. Bayern ist bundesweit gut, aber bei internationalen Vergleichen gehen Bundesligaspieler eben baden! Werden deklassiert!
frietz 13.08.2018
3.
Stimmt, Alaba und Lewa waren nur durchs Anschauen so verletzt. Frankfurt darf sich warm anziehen. Warum genau musste Frankfurt seine Leistungsträger abgeben? Wurden die gezwungen, die zu verkaufen? Das sind ja Zustände in Frankfurt, die sind wirklich arm dran. Einmal Trauer und eine Träne, bitte.
stoffi 13.08.2018
4.
Die Frankfurter täten gut daran, im Training das Ballspiel zu üben und nicht, wie man ohne eine Karte zu bekommen, den Gegner um tritt haut. Abraham hat sicher die falsche Sportart gewählt. Die Frankfurter Fans sollten sich schämen, nun dieses Getrete auch noch schön reden zu wollen. Ja, auch Hummels hätte rot bekommen müssen, aber er hat zumindest seinen Gegner nicht,, kampfunfähig" getreten und das Lewa noch alle Zähne hat, ist ein glücklicher Zufall.
scooby11568 13.08.2018
5. @3 also Bayern ist international Spitzenklasse...
Der Rest der Liga hoffentlich auch bald mal wieder
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