Bayerns Erfolg im Supercup Spielverderber

Borussia Dortmund muss sich nach vielen Abgängen neu erfinden. Im Supercup gegen den FC Bayern München gelang das auf Anhieb. Am Ende setzte sich aber wieder die Klasse des Rekordmeisters durch.

Aus Dortmund berichtet


Es war beinahe schon Mitternacht, als die Münchner Profis Thomas Müller, Manuel Neuer und Joshua Kimmich sich vor einer Treppe in den Tiefen des Dortmunder Stadions zu einer kleinen Plauderrunde mit Mario Götze trafen.

Es wurde gescherzt und gelacht, ganz offensichtlich mögen sich diese Jungs, auch wenn Götze seit zwei Wochen wieder das Trikot des großen Rivalen aus Dortmund trägt. Wer nur diese Szene nach dem glücklichen 2:0-Sieg des Rekordmeisters beim BVB gesehen hatte, konnte glauben, dass tatsächlich eine neue Freundschaft zwischen dem BVB und den Bayern entsteht. Auch der Münchner Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete das Verhältnis ja gerade erst als "entspannt und vernünftig".

Aber dieser Eindruck täuschte. Das Duell der beiden besten Bundesligisten war wie so oft geprägt von großen Emotionen, von Provokationen und Diskussionen, die am Ende in einem Wutausbruch Rummenigges gipfelten. Dass der soeben aus Dortmund nach München gewechselte Mats Hummels bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen worden war, stieß Bayerns Klubchef übel auf: "Das ist eine Katastrophe. Undank ist der Welten Lohn. Da hat er acht Jahre seine Knochen hingehalten, und das ist der Dank."

Rummenigges Auftritt vor den Berichterstattern erweckte den Eindruck, als bewegten ihn die Pfiffe der Zuschauer mehr als der Sieg und der erste Titel für den neuen Trainer Carlo Ancelotti. Und die Dortmunder schimpften über Franck Ribéry und den Umgang der Schiedsrichter mit dem Verhalten des Franzosen.

Wieder Ärger mit Ribéry

Wie bereits im Pokalfinale vor zwölf Wochen hatte Ribéry sich zu einer eindeutigen Tätlichkeit hinreißen lassen. Und wieder kam er ohne Platzverweis davon. "Wir haben jedes Jahr eine Regelschulung, werden eine Stunde lang von Schiedsrichtern bequatscht, und immer heißt es: Wenn der Ellenbogen draußen ist, gibt es Rot. Das war jetzt wieder so", schimpfte Gonzalo Castro. "Wir packen uns alle an den Kopf, aber was sollen wir machen?"

Die Begegnungen zwischen dem BVB und den Bayern bleiben also auch nach einem Sommer der angeblichen Annäherung und den sehr professionell abgewickelten Transfers von Hummels und von Sebastian Rode sowie Götze ins Revier eine giftige Angelegenheit. Wobei sich schon einiges geändert hat im Vergleich zur Vorsaison.

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Fotostrecke: Müller wieder treffsicher, Götze wieder auf der Bank

So gewannen die Münchner, obwohl sie weniger Ballbesitz hatten, das wäre unter dem alten Trainer Josep Guardiola noch undenkbar gewesen. "Das ist ungewöhnlich, die Dominanz, die wir öfter schon gegen Dortmund hatten, hat heute gefehlt", sagte Neuer und lächelte zufrieden. Ancelotti betont seit seinem Amtsantritt ja immer wieder, dass er "nicht viel verändern" wolle, "die Mannschaft ist schon sehr stark", sagte er am Sonntagabend. Aber schon diese Haltung ist eine gravierende Neuerung gegenüber der Ära des fanatischen Optimierers Guardiola.

In der vergangenen Saison waren die Dortmunder und die Münchner sich fußballerisch immer ähnlicher geworden: ultraflexibel, immer auf der Suche nach Innovationen, und einem tiefgründig durchdachten Erfolgsplan. Nun zeigten sich schon in der Herangehensweise an dieses erste Pflichtspiel deutliche Unterschiede. Thomas Tuchel setzte bis auf Torhüter Roman Bürki alle EM-Teilnehmer auf die Bank, Götze wurde nicht einmal eingewechselt, er wollte eine möglichst fitte Mannschaft, die schon viele Trainingseinheiten absolviert hat, sagte er. Ancelotti dagegen nominierte einfach seine renommiertesten Stars, und lange schien es, als habe Tuchel die schlauere Strategie gewählt.

Rode, Bartra und Dembélé: Dortmunds Neue glänzen

Der BVB erfreute seine Fans mit einer starken ersten Hälfte, der neue Innenverteidiger Marc Bartra spielte gute Pässe in die Spitze, der junge Felix Passlack wirbelte auf der rechten Seite, und Castro bildete mit Rode eine umsichtige Doppesechs. "Wir hatten eine gute Energie auf dem Platz, haben viele Phasen dominiert, viele Torchancen herausspielen können", sagte Tuchel, der die Niederlage insgesamt als "unglücklich und nicht verdient" empfand.

Der FC Bayern hingegen wirkte erschöpft, Hummels unterliefen mehrere Fehlpässe und Stellungsfehler, eine Stunde lang hatte der Rekordmeister kaum eine gefährliche Offensivaktion und agierte hinten erschreckend unstabil. "Wir waren defensiv noch nicht ganz auf der Höhe, wie wir das wollen", sagte Müller, aber Shinji Kagawa, Pierre-Emerick Aubameyang und der offensiv starke, defensiv aber bisweilen etwas sorglose Ousmane Dembélé verschwendeten auch die besten Möglichkeiten. Bis dann Arturo Vidal (58. Minute) und Müller (79.) kamen und die Partie entschieden.

In Dortmund beginnt ein neues, spannendes Projekt mit vielen aufregenden und unbekannten Fußballern, während die Bayern nicht mehr als Labor für neue Fußballerfindungen, sondern als unangefochtener Souverän agieren wollen. Und dieser Titel, den Guardiola in drei Versuchen nicht gewinnen konnte, war zwar wenig begeisternd, ist aber ein hübscher Beginn für die neue Ära, die Ancelotti prägen soll.

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Seite 1
marinero7 15.08.2016
1. Triple 2.0
Damit hat der FCB den ersten Sieg im Triple 2.0 (ohne CL)
rainer60 15.08.2016
2. dünnhäutig
letztendlich haben die bayer, weil cleverer, verdient gewonnen. was mir jedoch auffiel war die unglaubliche dünnhäutigkeit einiger bayern-spieler bei Zweikämpfen und endscheidugen des schiri's (alaba,lewandowski,müller). bei ribery kam dann der volle bayern-bonus zum tragen. Rummenigge sollte sich mal nicht über das (dumme) Gepfeife gegen hummels aufregen, sondern über das verhalten von ribery. jeder ander verein hätte mit 10 mann weiterspielen müssen.
joe.micoud 15.08.2016
3.
Bayern clever und effektiv. Dortmund wurde ein Handelfer verweigert und eine rote Karte gegen Ribery ebenfalls. Dann läuft das anders. Insgesamt ein recht flotter Kick für den Zeitpunkt. Dortmunds Fans leider wieder mal peinlich. Bei keinem anderen Verein werden Ex-Spieler so oft ausgepfiffen. Jungs, nehmt Wechsel nicht so persönlich und werdet gelassener. Ihr schafft das. Vei Bayern scheint es ein wenig wegzugehen vom Ballbesitzfussball. Zum Angucken finde ich es dann attraktiver.
Crom 15.08.2016
4.
Die letzten Jahre haben die Bayern den Supercup jeweils verloren, daher ist der Satz "Am Ende setzte sich aber wieder die Klasse des Rekordmeisters durch." falsch.
Immereine andere Meinung 15.08.2016
5. Es ist schön .......
dass hier mal ein Dortmunder Fan ein Steilvorlage gibt. Bevor Ribery austickt, war mal wieder die Hand des Dortmunders im Gesicht von Ribery! Was tat die den da? Dortmund versucht immer wieder den Spagat zwischen Bauer und Balett - pflügen über das Feld wie ne Pflug mit einer Unschuldsmiene, wenn Sie angehaucht werden spielen sie den sterbenden Schwan! Wann wird den das mal durch die Schiedsrichter unterbunden?
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