Bayern-Pleite bei Bate Borissow: 1:0 für Matthias Sammer

Von Jan Reschke

Der FC Bayern kann doch noch verlieren. Aber gegen Bate Borissow? Matthias Sammer hatte vor der Partie gewarnt - und sich dafür einen Rüffel von Trainer Jupp Heynckes eingefangen. Nach dem 1:3 in Weißrussland dürfte sich der Bayern-Sportdirektor bestätigt fühlen.

AP

"Wir waren nicht richtig hellwach, wir waren nicht richtig gallig. Wir waren zu lätschert" Diese Worte hatte Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer nicht etwa nach dem bitteren 1:3 (0:1) gegen Bate Borissow am zweiten Spieltag der Champions League gesagt, sondern nach dem sechsten Erfolg in sechs Spielen in der Bundesliga, in diesem Fall gegen Werder Bremen.

Man kann Sammer also eine gewisse prophetische Gabe attestieren oder ihn einen scharfen Beobachter nennen. Sicher ist: Was die Münchner Profis am Dienstagabend bei ihrem Gastspiel in Weißrussland ablieferten, war eindeutig zu wenig.

Dabei hatte sich Sammer vor dem Anpfiff für seine öffentlichen Äußerungen einen ebenso öffentlichen Rüffel von Trainer Jupp Heynckes via TV-Sender Sky anhören müssen: "Mit der Form, der Art und Weise war ich nicht einverstanden. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich finde, dass die Kritik überzogen war. Ich finde auch, wir sollen die Kritik intern machen und nicht extern", hatte Heynckes gesagt.

90 Minuten später war er schlauer.

Das erste Gegentor durch Alexandr Popow (23. Minute) war das Paradebeispiel für mangelnde "Wachheit". Beim zweiten Gegentreffer durch Witali Rodionov (78.) agierte der FC Bayern in der Defensive nachlässig und träge - oder "lätschern", um es mit den Worten Sammers zu sagen. Das dritte Tor der Gastgeber in der Nachspielzeit durch Renan Bressan passte ausnahmsweise in keine von Sammers Kategorien.

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Sicherlich hätte der noch nicht lange im Amt befindliche Sportdirektor gerne auf die Bestätigung seiner Mahnung verzichtet. Und auch wenn seine Worte wohl kalkuliert - oder sogar wie Sammer betonte - mit Heynckes abgesprochen waren, haben sie ihre Wirkung offenbar verfehlt. Bei weitem sogar. Eine Pleite beim weißrussischen Meister passt nicht recht in das Selbstverständnis der zuletzt perfekt funktionierenden Bayern-Maschine. Der FC Barcelona hatte die Aufgabe Borissow in der vergangenen Saison noch mit einem 5:0 gelöst.

Bedarf an Gesprächen und Analysen

Aber, auch das sollte erwähnt werden, so exotisch Bate Borissow auf den ersten Blick erscheinen mag, ist es sicherlich eine undankbare Aufgabe. Und auch der FC Bayern kann Spiele verlieren, insofern sollte das Geschehene nun in aller Sachlichkeit und Nüchternheit aufgearbeitet werden.

Daran muss auch Sammer denken. Es ist das erste Mal seit seiner Verpflichtung, dass sich der Fokus auf ihn richtet und er die volle mediale Wucht rund um den deutschen Rekordmeister zu spüren bekommt. Es wird interessant sein zu sehen, inwiefern er in Zukunft erneut öffentlich Missstände ansprechen wird oder nicht.

Dass es aber Bedarf an Gesprächen und Analysen gibt, hat die Mannschaft eindrucksvoll belegt.

Bate Borissow - FC Bayern 3:1 (1:0)
1:0 Pawlow (23.)
2:0 Rodionow (78.)
2:1 Ribéry (90.+1)
3:1 Bressan (90.+4)
Borissow: Gorbunow - Poljakow, Filipenko, Simic, Bordatschew - Olechnowitsch, Lichtarowitsch (66. Siwakow), Wolodko - Pawlow (84. Bressan), Hleb - Rodionow (87. Mosolewski)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber (77. Schweinsteiger) - Martínez (58. Shaqiri), Luiz Gustavo - Müller, Kroos, Ribéry - Mandzukic (75. Pizarro)
Schiedsrichter: Stavrev (Mazedonien)
Zuschauer (in Minsk): 25.000
Gelbe Karten: Pawlow (2), Bordatschew, Gorbunow - Badstuber, Dante, Luiz Gustavo, Pizarro

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insgesamt 90 Beiträge
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1. 1812
belarujo 03.10.2012
1812 wurde bei Borrisow schon Napoleon mit seinen bayrischen Truppen geschlagen. Und jetzt eben auch Bayern München. Herzlichen Glückwunsch.
2. Hat Sammer recht?
siliconsidewinder 03.10.2012
Meistens hat er das
3. Der Jupp wird halt alt!
prince62 03.10.2012
Bei Jupp Heynckes treten immer häufiger die Anzeichen verstärkten Altersstarrsinn auf, hat im Vorjahr schon begonnen, da kannste nix machen, wird immer schlimmer.
4.
harryblack 03.10.2012
Zitat von sysopDer FC Bayern kann doch noch verlieren. Aber gegen Bate Borissow? Matthias Sammer hatte vor der Partie gewarnt - und sich dafür einen Rüffel von Trainer Jupp Heynckes eingefangen. Nach dem 1:3 in Weißrussland dürfte sich der Bayern-Sportdirektor bestätigt fühlen. Bayern-Pleite bei Bate Borissow bestätigt Matthias Sammer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-pleite-bei-bate-borissow-bestaetigt-matthias-sammer-a-859278.html)
Man darf gespannt sein, die Unruhe bei Bayern hat schon in der Vergangenheit dazu geführt, dass die so sensiblen Spieler auf einem Mal nix mehr auf die Reihe bekommen, so wie gestern....., normalerweise trifft Ribery nicht erst in der Nachspielzeit bei seinen Möglichkeiten usw. Und Sammer ist eher jemand, der es genießt zu motzen aber nie zugeben würde!
5. optional
anomie 03.10.2012
Sammer meckert doch eeh ständig rum, um sein harter-hund-image zu pflegen - jetzt lag er ein mal richtig, ganz toll.. Damit kann er vielleicht bei seinen neuen bossen schleimen, aber für außenstehende sollte das doch durchschaubar sein. Geleistet hat der doch nie wirklich was. DIe meisterschaft 02 hat er Lattek zu verdanken. Bei Stuttgart lief dann wieder gar nichts und dann kam der super job als "Sportdirektor". Den kann man doch nicht wirklich ernst nehmen.
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