Bayern-Präsident Hoeneß "Grausam, es ist Wahnsinn"

Aus der Traum: Die Bayern haben das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea verloren. Im Interview spricht Bayern-Präsident Uli Hoeneß von einer unverdienten Niederlage, beklagt das Fehlen eines Spielers wie Jens Jeremies und erklärt, warum Arjen Robben den Elfmeter verschossen hat.

Bayern-Präsident Hoeneß: "Man fühlt sich eigentlich gar nicht als Verlierer"
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Bayern-Präsident Hoeneß: "Man fühlt sich eigentlich gar nicht als Verlierer"


Frage: Die Bayern haben das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea nach Elfmeterschießen verloren. Wie schlimm fühlt sich diese Niederlage an?

Hoeneß: Grausam, es ist Wahnsinn. Dreimal hatten wir die Chance, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir hatten es eigentlich immer unter Kontrolle. Chelsea hat doch keine Torchance gehabt. Nur einmal habe ich Angst gehabt, als der Schiedsrichter nach dem 1:1 drei Minuten Nachspielzeit angezeigt hat.

Frage: Wie schlimm ist es, gegen eine Mannschaft zu verlieren, die so wenig macht?

Hoeneß: Das ist ein Riesenproblem, dass du es nicht fassen kannst. Man fühlt sich eigentlich gar nicht als Verlierer, weil beim Elfmeterschießen auch viel Glück dabei ist. Über 120 Minuten konnte man ja nicht das Gefühl haben, dass wir die schlechtere Mannschaft waren. Im Elfmeterschießen habe ich gedacht: Wir gewinnen die Platzwahl, schießen vor der Südkurve, das sieht schon mal gut aus. Lahm, der in Madrid nicht getroffen hat, macht ihn rein. Manuel (Neuer, die Redaktion) hält den ersten - da denkst du, jetzt ist es passiert.

Frage: Zumal Neuer als Torwart auch noch selbst einen verwandelt.

Hoeneß: Ja, aber dann kamen schon ein paar Kandidaten, wo ich nervös wurde.

Frage: Haben Sie Sorge, dass man nach so einer bitteren Saison kommendes Jahr ein Problem kriegt?

Hoeneß: Man darf an so einem Abend keine positiven oder negativen Prognosen anstellen. Das muss man einfach mal setzen lassen, dann in Ruhe analysieren und danach ein Ergebnis ausgeben.

Frage: Gab es eine spontane "Jetzt-erst-recht-Stimmung" in der Kabine? Wie haben Sie die Mannschaft erlebt?

Hoeneß: Ich möchte jetzt keine Mannschaftskritik machen. Ich habe schon ein paar Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben. Aber es hat keinen Sinn, das an diesem Abend zu diskutieren.

Frage: Ist das eine Niederlage, die tiefer steckt, die nicht so leicht abzuschütteln ist?

Hoeneß: Schwer zu sagen. Ein gewisses Problem ist, dass wir drei Titel nicht gewonnen haben. Wir haben immer über Leverkusen gelächelt, jetzt sind wir in einer ähnlichen Situation. Wobei es nicht ganz so vergleichbar ist. Vor allem, das heutige Spiel war nicht so wie damals das Finale von Leverkusen gegen Real Madrid, da haben sie ja keine Chance gehabt.

Frage: Konnten Sie hinschauen, als Chelsea-Kapitän Frank Lampard den Pokal hochgehalten hat?

Hoeneß: Ich habe nur kurz hingeschaut. Aber das ist bei mir immer so. Wenn man verloren hat, hat man verloren. Die wissen ja bis jetzt noch nicht, wie sie das gemacht haben. Aber es ist nun mal so.

Frage: Woran haben Sie gedacht, als Robben zum Elfmeter antrat: An seinen Fehlschuss in Dortmund oder den verwandelten Elfer in Madrid?

Hoeneß: Wenn er festgelegt ist als Nummer-eins-Schütze, dann schießt er den Elfmeter. Total blöd war, dass durch die Verletzung von Franck Ribéry bestimmt drei Minuten vergangen sind, bis er zum Schuss kam. Das ist für einen Spieler keine gute Ausgangsposition. Da wird man kalt, da kommt man aus dem Rhythmus.

Frage: Die Münchner Champions-League-Sieger von 2001 haben stets betont, sie hätten gewusst, irgendwann sind sie dran. Haben Sie das Gefühl, dass das für diese relativ junge Mannschaft auch gilt?

Hoeneß: Grundsatzaussagen will ich jetzt nicht machen.

Frage: Aber gibt die Mannschaft von der Perspektive her nicht Grund zum Optimismus, dass es wieder mit einem Finale klappen könnte?

Hoeneß: Das muss ich analysieren. Da muss ich für mich noch zu einer Erkenntnis kommen.

Frage: Nach dem Finaleinzug in Madrid haben Sie gesagt, 'es ist eine sehr gute Saison für uns'. Und jetzt?

Hoeneß: Es ist eine gute Saison, ordentlich, gut, nicht sehr gut.

Frage: Ist es nicht paradox? Wenn Robben den Elfmeter reinschießt, ist das Ding gelaufen, oder?

Hoeneß: So ist es. Aber vielleicht müssen wir uns fragen, warum es so passiert ist, ob das die Spieler sind, die das erzwingen. Ob wir davon genug haben. Ich habe heute keinen Jens Jeremies gesehen, der schon beim Einlaufen den Gegner in die Waden beißt. Wir können nicht sagen, alles ist in Ordnung, wenn wir dreimal Zweiter sind. Ich bin nicht derjenige, der das so hinnimmt. Einmal kann das passieren, aber zweimal, dreimal nicht.

Aufgezeichnet von Klaus Bergmann, dpa



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_a1_06081509_24 20.05.2012
1. Glückwunsch Uli Hoeneß!
Selbst in der bittersten Niederlage der Bayern der letzten - sagen wir - zwanzig Jahre findet er noch die richtigen Worte. Wenn man seinen roten Kopf auf der Tribüne sah, fragte man sich ob er das Finale überlebt, ob er, der wie kein anderer diesen Traum geträumt hat, nicht einfach umkippt. Aber Hoeneß kippt nicht um, im Gegenteil, er hat jetzt einen Knochen, an dem er Jahre knabbern kann. Und wenn das nächste Cl-Finale in München stattfindet, 2018 oder so, dann sitzt er ganz vorne mit dabei und sieht seine Mannschaft gewinnen. Man stelle sich vor die Bayern hätten gewonnen - man hätte in bester Wirklichkeitsverleugnung die Saison verklärt, mit denselben Spielern weiter gemacht und weiter gewurstelt - und Hoeneß hätte sich im größten Moment seiner Präsidentschaft hinreißen lassen, aufzuhören (er ist ja schon im Pensionsalter). Welchen Verlust hätte es bedeutet für die Bayern, für den deutschen Fußball. So hingegen merkt auch Löw, daß die EM noch nicht gewonnen ist und die Bayern können endlich mal die Weicheier ihrer Spieler aussortieren - zu denen auch Schweinsteiger gehört, Robben sowieso. Es ist bezeichnend, daß in so einem wichtigen Spiel kein Bayern Spieler (nicht mal Neuer) so stark ist, zu Robben zu gehen und zu sagen: Ich glaube den verschießt Du, ich mache das jetzt. Denn bei aller spielerischen Qualität dürfen wir nicht vergessen, daß Robben z.B. auch den Holländern den WM-Titel gekostet hat - er ist kein Kaltmacher. Hoeneß hat das Problem schön umschrieben: Da fehlt ein Jens Jeremies, mehr aber noch ein Oliver Kahn, "Monsterspieler" die psychologisch so stark sind, daß sie ein Elfmeterschießen entscheiden - denn nur darum geht es. Thomas Müller hätte noch die Arroganz dafür, aber alle anderen - keine Eier in der Hose, kein Robben, kein Schweinsteiger und auch kein Gomez. In diesem Sinne Glückwunsch Uli Hoeneß - die "bösen" Bayern werden durch den unglücklichen Verlust menschlicher und Sie bleiben dem Deutschen Fußball erhalten!
brendan33 20.05.2012
2. optional
Frage: Aber gibt die Mannschaft von der Perspektive her nicht Grund zum Optimismus, dass es wieder mit einem Finale klappen könnte? Hoeneß: "Das muss ich analysieren. Da muss ich für mich noch zu einer Erkenntnis kommen." Der hat im Kopf schon wieder die Mannschaft entlassen und halb Dortmund zusammengekauft
moin8smann 20.05.2012
3. Vize-Hoeneß
Ein gerechtes Ergebnis wäre ein Bayern-Sieg gewesen, aber dann wären Leverkusen und Schalke auch schon Meister.
toskana2 20.05.2012
4. Ratlosigkeit
Zitat von sysopGetty ImagesAus der Traum: Die Bayern haben das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea verloren. Im Interview spricht Bayern-Präsident von einer unverdienten Niederlage, beklagt das Fehlen eines Spielers wie Jens Jeremies und erklärt, warum Arjen Robben den Elfmeter verschossen hat. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,834045,00.html
Hoeneß Interview offenbart nur Eines: seine völlige Ratlosigkeit! Ratlosigkeit, so scheint es mir, ist die Zwillingsschwester von davor gewesener Arroganz.
hdvondelft 20.05.2012
5. Leistung in Relation ?
In der Wirtschaft hätten solche Lesitungen (11-Meter) zur Kündigung geführt. Der Chef(Trainer) wäre ob der Leistung, solche erbärmlichen Schützen aufzustellen, fristlos entlassen worden.
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