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Bayern-Sieg über Dortmund: "Wir haben die Vormachtstellung wieder"

Von Sebastian Winter, München

Die Bayern können wieder poltern nach ihrem Pokalsieg gegen Dortmund: Uli Hoeneß hält die "deutschen Verhältnisse" für geklärt. Doch die Erleichterung zeigt auch, wie viel Respekt der FCB vor dem BVB hatte. Die wahre Aufgabe steht den Münchnern indes noch bevor - in der Champions League.

Arjen Robben sank nach dem Schlusspfiff in der Nähe des Mittelkreises auf seine Knie und schlug mit den flachen Händen auf den Rasen. Einmal, zweimal, dreimal, als könne der einzige Torschütze des Spiels nicht fassen, was gerade passiert ist. Bastian Schweinsteiger zog vor der Südkurve bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sein Trikot aus, ballte beide Fäuste und schrie seinen Jubel heraus.

Bayern Münchens Spieler freuten sich, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Thomas Müller sagte: "Wir haben gezeigt, was wir können. Dieses Jahr sind wir die tonangebende Mannschaft in beiden nationalen Wettbewerben." Bayern-Präsident Uli Hoeneß fügte in aller Bescheidenheit hinzu: "Wir haben die Vormachtstellung wieder. Die deutschen Verhältnisse sind geklärt." Dabei war den Bayern durch Robbens Traumtor in der 43. Minute "nur" ein 1:0-Sieg über Dortmund im Viertelfinale des DFB-Pokals gelungen.

Die Aussagen zeigen zum einen, wie groß der Stein gewesen sein muss, der den Bayern nach dem Ende ihrer Niederlagenserie gegen Dortmund in Liga und Pokal vom Herzen gefallen ist. An ihrer Erleichterung konnte man gut ablesen, wie tief der Stachel saß nach der 2:5-Pleite gegen Dortmund im Pokalfinale 2012 und zwei Jahren schwarz-gelber Meisterfeiern.

Andererseits sollte man die Aussagen auch nicht überbewerten. Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer sagte: "Das Ergebnis ist ein Produkt dessen, was wir versucht haben, uns das ganze Jahr zu erarbeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir den Sieg verdient. Aber wir haben noch nicht mehr erreicht. Das war nur ein Pokal-Viertelfinale, ein Heimspiel gegen Dortmund."

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Bayern vs. Dortmund: Gänsehaut, Paraden, Kollisionen
Fakt ist, dass die Bayern der Borussia in dieser Saison die Grenzen aufgezeigt haben, in der Liga und im DFB-Pokal. Sie sind quasi Meister, im Pokal haben sie keine schweren Gegner mehr auf dem Weg zum Triumph. Sie könnten kaum dominanter sein, während Dortmund zugleich erkennen muss, dass es dieses Jahr wohl ohne Titel bleibt. Und dass der Spagat, in drei Wettbewerben zu stehen, erkennbar an der Substanz zehrt. "Für uns ist die ganze Geschichte sehr intensiv, wir sind nicht so breit aufgestellt wie die Bayern", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel in München. Er meinte genau diese Dreifachbelastung in Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Die Dortmunder wirkten in München vor allem in der ersten Halbzeit wie gelähmt, ihr Pressing verpuffte, ihr schnelles Spiel nach vorne gelang fast nie, auch wegen der vielen Ungenauigkeiten. "Wir konnten unser Spiel nicht entfalten, auch nicht mit langen Bällen. Wir wurden oft geblockt, uns hat der Zugriff auf das Spiel ein Stück weit gefehlt." Solche Sätze hat man kaum einmal von der Borussia gehört in der jüngeren Vergangenheit. Jedenfalls nicht nach Spielen gegen die Bayern.

Lewandowski bei Dante völlig abgemeldet

Die BVB-Spieler wirkten verkrampft, zurückhaltend, gar nicht selbstbewusst. Am Beispiel Robert Lewandowskis konnte man das gut ablesen, denn der BVB-Stürmer, den die Bayern verpflichten wollen, war bei Dante völlig abgemeldet. Zudem fehlte Dortmund der grippekranke Mats Hummels in der Abwehr als Ruhepol.

Die Bayern spielten dagegen so selbstsicher wie zuletzt. "Wir kämpfen füreinander, aber vor allem sind wir viel stabiler als letzte Saison, unsere Organisation ist besser", sagte Robben, der auch oft in der Defensive half. Der sonst eher nicht zu den Polterern zählende Kapitän Philipp Lahm sagte: "Wenn wir so weiterspielen auf dem Niveau, dann wird es schwer, uns zu schlagen." Es ist Starkbierzeit in München, der Moment passt also, um die Muskeln spielen zu lassen. Auch wenn Hoeneß' Satz mit der Vormachtstellung doch etwas großspurig klang.

Die Dortmunder äußerten sich da süffisanter in ihrer Niederlage. "Wenn die Bayern sich wieder gut fühlen, dann sind wir alle glücklich", sagte Klopp. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fand: Wir können immer mit einer gewissen Demut gewinnen und auch verlieren."

Demut kennt der FC Bayern nicht. Er hat die deutschen Verhältnisse geklärt. Der nächste logische Schritt ist klar. Er führt ins Londoner Wembleystadion. Dort wird am 25. Mai der Champions-League-Sieger gekürt.

Bayern München - Borussia Dortmund 1:0 (1:0)
1:0 Robben (43.)
München: Neuer - Lahm, van Buyten, Dante, Alaba - Martínez, Schweinsteiger - Thomas Müller (79. Luiz Gustavo), Toni Kroos (90.+4 Boateng), Robben - Mandzukic (90.+1 Gomez)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Sven Bender - Gündogan, Großkreutz (62. Blaszczykowski) - Götze, Reus (81. Schieber) - Lewandowski
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Martínez, Toni Kroos (2), Mandzukic (2) -

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insgesamt 162 Beiträge
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    Seite 1    
1. Der beste Dortmunder . . .
aloiswester 28.02.2013
war der Fernsehkommentator.
2. Einzelkritik
das_schwampel 28.02.2013
Lieber Spiegel. Vielleicht lasst ihr demnächst mal Redakteure ran, die einen Hauch vom Fussball verstehen. Philipp Lahms Einzelkritik ist lächerlich. Ruhiger Abend? Keine Flankenläufe? Welches Spiel meint ihr?
3. Trotzdem, Hoeneß
zensor0815 28.02.2013
bist Du halt meistens "drüber". Wie 1976. Und danach bei jeder 2.PK. Und Gardioila, oder wie auch immer der heisst, ist VERPFLICHTET, alle Titel in 2014 zu holen! DAS wird lustig, wenns dann mal wieder nix wird.
4. Keine Chance
walter_de_chepe 28.02.2013
für VfB, Freiburg und Wolfsburg im Pokal! Alle drei können Dortmund schlagen, aber nur Dortmund hätte gegen die Bayern gewinnen können. Ich glaube, nicht einmal ein Fußballwunder kann den Bayern noch den Pokal nehmen.
5. ...
jujo 28.02.2013
Zitat von sysopAP/dpaDie Bayern können wieder poltern nach ihrem Pokalsieg gegen Dortmund: Uli Hoeneß hält die "deutschen Verhältnisse" für geklärt. Doch die Erleichterung zeigt auch, wie viel Respekt der FCB vor Dortmund hat. Die wahre Aufgabe steht den Münchnern indes noch bevor - in der Champions League. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-sieg-gegen-bvb-dortmund-fcb-ist-erleichtert-a-886014.html
Ich bin kein ausgewiesener Bayern Fan. Z.Z. spielt die Mannschaft aber einfach super. Darum sollte man den Sieg gegen den BvB nicht kleinreden. Ich hätte nie gedacht das es gelingt einige der dort spielenden Egomanen so in ein orchestriertes Gefüge als team einzufügen. bzw. das diese sich einfügen und unterordnen. Das beste Beispiel ist Robben! In München gibt es im Moment, wie mir scheint, eine perfekte Symbiose zwischen Mannschaft und Heynckes+Trainerstab. Ich hoffe nicht, das es der Vereinsführung nicht noch leid tun wird ohne Not den Trainer zu wechseln.
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Dortmund gegen Bayern 1992: Nasenbeinbruch, Rot, Elfmeterschießen

Bayern vs. BVB: Die letzten 10 Liga-Duelle
Datum Spielort Ergebnis
01.12.12 München 1:1
11.04.12 Dortmund 1:0
19.11.11 München 0:1
26.02.11 München 1:3
03.10.10 Dortmund 2:0
12.09.09 Dortmund 1:5
08.02.09 München 3:1
23.08.08 Dortmund 1:1
13.04.08 München 5:0
28.10.07 Dortmund 0:0
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