Von Sebastian Winter, München
Uli Hoeneß hat sich nach dem 3:1-Erfolg seines Clubs gegen Villarreal und dem ungefährdeten, vorzeitigen Einzug ins Champions-League-Achtelfinale wieder einmal im Spielerbereich blicken lassen, wie er das öfter macht nach richtungsweisenden Partien. Bayern Münchens Präsident dürfte die Mannschaft beglückwünscht haben, denn dass sie in der schweren Gruppe A bereits am vorletzten Spieltag uneinholbar Erster sein würde, "das war nicht zu erwarten", so Hoeneß.
Der 59-Jährige träumt wie das gesamte Umfeld des Vereins davon, seine Mannschaft am 19. Mai 2012 in der eigenen Arena im Champions-League-Finale zu sehen. Den ersten Schritt haben die Bayern nun gemacht, mit eindrucksvollen 13 Punkten aus fünf Spielen. "Es ist ein Zeichen an die Konkurrenz", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm, und es war auch ein Zeichen an die Bundesliga, vor allem nach der enttäuschenden 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende. Bayern-Trainer Jupp Heynckes wird bei der Analyse des souveränen Sieges gegen die allerdings harmlosen Spanier zudem wichtige Erkenntnisse sammeln.
Der 66-Jährige hatte darauf verzichtet, Toni Kroos als Ersatz des verletzten Bastian Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld zu stellen: Kroos hatte auf der Sechser-Position gegen Dortmund kaum Impulse setzen können, nun spielte er wieder in der zentralen Offensive. Prompt bereitete er mit feinen Pässen die beiden Treffer von Franck Ribéry zum 1:0 und 3:1 vor.
Liegestütz-Vorführung von Ribéry
Kroos hatte zudem die meisten Ballkontakte aller Spieler, er gewann 71 Prozent seiner Zweikämpfe, 90 Prozent seine Pässe kamen an. Sein einziger grober Fehler, ein schlampiger Fehlpass im Mittelfeld, führte allerdings zum Gegentor. Dennoch: "Sehr gut" habe er sich in der Offensivzentrale gefühlt, sagte Kroos hinterher, auch weil er mit viel Drang zum Tor spielen kann. "Ich bin ein bisschen freier, habe nicht so viele Vorgaben wie in der letzten Saison." Statt des 21-Jährigen spielte der zwei Jahre jüngere David Alaba auf der Schweinsteiger-Position, neben Anatolij Timoschtschuk. Beide überzeugend.
Medienschelte von Präsident Hoeneß
In der zweiten Halbzeit pfiffen nach Robbens Ballverlusten sogar einige der dem Holländer ansonsten ergebenen Bayern-Fans. "Da hatte ich vier oder fünf Momente, in denen ich den Ball verloren habe. Physisch gesehen ist es noch nicht top", kommentierte der Niederländer seinen Einsatz selbstkritisch, schob aber flugs hinterher: "Aber ich mache mir keine Sorgen."
Bayerns Präsident stärkte dem in die Defensive geratenen Robben nach der Partie demonstrativ den Rücken - und übte zugleich harsche Kritik an den Medien: "Ich möchte einige kritische Beobachter der Szene daran erinnern, dass vor einem halben Jahr noch geschrieben wurde, der FC Bayern sei ohne Arjen Robben nichts wert. Jetzt gibt es die ersten, die sagen, wir brauchen ihn nicht mehr", polterte Hoeneß. Und dann, damit es auch wirklich jeder versteht: "Es geht mir auf den Sack, dass man so einen Weltklassespieler in Frage stellt, wenn er nach acht Wochen ein, zwei schlechtere Spiele macht. Das lassen wir nicht zu und da werde ich auch Theater machen." Punkt.
Robben wird schon bald Gelegenheit haben, sich für die präsidiale Unterstützung zu revanchieren: In zwei Wochen müssen die Bayern bei Manchester City antreten, dem derzeit mit Abstand besten Team der Premier League. Für Bayern München geht es um nichts mehr, für Manchester um alles. Die Engländer sind nach der Niederlage in Neapel nur noch Tabellendritter, haben einen Punkt Rückstand auf die Italiener und können das Achtelfinale nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Um überhaupt die Chance aufs Weiterkommen zu wahren, müssen sie aber unbedingt gewinnen. Die Bayern wollen sich aber ungern "abschlachten lassen", wie Kroos es formuliert, schon aus Fairness-Gründen den anderen Teams gegenüber.
Präsident Hoeneß hat auch noch andere Argumente, das abschließende Gruppenspiel nicht zu leicht zu nehmen: Es geht ihm einerseits um die 800.000 Euro, die es pro gewonnenem Gruppenspiel in der Champions League zu verdienen gibt. Zum anderen würde er allzu gerne ein weiteres Zeichen der Stärke an die europäischen Konkurrenten sehen.
Bayern München - FC Villarreal 3:1 (2:0)
1:0 Ribéry (3.)
2:0 Gomez (23.)
2:1 de Guzmán (50.)
3:1 Ribéry (69.)
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, van Buyten, Lahm - Timoschtschuk, Alaba - Robben (76. Olic), Kroos, Ribéry (81. Pranjic) - Gomez (72. Müller)
FC Villarreal: Diego López - Mario Gaspar, Marchena, Musacchio, Joan Oriol - Bruno Soriano, Ang. López (70. Marcos Senna) - de Guzmán (63. Wakaso), Hernan Perez - Borja Valero (78. Joselu) - Marco Ruben
Schiedsrichter: Markus Strömbergsson (Schweden)
Zuschauer: 66.000
Gelbe Karten: - Ang. López, Borja Valero, Marco Ruben
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