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Bayern-Sieg gegen Villarreal Team glänzt, Boss faucht

Foto: dapd

Gruppe gewonnen, Achtelfinale geschafft: Nach dem Champions-League-Sieg gegen Villarreal herrscht beim FC Bayern Zufriedenheit. Nur Präsident Hoeneß sieht noch Grund zum Schimpfen: Die Kritik am schwächelnden Star Arjen Robben geht ihm "auf den Sack".

Uli Hoeneß hat sich nach dem 3:1-Erfolg seines Clubs gegen Villarreal und dem ungefährdeten, vorzeitigen Einzug ins Champions-League-Achtelfinale wieder einmal im Spielerbereich blicken lassen, wie er das öfter macht nach richtungsweisenden Partien. Bayern Münchens Präsident dürfte die Mannschaft beglückwünscht haben, denn dass sie in der schweren Gruppe A bereits am vorletzten Spieltag uneinholbar Erster sein würde, "das war nicht zu erwarten", so Hoeneß.

Der 59-Jährige träumt wie das gesamte Umfeld des Vereins davon, seine Mannschaft am 19. Mai 2012 in der eigenen Arena im Champions-League-Finale zu sehen. Den ersten Schritt haben die Bayern nun gemacht, mit eindrucksvollen 13 Punkten aus fünf Spielen. "Es ist ein Zeichen an die Konkurrenz", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm, und es war auch ein Zeichen an die Bundesliga, vor allem nach der enttäuschenden 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende. Bayern-Trainer Jupp Heynckes wird bei der Analyse des souveränen Sieges gegen die allerdings harmlosen Spanier zudem wichtige Erkenntnisse sammeln.

Der 66-Jährige hatte darauf verzichtet, Toni Kroos als Ersatz des verletzten Bastian Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld zu stellen: Kroos hatte auf der Sechser-Position gegen Dortmund kaum Impulse setzen können, nun spielte er wieder in der zentralen Offensive. Prompt bereitete er mit feinen Pässen die beiden Treffer von Franck Ribéry zum 1:0 und 3:1 vor.

Liegestütz-Vorführung von Ribéry

Kroos hatte zudem die meisten Ballkontakte aller Spieler, er gewann 71 Prozent seiner Zweikämpfe, 90 Prozent seine Pässe kamen an. Sein einziger grober Fehler, ein schlampiger Fehlpass im Mittelfeld, führte allerdings zum Gegentor. Dennoch: "Sehr gut" habe er sich in der Offensivzentrale gefühlt, sagte Kroos hinterher, auch weil er mit viel Drang zum Tor spielen kann. "Ich bin ein bisschen freier, habe nicht so viele Vorgaben wie in der letzten Saison." Statt des 21-Jährigen spielte der zwei Jahre jüngere David Alaba auf der Schweinsteiger-Position, neben Anatolij Timoschtschuk. Beide überzeugend.


Auf einer anderen Position, dem rechten Flügel, ist die Lage schwieriger: Der lang verletzte Arjen Robben stand dort zum zweiten Mal seit seiner Genesung in der Startelf. Überzeugen konnte er wieder nicht. Während Ribéry auf der anderen Seite des Feldes einen Glanzpunkt nach dem anderen setzte und nach seinem 1:0 sogar noch Zeit für drei Liegestütze hatte (ein Versprechen, das er seinem Bruder im Falle eines Treffers gegeben hatte) und schließlich bei seiner Auswechslung in der 81. Minute mit großem Applaus verabschiedet wurde, wirkte Robben oft unkonzentriert und einfallslos.

Medienschelte von Präsident Hoeneß

In der zweiten Halbzeit pfiffen nach Robbens Ballverlusten sogar einige der dem Holländer ansonsten ergebenen Bayern-Fans. "Da hatte ich vier oder fünf Momente, in denen ich den Ball verloren habe. Physisch gesehen ist es noch nicht top", kommentierte der Niederländer seinen Einsatz selbstkritisch, schob aber flugs hinterher: "Aber ich mache mir keine Sorgen."

Bayerns Präsident stärkte dem in die Defensive geratenen Robben nach der Partie demonstrativ den Rücken - und übte zugleich harsche Kritik an den Medien: "Ich möchte einige kritische Beobachter der Szene daran erinnern, dass vor einem halben Jahr noch geschrieben wurde, der FC Bayern sei ohne Arjen Robben nichts wert. Jetzt gibt es die ersten, die sagen, wir brauchen ihn nicht mehr", polterte Hoeneß. Und dann, damit es auch wirklich jeder versteht: "Es geht mir auf den Sack, dass man so einen Weltklassespieler in Frage stellt, wenn er nach acht Wochen ein, zwei schlechtere Spiele macht. Das lassen wir nicht zu und da werde ich auch Theater machen." Punkt.

Robben wird schon bald Gelegenheit haben, sich für die präsidiale Unterstützung zu revanchieren: In zwei Wochen müssen die Bayern bei Manchester City antreten, dem derzeit mit Abstand besten Team der Premier League. Für Bayern München geht es um nichts mehr, für Manchester um alles. Die Engländer sind nach der Niederlage in Neapel nur noch Tabellendritter, haben einen Punkt Rückstand auf die Italiener und können das Achtelfinale nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Um überhaupt die Chance aufs Weiterkommen zu wahren, müssen sie aber unbedingt gewinnen. Die Bayern wollen sich aber ungern "abschlachten lassen", wie Kroos es formuliert, schon aus Fairness-Gründen den anderen Teams gegenüber.

Präsident Hoeneß hat auch noch andere Argumente, das abschließende Gruppenspiel nicht zu leicht zu nehmen: Es geht ihm einerseits um die 800.000 Euro, die es pro gewonnenem Gruppenspiel in der Champions League zu verdienen gibt. Zum anderen würde er allzu gerne ein weiteres Zeichen der Stärke an die europäischen Konkurrenten sehen.

Bayern München - FC Villarreal 3:1 (2:0)
1:0 Ribéry (3.)
2:0 Gomez (23.)
2:1 de Guzmán (50.)
3:1 Ribéry (69.)
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, van Buyten, Lahm - Timoschtschuk, Alaba - Robben (76. Olic), Kroos, Ribéry (81. Pranjic) - Gomez (72. Müller)
FC Villarreal: Diego López - Mario Gaspar, Marchena, Musacchio, Joan Oriol - Bruno Soriano, Ang. López (70. Marcos Senna) - de Guzmán (63. Wakaso), Hernan Perez - Borja Valero (78. Joselu) - Marco Ruben
Schiedsrichter: Markus Strömbergsson (Schweden)
Zuschauer: 66.000
Gelbe Karten: - Ang. López, Borja Valero, Marco Ruben

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insgesamt 13 Beiträge
john_adams 23.11.2011
aber man muss dem Mann auch zugestehen können, wenn er recht hat. Dieses ständige mediale Hochjubeln, um dem Protagonisten tief fallen zu lassen, nervt. Aber zwei Tage später berichten dieselben Konsorten wieder über Burn-Out und [...]
aber man muss dem Mann auch zugestehen können, wenn er recht hat. Dieses ständige mediale Hochjubeln, um dem Protagonisten tief fallen zu lassen, nervt. Aber zwei Tage später berichten dieselben Konsorten wieder über Burn-Out und Selbstmordversuche wegen Drucksituationen.
Perelly 23.11.2011
Sie werden auch so schnell keinen finden, der Hoeneß' Aussagen nicht unterschreiben würde, wenn diese anonymisiert wären. Kritik an seinen Aussagen kommt nur emotional als Bayern-Vertreter. Fachlich ist sie so gut wie nie [...]
Zitat von john_adamsaber man muss dem Mann auch zugestehen können, wenn er recht hat.
Sie werden auch so schnell keinen finden, der Hoeneß' Aussagen nicht unterschreiben würde, wenn diese anonymisiert wären. Kritik an seinen Aussagen kommt nur emotional als Bayern-Vertreter. Fachlich ist sie so gut wie nie möglich.
Find ich gut. Er springt in die Bresche, stärkt seinem Spieler den Rücken und lenkt den Medien-Rummel auf sich.
Find ich gut. Er springt in die Bresche, stärkt seinem Spieler den Rücken und lenkt den Medien-Rummel auf sich.
knewfield 23.11.2011
Ich bin Hoeneß-Fan, trotzdem glaube ich nicht, dass er immer Recht hat. Manchmal hat er eben doch die Bayern-Brille auf, und das ist ja auch sein gutes Recht. Er emotionalisiert, weil er seine Aussagen sehr emotional macht, [...]
Zitat von PerellySie werden auch so schnell keinen finden, der Hoeneß' Aussagen nicht unterschreiben würde, wenn diese anonymisiert wären. Kritik an seinen Aussagen kommt nur emotional als Bayern-Vertreter. Fachlich ist sie so gut wie nie möglich.
Ich bin Hoeneß-Fan, trotzdem glaube ich nicht, dass er immer Recht hat. Manchmal hat er eben doch die Bayern-Brille auf, und das ist ja auch sein gutes Recht. Er emotionalisiert, weil er seine Aussagen sehr emotional macht, häufig ist das auch genau kalkuliert. Ich bin aber nicht deswegen Hoeneß-Fan, sondern weil er sher mitmenschlich handelt - und ehrlich.
Münchner-Kindl 23.11.2011
Das Schlimme ist gerade bei Bayern das dort das gesamte Team so behandelt wird. Gewinnen sie gehören sie zu den besten Europas... verlieren sie eine Woche später sind sie eben doch nur Mittelmaß.
Zitat von john_adamsaber man muss dem Mann auch zugestehen können, wenn er recht hat. Dieses ständige mediale Hochjubeln, um dem Protagonisten tief fallen zu lassen, nervt. Aber zwei Tage später berichten dieselben Konsorten wieder über Burn-Out und Selbstmordversuche wegen Drucksituationen.
Das Schlimme ist gerade bei Bayern das dort das gesamte Team so behandelt wird. Gewinnen sie gehören sie zu den besten Europas... verlieren sie eine Woche später sind sie eben doch nur Mittelmaß.
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Zum Autor
Sebastian Winter, 1978 in Herrenwies/Schwarzwald geboren, bolzte dort jeden Samstag mit den Alten Herren und beim SV Bühlertal. Studierte Sport, Politik und BWL in Freiburg. Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München. Seit April 2009 Bayern-Korrespondent von SPIEGEL ONLINE und freier Mitarbeiter der "Süddeutschen Zeitung".


Sieger Uefa Champions League
Jahr Verein
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille



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