Bayern-Sieg im DFB-Pokal: Ohne Robben läuft es rund
Zurück in der Erfolgsspur: Der FC Bayern hat sich im DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart souverän durchgesetzt - weil Trainer Jupp Heynckes eingesehen hat, dass er die Offensive umbauen muss. Doch jetzt hat der Verein ein Problem.
Arjen Robben sah sie schon kommen, die vielen Fragen der Journalisten. Also marschierte er schnellen Schrittes aus der Kabine in Richtung Mannschaftsbus und winkte ab: heute keine Stellungnahme. Seine einzigen Worte: "Nein, nein, nein. Danke. Ciao." Dann war er weg.
Obwohl der 28 Jahre alte Flügelspieler am Mittwochabend gar nicht spielte, stand er hinterher im Mittelpunkt des Interesses. Der FC Bayern hatte das DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart 2:0 (1:0) gewonnen und eine Leistung gezeigt, die zum ersten Mal in diesem Jahr an die Hochphase im vergangenen Herbst erinnerte. "Wir haben sehr gut gespielt", sagte Trainer Jupp Heynckes kurz und knapp.
Um dieses hohe Leistungsniveau bei seinen Schützlingen zu erreichen, musste der Bayern-Trainer seinen niederländischen Superstar aus der Mannschaft nehmen. Robben hatte in den ersten drei Rückrundenspielen wenig überzeugt. Seine in den Vorjahren so gefürchteten Dribblings, bei denen er von rechts meist in die Mitte zieht, scheinen von Woche zu Woche immer mehr zu verpuffen.
Noch schwerer wiegt: Wenn Robben spielt, muss Offensiv-Allrounder Thomas Müller hinter Stürmer Mario Gomez ran - auf der Lieblingsposition von Toni Kroos, der ins defensive Mittelfeld ausweichen muss. Es ist eine Formation, mit der der FC Bayern in die Krise abgeglitten war. Weil sich dringend etwas ändern musste, reagierte Heynckes und nahm Robben in Stuttgart raus. Er wurde nicht einmal eingewechselt. Kroos durfte vorrücken, Müller nahm die Robben-Rolle ein. Der offene Platz neben Bastian Schweinsteiger als Abräumer wurde Luiz Gustavo zuteil.
Ribéry und Kroos harmonieren im Mittelfeld
Dass diese Umstellungen für eine derartige Leistungssteigerung sorgte, dürfte aber sogar den Trainer selbst überrascht haben. Denn all das, was Fans und Bosse zuletzt vermissten, war plötzlich da: Ideenreichtum im Spiel nach vorne, Schnelligkeit, Torgefahr, der unbändige Wille, das Spiel zu gewinnen. Nicht einmal die frühe Auswechslung von Schweinsteiger (17.), der einen Tritt von Georg Niedermeier gegen den rechten Knöchel abbekam und sich einen Riss des vorderen Außenbandes im rechten Sprunggelenk zuzog, verunsicherte die Münchner.
Während die Angriffe der leidenschaftslosen und über 90 Minuten ängstlichen Stuttgarter abgeleitet wurden, rollte der Ball bei den Offensivaktionen anders als zuletzt ohne Umwege Richtung gegnerisches Tor. "Er kann auch mal bis zur Grundlinie durchstoßen und dann mit rechts flanken", hatte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger vor dem Spiel über Müller gesagt.
Tatsächlich sprintete der Nationalspieler auf rechts auf und ab und gab die Vorlagen zu den Toren von Franck Ribéry (30.), der auf höchstem Niveau agierte, und Gomez (46.). Dazu war Kroos stets anspielbereit, suchte den Weg zum Tor und harmonierte im Zusammenspiel mit Ribéry, das zuletzt aufgrund der räumlichen Entfernung nicht möglich war. Kroos, kaum wieder zu erkennen, muss sich als Sechser in den vergangenen Wochen gefühlt haben wie ein Blumenverkäufer in der Metzgerei.
"Man kann sagen, dass wir ein hervorragendes Spiel gemacht haben. So ungefähr stellt man sich das vor", sagte er nach dem Spiel, ohne den Wunsch zu äußern, ab sofort nie mehr auf einer anderen Position spielen zu müssen. Das übernahmen andere. Ribéry, der sich ob seiner starken Auftritte wohl dazu berufen sieht, zum Lautsprecher zu werden, erklärte erneut: "Toni muss auf der Zehn spielen, das ist am besten für uns."
Robben droht auch in der Bundesliga die Bank
Zu der Degradierung seines Flügel-Pendants Robben wollte er sich dagegen nicht äußern. Auch ihm wird sicher nicht entgangen sein, dass Robben für die Bayern verzichtbar geworden ist. Das sehen die Verantwortlichen - zumindest bekunden sie das öffentlich - anders.
Trainer Heynckes sagte: "Ich hätte auch jeden anderen Spieler in der Offensive rausnehmen können." Und Nerlinger erklärte: "Wir haben eine hochkarätige Offensivabteilung. Damit muss man als Spieler umgehen können. Es gibt nichts zu dramatisieren."
Dennoch stecken die Bayern nun in einem Dilemma. Heynckes kann die Mannschaft nach dieser Vorstellung vor dem Spiel gegen Kaiserslautern am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) nicht umbauen. Er muss Robben erneut auf die Bank setzen, der Frust bei dem selbstbewussten Niederländer wird weiter wachsen.
Das Problem für die Bayern-Bosse: Im Trainingslager in Katar hatten beide Seiten Anfang Januar sehr deutlich signalisiert, dass die Verlängerung des bis 2013 laufenden Vertrags nur eine Formsache sein würde - trotz der Verletzungsanfälligkeit des Spielers, seines horrenden Gehalts und der Tatsache, dass die Mannschaft im Herbst 2011 ohne Robben viele hochklassige Spiele machte. Diese Debatte, die mit den gegenseitigen Treuebekundungen beendet wurde, wird nun neu entflammen.
VfB Stuttgart - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Ribéry (30.)
0:2 Gomez (46.)
Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Kvist, Gentner (83. Holzhauser) - Okazaki (57. Harnik), Schieber (70. Hajnal) - Ibisevic, Cacau
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger (17. Alaba), Luiz Gustavo - Thomas Müller, Toni Kroos (89. Timoschtschuk), Ribéry (83. Olic) - Gomez
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 57.500
Gelbe Karten: Ibisevic, Schieber - Boateng (2), Ribéry
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