Hamburg - Christoph Dabrowski ist ein erfahrener Profi, er hat für Werder Bremen, Hannover 96 und Arminia Bielefeld in der Bundesliga gespielt, hat insgesamt 347 Partien im bezahlten deutschen Fußball auf dem Buckel, 163 allein für den VfL Bochum - und trotzdem wird der 33-Jährige diesen Dienstagabend so schnell nicht vergessen.
Dabrowskis verhängnisvoller Abspielfehler in der Nachspielzeit des Pokal-Achtelfinals kostete den VfL Bochum möglicherweise die ganz große Überraschung dieser Runde und machte den Gegner Bayern München doch noch zum Viertelfinalisten. Franck Ribéry nutzte Dabrowskis Missgeschick zur feinen Vorarbeit, der Rest war Arjen Robben und das Münchner 2:1-Siegtor in letzter Minute. "So brutal ist Fußball. Leider ist einem so erfahrenen Spieler wie mir der Fehler passiert. Es tut mir unheimlich leid für die Mannschaft", war der Defensivspezialist anschließend frustriert.
Tatsächlich hatte der VfL Bochum den Rekordmeister zuvor am Rand einer Niederlage. Selbst als die Bayern gegen Ende des Spiels ihre Souveränität auszuspielen begannen, hatte Daniel Ginczek bei einem Konter noch die Entscheidung zugunsten des Zweitligisten auf dem Fuß. Ihm fehlte im Abschluss allerdings die Cleverness, die Ribéry und Robben wenige Minuten später auszeichnete.
Zufrieden konnten Robben und Co. mit dem Ergebnis sein, das Spiel zuvor sollten sie dagegen schnell abhaken. Trainer Jupp Heynckes hatte es riskiert, die Stammkräfte in der Offensive, Thomas Müller und Mario Gomez zunächst auf der Bank zu belassen. Ein Experiment, das der Coach zur Pause insofern korrigierte, als nun Gomez für den zuvor glücklosen Ivica Olic stürmte. Ob es das letzte Bayernspiel für Olic war, ist offen. Der Kroate ist unzufrieden mit seinem Reservisten-Dasein. Ein Wechsel zur Winterpause ist denkbar.
Nach dem Bochumer Führungstreffer durch Giovanni Federico (26. Minute) sah sich Heynckes zum Handeln gezwungen. Auch seine zweite Hereinnahme - David Alaba ersetzte Luis Gustavo - erwies sich als wirksam. Die Bayern waren plötzlich bissig, überlegen, spielten so, wie man sie von Beginn an erwartet hätte. Der schnelle Ausgleich durch Toni Kroos (52.) war der frühe Lohn, bis zur endgültigen Bescherung warteten Ribéry und Robben dann bis in die Nachspielzeit.
"Wir sind erst auf der Hälfte. Im nächsten halben Jahr werden die Preise verteilt, dann müssen wir da sein", sagte Robben. Aber auch bei seinen Teamkollegen war die Stimmung vorweihnachtlich. "Das hätte hier auch anders ausgehen können. Aber jetzt sind wir in allen Wettbewerben hervorragend dabei und können in Ruhe Weihnachten feiern", sagte der erneut überzeugende Toni Kroos.
Und immer wieder wurde angesichts der Herbstmeisterschaft und des Durchmarsches in Champions League und Pokal vor Selbstzufriedenheit gewarnt. "Wir müssen weiter hungrig auf Siege sein", sagte Nationaltorwart Manuel Neuer, während Heynckes schon mal eine "Top-Vorbereitung" in Katar (2. bis 9. Januar) forderte.
Kapitän Philipp Lahm freute sich zunächst auf "so schöne Weihnachten wie lange nicht mehr", sparte mit Blick auf das letzte Spiel des Jahres aber auch nicht an Kritik: "Wenn man nicht mit der richtigen Einstellung ins Spiel geht, ist es immer schwierig."
aha/dpa/sid
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