Von Sebastian Winter, München
Ruhe und Sicherheit - das waren zwei Wörter, die in den Aussagen der Bayern-Spieler und der Funktionäre nach dem 7:1 (5:0)-Erfolg gegen das bemitleidenswerte 1899 Hoffenheim besonders betont wurden. "Es war ein wichtiger Sieg, der viel Sicherheit gibt", sagte Kapitän Philipp Lahm, während Sportdirektor Christian Nerlinger ein paar Meter weiter in die Mikrofone sprach: "Der Sieg war gut, um wieder Ruhe reinzubringen."
Der zweithöchste Ligasieg der Bayern in dieser Saison nach dem 7:0 über Freiburg war Balsam für das zuletzt arg geschundene Ego. Die Münchner spielten sich gegen Hoffenheim in einen Rausch, mit teilweise brillanten Spielzügen, die das Münchner Publikum lange nicht mehr gesehen hatte. Wollten die Spieler all jene Debatten vergessen machen, die in den vergangenen Wochen und Monaten geführt wurden?
Das 1:0 (5. Minute), 5:0 (35.) und 6:0 (48.) schoss Mario Gomez, der zuvor 385 Spielminuten ohne Treffer geblieben war. Der Stürmer erlitt beim ersten Tor eine Fleischwunde am Bein ("die Schmerzen nehme ich heute gerne in Kauf") und wurde nach einer knappen Stunde von Bayern-Trainer Jupp Heynckes ausgewechselt - unter dem donnernden Applaus der 69.000 Zuschauer.
Auch Toni Kroos war in den vergangenen Wochen weit von der Form aus der Hinrunde entfernt, doch gegen Hoffenheim blühte er wieder auf: Der 22-Jährige traf mit einem Weitschuss in der 18. Minute zum 3:0.
Dass das Modell Ribéry und Robben auf den Flügeln doch funktioniert, bewiesen die Bayern in der 29. Minute: Da schoss der Niederländer nach einem feinen Pass des Franzosen das 4:0 - und entschuldigte sich sogar bei Thomas Müller, der einen Querpass erwartet hatte. Noch schöner war das Zusammenspiel nach einer knappen Stunde, als Robben den Ball Ribéry perfekt in den Lauf spielte und dieser den siebten Treffer erzielte.
Kurze Zeit später feierte Bastian Schweinsteiger sein umjubeltes Comeback nach wochenlanger Verletzungspause. Es herrschte Aufbruchstimmung, die feierliche Stimmung konnte auch das Eigentor von Luiz Gustavo (85.) nicht trüben. Die "La Ola" rollte durch das Stadion, selbst die distinguierten Haupttribünen-Gäste sangen: "Wir holen die Meisterschaft und den Europacup."
"Wir müssen daran arbeiten, dass wir konstant spielen"
Doch so einfach ist die Situation nicht: Weder in der Liga, wo der Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund noch immer fünf Punkte beträgt, noch in der Champions League, wo den Bayern am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nach der 0:1-Niederlage in Basel im Achtelfinal-Rückspiel das vorzeitige Aus droht. Auch die Schweizer feierten eine gelungene Generalprobe, gewannen bei den Grasshoppers Zürich 2:0 (2:0) dank Toren des künftigen Münchners Xherdan Shaqiri (5.) und Philipp Degen (40.)
Die Bayern wissen, in welch gefährlicher Lage sie sich befinden. "Leider gibt es für ein 7:1 auch nur drei Punkte", sagte Kroos, Nerlinger wollte ebenfalls nicht in unangebrachte Euphorie verfallen: "Der hohe Sieg heute hat auch ein bisschen mit der Schwäche des Gegners zu tun", so der Bayern-Sportdirektor: "Wir müssen daran arbeiten, dass wir konstant spielen. Speziell in der Rückrunde war es ein ewiges Auf und Ab."
Mitte Dezember sind den Bayern zum bislang letzten Mal zwei Liga-Siege in Serie gelungen, auswärts haben sie gerade einmal zwei Punkte aus den vergangenen vier Partien geholt. Das sind indiskutable Werte für eine Mannschaft, die Meister werden will. Das größte Problem des Teams ist, dass es vor allem nach Rückständen kaum einmal eine Partie dreht oder ein Remis erzwingt - ausgerechnet das viel zitierte Bayern-Gen fehlt.
Auf die Münchner warten nun Spiele, die über den Erfolg oder Misserfolg der ganzen Saison entscheiden: Nach der schwierigen Partie gegen Basel steht in zehn Tagen das Pokal-Halbfinale bei Borussia Mönchengladbach an und in rund vier Wochen der Liga-Showdown in Dortmund. Der neue bayerische Realismus dürfte dabei kein schlechter Ansatz sein.
Bayern München - 1899 Hoffenheim 7:1 (5:0)
1:0 Gomez (5.)
2:0 Robben (12., Foul-Elfmeter)
3:0 Kroos (18.)
4:0 Robben (29.)
5:0 Gomez (35.)
6:0 Gomez (48.)
7:0 Ribéry (58.)
7:1 Luiz Gustavo (85., Eigentor)
München: Neuer - Lahm, Boateng (46. Timoschtschuk), Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos - Robben, Müller (62. Schweinsteiger), Ribéry - Gomez (57. Olic)
Hoffenheim: Starke - Williams, Vestergaard, Compper, Braafheid - Vorsah - Weis (87. Mlapa), Rudy - Vukcevic (87. Kaiser), Firmino (62. Wieser) - Babel
Schiedsrichter: Fritz
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: / - Vukcevic
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