Sammer-Kritik trotz Bayern-Sieg: "Wir verstecken uns hinter dem Trainer"
2:0 hat Bayern München gegen Hannover gewonnen, aber einer ist gar nicht zufrieden: Sportchef Matthias Sammer kritisierte das Auftreten der Spieler und sprach von "Dienst nach Vorschrift". Eine Erklärung für dieses Phlegma hat Sammer auch, schuld sei der Hype um Pep Guardiola.
Zum Schlusspfiff klatschte Philipp Lahm zweimal in die Hände, es war in diesem Moment der einzig sichtbare Gefühlsausbruch eines Bayern-Spielers. Der Favorit hatte gerade 2:0 gegen Hannover 96 gewonnen, die Pflicht war getan, doch den kommenden Gegnern dürfte dieses Spiel wenig Ehrfurcht eingejagt haben.
Vor allem in der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft so lustlos gewirkt wie schon lange nicht mehr. Und das, obwohl doch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kurz zuvor den "heißen Herbst" ausgerufen hatte. Eine Woche vor dem Start des Münchner Oktoberfests im Trachten-Look aufzulaufen, stand dann auch in krassem Kontrast zum Geleisteten: Eine zünftige Gaudi hatte das Spiel jedenfalls nicht geboten.
Trainer Pep Guardiola versuchte sich an einer Erklärung. Seine Mannschaft sei nicht müde, vielmehr fehle ihr nach der Länderspielpause noch der Rhythmus. Demnach dürfte sich alles recht schnell fügen: Die Bayern bestreiten ab dem kommenden Dienstag sechs Spiele in 19 Tagen. Das könnte an Spielpraxis ausreichen, um bald schon wieder weniger Fehlpässe zu produzieren als gegen Hannover.
"Im Moment fehlen zwei, drei Prozent"
Einer jedoch will ein tiefergehendes Problem ausgemacht haben. "Dienst nach Vorschrift" leiste das Team derzeit, so Sportchef Matthias Sammer. Auch beim 1:1 in Freiburg habe man schon so dahingespielt. "Unser Trainer muss jedes Mal eine Brandrede halten, dass wir in die Gänge kommen", sagte er. In der Tat hatten die Bayern gleich nach der Pause ihre beste Phase, die Kombination zum 1:0 durch Mario Mandzukic fand sogar Gästetrainer Mirko Slomka "zum Zungeschnalzen. Da hat man ihre ganze Klasse gesehen". Aber eben erst da.
Davor hatten die Bayern wenig Ansehnliches produziert. Steilpässe landeten im Toraus, der Kampf um die sogenannten zweiten Bälle fehlte oft gänzlich, so dass es selten zu den berüchtigen schnellen Umschaltsituationen kam. Das Spiel wirkte auch deshalb behäbiger, weil die Münchner viel seltener als sonst ihre Positionen tauschten, es fehlte an Kreativität. Die Bayern hatten 50 Minuten Fußball gearbeitet und 40 Minuten Fußball gespielt.
Sammer bemängelte hernach auch keine spielerischen Schwächen, sondern jene im Kopf. "Wir emotionalisieren uns null", sagte er. Die Spieler schienen darauf zu warten, dass Impulse von außen kämen, dass die Leistung mit der Größe der Aufgabe wachsen würde, wie etwa im Supercup-Finale gegen den FC Chelsea. Aber das sei gefährlich. "Im Moment fehlen zwei, drei Prozent. Und die können niemals von außen kommen", so der Sportchef.
Sammer lieferte auch gleich eine Erklärung nach, woher dieses Phlegma kommen könnte: vom Hype um Pep Guardiola. "Es war ja die ganze Zeit: Pep hier, Pep da, Pep oben, Pep unten. Wir verstecken uns hinter dem Trainer."
Es ist klar, was Sammer damit bezweckt: Er will die Spieler vor den kommenden Aufgaben in die Pflicht nehmen. Und Guardiola aus der Schusslinie. Die Ruck-Rede war dabei keineswegs impulsiv, sondern ruhig und sachlich vorgetragen. Doch sie dürfte ihre Wirkung nicht verfehlen. Zumal sich die Spieler selbst schon kritisierten: "Wir haben das nicht gut gemacht", sagte etwa Franck Ribéry über die erste Halbzeit. Auch Philipp Lahm fand, dass er einige schlechte Abspiele eingestreut hätte.
Angesichts des "Dienstes nach Vorschrift" an diesem Samstagnachmittag könnte es sich bei dieser Selbstkritik aber auch nur um vorauseilenden Gehorsam gehandelt haben.
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