Pizarros vier Tore gegen den HSV Gala des Edel-Reservisten

Vier Tore, zwei Vorlagen, Hackentricks: Bayern-Angreifer Claudio Pizarro hat gegen den HSV eine brillante Vorstellung abgeliefert. Dabei war es erst der dritte Startelf-Einsatz in dieser Bundesliga-Saison für den Peruaner. Gegen Juventus Turin droht nun wieder die Bank - für Pizarro kein Problem.

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Hamburg - Eigentlich hätte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sauer sein müssen auf Stürmer Claudio Pizarro. Dieser hatte ihn schließlich am Samstagabend um seinen Top-Ten-Platz in der ewigen Bundesliga-Torschützenliste gebracht. Doch angesichts der Gala, die der 34-Jährige ablieferte, konnten Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß auf der Tribüne der Münchner Arena nur jubeln.

Mit seinem Viererpack beim 9:2-Spektakel der Bayern gegen den HSV kletterte Pizarro auf den zehnten Rang der Tor-Bestenliste, 164 Treffer hat der Peruaner nun in der Bundesliga auf dem Konto, zwei mehr als sein Chef. "Was die Mannschaft gespielt hat, war absolute Weltklasse. Man hat gesehen, dass sie ihre eigene Party veranstalten kann und will", sagte Rummenigge denn auch.

Am meisten Lust auf die Party schien Pizarro zu haben. Sein Tor mit der Hacke nach starker Vorarbeit von Arjen Robben ließ Präsident Hoeneß auf der Tribüne auf und ab hüpfen und "Wahnsinn" rufen. Doch außer den Treffern beeindruckten vor allem die Spielfreude, die technischen Kabinettstückchen und das Laufpensum des Angreifers. Insgesamt legte er 11,1 Kilometer zurück, nur Bastian Schweinsteiger war mehr unterwegs. Zudem gab Pizarro zwei Vorlagen, die schönste erneut per Hacke auf Robben vor dessen Tor zum 4:0.

Erst der dritte Startelf-Einsatz in dieser Bundesliga-Saison

"Wir haben sehr gut gespielt, und ich war sehr gut drauf. Ich habe lange nicht gespielt. Das war sehr wichtig für mich, vier Tore macht man nicht jeden Tag", sagte der sichtlich zufriedene Pizzaro nach dem Spiel. Für den Angreifer war es erst der dritte Startelf-Einsatz in dieser Bundesliga-Saison - und zugleich waren es seine ersten Bundesliga-Tore in dieser Spielzeit. Bei den Auftritten in Bremen und gegen Frankfurt war er jeweils torlos geblieben - und bereits kurz nach der Pause ausgewechselt worden.

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Grafische Analyse: Phantastischer Pizarro, desolater Westermann
Pizarro hat in dieser Saison die Rolle als Ersatz-Ersatz-Stürmer inne. Hinter Mario Mandzukic und Mario Gomez ist er die Nummer drei. Das war ihm bereits vor seinem Wechsel nach München im vergangenen Sommer bewusst - und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich Pizarro, ohne zu murren, in diese Rolle fügt, sogar kürzlich über eine mögliche Vertragsverlängerung über das Saisonende hinaus sprach.

14 Einsätze in der Liga hat Pizarro in dieser Saison für die Bayern absolviert, doch meist kommt der Peruaner erst zehn bis zwölf Minuten vor Schluss in die Partie. Tore erzielte er bis zu seinem Gala-Auftritt keine. Allerdings: Dass Pizarro zu solchen Leistungen, wie er sie in der Vergangenheit auch schon oft für Werder Bremen und bei seinem ersten Engagement in München gezeigt hatte, immer noch fähig ist, bewies er auch in dieser Saison: im Pokal gegen Kaiserslautern, als er zwei Tore selbst schoss und zwei weitere vorbereitete. Oder in der Champions-League-Vorrunde gegen den OSC Lille, als ihm ein Dreierpack gelang.

Bayern-Coach Jupp Heynckes weiß um die Qualität seines Angreifers: "Claudio Pizarro ist ein absoluter Top-Spieler, der spielerisch sehr gut ist. Er hat optimale Voraussetzungen", sagte der Trainer: "Es ist sehr wichtig, dass ich immer Optionen habe, von außen nachzulegen."

Es ist kein Geheimnis, dass Bayerns große Stärke in dieser Saison die starke Bank ist, gegen den HSV war dies einmal mehr exemplarisch zu sehen: ein aufgedrehter Arjen Robben, ein starker Xherdan Shaqiri - und dazu der überragende Pizarro. Alle drei müssen in dieser Saison meist auf der Bank Platz nehmen, wenn die Spiele angepfiffen werden.

Trotz seines Viererpacks wird Pizarro am Dienstag im Champions-League-Viertelfinale gegen Juventus Turin (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wohl wieder das Schicksal des Ersatz-Ersatz-Stürmers ereilen. "Ich glaube, der Trainer hat schon eine Vorstellung für das Turin-Spiel", sagte Pizarro, der noch ganz mannschaftsdienlich anfügte: "Es ist wichtig, dass alle drei Stürmer in einer guten Verfassung sind. Jeder von uns kann Tore machen, und das ist wichtig für den Verein."

Bayern München - Hamburger SV 9:2 (5:0)
1:0 Shaqiri (5.)
2:0 Schweinsteiger (19.)
3:0 Pizarro (30.)
4:0 Robben (33.)
5:0 Pizarro (45.)
6:0 Pizarro (53.)
7:0 Robben (54.)
8:0 Pizarro (68.)
8:1 Bruma (75.)
9:1 Ribéry (76.)
9:2 Westermann (86.)
München: Neuer - Lahm (61. Rafinha), Boateng, Dante, Luiz Gustavo - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (64. Müller), Kroos, Shaqiri (65. Ribéry) - Pizarro Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Badelj (81. Kacar), Rincón (57. Rajkovic) - Skjelbred, van der Vaart, Son (57. Arslan) - Rudnevs Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Sabberalot 31.03.2013
1. Mehmet Scholl...
hat ein Interview zu seinem Abschied gegeben, eine Frage lautete wer denn der beste Mitspieler in seiner Karriere gewesen wäre.......Antwort: Claudio Pizarro
Miguel 31.03.2013
2. es spricht natürlich
für die bayern, das sie zwei technisch hochbeschlagene, spielende chancenverwerter spielen lassen, während dem alternden reservisten pizarro hin und wieder etwas spielpraxis gegönnt wird ;). ach claudio - die fans jedes clubs weltweit würden dich glaube ich ganz gerne wöchentlich mit dem ball am fuß agieren sehen. auch wenn du langsam an die rente denken mußt/willst. wie war das gefühlt seit dem erfolgsweg des schickeriaclubs ? "wir kaufen sie alle kaputt!". gratuliere, selbst heutzutage im bannkreis der ölmultis unter der knute der manifestierten skrupellosigkeit, mahlt die mühle weiterhin schlechtes korn.
anneliese_katschmarek 31.03.2013
3. Bundesliga-Torjägerliste
Lieber Spiegel, macht den Rest der Liste doch bitte so korrekt wie bei Pizarro. Einen Teil ihrer Tore erzielten Manni Burgsmüller und Klaus Allofs auch bei Werder Bremen!
rabenkrähe 31.03.2013
4. nene
Zitat von sysopGetty ImagesVier Tore, zwei Vorlagen, Hackentricks: Bayern-Angreifer Claudio Pizarro hat gegen den HSV eine brillante Vorstellung abgeliefert. Dabei war es erst der dritte Startelf-Einsatz in dieser Bundesliga-Saison für den Peruaner. Gegen Juventus Turin droht nun wieder die Bank - für Pizarro kein Problem. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-stuermer-claudio-pizarro-schiesst-vier-tore-gegen-hsv-a-891838.html
......... Während Ribery und Robben sich als Weltstars fühlen, aber drei Viertel ihrer Zeit irgendwas auskurieren, sitzt Pizzaro amüsiert und topfit auf der Bank, um ein Tor nach dem anderen zu schießen, wenn er denn mal aufs Feld darf. Für mich ist er der eigentliche Star! rabenkrähe
mikeklatt 31.03.2013
5. Juve
Hätte sicher was zu Zittern, wenn Pizarro spielen würde...tut er aber wohl nicht, und Juve zerfetzt den Bayern Traum.
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