Bayern und Bayers CL-Woche: Die einen zaubern, die anderen zittern

Von Sebastian Winter, München

Bayer Leverkusen präsentierte sich bei der deutlichen Niederlage in München erschreckend schwach. Während Robin Dutts Mannschaft von Champions-League-Form weit entfernt ist, freuen sich die Bayern auf Manchester City. Nur der Fall Breno trübt ihren sechsten Ligasieg in Serie.

Bayern vs. Bayer: Ribéry in Spiellaune, Bayer-Talent überfordert Fotos
Getty Images

Es gibt einen ungeschriebenen Ehrenkodex zu Wiesn-Zeiten: Während des Oktoberfests verliert der FC Bayern München nicht, schon gar nicht im eigenen Stadion. Man will den bierseligen Fußballfans ja nicht die gute Laune verderben. Vergangenes Jahr verloren die Münchner zur Festzeit erst im eigenen Stadion gegen Mainz und danach auswärts gegen Dortmund. Sportdirektor Christian Nerlinger sagte den geplanten Wiesn-Besuch der Mannschaft ab. Das gab es noch nie.

An diesem Wochenende gibt es so wenige Argumente wie selten, die gegen einen Besuch der Bayern beim größten Volksfest der Welt sprechen. Sie haben Bayer Leverkusen bei ihrem 3:0 (2:0) wie einen duckmäuserischen Sparringspartner aussehen lassen, während und nach dem Spiel. Das Zusammenwirken des Dreiecks Philipp Lahm, Franck Ribéry und Toni Kroos klappte hervorragend, Bastian Schweinsteiger war ein starker Regisseur und Torschütze Thomas Müller lief als unbändiger Freigeist über das Feld.

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Grafische Analyse: Beeindruckender Ribéry, unsichtbarer Augusto
Die Defensive funktionierte fast tadellos, sie bekam allerdings auch wenig zu tun, auch weil die Bayernspieler mehr als in der vergangenen Saison nach hinten arbeiten - und Leverkusen extrem ideenlos agierte. "Des is ja a Kasperlmannschaft", sagte ein Besucher in Lederhosen bereits während der Halbzeitpause. Müller und Schweinsteiger waren nach Spielende nicht viel charmanter: "Wir haben gar nicht so gut gespielt wie letzte Woche, aber Leverkusen hat es uns sehr leicht gemacht", sagte Müller, und Schweinsteiger freute sich hinsichtlich des Champions-League-Heimspiels gegen Manchester City am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf "eine richtige Herausforderung".

Dutts Team keine Einheit

Die Werkself war mit dem Anspruch in die neue Saison gestartet, um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Doch mit drei Siegen, einem Unentschieden und drei Niederlagen nach den ersten sieben Spieltagen, acht Punkten Rückstand auf die Bayern und einem zweistelligen Tabellenplatz ist dieses Ziel in weite Ferne gerückt.

Bereits Ende Juli war Leverkusen trotz einer Drei-Tore-Führung bereits mit einem peinlichen 3:4 beim Zweitligisten Dresden in der ersten Runde des DFB-Pokals gescheitert, am vergangenen Wochenende verlor Robin Dutts Mannschaft zu Hause 1:4 gegen Köln. Auch in der Champions League wollte das nominell stark besetzte Team ein Wörtchen mitreden. Mit dieser Leistung muss man am Rhein allerdings sogar um die fest eingeplanten Punkte am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den belgischen Vertreter KRC Genk zittern.

Es zeigt sich, dass die Weggänge bei Bayer bislang noch nicht ersetzt werden konnten: Arturo Vidal fehlt dem gegen die Bayern arg behäbigen Kapitän Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld, zudem hat der 21-jährige Stefan Reinartz den ehemaligen Abwehrchef Sami Hyypiä (37) noch nicht ersetzen können.

Auf dem linken Flügel fällt der rotgesperrte André Schürrle weiter aus, und auch die zentralen Stürmer Stefan Kießling und Eren Derdiyok enttäuschten bislang. Das Bayer-Spiel wirkt harmlos-verkrampft, von der Kombinationssicherheit, die in der vergangenen Saison immerhin mit Platz zwei belohnt wurde, ist nicht viel zu sehen. Dutt, der Nachfolger von Jupp Heynckes auf der Bayer-Trainerbank, hat aus seinem Team noch keine Einheit geformt.

Drama um Breno empört die Bayern

Umso erstaunter waren die Zuhörer, als Dutt nach der deutlichen Niederlage bei den Bayern auf dem Pressepodium plötzlich anfing, von seinen Spielern zu schwärmen: "Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft. Sie war gewillt, sich in jede Aktion reinzuhauen und hat sich nicht abschlachten lassen." Dutt hatte desweiteren "einen Teamgeist gesehen, den man auch in schwierigen Situationen braucht", und die Bayern in den höchsten Tönen gelobt, wie zuvor auch Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Während die Verantwortlichen also eine ziemlich plumpe Technik anwandten, um von den eigenen Problemen abzulenken, stellte sich nach den merkwürdigen Aussagen die Frage, ob dies tatsächlich der Anspruch Leverkusens ist: Froh zu sein, wenn man in München nicht untergeht?

Die Bayern dagegen hätten nun einen fröhlichen Wiesn-Sonntag bei herrlichem Herbstwetter verbringen können. Doch die traurige Geschichte ihres Kollegen Breno drückte auf die Stimmung. Der 21-jährige brasilianische Abwehrspieler war am Montagabend aus seiner brennenden Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald geflohen, seit Samstag sitzt er wegen des Verdachts auf schwere Brandstiftung im eigenen Haus in Untersuchungshaft.

Die Bayern-Bosse verteidigten ihren zuletzt nach schweren Verletzungen wieder im Aufbautraining befindlichen Spieler, und reagierten verständnislos auf dessen Festnahme. Die Nachricht hatte sich während der vergangenen Woche von einem Unglück zur Kriminalgeschichte verdichtet. Und drängte den eigentlich so locker-leichten sechsten Liga-Sieg der Bayern zeitweise in den Hintergrund.

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1. Der Ball bleibt rund
wkawollek 25.09.2011
Ich gehöre ja zur Mehrheit (nehme ich jedenfalls an) deutscher Fußballfreunde,die nicht unbedingt Fans des FC Bayern sind. Derzeit muss man allerdings anerkennen, den Bayern kann niemand das Wasser reichen, zumindest in der Bundesliga. Was auf europäischer Ebene geht,wird man sehen. Blamabel jedenfalls derzeit der deutsche Meister und auch der Zweitplatzierte. Da freut einen wenigstens die Wiederkehr der (fast) abgestiegenen Gladbacher Borussen. Sogar Bayern-Trainer Heynkes sollte das rühren.
2. Wie stark ist die Bundesliga?
rehabilitant 25.09.2011
Zitat von sysopBayer Leverkusen präsentierte sich bei der deutlichen Niederlage in München erschreckend schwach. Während Robin Dutts Mannschaft von Champions-League-Form weit entfernt ist, freuen sich die Bayern auf Manchester City. Nur der Fall Breno trübt ihren sechsten Ligasieg in Serie. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,788260,00.html
Man muss es leider sagen: In Deutschland haben wir (und das seit über 30 Jahren) mit den Bayern eine derart dominanten Verein, dass man froh sein muss, wenn die nicht jedes Jahr Meister werden. Zwischendurch dürfen auch immer mal andere ran, wie Wolfsburg oder Dortmund. Was aber das Schlimmste ist: International haben die Münchner gegen Vereine wie Barca oder auch ManU und Real wenig Chancen. Das sagt doch einiges über die Qualität der BL aus.
3. .
michel65 25.09.2011
Zitat von rehabilitantWas aber das Schlimmste ist: International haben die Münchner gegen Vereine wie Barca oder auch ManU und Real wenig Chancen. Das sagt doch einiges über die Qualität der BL aus.
Schauen Sie sich die Bilanz der Münchner gegen diese Vereine an. Das sagt doch einiges über die Qualität Ihres Fußballwissens aus.
4. ...
Greg84 26.09.2011
Zitat von rehabilitantMan muss es leider sagen: In Deutschland haben wir (und das seit über 30 Jahren) mit den Bayern eine derart dominanten Verein, dass man froh sein muss, wenn die nicht jedes Jahr Meister werden. Zwischendurch dürfen auch immer mal andere ran, wie Wolfsburg oder Dortmund. Was aber das Schlimmste ist: International haben die Münchner gegen Vereine wie Barca oder auch ManU und Real wenig Chancen. Das sagt doch einiges über die Qualität der BL aus.
Das diese Vereine international mehr Titel holen als die Bayern ist wenig überraschend bei den unterschiedlichen Ausgangslagen. Abgesehen davon dominiert Real international auch schon lange nicht mehr. Das Halbfinale letztes Jahr war auch das erste mal nach 8 Jahren scheitern im Achtelfinale. United halte ich auch nicht für eine Übermannschaft. Bayern hat die nicht umsonst 2010 im Viertelfinale ausgeschaltet. Barcelona scheint aktuell das Maß der Dinge zu sein, auch United seh im Finale sehr schlecht aus.
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