SPIEGEL ONLINE: Wie bewerten Sie den 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg?
Lahm: Wir sind am Anfang nicht ins Spiel gekommen, mussten unseren Rhythmus lange suchen. Aber ab Beginn der zweiten Halbzeit waren wir deutlich überlegen und haben uns die klareren Torchancen erarbeitet. Deshalb haben wir das Spiel auch verdient gewonnen.
SPIEGEL ONLINE: Wie groß war die Angst nach der Niederlage am vergangenen Spieltag erneut zu verlieren und einen klassischen Fehlstart hinzulegen?
Lahm: Selbstvertrauen gibt einem eine solche Niederlage natürlich nicht. Das hat uns schon sehr gefuchst. Aber Angst hatte hier keiner, vielmehr hat uns die letzte Niederlage noch zusätzlich motiviert.
SPIEGEL ONLINE: Sie konnten unter der Woche beim Spiel gegen Brasilien Selbstvertrauen tanken. War das heute auch ein Faktor, der zum Sieg beitrug?
Lahm: Nein, absolut nicht. Im Gegenteil: Die Auswirkungen des Brasilien-Spiels zeigten sich eher in Form von schweren Beinen, denn durch zusätzliches Selbstvertrauen. Der einzige Grund, warum wir heute gewonnen haben, war der, dass wir den Sieg unbedingt wollten. Wir haben heute die richtige Einstellung gezeigt.
SPIEGEL ONLINE: Es war aber ein sehr glücklicher Sieg.
Lahm: Das spielt für uns überhaupt keine Rolle. Wichtig sind die drei Punkte, wie sie zustande gekommen sind ist mir völlig egal.
SPIEGEL ONLINE: Wie wäre denn das Spiel ausgegangen, wenn das reguläre Tor von Patrick Helmes nicht fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt worden wäre?
Lahm: Das interessiert mich nicht. Wir haben am vergangenen Spieltag auch ein reguläres Tor gemacht, was aber nicht gezählt hat. Darüber haben wir uns auch nicht beklagt. Innerhalb einer Saison gleichen sich solche Entscheidungen immer aus, da muss man nicht mehr zurückschauen.
SPIEGEL ONLINE: Spielerisch kann Sie der Sieg aber nicht zufrieden stellen, oder?
Lahm: Absolut richtig. Es ist klar, dass wir heute schlecht gespielt haben. Daran müssen wir arbeiten, daran werden wir arbeiten. Wir müssen noch schneller nach vorne spielen, noch schneller umschalten. Wir müssen lernen, die wenigen Räume, die uns geboten werden, noch geschickter auszunutzen.
SPIEGEL ONLINE: Woran liegt es, dass das noch nicht funktioniert?
Lahm: Weil wir immer noch die Fehler der vergangenen Saison machen und viel zu sehr auf unseren Ballbesitz und auf die Ballkontrolle achten. Dabei vernachlässigen wir zu häufig das Tempospiel und die schnelle Überbrückung des Spielfeldes. Wir müssen noch mehr Bälle noch direkter in die Spitze spielen.
SPIEGEL ONLINE: Ihnen merkt man derzeit auch noch einige Unsicherheiten auf der linken Abwehrseite an. Fühlen Sie sich dort denn mittlerweile wohl?
Lahm: Ich habe immer gesagt, dass ich mich defensiv auf der rechten Seite wohler fühle. Andererseits habe ich über links in der Offensive mehr Möglichkeiten.
SPIEGEL ONLINE: Wie viel Sicherheit gibt Ihnen der Sieg heute für das Champions League-Qualifikationsspiel gegen Zürich?
Lahm: Der Sieg gibt uns eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Wir können dadurch ein wenig befreiter aufspielen. Ich hoffe, dass man das gegen Zürich auch sehen wird.
SPIEGEL ONLINE: Wäre es für Sie noch ein gelungener Saisonstart, wenn Sie in der kommenden Woche gegen Zürich und den HSV gewinnen sollten?
Lahm: Das sind zwei Heimspiele, die wir sowieso gewinnen müssen. Aber die bringen uns die drei verlorenen Punkte gegen Gladbach auch nicht zurück. Deshalb ist es mir egal, ob wir einen guten Start, ein gutes Finish oder sonst was haben: Wir müssen siegen und unsere Punkte holen. Und das am besten in jedem Spiel.
Aufgezeichnet von Rafael Buschmann
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