Von Sebastian Winter, Zürich
Karl-Heinz Rummenigge hat sich am Montag nach seiner Ankunft in Zürich schnell noch über die Annehmlichkeiten des besten Hauses am Platz informieren lassen. Im Anzug und mit brauner Aktentasche hatte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender in das am Adlisberg hoch über dem Zürichsee gelegenen Luxushotel eingecheckt, eine Hostess begleitete ihn dann zum Aufzug und wies drauf hin: "Wir haben hier einen ganz traumhaften Spa-Bereich."
Ob den Bayern bei Temperaturen von über 30 Grad vor dem Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation beim FC Zürich (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) der Sinn nach Dampfbädern, Aromapools, Kotatsu-Fußbädern und Stehsolarien stand, ist fraglich. Erfrischender wäre der Griff zu einem Glas Cola mit Eis und Zitrone für schlappe zehn Euro gewesen.
Aber das Wellness-Amüsement der burgähnlichen Anlage passt gut zu dem, wie sich der deutsche Rekordmeister den Dienstagabend in der Schweizer Finanzmetropole vorstellt: Nach dem 2:0 im Hinspiel gegen sehr harmlose Züricher im ausverkauften Letzigrund-Stadion möglichst entspannt in die Gruppenphase einzuziehen.
Schweinsteiger "felsenfest vom Weiterkommen überzeugt"
Am besten verdeutlichte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger die Zielsetzung seines Vereins. Als ihn bei der Pressekonferenz im Gartensalon des Hotels ein Schweizer Journalist fragte, ob es denn irgendeinen Fakt gebe, der gegen die Bayern spreche, überlegte Schweinsteiger eine kleine Ewigkeit. "Schwierig", sagte der 27-Jährige dann, "wir sind felsenfest davon überzeugt, dass wir weiterkommen können."
Rummenigge musste gar vor Überheblichkeit warnen - ein untrügliches Zeichen dafür, wie sehr im Verein vom Weiterkommen ausgegangen wird. Trainer Jupp Heynckes hielt sich ebenfalls nicht lange mit Höflichkeitsfloskeln auf: "Das ist ein ganz wichtiges Spiel für den Club. Wir nehmen die Partie sehr ernst und ich als Trainer möchte gewinnen und erwarte noch eine Steigerung im Spiel, in unserem Konzept."
Heynckes hatte vor seinem Engagement bei den Bayern immer wieder betont, die Defensivordnung seiner Mannschaft zu verbessern. Er fordert von allen Mannschaftsteilen, sich bei der Abwehrarbeit zu unterstützen. Auch die Offensive soll also Defensivdienste verrichten, ein gutes Pressing bei gegnerischem Ballbesitz ist die Voraussetzung hierfür. Heynckes will so auch die Innenverteidiger entlasten, die vergangene Saison unter Trainer Louis van Gaal oft hilflos wirkten, auch weil ihre Mitspieler viel zu weit aufgerückt waren.
Heynckes nur beim Stürmerthema dünnhäutig
Bislang wirkt sein Konzept, das zeigt die Bilanz von nur einem Gegentor aus den bislang vier Saisonpartien. "Wir haben besonders in den letzten zwei Spielen einen guten Schritt in die richtige Richtung getan. Vor allem wenn der Gegner den Ball hat, verteidigen wir als Mannschaft besser", sagte Schweinsteiger.
Im Letzigrund-Stadion mit seiner fast nostalgisch wirkenden Leichtathletik-Bahn hatten sich die Bayern dann am frühen Montagabend ein schattiges Plätzchen gesucht und schnelles Kurzpassspiel sowie das Umschalten von Abwehr auf Angriff geübt. Zürichs reicher Präsident Ancillo Canepa schaute sich das Training von der Haupttribüne aus an, er schien beeindruckt zu sein.
Der Wortschatz bei seinem Trainer Urs Fischer und dem Kapitän Silvan Aegerter zeugte von weniger Furcht. Sie sprachen davon, dass "die Chancenlosigkeit unsere Chance" sei und redeten vom "Wunder von Zürich". Allerdings glaubt sonst in Zürich kaum jemand ernsthaft an ein Weiterkommen. Am Wochenende verlor der FCZ in der Liga zu Hause 0:2 gegen den Vorletzten Xamax Neuchâtel.
In diese klare Ausgangssituation mischte sich aber ein für die Bayern dann doch noch ärgerliches Element: Nach der schweren Verletzung des gerade genesenen Stürmers Ivica Olic im Spiel gegen Hamburg keimte eine Debatte auf, die sich um die mögliche Verpflichtung eines weiteren Offensivspielers drehte. Rummenigge jedenfalls denkt über einen Transfer bis zum Ende der Transferperiode am 31. August nach.
Das gefällt Heynckes überhaupt nicht: "Ich halte nichts von Schnellschüssen, das ist eine völlig unnötige Diskussion. Wenn wir nicht weiter vom Verletzungspech gebeutelt werden, sind wir in der Lage, das zu kompensieren." Es war der einzige Moment, in dem Bayerns Trainer, der in Mario Gomez, Thomas Müller und Nils Petersen "nur" noch drei Stürmer zur Verfügung hat, dünnhäutig wurde.
Bei näherer Betrachtung sind auch dies Luxusprobleme, denen die Bayern im Hotel schon einmal präventiv begegnen konnten. Etwa mit einem seidig-milchigen Fuß-Pflegebad und anschließendem Gesichtspeeling.
FC Zürich - FC Bayern München (Voraussichtliche Aufstellungen, Anpfiff 20.45 Uhr) Zürich: Leoni - Philipp Koch, Raphael Koch, Teixera, Rodriguez - Nikci, Aegerter, Buff, Djuric - Mehmedi, Chermiti
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Gustavo, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribéry - Gomez
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