Champions League Neuer rettet und patzt - Bayern verliert gegen Arsenal

Was für eine Parade! Was für ein Patzer! Bayern-Keeper Manuel Neuer war der entscheidende Mann in der Champions-League-Partie zwischen Bayern und Arsenal. Erst rettete er, dann sorgte er für die erste Saisonniederlage seines Teams.

Von

REUTERS

Bayern-Angreifer Thomas Müller hatte es geahnt: "Beide Mannschaften haben sich den Offensivgeist auf die Fahnen geschrieben", hatte der Torjäger vor der Champions-League-Partie des FC Bayern beim FC Arsenal gesagt. Und die Fans in London wurden nicht enttäuscht: Sie sahen Großchancen am laufenden Band, Torwartparaden und, in der zweiten Hälfte, auch zwei Tore.

Die erzielte der Gastgeber und sorgte für Bayerns erste Pflichtspielniederlage in der laufenden Saison. Olivier Giroud traf in der 77. Minute zum für Arsenal. Der Angreifer profitierte dabei von einem Patzer Manuel Neuers. Der deutsche Torhüter hatte bis dato ein starkes Spiel gemacht, verschätzte sich aber bei einem Freistoß. Mesut Özil sorgte für den 2:0 (0:0)-Endstand.

"Ein Unentschieden wäre verdient, aber ich habe den großen Fehler gemacht. Das weiß ich, und ich werde daran arbeiten", sagte Neuer nach der Partie dem TV-Sender Sky. Bayerns Trainer Josep Guardiola nahm seinen Keeper in Schutz: "Wir haben nicht wegen Manuel Neuer verloren. In der ersten Halbzeit hat er wahnsinnig gehalten, also ist es kein Problem. Es ist egal." Auch Münchens Kapitän Philipp Lahm sagte: "Das passiert. Man kriegt auch mal ein Gegentor, auch bei uns."

Beim Anpfiff waren einige Plätze im Fan-Block der Münchner leer geblieben. Grund hierfür: Die Bayern-Anhänger protestierten gegen die hohen Ticketpreise für die Partie. Erst nach fünf Minuten strömten sie in den Innenraum - unter dem Applaus der Arsenal-Anhänger.

Protest gegen Ticketpreise: Bayern-Fans kommen erst später
Getty Images

Protest gegen Ticketpreise: Bayern-Fans kommen erst später

Sie hatten bis zu diesem Zeitpunkt einen Alleingang ihres Angreifers Robert Lewandowski verpasst sowie einen Ausflug ihres Torhüters, der außerhalb des Strafraums klären musste (beides in der ersten Minute). Zur ersten Großchance des Spiels kamen sie aber rechtzeitig: Özil testete Neuer, der parierte. Den Nachschuss von Theo Walcott blockte Lahm (7.).

Es entwickelte sich eine Partie auf technisch hohem Niveau, mit Chancen auf beiden Seiten. Arsenal-Torhüter Petr Cech hielt zunächst glänzend gegen Thiago, der sich per Doppelpass mit Thomas Müller freigespielt hatte (11.). Auf der anderen Seite hatte Neuer kein Problem mit einem unplatzierten Schuss von Theo Walcott.

Glanztat von Bayern-Keeper Neuer

Und so ging es munter weiter: Mal musste Cech parieren (etwa bei Vidals Distanzschuss in der 28. Minute), dann stand wieder Neuer im Blickpunkt. Der deutsche Nationaltorhüter lieferte eine hochklassige Rettungstat ab, die die Arsenal-Fans zur Verzweiflung getrieben haben dürfte: Einen Kopfball von Walcott, der weniger als zehn Meter vom Bayern-Tor entfernt stand, parierte er sensationell auf der Linie (33.).

Parade von Neuer gegen Walcott: Rettungstat auf der Linie
Getty Images

Parade von Neuer gegen Walcott: Rettungstat auf der Linie

Arsenal kam nun immer öfter zu Kontern, die jedoch nicht zum Torerfolg führten. Die letzte Großchance der ersten Hälfte hatte so Douglas Costa, der zuvor einige technische Kabinettstückchen auf der linken Seite vollführt hatte, nach einem Fehlpass von Alexis Sanchez (42.).

Auch in der zweiten Hälfte war es der agile Mann von der Außenbahn, der mit einem Distanzschuss aus 20 Metern für eine Bayern-Chance sorgte. Sein Versuch flog jedoch wenige Zentimeter über das Tor (51.). Lewandowski prüfte wenige Minuten später Cech, der den Ball über das Tor lenkte.

Beide Teams hatten zwar weiter Chancen. Doch weder bei Francis Coquelins Distanzschuss (58.), noch bei Alonsos Versuch (60.), Müllers scharfer Hereingabe (62.) oder Walcotts Kopfball (69.) fiel ein Tor.

Fotostrecke

13  Bilder
Bayern in der Einzelkritik: Superheld mit bitterer Pointe
Der Schwung, der die Partie bis dato bestimmte, ließ ab der 70. Minute etwas nach. Trotzdem konnten sich die Torhüter weiter auszeichnen. In der 74. Minute war wieder Arsenals Cech dran, der in höchster Not gegen Lewandowski parierte.

Und dann passierte das: Ein Freistoß segelte in den Strafraum, Neuer kam aus dem Tor, sprang am Ball vorbei - und der eingewechselte Giroud köpfte zur 1:0-Führung ein. Der Ball sprang dem Arsenal-Angreifer dabei unabsichtlich an den Arm, der Treffer zählte dennoch.

In der Nachspielzeit traf Özil nach einem Konter zum Endstand. Die kuriose Schlusspointe: Neuer hätte diesen Treffer mit einem starken Reflex fast noch verhindert. Der Bayern-Keeper sagte dazu: "Grundsätzlich habe ich ihn ja gehalten - aber er war halt hinter der Linie."

FC Arsenal - Bayern München 2:0 (0:0)
1:0 Giroud (77.)
2:0 Özil (90.+4)
Arsenal: Cech - Bellerin, Mertesacker, Koscielny, Monreal - Coquelin, Cazorla - Ramsey (57. Oxlade-Chamberlain), Özil, Sanchez (82. Gibbs) - Walcott (74. Giroud)
München: Neuer - Lahm, Alaba, Jerome Boateng, Bernat - Alonso (70. Kimmich) - Thiago, Vidal (71. Rafinha) - Thomas Müller, Lewandowski, Costa
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Zuschauer: 59.824 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Giroud -



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
efemijan 20.10.2015
1. Bester Torwart der Welt-Ein Witz
Sobald Neuer die Torlinie verlässt, wird´s Kreisklasse. Schon immer so gewesen.
aurichter 20.10.2015
2. Verdient verloren !
Wer so pomadig nur auf Ballbesitz spielt, nur ein langweiliges Geschiebe von einer Seite zur anderen, der muss sich über dies Ergebnis nicht wundern. Wo war dieser Wunderchilene Vidal denn? Warum nicht Coman auf Rechts? Rückblickend zur PK bekommt man dein Eindruck, als wenn Guardiola das Ergebnis schon kannte. Sehr merkwürdig Alles.
hermanngaul 20.10.2015
3. oh ha
Krise. Krise. Krise in München. 180min und nur 2 Tore. Wann öffnet endlich das Transferfenster?
Paul 57 20.10.2015
4. Juhu
Ich hätte Bock auf einen Autocorso.
spon_2937981 20.10.2015
5. Biss hat gefehlt
Bayern war nicht zwingend genug unterwegs, zuwenig 'Biss' gegen das tief verteidigende Arsenal. Da Arsenal komplett auf Pressing verzichtete und sich deshalb nicht 'totlief', hatte Bayern am Ende auch keine konditionellen Vorteile. Nach dem 1:0 war Bayern weiterhin zu lethargisch, ging nicht konsequent auf den Ausgleich. Arsenal hingegen wurde immer giftiger und erzielte fast logischerweise das 2:0. Der schlampige Pass vor dem 2:0 symptomatisch für das Bayern-Spiel heute. Verdienter Sieg von Arsenal. War korrekt, den Treffer zum 1:0 zu geben. (Wenn es abgepfiffen wird, kann sich Giroud aber auch nicht beschweren.) Das 2:0 war tendenziell drin, aber die Fernsehbilder (Wiederholungen während Live) zeigten es nicht eindeutig. (Man bedenke: vollständig, mit vollem Durchmesser hinter dem Ende der Linie. Das ist eigentlich ziemlich viel.)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.