Auftaktsieg gegen Gladbach: Bayern verlaufen sich noch in Guardiolas System

Aus München berichtet Sebastian Winter

DPA

Starke Offensive, mangelhaftes Umschaltspiel: Die Bayern haben bei ihrem 3:1-Sieg gegen Gladbach zum Bundesliga-Start zwei Gesichter gezeigt - und machten Trainer Guardiola unzufrieden. Gerade gegen starke Konterteams können die Mängel fatale Folgen haben.

Arjen Robben kam nicht verschnupft aus der Dusche der Münchner Arena, auch wenn er ein Nasenspray mitgenommen hatte, das er nun in seinen Händen hin- und herrollte. Der Holländer war vielmehr sehr zufrieden. Er hatte ein Tor geschossen, eines vorbereitet und damit einen wichtigen Beitrag zum 3:1-Sieg der Bayern gegen Gladbach im ersten Ligaspiel der neuen Saison geleistet. "Wir haben richtig gut gespielt in der ersten Halbzeit", sagte Robben. So weit, so erwartbar. Doch dann fand er deutliche Kritik: "Danach haben wir die Kontrolle ein bisschen verloren. In der zweiten Halbzeit sind wir teilweise nicht gut gestanden und haben Probleme bekommen. Das darf natürlich nicht passieren."

So oder so ähnlich äußerten sich viele andere Bayern-Spieler nach dem Auftakterfolg im heimischen Stadion, der vor allem eines war: ein hartes Stück Arbeit. Kapitän Philipp Lahm und Flügelspieler Franck Ribéry bemängelten beide, dass die Automatismen noch nicht greifen würden, Offensivspieler Thomas Müller sagte, dass seine Mannschaft vorne ein ordentliches Spiel gemacht, aber hinten zu viele Tormöglichkeiten zugelassen habe.

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Die Bayern in der Einzelkritik: Hechelnder Lahm, Müllers ewige Minute
Tatsächlich hatte den 71.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion bereits nach 16 Minuten gedroht, Zeugen völliger Dominanz der Bayern zu werden. 2:0 führte der Triple-Gewinner da bereits, durch Treffer von Arjen Robben (11.) und Mario Mandzukic (16.). Vieles an der zupackenden Spielweise erinnerte an Offensivfeuerwerke aus der vergangenen Saison. Doch nach rund einer halben Stunde änderte sich das Bild.

Es war die Zeit, als Gladbach begann, sich mehr zuzutrauen. Oder, wie es Borussia-Trainer Lucien Favre formulierte: "Für mich war wichtig, dass wir gewagt haben zu spielen." Immer wenn Gladbach mutig wurde, oft mit Raffael und Max Kruse, haben die Bayern enorme Probleme bekommen, was vor allem an einem Punkt lag: ihrem mangelhaften Umschaltspiel.

Die Analyse von Pep Guardiola

Toni Kroos, dessen Position im Zentrum enorm wichtig ist für den schnellen Wechsel vom Offensiv- in den Defensivmodus, sagte dazu: "Mit Ball war es schon sehr gut." Was im Umkehrschluss heißt, dass das Spiel ohne Ball erhebliche Mängel aufwies. Bayern-Trainer Pep Guardiola, der seine ersten drei gewonnenen Punkte in der Bundesliga überhaupt eher gefasst denn euphorisch entgegennahm, beschrieb das Manko so: "Wir haben das Pressing nach vorne nicht so gut gemacht und Gladbach Zeit gelassen zu denken. Nach eigenem Ballverlust sind wir nicht gut vorbereitet in unsere Positionen gegangen, nach dem 2:0 haben wir sie ein bisschen verloren."

Guardiola war auch wegen dieses schlechten Stellungsspiels zwischenzeitlich gar nicht zufrieden gewesen. Bereits in der 23. Spielminute regte er sich fürchterlich auf an der Seitenlinie und schlug mit der Hand auf seinen rechten Oberschenkel. Auch danach gestikulierte er wild herum. Die Zuordnung stimmte einfach nicht, so dass sich bei den schnellen Kontern Gladbachs große Lücken auftaten, die die weit aufgerückten Bayern-Spieler oft kaum zu schließen vermochten. Die Konter, erzählte Bayerns Abwehrspieler Jérôme Boateng, seien genau das gewesen, "was wir verhindern wollten. Wir sind aber nicht zu offensiv gestanden, sondern einfach falsch."

Es fehlte die Bayern-Ordnung vor dem Strafraum

Die Gladbacher, die als ausgewiesene Umschaltexperten gelten, hatten dadurch ungewöhnlich viel Raum. Auch weil die Mittelfeldspieler der Bayern deren schnelles Spiel nach vorne nicht unterbanden und sich durch die aufgerückten Außenverteidiger extrem große Lücken bildeten. "Die Spieler, die an der Offensivaktion nicht beteiligt sind, müssen die Kontersituation einschränken, kontrollieren. Das hätten wir ein-, zweimal etwas besser machen können", versuchte Kroos einen Erklärungsansatz.

Jedenfalls hatten die Bayern große Mühe, sich vor dem eigenen 16-Meter-Raum wieder zu ordnen. Mehrere Male musste Torwart Manuel Neuer in höchster Not retten. "Wir sind in der ersten Halbzeit zu viel gelaufen, haben viel Pressing gemacht, attackiert. Das kann man nicht 90 Minuten durchhalten", sagte Ribéry dann noch. Eigentlich ist aber genau das Guardiolas Spiel. Nur haben sich die Protagonisten über manche Strecken des Spiels in seinem System schlichtweg verlaufen.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Koa Danza Catalana
arjenrobben 10.08.2013
Der FCB ist vom FCB so weit entfernt wie München vom Nordpol. Abgesehen von den ersten 15 min. war das zum Teil ein Rückfall in van Gaal-Zeiten, vorne hui hinten pfui. Und Dante scheint echte Integrationsprobleme zu haben, wo immer die auf einmal herkommen mögen. Ist er intellektuell überfordert? Sind doch alles intelligente Spieler, hat der Pep gesagt. Ok, Bayern hat alle 4 Tore geschossen, Gladbach keins, das ist ein statement, aber spielerisch sind die Bayern noch lange nicht da, wo Jupp sie am Ende hatte. Zugegeben, einen Sieg schlecht reden bringt nix, aber mir gefällt im Moment überhaupt nicht, wie der FCB die Räume für den Gegner öffnet. Gladbach hätte locker auch 3 Tore machen können und dann steht es 3:3 und das dahoim, Mann, da wär Uli oba vom Sitz gekippt und dem Franz wäre sein Cap noch tiefer ins Gesicht gerutscht. Jogi und friends googleten ja auch schon vor Langeweile durchs Netz, obwohl Mandzukic' schöner Abseits-Nicht Abseits-Treffer endlich seine Startelfberechtigung bestätigte. Nun gut, was soll's, war das erste Spiel, der FCB hat gewonnen. Und Müller, ja aus und vorbei mit dem Elfer-Killer-Mythos. Wenn sich vorher schon einer an die Nase packt, dann weiß man's, der geht nie und nimmer rein. Gut, dass der Alaba noch da war. Mal sehen ob Dante sich fängt, Götze den Push bringt, Schweini seine Form findet und Thiago nochmal spielen wird.
2. Wo bitte ist das
contra3114 10.08.2013
So ganz verstehe ich weder die Kommentare der Spieler noch die der Sachverständigen. Ich habe ein Spiel im Heynckes-System gesehen, bei dem einer der 6er fehlte, und genau das war das Problem, welches zum Überrennnen des Mittelfeldes durch die Gladbacher führte. Etwas mehr Kaltschnäuzigkeit, und Gladbach hätte die Bayern in große Probleme gestürzt.
3. bin mal gespannt
rumsi 10.08.2013
wenn Ribery und Robben verletzt sein sollten. . Wie es dann wohl läuft.Dieses ganze Getue um PEP (GOTTVATER DER TRAINER) geht einem langsam auf den Geist.Andere normale Bundesligamannschaften können auch Fussball spielen.
4. Wenn die Bayern hinten schwach waren,
experiencedsailor 10.08.2013
waren wohl die Gladbacher hinter noch schwächer. Und offensichtlich waren die schwachen bayerischen Defensivspieler immer noch besser als der Gladbacher Angriff - sonst hätten letztere wohl ein Tor geschossen.
5. schön. dass man endlich glaubt,
rbn 10.08.2013
Zitat von rumsiwenn Ribery und Robben verletzt sein sollten. . Wie es dann wohl läuft.Dieses ganze Getue um PEP (GOTTVATER DER TRAINER) geht einem langsam auf den Geist.Andere normale Bundesligamannschaften können auch Fussball spielen.
dass wir in München auch nur mit Wasser kochen. Allerdings ist es manchmal aus der Isar, das ist etwas Besonderes. Also, der FCB ist ein stinknormaler Fussballclub, kein Grund neidisch zu sein.
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