Topspiel-Verlierer Arjen Robben: "Es tut mir wirklich leid"

Von , Dortmund

Arjen Robben hätte der Held im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund werden können. Stattdessen steht der Bayern-Star nach seinem vergebenen Elfmeter als der große Verlierer da. Es ist nicht das erste Mal, dass die Nerven des Niederländers im entscheidenden Moment versagen.

Aufrichtige Traurigkeit lag in den Zügen von Arjen Robben, als er eine halbe Stunde nach dem 0:1 des FC Bayern in Dortmund im Münchner Mannschaftsbus verschwand. Sprechen wollte er nicht mehr, vor den TV-Kameras war alles gesagt worden, und dort hatte Robben seine Verzweiflung nur dürftig verbergen können.

Besonders einem Satz, den er mehrfach formulierte, war die Tiefe seines Schmerzes zu entnehmen. "Ausgerechnet in diesem Moment", hatte Robben gemurmelt, nachdem er in der Schlussphase dieses großen Spiels einen Elfmeter vergeben hatte. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, welche Gedanken den Star des FC Bayern in der Nacht danach gequält haben.

Robben ist ein ganz besonderer Fußballer, einer, der Spiele alleine entscheiden kann, der vor allem im Jahr 2010 unglaublich wichtige Tore erzielt hat. Allerdings werden ihm auch Eigensinn und mangelnde Mannschaftsdienlichkeit vorgeworfen, und jetzt häufen sich die Indizien für die These, dass der Holländer kein Mann für jene richtungsweisenden Situationen ist, in denen Kleinigkeiten über Titel entscheiden.

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Giganten-Duell: Robben versagen die Nerven
Schon das Finale der WM 2010 verfolgt Robben. Damals war er beim Stand von 0:0 alleine auf den spanischen Torhüter Iker Casillas zugestürmt und war gescheitert. "Oh, viel zu oft sehe ich das noch, ich glaube, das bleibt einem das ganze Leben", hat Robben im vergangenen Sommer in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erzählt. Künftig wird er wohl auch von zwei Szenen vom Mittwochabend heimgesucht werden.

Dem vergebenen Elfmeter folgte nämlich eine fabelhafte Großchance, als ein Abpraller von der Latte drei Meter vor dem Tor vor seinen Füßen landete. Doch Robben drosch den Ball weit über das Tor. "Es tut mir wirklich leid, für die Mannschaft und für die Fans", sagte er. Unmittelbar nach dem Spiel hatte er sich in der Fankurve entschuldigt, es ging ihm schlecht in dieser Nacht der Niederlage, die auch eine persönliche Niederlage Robbens war.

Die Mitspieler nahmen den Kollegen zwar öffentlich in Schutz, doch insgeheim wird der eine oder andere denken, was Sebastian Kehl offen aussprach. "Robben hatte heute vielleicht nicht seinen besten Tag", sagte Dortmunds Kapitän, "insofern hat es ganz gut ins Bild gepasst, dass er heute verschießt". Und oben auf der Tribüne polterte Franz Beckenbauer.

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Giganten-Duell: Lewandowski, der König von Dortmund
Unter ihm als Trainer hätte Robben den Elfmeter nicht ausführen dürfen, sagte der Ehrenpräsident. "Es hat bei mir das Gesetz gegeben, dass der Gefoulte nicht schießt." Allerdings ist die Fußball-Binsenweisheit, dass Strafstöße häufiger verschossen werden, wenn der gefoulte Spieler selbst antritt, längst statistisch widerlegt.

Und dann gibt es noch die alte Theorie, dass Robben die holländische Krankheit in sich trägt. Niederländische Fußballer neigen ja grundsätzlich dazu, trotz fantastischer Voraussetzungen im falschen Moment die Kaltblütigkeit zu verlieren. So langsam wird dies auch zum Leitmotiv in der Karriere des Arjen Robben.

Sicher, er hat nationale Titel mit Eindhoven, Chelsea, Real Madrid und dem FC Bayern gewonnen, aber an der Niederlage im WM-Finale 2010 war er entscheidend beteiligt. Und im verlorenen Champions-League-Endspiel gegen Inter Mailand vor zwei Jahren wirkte er nach grandiosen Viertel- und Halbfinalauftritten plötzlich gelähmt und blieb völlig wirkungslos. Dabei haben die Bayern doch immer von sich behaupten können, in den entscheidenden Augenblicken besonders effizient zu sein. In die Robben-Ära beim Rekordmeister fällt irgendwie auch der Verlust des guten alten Bayern-Dusels.

Ein konkreter Vorwurf an den Linksfuß lässt sich daraus aber kaum konstruieren, wahrscheinlich leidet er selbst am meisten unter dem Versagen. Er schämte sich regelrecht für die vergebenen Chancen, "peinlich" sei ihm der fatale Fehlschuss, meinte er, und er hatte den Elfmeter ja auch selber herausgeholt. Immerhin gibt es zum Trost noch eine Champions-League-Saison, ein Pokalfinale und eine Europameisterschaft. Gelegenheit genug also, das Bild zu korrigieren.

Oder die Chance, weitere fußballerische Traumata zu sammeln.

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1. .
frubi 12.04.2012
Zitat von sysopAPArjen Robben hätte der Held im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund werden können. Stattdessen steht der Bayern-Star nach seinem vergebenen Elfmeter als der große Verlierer da. Es ist nicht das erste Mal, dass die Nerven des Niederländers im entscheidenden Moment versagen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827039,00.html
Irgendjemand musste schießen und es spricht doch für Robben, dass er sich die Pille geschnappt und geschossen hat. So ist eben Fußball. Die Bayern haben das Spiel ja auch nicht wegen dem Elfmeter verloren sondern weil Dortmund besser war. Die Dortmunder, und da liegt der Verdienst sicherlich bei dem Trainer Team, haben einen Hunger entwickelt, der sich wohl so schnell nicht stillen lässt und im nächsten Jahr kommt auch noch Reus + was weis ich noch für Transfers. Sollten die Dortmunder nicht komplett leer gekauft werden (Kagawa, Lewandowski, Perisic etc.), dann sind die Dortmunder auch im nächsten Jahr Titelfavorit.
2. Dusel-BVB
Freifrau von Hase 12.04.2012
"In die Robben-Ära beim Rekordmeister fällt irgendwie auch der Verlust des guten alten Bayern-Dusels. Ein konkreter Vorwurf an den Linksfuß lässt sich daraus aber kaum konstruieren, wahrscheinlich leidet er selbst am meisten unter dem Versagen. Er schämte sich regelrecht für die vergebenen Chancen, "peinlich" sei ihm der fatale Fehlschuss, meinte er" Tja, aus dem Bayern-Dusel ist mittlerweile der BVB-Dusel geworden, dem zumindest kann nach dem Spiel gestern niemand mehr widersprechen. Das ist aber nun mal so, ohne das nötige Fortune wird man halt kein Meister, wie es die Bayern ja gerade bewiesen haben. Was den Elfmeter angeht: Es gab keinen Grund, Robben nicht schießen zu lassen. Ob Lahm, Schweinsteiger, Kroos verwandelt hätten ist doch reine Spekulation. Es sind am Ende eben alles nur Menschen und keine Maschinen. Arjen, niemand macht dir einen Vorwurf! Und auch mit einem Unentschieden wäre es sehr schwer geworden, noch Meister zu werden. Das ist doch das Schöne am Fußball: Nächste Saison ist das alles vorbei und es geht wieder von vorne los!
3. Völlig übertrieben...
eisbaerchen 12.04.2012
Zitat von sysopAPArjen Robben hätte der Held im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund werden können. Stattdessen steht der Bayern-Star nach seinem vergebenen Elfmeter als der große Verlierer da. Es ist nicht das erste Mal, dass die Nerven des Niederländers im entscheidenden Moment versagen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827039,00.html
Ich bin nun wirklich kein Bayernfan, und habe mich über den Sieg von Dortmund gefreut, aber es ist ja nun wirklich albern, nur auf Robben rumzuhacken. Immerhin hat er einen Elfmeter herausgeschunden (ja, wirklich berechtigt war der wohl nicht, insofern hat es eine ausgleichende Gerechtigkeit gegeben), aber alle anderen 9 Spieler haben auch kein Tor erzielt, also kann man alle anderen genauso kritisieren...und ergo ist die gesamte Mannschaft der grosse Verlierer...Blödsinn dieses Stigmatisieren und Verallgemeinern (...die holländischen Fussballspieler....) P.S.: Allerdings freue ich mich vor allem darüber, dass die Bayern Chefetage mit ihren Sprüchen (..Dortmund ist ein ernstzunehmender Konkurrent...) mal wieder einen vor den Lederhosenlatz bekommen hat. Wie heisst es doch noch...Hochmut kommt vor dem Fall...
4. Es gibt auch gute Gegenspieler
beusch_eat_world 12.04.2012
---Zitat--- Und im verlorenen Champions-League-Endspiel gegen Inter Mailand vor zwei Jahren wirkte er nach grandiosen Viertel- und Halbfinalauftritten plötzlich gelähmt und blieb völlig wirkungslos. ---Zitatende--- Robben ist ein sehr guter Spieler, aber auf diesem Niveau gibt es nun mal auch sehr gute Gegenspieler. Deshlab werde ich mich nach einem verschossenen Elfmeter nicht an einer Diskussion über Robbens Nervenschwäche beteiligen. Soweit ich das CL-Finale noch vor Augen habe, hatte Robben mit Chivu einen extrem guten und zu dem zweikampfstarken Gegenspieler. Zudem half Cambiasso zusätzlich aus und sOmit wurde Robben in den meisten Zweikämpfen gedoppelt. Inter war - dank Mouriho - taktisch hervorragend eingestellt und dass italienische Mannschaften gegen Weltklassespieler zuverlässig verteidigen können, hat man zuletzt in den Spielen zwischen Barca und dem AC Mailand gesehen. Was soll da ein Robben alleine ausrichten? Ihm dann plump Nervenschwäche zu unterstellen ist mir ohne eine genaue Analyse dieses Spiels zu weit hergeholt.
5. Titel
javaan 12.04.2012
"Es ist nicht das erste Mal, dass die Nerven des Niederländers im entscheidenden Moment versagen." "Topspiel-Verlierer Robben: Die holländische Krankheit" Ersetze "Niederländers", "holländische" mal durch "Türkens", "türkische" oder, oder, oder. Das Geschrei über diese dümmliche Pauschalisierungen wäre berechtigterweise groß.
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