Bayerns Asienreise Big in Japan

Geld verdient, sympathisch aufgetreten – und souverän zwei Spiele gewonnen. Die Asienoffensive des FC Bayern München war erfolgreich. Selbst der gestrenge Trainer Felix Magath schwärmte von dem Kurztrip nach Japan und dachte sich für seine Spieler eine ungewöhnliche Belohnung aus.


Bayerns Sagnol (l.) im Zweikampf mit Cullen von Jubilo Iwata Tokio: Guter Geist, guter Charakter
DPA

Bayerns Sagnol (l.) im Zweikampf mit Cullen von Jubilo Iwata Tokio: Guter Geist, guter Charakter

Tokio / Frankfurt - "Der FC Bayern hat sich sympathisch und freundschaftlich präsentiert. Die Mannschaft hat sich hier von einer besseren Seite gezeigt als Real oder Manchester. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine erfolgreiche Saison spielen werden, denn die Mannschaft hat einen guten Geist und einen guten Charakter", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagmorgen kurz vor der Landung der LH 5019 in München über Bordmikrofon.

Der Deutsche Meister und Pokalsieger hat die fünf Tage in Japan genutzt, um den deutschen Fußball in Asien weiter in den Mittelpunkt zu rücken. Die Reisestrapazen hatten dabei offenbar keine Spuren hinterlassen, denn schon 24 Stunden nach der Anreise in Japan schlugen die Bayern vor 23.000 Zuschauern den FC Tokio mit 4:0 Toren (Makaay, Lucio, Guerrero und Salihamidzic).

Auch das zweite Spiel in der japanischen Hauptstadt dominierten die Münchner und gewannen gegen Jubilo Iwata vor 27.000 Zuschauern im Tokioter Nationalstadion mit 3:1 Toren (Ballack (2), Guerrero). Auch wirtschaftlich war der Ausflug ein Gewinn: Der Verein erhielt für die Reise nach Japan zwei Millionen Euro Antrittsgeld.

Und die Spieler verdienten sich ein dickes Lob von ihrer Vereinsführung: "Die Mannschaft hat aber nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb ein hervorragendes Bild abgegeben. Niemand hat gemosert", erklärte Bayern-Manager Uli Hoeneß in der "Welt am Sonntag". Damit liege das Team genau auf Kurs. Denn Hoeneß drängt auf den Zukunftsmarkt Asien: "Wir müssen aktiver werden. Meinen Sie, wir sind gerne elfeinhalb Stunden nach Tokio geflogen und wieder zurück? Die Dinge regeln sich eben nicht aus dem Sessel heraus. Man muss dahin, wo die Musik spielt."

Auch Trainer Felix Magath, grundsätzlich ein Gegner von weiten Reisen während der Saison-Vorbereitung, konnte dem Trip nur Positives abgewinnen. "Wir hatten in Japan wunderbare Tage und sind sehr glücklich darüber, wie wir hier betreut wurden. Wir waren erfolgreich, und die Mannschaft hat gezeigt, dass sie bereits in einer guten Verfassung ist." Zur Belohnung dachte sich Magath eine für ihn ungewöhnliche Maßnahme aus - der Coach gab seinen Spielern nach der Landung am Sonntagmorgen bis Mittwoch trainingsfrei: "Sie sollen sich erstmal ausschlafen."

Hoffen auf baldige Unterschrift von Ballack

Hellwach sollen nämlich die Bayern zum Saisonauftakt am kommenden Freitag gegen Borussia Mönchengladbach antreten. Offen ist derzeit nur, mit welchem System die Bayern in ihr erstes Ligaspiel gehen werden. Möglich ist eine Variante mit nur einem Stürmer und zwei Flügelspielern, allerdings könnte Magath auch auf das altbewährte 4-4-2-System zurückgreifen, falls er sich für einen Sturmpartner neben dem gesetzten Niederländer Roy Makaay entscheiden kann. "Auf jeden Fall wollen wir mit einem Sieg in die Bundesliga-Saison gehen", sagte Magath, dem allerdings noch die körperlichen Umstellungsprobleme der Neuverpflichtungen Valerien Ismael und Ali Karimi einige Sorgen bereiten.

Geräuschlos verliefen unterdessen die Vertrags-Gespräche mit Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack. Die finanziellen Rahmenbedingungen des neuen Vier-Jahres-Vertrags wurden mit Ballack-Berater Michael Becker, der auf Einladung der Bayern mit auf der Asien-Reise war, festgezurrt.

Eine Unterschrift erhoffen sich die Bayern in den kommenden 14 Tagen. "Grundsätzlich wollen wir bis Weihnachten mit allen Spielern Klarheit. Im Fall Michael Ballack sind wir in der Öffentlichkeit ein wenig unter Druck gesetzt worden. Ideal wäre, wenn ich am Saisonende sagen könnte: So, jetzt haben wir wieder ein Gerüst für die kommenden zwei, drei Jahre", sagte Hoeneß.



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