Bayerns Pokalsieg Abschied von Triple-Jupp

Was für eine Saison für den FC Bayern: Mit dem DFB-Pokalsieg über den VfB Stuttgart macht der Club den Dreifach-Triumph perfekt. Es ist der Erfolg des scheidenden Trainers Jupp Heynckes. Der genießt seine letzte große Party - und macht aus seiner Zukunft weiter ein Geheimnis.

Aus Berlin berichten und


Es ist zweifellos der Erfolg von Bastian Schweinsteiger, der von Philipp Lahm, von Franck Ribéry, von Arjen Robben und Manuel Neuer, ja, auch der Erfolg von Mario Gomez. Aber dieser Dreifach-Triumph des FC Bayern München, den der Club am Samstag im Berliner Olympiastadion perfekt machte, "le Triple", wie Ribéry mehrfach an diesem Abend in diverse Fernsehkameras sprechen musste - dieser fußballhistorisch bislang einmalige Erfolg gebührt vor allem dem Trainer.

Dieser denkwürdige Abend von Berlin war der Abend von Jupp Heynckes, der mit dem 3:2-Sieg im Pokalfinale gegen den wackeren VfB Stuttgart seinen Abschied bei den Bayern gab. Besser gesagt, seinen Abschied zelebrierte.

"Es ist selbstverständlich, dass uns allen dies hier sehr viel bedeutet", sagte der 68-Jährige, als es schon fast auf Mitternacht zuging. Dies hier - damit meinte der Trainer die eindrucksvolle Atmosphäre im Olympiastadion, die Leistung der Mannschaft, die nach einem 3:0-Vorsprung am Schluss zwar noch zittern musste, aber bis 20 Minuten vor Schluss wie ein souveräner Champion agiert hatte. "Diese Mannschaft hat fast alle Rekorde gebrochen, die es gibt", so Heynckes. Was in dieser Saison passiert ist, sei einfach nur "gigantisch".

Mit einer Pleite begann die Erfolgsgeschichte

Eine Erfolgsgeschichte, die ungefähr vor einem Jahr am selben Ort ihren Anfang nahm. Die vernichtende 2:5-Niederlage, die die Bayern im Berliner Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund zu kassieren hatten, war für Spieler und Trainer das entscheidende Signal: So etwas darf dem glorreichen FC Bayern nicht wieder passieren. "Es war in meiner Karriere immer so, dass ich aus Misserfolgen die größte Motivation gezogen habe", sagt der Trainer. Das hat in diesem Jahr ganz augenscheinlich funktioniert.

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FC Bayern in der Einzelkritik: Ein Bär namens Müller, ein Stolperer namens Gomez
Die Abschiedstour des Jupp Heynckes währt nun schon mehrere Wochen. Sie hat Anfang April schon Station gemacht, als die Bayern bereits am 28. Spieltag als Bundesliga-Meister feststanden. Sie hat in London gastiert, wo der FC Bayern sich gegen Borussia Dortmund die Krone des europäischen Fußballs aufgesetzt hat. Sie hat Berlin angesteuert, wo jetzt der DFB-Pokal eingesammelt wurde. Und sie findet ein vorläufiges Ende am kommenden Dienstag, wo Heynckes auf einer Pressekonferenz in München "definitiv" mitteilen will, "ob es mit mir weitergeht oder nicht". Mehr wollte er am Abend des Triumphs nicht verraten.

So lange darf also weiter gedeutet werden, ob Heynckes sich demnächst als Privatier auf dem eigenen Bauernhof mit Schafen und Ziegen umgeben wird oder stattdessen als Coach von Real Madrid mit Cristiano Ronaldo und Mesut Özil. Sein Satz im ARD-Fernsehinterview: "Es wird künftig zumindest keine Bierduschen für mich mehr in einem deutschen Stadion geben", heizte er entsprechende Spekulationen noch einmal an. Oder doch Nationaltrainer im Ausland?

"Der Augenblick, stolz zu sein, ist gekommen"

An Bierduschen in heimischen Gefilden hat der Meistertrainer allerdings jetzt auch genug gehabt. Auch am Samstag wurde Heynckes von seinen Spielern ausgiebig übergossen. Neben Gerstensaft hatten sie ansonsten aber nur Lob parat, mit dem sie ihren Coach überschütten konnten. "Er hat uns noch einmal besser gemacht, vor allem an Kleinigkeiten gefeilt", sagte Torwart Manuel Neuer, der den Sieg über den VfB mit mehreren starken Paraden sicherte. Dank dieser Arbeit habe man nun alle drei Titel, "jetzt ist der Augenblick da, stolz zu sein, den Moment zu genießen".

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VfB Stuttgart in der Einzelkritik: Harnik übermotiviert, Molinaro überfordert
Heynckes gab das Lob an die Mannschaft zurück, indem er klarstellte, dass bei den anstehenden Wahlen zum Weltfußballer und zu Europas Fußballer des Jahres nur Bayern-Spieler zu den Preisträgern dieses Jahres gehören dürften: "Lahm, Schweinsteiger, Müller oder Ribéry - die vier müssten alles abräumen."

So wie die Mannschaft zuvor alles an Titel abgeräumt hat und mit dem Pokalsieg den Schlusspunkt setzte. Der Gegner allerdings hatte den Bayern zuvor zwar nicht alles, aber vieles abverlangt. Der VfB hatte überraschend stark angefangen, hatte selbst gute Torchancen, war aber nach dem verwandelten Elfmeter von Thomas Müller (36.) in ein Leistungsloch gefallen.

"Da haben wir die ein, zwei Fehler gemacht, die die Bayern in dieser Spielzeit so gnadenlos ausnutzen", hatte VfB-Trainer Bruno Labbadia erkannt. Mario Gomez, der ehemalige VfB-Torjäger, schraubte das Resultat auf 3:0, bevor Stuttgart durch die beiden Anschlusstreffer von Martin Harnik noch einmal für Spannung sorgte. "Wir haben immerhin nie aufgegeben, das zeichnet das Team aus", so Labbadia.

So wurde Gomez, der zuletzt nur Ersatzmann war, zum Matchwinner. Ausgerechnet Gomez, heißt es in solchen Fällen gerne. Für den VfB hat er Tor um Tor erzielt, bei den Bayern ist seine Zukunft dagegen mehr als unsicher. Der Pokalsieg könnte das Abschiedsgeschenk des Torjägers an seinen Verein gewesen sein.

Abschied - das war so etwas wie das Wort des Abends. Der FC Bayern steht in der Blüte seiner Schaffenskraft. Aber der Trainer, der dies ermöglicht hat, ist ab sofort nicht mehr dabei.

Bayern München - VfB Stuttgart 3:2 (1:0)
1:0 Müller (37./Foulelfmeter)
2:0 Gomez (48.)
3:0 Gomez (61.)
3:1 Harnik (71.)
3:2 Harnik (80.)
München: Neuer - Lahm, van Buyten, Boateng, Alaba - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (83. Timoschtschuk), Müller, Ribéry (90.+1 Shaqiri) - Gomez (62. Mandzukic)
Stuttgart: Ulreich - Rüdiger, Tasci, Niedermeier, Molinaro (67. Sakai) - Gentner, Boka - Harnik, Maxim (61. Okazaki), Traoré (75. Cacau) - Ibisevic
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 75.420 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mandzukic, Schweinsteiger / Boka, Ibisevic, Traoré

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
derbochumerjunge 02.06.2013
1. Hut ab
Hut ab, Herr Heynckes, vor Ihrer grandiosen Leistung - nämlich, die Mannschaft nach dem katastrophalen Saisonabschluss 2011/12 so zu motivieren, dass Sie in diesem Jahr alle drei Titel holen. Der Abschied vom FC Bayern erfolgt zum genau richtigen Zeitpunkt.
Schlaflöwe 02.06.2013
2. Gräfe
Dem 1. Bayern-Tor ging ein ganz normaler Zweikampf voraus. Dass ein Elfmeter geschenkt wurde bezeichnete der den Bayern nahestehende Kommentator Scholl als Konzessionsentscheidung des Schiedsrichters wegen eines zuvor nicht gegebenen Fouls. Das heißt, der Schiedsrichter macht wissentlich und willentlich einen 2. Fehler zum Egalisieren eines vermeintlichen 1. Dafür hat er allerdings großzügig ein Boateng-Hand im Bayern-Strafraum übersehen, dass für den VfB den Ausgleich bedeutet hätte. Schiedsrichter-Versagen, dass den Bayern einen unberechtigten Titel und viel Geld einbringt. Und wie war das im Champions-Ligue-Endspiel, als der ewige Foulspieler Ribery seinem Dortmunder Gegner den Ellbogen voll ins Gesicht rammte und nicht mal verwarnt wurde? Der ebenfalls den Bayern nahestehende Kommentator Kahn sah dafür den Tatbestand des Feldverweises als erfüllt an. Hätten die Münchner dann das Endspiel auch noch gewonnen? Die dauernden Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu Bayern-Gunsten machen nachdenklich.
schwarzewolke 02.06.2013
3.
Ich finde die Einzelspielerkritik vor allem für Gomez und Madzukic echt frech! Was muss denn Gomez noch machen, damit er mal gelobt wird? Zwei Tore reichen wohl nicht... Das "Anlaufen" und "pressen" von Abwehrspielern hätte Mandzukic eigentlich binnen zehn Minuten die gelb-rote Karte kosten müssen und dann wäre der Pokalabend wohl gänzlich anders gelaufen! Kann hier nicht jemand mal mit Fußballsachverstand ran? Hat er mal das Spiel gesehen und gemerkt, dass Gomez ein völlig anderer Typ Fußballer ist, der in wahrscheinlich 1/4 der Einsatzzeiten ca. 3/4 der Scorerpunkte über alle Wettbewerbe eingeheimst hat im Vergleich zu Mandzukic?
chico 76 02.06.2013
4. Sicher
Zitat von derbochumerjungeHut ab, Herr Heynckes, vor Ihrer grandiosen Leistung - nämlich, die Mannschaft nach dem katastrophalen Saisonabschluss 2011/12 so zu motivieren, dass Sie in diesem Jahr alle drei Titel holen. Der Abschied vom FC Bayern erfolgt zum genau richtigen Zeitpunkt.
eine grosse Leistung von Heynckes, 20 Topstars auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören.Schluss war mit FC-Hollywood. Er weiss sicher auch, dass er das Uli Hoeness zu verdanken hat, der ihn aus seinem Garten in die BL zurückholte. Habe ich wohl überhört, dass er das einmal erwähnte.
civis lipsiensis 02.06.2013
5. Schlafen Sie weiter, Herr ...löwe(???)
Zitat von SchlaflöweDem 1. Bayern-Tor ging ein ganz normaler Zweikampf voraus. Dass ein Elfmeter geschenkt wurde bezeichnete der den Bayern nahestehende Kommentator Scholl als Konzessionsentscheidung des Schiedsrichters wegen eines zuvor nicht gegebenen Fouls. Das heißt, der Schiedsrichter macht wissentlich und willentlich einen 2. Fehler zum Egalisieren eines vermeintlichen 1. Dafür hat er allerdings großzügig ein Boateng-Hand im Bayern-Strafraum übersehen, dass für den VfB den Ausgleich bedeutet hätte. Schiedsrichter-Versagen, dass den Bayern einen unberechtigten Titel und viel Geld einbringt. Und wie war das im Champions-Ligue-Endspiel, als der ewige Foulspieler Ribery seinem Dortmunder Gegner den Ellbogen voll ins Gesicht rammte und nicht mal verwarnt wurde? Der ebenfalls den Bayern nahestehende Kommentator Kahn sah dafür den Tatbestand des Feldverweises als erfüllt an. Hätten die Münchner dann das Endspiel auch noch gewonnen? Die dauernden Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu Bayern-Gunsten machen nachdenklich.
Für Sie als Verlierer mag es einfach sein, alle Spielresultate den (z. T. internationalen) Schiedsrichtergespannen anzulasten... Springen Sie doch einfach über Ihren Schatten und akzeptieren Sie eine großartige Saison einer großartigen Mannschaft mit DREI großartigen Titeln! PS: Für mich als Bayernfan war es auch nicht einfach, die (hoffentlicht vergangene) Dominanz des BVB anzuerkennen, gleichwohl war nur Würdigung, kein Neid in meinen Gedanken; und ich freue mich auf ein Neues mit einer Borussia auf Augenhöhe! mfG Wannenmacher Buchinger Bausand, dreckader!
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