WM-Vergabe nach Katar Fifa sperrt Beckenbauer für 90 Tage

Es geht um einen mutmaßlichen Verstoß gegen das Ethikreglement: Der Fußball-Weltverband hat Franz Beckenbauer provisorisch für 90 Tage gesperrt. Der 68-Jährige soll die Beantwortung schriftlicher Fragen abgelehnt haben. Er selbst spricht von einem "Aprilscherz".

Fußball-Legende Beckenbauer: Provisorische Sperre von der Fifa
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Fußball-Legende Beckenbauer: Provisorische Sperre von der Fifa


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Hamburg - Franz Beckenbauer ist von der Fifa provisorisch für 90 Tage für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt worden. Der Weltverband begründete dies in einer Mitteilung mit einem mutmaßlichen Verstoß gegen das Ethikreglement. Beckenbauer habe bei einer Untersuchung der Kommission nicht kooperiert. Hintergrund ist Beckenbauers Verweigerung einer Aussage gegenüber Fifa-Chefermittler Michael J. Garcia in Zusammenhang mit der umstrittenen WM-Vergabe 2022 an Katar.

"Ich habe erst einmal auf das Datum heute geschaut. Ich dachte, es wäre der erste April und damit ein Aprilscherz", sagte Beckenbauer beim TV-Sender Sky Sport News HD. Beckenbauer hat derzeit nur noch das Amt des Ehrenpräsidenten beim FC Bayern München inne. "Die Bayern werden es überleben", sagte er.

Das mutmaßliche Vergehen Beckenbauers besteht laut der Fifa-Mitteilung konkret darin, dass er der mit der Ethikkommission nicht kooperiert habe, "obwohl er wiederholt angefragt wurde, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern".

"Der Entscheid basiert auf Artikel 83 Absatz 1 des Fifa-Ethikreglements, da davon ausgegangen werden kann, dass es zu einem Vergehen gegen das Ethikreglement gekommen ist und dass es nicht möglich sein wird, früh genug eine reguläre Entscheidung zu fassen", heißt es in der Mitteilung des Weltverbandes.

"Ich bin der falsche Ansprechpartner"

Beckenbauer begründete sein Verhalten damit, dass er des Englischen nicht so mächtig sei. "Ich sollte ungefähr 130 Fragen beantworten. Ich habe das nicht alles verstanden und mitgeteilt, die wichtigsten Fragen, also auch die zur Korruption, auf Deutsch beantworten zu wollen. Das wurde nicht genehmigt", erläuterte Beckenbauer. Er habe sich deshalb außerstande gesehen, der Forderung der Ethikkommission nachzukommen.

Der Fall Beckenbauer unterliegt nun dem offiziellen Untersuchungsverfahren, das von Vanessa Allard, Mitglied der Untersuchungskammer, geleitet wird. Der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer, Richter Hans-Joachim Eckert, trat als Landsmann von Beckenbauer in dieser Sache in den Ausstand.

Beckenbauer hatte vor Kurzem erklärt, er sehe möglichen Untersuchungen durch die Ethikkommission auch zu seinem Wahlverhalten bei der brisanten WM-Doppelvergabe 2018 und 2022 an Russland und Katar gelassen entgegen. "Darüber kann ich mich nur wundern. Ich habe bei der Fifa nur noch einen Berater-Status, bin also kein Kommissionsmitglied mehr und somit nicht verpflichtet, mit Herrn Garcia zu reden", hatte er dazu der "Bild"-Zeitung gesagt.

Das englische Blatt "Sunday Times" hatte von Reisen Beckenbauers nach Katar auf Einladung des mittlerweile lebenslang gesperrten Ex-Funktionärs Mohamed bin Hammam berichtet. Beckenbauer soll 2009 und 2011 im Emirat gewesen sein, bei der zweiten Reise als Berater zu Geschäftsgesprächen einer Hamburger Firma.

Beckenbauer wies Korruptionsvorwürfe erneut zurück. "Ich habe mit Korruption nichts zu tun. Wer sollte an mich herantreten und zu Dingen verleiten. Das ist doch lächerlich. Ich bin der falsche Ansprechpartner", sagte er. Auch eine Verbindung zwischen dem Fifa-Votum für Russland und seinem anschließenden Engagement für die "Russian Gas Society" von Gazprom bestritt Beckenbauer.

tpr/ulz/dpa/sid/dpa

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