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Begehrte Nationalspieler: Europa jagt Löws Zauberjungs

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Deutscher Fußball ist wieder in: Die jungen Nationalspieler geraten in den Fokus europäischer Spitzenclubs. Doch selbst Ablösesummen in zweistelliger Millionenhöhe lassen kaum einen Verein schwach werden. Im Gegenteil - mancher hofft, dass sich jetzt Weltstars für die Bundesliga interessieren.

DFB-Jungstars: Im Fokus der Top-Clubs Fotos
dpa

Hamburg - Der FC Barcelona will Mesut Özil. Real Madrid buhlt um Bastian Schweinsteiger. Der FC Chelsea hat Sami Khedira auf dem Zettel.

Oder?

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem die Jungstars der deutschen Nationalmannschaft nicht mit einem europäischen Top-Club in Verbindung gebracht werden. Die Rede ist von zehn, 20, gar 25 Millionen Euro, die Barça und Co. angeblich auf den Tisch legen wollen.

Rund 15 Jahre nach der Rückkehr von Italien-Legionären wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Kohler haftet deutschen Fußballern wieder ein Gütesiegel an - allerdings ein anderes als der Weltmeister-Combo von 1990. Waren früher Wucht und Wille die deutschen Tugenden, stehen die heutigen DFB-Spieler für andere Stärken: Tempo, Technik, Spielverständnis.

"Die Sichtweise auf die deutschen Spieler hat sich verändert", sagt Bundestrainer Joachim Löw. "Ich denke, bei den europäischen Top-Vereinen ist verstärkt Interesse vorhanden. Das war in den vergangenen Jahren nicht der Fall."

In der Tat konnten sich zuletzt nur Michael Ballack beim FC Chelsea und Jens Lehmann beim FC Arsenal dauerhaft im Ausland etablieren. Profis wie Christoph Metzelder (Real Madrid) oder Thomas Hitzlsperger (Lazio Rom) verpassten den Durchbruch - und damit auch die WM in Südafrika.

Bayern will seine Stars auf keinen Fall verkaufen

Nach Ballacks Verletzung standen ausschließlich Bundesliga-Spieler im deutschen WM-Kader. Es sei für die Bundesliga "sehr gut, dass die Nationalspieler in Deutschland spielen", sagt Löw. Allerdings würde es der 50-Jährige auch begrüßen, wenn einige Profis den Schritt ins Ausland wagen - wie Jérôme Boateng, der künftig bei Manchester City spielt. "Das wäre gut für die Entwicklung und würde den Horizont erweitern."

Eine Sichtweise, die Bayern-Präsident Uli Hoeneß nur bedingt teilt. Vom deutschen Rekordmeister spielten sich bei der WM vor allem Bastian Schweinsteiger und Torschützenkönig Thomas Müller in den Vordergrund. Hoeneß sieht natürlich keine Vorteile in einem Wechsel ins Ausland: "Wenn ich beim FC Bayern bin, spiele ich bei einem der größten Clubs. Da geht dann nur noch die Leier: 'Ich will eine andere Kultur und eine andere Sprache lernen.'" Aber das könnten die Spieler "auch hier im Goethe-Institut", sagte Hoeneß (in leichter Verkennung der Aufgaben des Goethe-Instituts).

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Der Wechsel eines Bayern-Stars zur kommenden Saison ist ohnehin unwahrscheinlich. Philipp Lahm und Schweinsteiger haben noch Verträge bis zum 30. Juni 2012, Müller sogar ein Jahr länger. Außerdem hat Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der "Bild"-Zeitung klargemacht: "Wir sind in keinem Fall gesprächsbereit, wir werden keine Spieler verkaufen."

Anders ist die Lage beim VfB Stuttgart. Dort hat Sami Khedira nur noch einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2011. Danach könnte der 23-Jährige den Club ablösefrei verlassen. Sollte die angestrebte Vertragsverlängerung nicht gelingen, gingen den Stuttgartern Millionen verloren. Trainer Christian Gross würde einen Wechsel zwar bedauern - "aber aufgrund der Vereinspolitik, die einen Verkauf von Khedira ins Auge fassen muss, wäre es töricht, sich darüber keine Gedanken zu machen", sagt der VFB-Coach.

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Werder Bremen will Mesut Özil in jedem Fall halten. "Wir haben in dieser Saison Großes vor, weil wir uns für die Champions League qualifizieren und in der Liga ganz oben mitspielen wollen. Diese Ziele erreichen wir nur mit einer starken Mannschaft", sagt Sportchef Klaus Allofs. Und dazu gehöre auch Özil.

Dessen Kontrakt in Bremen läuft noch ein Jahr. Neben dem FC Barcelona sollen auch Manchester United und der FC Arsenal Interesse haben. Doch Allofs gibt sich cool. "Natürlich ist das keine Situation, die wir uns wünschen, aber so sind nun mal die Verträge", sagte er der "Welt am Sonntag". Wenn Özil kommendes Jahr ablösefrei gehen würde, "ist es nicht das größtmögliche Unglück, das Werder Bremen passieren kann".

Mehr als der hässliche Bruder der Premier League

München und Bremen stehen für ein neues Selbstbewusstsein der Bundesliga, die in den vergangenen Jahren sportlich gegenüber den anderen europäischen Spitzenligen aufgeholt hat. Beleg dafür: Bayern stand in diesem Jahr im Endspiel der Champions League, Werder Bremen 2009 im Finale des Uefa-Cups, der HSV erreichte dort zweimal in Folge das Halbfinale. Auch wenn es für einen Titel nicht gereicht hat - international sind die Clubs wieder wettbewerbsfähig. "Wir sollten aufhören, uns als kleiner, hässlicher Bruder der Premier League zu sehen", sagt Liga-Chef Christian Seifert der "Sport-Bild".

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Natürlich zahlen Chelsea, Real Madrid und Barcelona mehr Gehalt, natürlich würden sie für Müller und Co. horrende Ablösesummen hinblättern. Doch keiner dieser Clubs ist finanziell annähernd so gesund wie der FC Bayern - selbst Barça plagen heftige Finanzsorgen.

Für die Bundesliga sprechen regelmäßige Gehaltszahlungen, die höchsten Zuschauerzahlen Europas und gute Perspektiven. Selbst für große Stars ist Deutschland inzwischen ziemlich attraktiv.

Arjen Robben und Franck Ribéry spielen bei den Bayern, Ruud van Nistelrooy beim HSV, Raúl soll von Madrid zum FC Schalke wechseln. Letztere sind zwar alternde Stars, aber ihr internationaler Ruf ist nicht zu unterschätzen. Solche Transfers haben vor allem Signalwirkung für die Bundesliga: Wir können mithalten, wir spielen auch im Konzert der Großen, soll das heißen.

Die WM wird diese Tendenz noch verstärken - trotz der Angebote für die DFB-Jungstars. "Wir haben in der Bundesliga an Qualität gewonnen. In Zukunft wird es auch so sein, dass die großen Spieler nach Deutschland kommen", sagt Schweinsteiger.

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Forum - Wie geht es weiter mit Löw und der Nationalmannschaft?
insgesamt 1748 Beiträge
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1. ...
donfuan, 08.07.2010
Wenn man nicht mit Schiss in der Buchse aufläuft, kann man so ein Spiel auch gewinnen. Riesenchance verpasst - Schade.
2.
BeckerC1972, 08.07.2010
Zitat von sysopNach der Niederlage gegen Spanien herrscht Frust bei der DFB-Elf - doch auch Zuversicht für die kommenden Jahre. Wie sehen Sie die Zukunft des Bundestrainers und des Teams?
Na, ich hoffe mal, dass die gemeinsam weiter machen können. Die Truppe ist ja im Schnitt noch sehr jung, hier und da gibt es noch ein paar kleinere Baustellen (wir schnitzen uns einen linken Verteidiger) aber vom Potential her eine Riesentruppe. Komplett mit Stab und allem drumherum. Weitermachen, System verfeinern, Automatismen einbauen, sich RICHTIG einspielen - dann können die auch in 6 Jahren weiterhin unter den besten 4 aller Mannschaften bei allen Turnieren sein. Glückauf.
3.
Statikus 08.07.2010
Zitat von BeckerC1972Na, ich hoffe mal, dass die gemeinsam weiter machen können. Die Truppe ist ja im Schnitt noch sehr jung, hier und da gibt es noch ein paar kleinere Baustellen (wir schnitzen uns einen linken Verteidiger) aber vom Potential her eine Riesentruppe. Komplett mit Stab und allem drumherum. Weitermachen, System verfeinern, Automatismen einbauen, sich RICHTIG einspielen - dann können die auch in 6 Jahren weiterhin unter den besten 4 aller Mannschaften bei allen Turnieren sein. Glückauf.
Volle Zustimmung, ich blicke auch mit großem Optimismus in die Zukunft, so man sich denn mit Löw einigen kann. Zum Linksverteidiger: Ich würde da gern mal Aogo sehen.
4. Angriff
loncaros 08.07.2010
Wer soll für Deutschland stürmen wenn Klose 36 ist? Wir haben ja nicht mal einen sicher der den einen beim 451 besetzt, was ist erst los wenn plötzlich wieder ein 2 stürmer-system Mode wird?
5.
galaxyaner 08.07.2010
Zitat von BeckerC1972Na, ich hoffe mal, dass die gemeinsam weiter machen können. Die Truppe ist ja im Schnitt noch sehr jung, hier und da gibt es noch ein paar kleinere Baustellen (wir schnitzen uns einen linken Verteidiger) aber vom Potential her eine Riesentruppe. Komplett mit Stab und allem drumherum. Weitermachen, System verfeinern, Automatismen einbauen, sich RICHTIG einspielen - dann können die auch in 6 Jahren weiterhin unter den besten 4 aller Mannschaften bei allen Turnieren sein. Glückauf.
Na, wobei ich doch mal in den Raum stellen möchte: Ist der Trainer weiterhin der richtige? Welche Taktik sollte das gestern gewesen sein, die vorgegeben wurde? Lasst die Spanier sich kaputt laufen und dann schlagt zu? Zwei mal gehen wir, ohne jede Chance, gegen Spanien unter. Hat man aus 2008 nichts gelernt?
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WM-Zeugnisse: Schweinsteiger hui, Schiris pfui

DFB-Kader WM 2010
Tor: Hans Jörg Butt (Bayern München), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen)

Verteidigung: Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (Bayern München), Jérôme Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (VfL Wolfsburg), Marcell Jansen (Hamburger SV), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart)

Mittelfeld: Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Marko Marin (Werder Bremen), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gómez (Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln)
Deutschlands WM-Bilanz
2014 Weltmeister (1:0 n.V. gegen ARG)
2010 Spiel um Platz drei (3:2 gegen URU)
2006 Spiel um Platz drei (3:1 gegen POR)
2002 Finale (0:2 gegen BRA)
1998 Viertelfinale (0:3 gegen KRO)
1994 Viertelfinale (1:2 gegen BUL)
1990 Weltmeister (1:0 gegen ARG)
1986 Finale (2:3 gegen ARG)
1982 Finale (1:3 gegen ITA)
1978 2. Gruppenphase
1974 Weltmeister (2:1 gegen NED)
1974 2. Gruppenphase (DDR)
1970 Spiel um Platz drei (1:0 gegen URU)
1966 Finale (2:4 n.V. gegen ENG)
1962 Viertelfinale (0:1 gegen JUG)
1958 Spiel um Platz drei (3:6 gegen FRA)
1954 Weltmeister (3:2 gegen HUN)
1950 nicht teilgenommen
1938 Achtelfinale (2:4 gegen SUI)
1934 Spiel um Platz drei (3:2 gegen AUS)
1930 nicht teilgenommen


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