Weniger Einsatzkräfte beim Fußball NRW-Bericht wertet Pilotprojekt als Erfolg 

Weniger Polizei im und rund ums Stadion, keine Begleitung der Auswärtsfans mehr - das Pilotprojekt des NRW-Innenministeriums hatte für viel Aufsehen gesorgt. Im Abschlussbericht fällt das Fazit nun positiv aus, doch Polizeigewerkschaften üben heftige Kritik.

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Polizisten in Münster: NRW wertet Pilotprojekt als Erfolg
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Polizisten in Münster: NRW wertet Pilotprojekt als Erfolg


Düsseldorf/Hamburg - "Der Pilotversuch war erfolgreich": So lautet das Fazit des nordrhein-westfälischen Innenministeriums zum Pilotprojekt mit reduziertem Polizeieinsatz bei Fußballspielen.

Für den Bericht, der SPIEGEL ONLINE vorliegt und auf der Sitzung des Innenausschusses am 23. Oktober sowie auf der Sitzung des Sportausschusses am 28. Oktober vorgestellt werden soll, wertete das Ministerium 54 Spiele im Pilotzeitraum vom 1. August bis 28. September aus. 25 Partien wurden zum Vergleich herangezogen.

Insgesamt waren 21,7 Prozent weniger Polizisten als in der Vorsaison im Einsatz (4149 statt 5300 Beamte). Einige Spiele kamen sogar mit der Hälfte des ursprünglich veranschlagten Personals aus. Es sei ein "Signal zur Stärkung der Eigenverantwortung von Fans und Vereinen" von der Polizei NRW gesetzt worden, das zu einer nachhaltigen personellen Entlastung der Polizei führen könne.

Bei 18 der 25 Partien wurde der Polizeieinsatz reduziert, bei fünf Spielen wurden annähernd so viele Kräfte eingesetzt wie bei der Vergleichsbegegnung und bei zwei Partien wurde mehr Polizei eingesetzt.

In elf der 54 ausgewerteten Partien hätten sich laut dem Bericht "Störungen durch Fangruppen" ereignet. Bei vier Partien mussten von den Einsatzkräften vor Ort Verstärkung gerufen werden. Bei den vergleichbaren Spielen musste nur bei der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfB Stuttgart Unterstützung angefordert werden.

Grund für die Reduzierung war laut Innenminister Ralf Jäger (SPD) der Anstieg der Begegnungen in den obersten drei Spielklassen in NRW, von 210 Spielen in der Vorsaison auf 231 und der damit verbundenen strukturellen Überlastung der Bereitschaftspolizei. Jäger hatte das Projekt schon zuvor als Erfolg gewertet.

Es sei nötig gewesen, da mit "einem weiteren Anstieg der eingesetzten Personalstunden zu rechnen" sei. Mit dem 1. FC Köln und dem SC Paderborn hatten zu dieser Saison zwei weitere Vereine aus NRW den Aufstieg in die erste Liga geschafft. Neben der polizeilichen Präsenz wurde auch die sichtbare Präsenz von Polizisten rund um die Fußballspiele reduziert sowie vielerorts auf die "enge Begleitung der Fans auf dem Weg zum Stadion" verzichtet. Die Vereine hatten auf die Reduzierung mit der Aufstockung ihrer Ordnerkontingente reagiert.

Vor allem aber setze die Polizei bei den Fans und Fangruppen stärker auf Eigenverantwortung, heißt es. Diese sei "ganz überwiegend wahrgenommen worden". Eine gänzlich andere Meinung vertrat Arnold Plickert, NRW-Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Wer an die Selbstheilungskräfte der Szene glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann", hatte Plickert Ende September SPIEGEL ONLINE gesagt.

"An der Gewaltbereitschaft in der Szene hat sich nichts geändert"

Die Gewerkschaft hatte vier Wochen lang eine eigene Statistik geführt, demnach sei es zu "schlimmen Ausschreitungen" gekommen, an der Gewaltbereitschaft der Szene habe sich nichts geändert. Das Fazit: Die Strategie der "ausgestreckten Hand" sei von den Fans nicht angenommen worden.

Das Konzept wird seit dem Ende der Pilotphase in der laufen Saison weiter umgesetzt - doch nicht überall wird es so positiv bewertet wie in dem Bericht. So kritisiert die GdP Niedersachsen: "Die politischen Vorgaben in NRW haben sich nicht bewährt und stellen kein brauchbares Mittel zur Reduzierung der Einsatzbelastung dar." Das sagt der niedersächsische GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff am Montag. Die Einsatzleitung vor Ort entscheide über die polizeiliche Taktik und den Kräftebedarf "und das muss auch so bleiben".

Jüngster Auslöser für Schilffs Kritik waren heftige Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Fans im Anschluss an das Samstagabendspiel des achten Bundesligaspieltags zwischen Schalke 04 und Hertha BSC (2:0). Zwölf Polizisten waren dabei verletzt worden, drei Beamte mussten ihre Verletzungen im Krankenhaus ärztlich versorgen lassen. In Niedersachsen werde die polizeiliche Linie auch künftig beibehalten, so Schilff: "Davon geht die GdP aus."

Im Nachbarland Bremen war der Streit über die Kosten bei Polizeieinsätzen eskaliert. Sogar ein Länderspiel wurde Bremen vom DFB entzogen, weil der Senat plant, die Deutsche Fußball-Liga künftig an den Kosten zu beteiligen. Die DFL soll den zusätzlichen finanziellen Aufwand bei Hochsicherheitsspielen tragen, das sind rund 250.000 Euro pro Einsatz.

"Letztlich geht es nur um einige wenige Spiele, die sogenannten Risikospiele, bei denen statt 200 dann 1200 Beamte und Beamtinnen im Einsatz sind", hatte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) zuletzt gesagt: "Da ist eine zurückhaltende, angemessene Beteiligung der DFL an den Kosten nur gerechtfertigt."

Die erste Hürde hat das Gesetz bereits genommen, am Mittwoch wird es der Bremer Senat aller Voraussicht nach beschließen. Die DFL kündigte sofort juristische Schritte an: "Für den Fall, dass das Gesetz in zweiter Lesung verabschiedet wird und danach Gebührenbescheide auf der Grundlage der geänderten Regelungen ergehen, wird der Ligaverband wie angekündigt Rechtsmittel dagegen einlegen."

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
kobmicha 21.10.2014
1. Eine gute Nachricht ..aber..
Das ist ja eine gute Nachricht. In den Stadien herrscht als doch mehr Ordnung als von unseren hochbezahlten Polizeidirektoren behauptet wurde. Nun können ja die freigewordenen Kapazitäten in den Asyllagern für Recht und Ordnung sorgen! Aber ich vermute mal das diese Arbeit unseren Beamten nicht zugemutet werden kann. Lieber schlecht bezahlte und kaum ausgebildete Privatfimen einsetzen und selbst eine ruhige Kugel schieben bei irgendweichen "schönwetter Einsätzen"
fatherted98 21.10.2014
2. naja...
...wenn das schon so positiv war...dann kann man doch die Polizei gleich von jedem Spiel komplett abziehen....dann wird das alles ja noch friedlicher...
mhsh 21.10.2014
3. Eine schlechte Nachricht ... aber
2013 wurden beim Spiel Holstein Kiel gegen Hansa Rostock mehr als 700 Polizisten eingesetzt. Obwohl es keinerlei Zwischenfälle gab,weder im Stadion noch in der Stadt (Weihnachtsmarkt war auch)wurden die Sicherheitsbestimmungen weiter verschärft.Nur 6 Monate später waren über 1000 Polizisten im Einsatz. Es gab in Kiel keinen Verkauf an Ostdeutsche. Der DFB hält die für gerechtfertigt.Auch Schwerbehinderte wurde ausgeschlossen. Die rechtfertigung des DFB sagt,durch den Einsatz der Polizei gab es keine Zwischenfälle. Komisch beim Spiel gegen St.Pauli wurden noch mehr Polizisten eingesetzt und trotzdem kam es zu sehr schwerenZwischenfällen.
fred2013 21.10.2014
4. Sobald ein Fanblock randaliert
wird das Spiel mit 5:0 für die andere Mannschaft gewertet und abgebrochen. Vielleicht wäre das mal ein Ansatz diese Hohlköpfe zu disziplinieren.
UB17 21.10.2014
5.
Zitat von fred2013wird das Spiel mit 5:0 für die andere Mannschaft gewertet und abgebrochen. Vielleicht wäre das mal ein Ansatz diese Hohlköpfe zu disziplinieren.
Weiter am Thema vorbei gehts nicht mehr?
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