Trainer-Legende Schröder nimmt nach 45 Jahren Abschied von Turbine

Er ist ein Denkmal im Frauenfußball: 45 Jahre lang hat Bernd Schröder Turbine Potsdam betreut und zu zahlreichen Titeln geführt. Mit 73 Jahren ist jetzt endgültig Schluss für den Coach.

Turbine-Langzeitcoach Bernd Schröder
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Turbine-Langzeitcoach Bernd Schröder


Die wohl ungewöhnlichste Trainerkarriere im deutschen Spitzenfußball ist am Pfingstmontag zu Ende gegangen. Bernd Schröder hat nach 45 Jahren beim Frauen-Bundesligisten Turbine Potsdam die Trainerbank geräumt. Der 4:1-Erfolg zum Saisonabschluss bei Werder Bremen war sein letztes Spiel als Coach.

Schröder macht nun mit 73 Jahren seinen schon vor Beginn der Saison angekündigten Rücktritt wahr und möchte sich ganz ins Privatleben zurückziehen. Er werde jetzt zumindest ein Jahr nicht mehr ins Stadion gehen, um seinen Nachfolgern nicht in die Quere zu kommen, kündigte er an.

Mit Turbine hat er sechsmal die Deutsche Meisterschaft gewonnen, darunter von 2009 bis 2012 viermal in Folge und zudem als Krönung 2010 die Champions League. 2005 hatte man bereits den Uefa-Cup errungen. Bereits zu DDR-Zeiten hatte Schröder Turbine zu sechs Meistertiteln geführt. Insgesamt blickt er auf 24 Titel zurück, die er mit Turbine errungen hat.

Job sollte nur für kurze Zeit sein

1971 hatte der gelernte Ingenieur das Traineramt bei Turbine übernommen - nur deswegen, weil er als Abteilungsleiter im VEB Energieversorgung Potsdam bei der Vereinsgründung der BSG Turbine anwesend war. Nur kurz danach wurde er gefragt, ob er die Mannschaft ehrenamtlich als Trainer übernehmen könne. In den Sechzigerjahren spielte er kurzzeitig als Reservetorwart beim 1. FC Lok Leipzig - das war bis dato seine einzige Verbindung zum Fußball.

Den Trainerjob hat er bis heute behalten, unterbrochen nur in der Zeit von 1992 bis 1997, als er Manager des Teams war. Bezahlen ließ er sich für diesen Job nie, er übte die Tätigkeit bis zuletzt ehrenamtlich aus.

In der Branche galt der Coach als unbequem und gerade heraus, sein Training als hart. Vor allem Bundestrainerin Silvia Neid musste sich wiederholt deutliche Kritik von Schröder anhören, beide hatten ein schwieriges Verhältnis. Als sein Motto beschrieb er den Satz: "Die Sprache des Erfolges ist rau."

Nachfolger bei Turbine wird sein bisheriger Assistent Matthias Rudolph. Potsdam hat die Saison als Tabellensiebter abgeschlossen, für den Erfolg gewohnten Schröder war dies die schlechteste Platzierung des Teams in seiner Karriere.

aha/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Mondaugen 16.05.2016
1. Zeitpunkt
Bernd Schröder hat Großes geleistet bei Turbine, aber sein Rücktritt kam zu spät. Der Club ist im Mittelmaß versunken, herausragende Spiele wie kürzlich gegen Wolfsburg sind selten geworden. Es ist in weiteres Beispiel, dass man nicht zu lange mit dem Abschied warten sollte. Andererseits ist es dadurch für seinen Nachfolger leichter, da nun nicht mehr automatisch Meisterschaft oder mindestens CL-Qualifikation erwartet werden.
jjpreston 16.05.2016
2.
Nicht zu vergessen: Er hat auch seinen designierten Nachfolger Achim Feifel - der bis 2012 reichlich Erfolge beim HSV vorzuweisen hatte, mit Platz 4 als Top-Platzierung im WM-Jahr - demontiert, der Turbine vielleicht eine zukunftsträchtige Spielphilosophie hätte verpassen können, was in Zeiten, da die FFCs gegenüber den Profivereinen aus der Männer-Bundesliga von den Möglichkeiten her zunehmend ins Hintertreffen geraten (gerade Wolfsburg und Bayern), von Bedeutung hätte sein können.
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