Bestechlichkeitsvorwürfe Hoeneß attackiert Fifa-Chef Blatter

Es ist ein Frontalangriff auf Joseph Blatter: Bayern-Boss Uli Hoeneß unterstellt der Fifa Bestechlichkeit - und fordert den Präsidenten indirekt zum Rücktritt auf.

Bayern-Präsident Hoeneß: "So wird das gute Image des Fußballs kaputtgemacht"
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Bayern-Präsident Hoeneß: "So wird das gute Image des Fußballs kaputtgemacht"


Hamburg - Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist für seine Wutausbrüche bekannt, nun hat er ein neues Ziel: den Weltverband Fifa. "Es ist ein Skandal, wie dort die Dinge ablaufen. Offensichtlich hat heutzutage nur noch eine Bewerbung Erfolg, wenn zusätzlich Zahlungen unter dem Tisch gemacht werden", sagte der 59-Jährige der "Sport Bild" und unterstellte der Fifa Bestechlichkeit.

Die negative Außendarstellung des Weltverbands in der jüngsten Vergangenheit mit Bestechungsaffären und der umstrittenen Vergabe der WM-Turniere nach Russland (2018) und Katar (2022) haben beim Bayern-Präsidenten Unbehagen ausgelöst. "Ich kann nur sagen, dass die Fifa derzeit kein Fettnäpfchen auslässt. Ein Skandal jagt den anderen. So wird das gute Image des Fußballs kaputtgemacht", sagte Hoeneß.

Indirekt forderte er als Konsequenz aus dem offensichtlichen Mangel an Transparenz beim Weltverband Fifa-Präsident Joseph Blatter zum Rücktritt auf: Der müsse "sich selbst mal in Frage stellen, weil er die Dinge nicht mehr im Griff hat. Aber dann käme nur der nächste Fifa-Vertreter, der keinen Deut besser wäre."

Laut Hoeneß müsse bei der Fifa das ganze System überarbeitet werden. Es sei an der Zeit, "dass die starken Verbände aus Deutschland, England, Spanien oder Frankreich da mal kräftig aufräumen. Eine Veränderung kann nur beginnen, wenn die großen Verbände sagen: So, jetzt reicht es uns."

Blatter denkt über Regeländerungen zur WM 2014 nach

Von DFB-Präsident Theo Zwanziger als möglichen Nachfolger von Franz Beckenbauer in der Fifa-Exekutive erwartet Hoeneß, dass er dort dominant auftritt und klarstellt, "dass man der größte Zahlmeister ist und auch Forderungen stellen kann. Es darf nicht sein, dass man sich stattdessen von Verbänden wie Trinidad und Tobago vorführen lässt."

Blatter selbst reagierte auf die Hoeneß-Kritik nicht. Stattdessen kündigte er an, eine Task Force für die WM 2014 einzurichten. Beim Turnier in Brasilien könnte sich der Schweizer einschneidende Änderungen des Regelwerks vorstellen. Im Interview mit der hauseigenen Website fifa.com kündigte Blatter Diskussionen zu zahlreichen Punkten an. Man könne sich etwa die Frage stellen, ob es ein gutes System sei, drei Punkte für einen Sieg und einen Punkt für ein Unentschieden zu vergeben, sagte Blatter. "Eine weitere Frage wäre, ob die Verlängerung das einzige Mittel ist, um bei Unentschieden eine Entscheidung herbeizuführen." Auch an eine Wiedereinführung des Golden Goals denkt der Fifa-Präsident.

ham/sid/dpa

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Seite 1
spiegel-hai 05.01.2011
1. .
Zitat von sysopEs ist ein Frontalangriff auf Joseph Blatter: Bayern-Boss Uli Hoeneß unterstellt der Fifa Bestechlichkeit - und fordert den Präsidenten indirekt zum Rücktritt auf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,737915,00.html
Blatter bestechlich? Aber Herr Hoeneß, wie kommen Sie denn auf die absonderliche Idee..
manuelbaghorn 05.01.2011
2. !
Schon seltsam: in der Fifa jagt ein Skandal den nächsten und das einzige was für Blatter Bedeutung zu haben scheint, ist eine überflüssige Diskussion ums "golden goal" oder die schon seit Ewigkeiten bestehenden Punkteregeln....
LeisureSuitLenny 05.01.2011
3. Das muss jetzt aber nicht sein..
... das die sich branchenintern die Augen aushacken. Damit hat keiner gerechnet. Ansonsten: old news
Audere est facere 05.01.2011
4. Mafiastrukturen auch in der UEFA
Mit der Installation seines Strohmanns Platini hat sich Sepp Blatter auch die UEFA als Quelle für Geld aus dunklen Kanälen gesichert. Die "erste" Amtshandlung von Herrn Platini war nämlich die transparenten Strukturen, mit denen sein Vorgänger Johansson die UEFA wie ein modernes Wirtschaftsunternehmen geführt hatte, abzuschaffen. Siehe hierzu den Spiegel Online-Artikel aus 2007: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,462510,00.html
suryasuryata, 05.01.2011
5. Anwalt und Schweizer Buerger
Zitat von spiegel-haiBlatter bestechlich? Aber Herr Hoeneß, wie kommen Sie denn auf die absonderliche Idee..
Von Beruf ist Blatter Anwalt und erst noch Schweizer Buerger. Diese Herrschaften wissen doch wie man die Dinge dreht und wendet und direkt oder indirekt ist doch jeder bestechlich. So oder so ist Habgier das Ende eines materiellen Systems!
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