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Betrugsverdacht bei 200 Spielen: Riesiger Wettskandal erschüttert Europas Fußball

Von und

Schiebung in der Champions League, Manipulationen in der Zweiten Bundesliga und in acht weiteren europäischen Ligen: Der neue Bestechungsskandal im Profifußball sprengt alle Dimensionen. Der Fall stellt den Hoyzer-Skandal schon jetzt in den Schatten - weitere Enthüllungen könnten bald folgen.

DPA

Peter Limacher brachte es auf den Punkt: "Das ist der größte Betrugsskandal, den es bisher im europäischen Fußball gegeben hat", sagte der Leiter der Disziplinarabteilung bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa). "Wir sind zutiefst betroffen vom Ausmaß abgesprochener Spielmanipulationen internationaler Banden." Damit übertreibt er sicher nicht. Was die Staatsanwaltschaft Bochum an diesem Freitag auf einer Pressekonferenz bekanntgab, betrifft den gesamten europäischen Fußball in bislang ungekanntem Ausmaß - und stellt die Glaubwürdigkeit des millionenschweren Sports massiv in Frage.

Gleich vier Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei berichteten auf der Pressekonferenz von den neuesten Erkenntnissen über die Wettmanipulationen. Dabei agierten sie mit einer Mischung aus Bedrückung und Genugtuung. Denn auf der einen Seite sind die Zahlen beängstigend: 200 Spiele in halb Europa stehen nach derzeitigem Stand unter Manipulationsverdacht (siehe Infokasten links). Auf der anderen Seite haben die Ermittler einige Erfolge nachzuweisen.

Die bisherigen Erkenntnisse:

  • In Deutschland sollen drei Spiele der Dritten Liga, 18 Partien der Regionalligen, fünf Spiele der Oberligen, zwei U19-Begegnungen sowie vier Spiele aus der Zweiten Bundesliga manipuliert worden sein. Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" soll es sich dabei um zwei Spiele mit Beteiligung des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück gehandelt haben. Die Erste Bundesliga ist nach bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht betroffen.
  • Parteien in acht weiteren europäischen Ländern sind ebenfalls im Visier, überwiegend Erstligaspiele.
  • Noch schwerer wiegt der Verdacht, dass auch Spiele der europäischen Top-Wettbewerbe verschoben worden sein sollen. Die Bochumer Staatsanwaltschaft spricht von zwölf Partien der Europa League und drei Champions-League-Spielen - eine Liga, in der die besten Clubs Europas vor Millionen von Zuschauern um Millionen von Euro spielen. Da Begegnungen der aktuellen Europapokalsaison betroffen sein sollen, sind sogar Konsequenzen für den laufenden Spielbetrieb möglich.
  • Die Polizei ermittelt gegen rund 200 Verdächtige: Zum einen gab es demnach eine "Kerngruppe" von mutmaßlichen Tätern, die durch Bestechung Spielausgänge beeinflussten und auf die Ergebnisse wetteten. Zum anderen gab es die Bestochenen, die die Spiele aktiv manipulierten: Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Vereinsoffizielle.
  • So sollen spätestens seit Anfang des Jahres Partien verschoben worden sein.

Ermittler Ralf Ziegler beschrieb die weiteren Polizeiaktionen in dem Fall:

  • Am Donnerstag wurden allein in Deutschland 15 Personen festgenommen: in Berlin, im Raum Nürnberg und im Ruhrgebiet.
  • Zwei weitere Festnahmen gab es in der Schweiz.
  • Mehr als 50 Durchsuchungen wurden durchgeführt, außer in Deutschland auch in der Schweiz und in Österreich. Dabei wurde mehr als eine Million Euro in Bargeld und Sachwerten sichergestellt.

"Das ist nur die Spitze des Eisbergs"

Die mutmaßliche Tätergruppe um die am Donnerstag festgenommen Drahtzieher aus dem Hoyzer-Skandal, Ante und Milan Sapina, soll durch die manipulierten Spiele bei Wetten in Asien und Europa insgesamt mindestens zehn Millionen Euro erschwindelt haben. Die Polizei rechnet aber mit einem noch höheren Schaden. Etwa die Hälfte aller Manipulationsversuche sei erfolgreich gewesen.

"Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs", sagte Ermittlungsleiter Andreas Bachmann. Laut Staatsanwaltschaft ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Zahl der Tatverdächtigen als auch die Zahl der betroffenen Spiele noch erhöhen wird. Aus ermittlungstaktischen Gründen werden zur Identität weiterer beteiligter Personen sowie zu den betroffenen Vereinen derzeit keine Auskünfte erteilt.

"Das trifft mich wie ein Schlag"

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Ligaverband sicherten den Ermittlern ihre uneingeschränkte Unterstützung bei der lückenlosen Aufklärung des Skandals zu. "Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen", sagte DFB- Präsident Theo Zwanziger.

Schlimmer als der Fall Hoyzer

Der Fall überbietet schon jetzt alle bisher dagewesenen Manipulationsaffären im Fußball. Zum Vergleich: Im bis dahin größten Wettskandal in der Geschichte des DFB um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer ging es um 23 Spiele im DFB-Pokal, der Zweiten Bundesliga und in den Regionalligen. Sie waren so manipuliert worden oder sollten so beeinflusst werden, dass die kroatischen Brüder Ante, Milan und Filip Sapina Hunderttausende Euro verdienten. Ante Sapina wurde damals wegen Wettbetrugs zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt, sein älterer Bruder Milan kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Zu Beginn des Jahres 2005 hatte der DFB einen Hinweis erhalten, dass Schiedsrichter Robert Hoyzer Spiele manipuliert habe. Dieser bestritt die Vorwürfe zunächst, gestand wenige Tage später: Er gab zu, dass von ihm geleitete DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem HSV so manipuliert zu haben, dass der damals drittklassige SC 4:2 gewann.

Der HSV erhielt später vom DFB eine Entschädigung in Höhe von 500.000 Euro und die Einnahmen aus einem Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft (circa 1,5 Millionen Euro). Eine Wiederholung der Partie war nicht möglich, da bereits zwei weitere Runden im laufenden Wettbewerb absolviert waren. Zwei von Hoyzer manipulierte Partien jedoch wurden neu angesetzt: Ein Zweitliga-Spiel zwischen LR Ahlen und Wacker Burghausen und eine Partie der Regionalliga Nord zwischen den Amateuren von Hertha BSC Berlin und Arminia Bielefeld.

Mit Material von sid und dpa

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Forum - Nächster Wettskandal - hat der Fußball seine Glaubwürdigkeit verloren?
insgesamt 417 Beiträge
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1. ...
nil75 20.11.2009
Zitat von sysopDutzende Festnahmen, hunderte Begegnungen unter Manipulationsverdacht, schockierte Spieler und Funktionäre - ein neuer Wettskandal erschüttert die Fußballwelt. Verliert der Sport endgültig seine Glaubwürdigkeit? Diskutieren Sie mit.
sie meinen nach der politik und der finanzwelt nun auch der sport?
2.
baloo64 20.11.2009
Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
3.
Iggy Rock, 20.11.2009
Zitat von baloo64Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
Leider richtig, außer beim privaten Amateursport, wo Bewegung zählt und keine "scheinbare" Spitzenleistung.
4.
Darjaan 20.11.2009
Zitat von baloo64Wie sauber oder glaubwürdig ist der Sport noch? Wettskandale im Fußball, manipulierte Rennen im Motorsport, Doping im Sport im allgemeinen und so weter. Es geht im Sport mittlerweile nicht mehr nur um die sportliche Leistung sonder viel mehr um wirtschaftliche Leistungen. Wo Milliarden Beträge im Spiel sind, ist immer der Anreiz gegeben sich unredlich sich eine Scheibe davon abzuschneiden. Auch bin ich der Meinung das der neuerliche Wettskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Aber ich glaube auch das die FIFA, UEFA und die Ligen nicht an eine lückenlose Aufklärung interessiert sind, weil sonst ihre eigene Praktiken unter die Lupe kommen würde. Und auch da gäbe es wahrscheinlich genug zuentdecken. Wie beim Wettskandal vor ein paar Jahren wird hier alles in ein paar Wochen unter den Mantel des Vergessens geraten. Welche glaubwürdigkeit kann der Sport verlieren? Keine! Er hat ja keine!
So glaubwürdig wie die Fans die ihn konsumieren. Wer sein Geld immer noch für Fanartikel, überteuerte Eintrittskarten, besonders in der F1, aber auch Tennis, oder für Fußballspiele ausgibt, wo die Sportler Millionen verdienen obwohl sie schon ohne soviel Geld genug Privilegien genießen und ihr Hobby zum Beruf machen durften, der hat es nicht anders verdient als betrogen zu werden. Man kennt die Probleme seit Jahrzehnten, ist aber nicht bereit die Konsequenzen zu ziehen und mal 1 Jahr nicht ins Stadion zu rennen. Kann ich kein Mitleid mit haben und ich lache nur noch darüber, über den "Sport" und seine dummen Fans. Der Sport ist nur das Spiegelbild dessen, mit dem wir uns zufrieden geben. Viel Spaß weiterhin, wenn unsere millionenschwere Hoppel-Häschen-Fußballnationalelf, mit ihrem ganzen überteuertem Psychologen und Medizinerstab, und ihren "highteck" Trainings, gegen eien Entwicklungsland so gerade ein Unentschieden herausholen. Dieser ganze Wahn gehört abserviert und diese Primadonnen sollen wieder für einen Facharbeiterlohn spielen Ich lach mich wirklich schlapp. Diese ganze Jammerei über unsauberen Sport ist so unglaublich, als jammerte man dass man im Spielcasino Geld verloren hat, ohe zu vergessen dass das schon fast das Gleiche ist. Irgendwann wir auch diese hyperkommerzielle "Sortblase" platzen. Dauert beim Fußball halt was länger weil Fußballfans im Durchschnitt ein paar kognitive Defizite mehr haben als der Rest.
5. CL · EL · BL usw.
taiga, 20.11.2009
Wenn selbst aktuelle Spiele der Champions League involviert sind, bekommt das Ausscheiden des FCB mit einem Mal sogar einen positiven Beigeschmack ;) Ich verstehe im Übrigen nicht ganz, wie man diesem "Sport" noch so viel Herzblut opfern kann. Interesse, OK – aber diese Massenbegeisterung? Das kommt mir vor wie unsere Währung, die ebenfalls durch NICHTS mehr gedeckt ist.
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Partien sollen manipuliert worden sein...
in Deutschland
- 4 in der Zweiten Liga
- 3 in der Dritten Liga
- 18 in den Regionalligen
- 5 in den Oberligen
- 2 der U19-Mannschaft
auf internationaler Ebene
- 3 in der Champions League
- 12 in der Europa League
- 1 Qualifikationsspiel zur U21-EM
in Österreich
- 11 in der ersten und zweiten Liga
in Belgien
- 17 in der zweiten Liga
in der Schweiz
- 22 in der zweiten Liga
- 6 Vorbereitungsspiele
in Kroatien
- 14 in der ersten Liga
in Slowenien
- 7 in der ersten Liga
in der Türkei
- 29 ab der ersten Liga abwärts
in Bosnien-Herzegowina
- 8 in der ersten Liga
in Ungarn
- 13 in der ersten Liga

Die Chronologie des Hoyzer-Skandals
Zur Person
Robert Hoyzer, geboren 1979 in Berlin, war als ehemaliger Schiedsrichter eine der Hauptpersonen im Fußball-Wettskandal 2005. Wegen Manipulation von Fußballspielen wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt und vom DFB lebenslänglich gesperrt.
Januar 05
19. Januar: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erhält einen Hinweis, dass Schiedsrichter Robert Hoyzer aus Berlin Spiele manipuliert hat, um daraus Geldvorteile zu ziehen. Aufgrund dieser Hinweise leitet der Kontrollausschuss des DFB Ermittlungen gegen Hoyzer ein.

21. Januar: Eine vom Vorsitzenden des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, anberaumte Vernehmung in der Frankfurter DFB-Zentrale endet damit, dass Hoyzer nach Ansicht des DFB seinen Austritt aus dem Verein Hertha BSC Berlin erklärt hat und damit nicht mehr der Disziplinargewalt des DFB unterliege. Im Gespräch mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses, bestreitet Hoyzer die Manipulationsvorwürfe.

22. Januar: Der DFB gibt bekannt, dass der Kontrollausschuss Ermittlungen gegen Hoyzer aufgenommen hat. Der Verdacht der Beeinflussung der Spielergebnisse bezieht sich unter anderem auf das DFB-Vereinspokal-Spiel der ersten Runde zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV.

23. Januar: Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht erstmals von Betrug. Zudem erklärt er, dass Zeugen aus dem Bereich des Schiedsrichterwesens den DFB auf das Verhalten Hoyzers aufmerksam gemacht haben.

24. Januar: Erstmals meldet sich Hoyzer zu Wort und erklärt, er habe nie auf von ihm geleitete Spiele gewettet. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt Vorermittlungen auf. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder fordert ein völliges Wettverbot für Spieler, Schiedsrichter und Club-Verantwortliche. Der Hamburger SV legt Protest gegen die Wertung des Pokalspiels beim SC Paderborn ein. Erwin Horak, Oddset-Chef, schließt Regressansprüche gegen Robert Hoyzer nicht aus.

25. Januar: Es wird bekannt, dass die vier Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix Zwayer dem DFB den entscheidenden Tipp im "Fall Hoyzer" gegeben haben. Hoyzer bekräftigt, er habe nicht betrogen. Schiedsrichter Felix Zwayer bestätigt, dass es vor dem Zweitligaspiel Rot-Weiß Essen - 1. FC Köln (2:2) dazu aufgefordert worden war, mit seinen Entscheidungen Einfluss auf die Partie zu nehmen.

26. Januar: Der DFB erstattet Anzeige gegen Robert Hoyzer. Dieser soll lauf Medienberichten Kontakte zu den möglichen kroatischen Drahtziehern des Wettskandals unterhalten haben. Arminia Bielefelds Manager Thomas von Heesen bringt Schiedsrichter Dominik Marks in die Schusslinie. Beim Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren der Ostwestfalen bei Hertha BSC Berlin soll unter der Leitung von Marks zu auffälligen Entscheidungen gekommen sein. Marks bestreitet die Vorwürfe.

27. Januar: Robert Hoyzer gesteht die gegen ihn erhobenen Manipulationsvorwürfe. Zudem sagt er, dass in die Affäre noch viele andere Leute verstrickt seien. Der Schiedsrichterausschuss reagiert auf den "Fall Hoyzer" mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog.

28. Januar: Robert Hoyzer wird von der Staatsanwaltschaft Berlin in Essen vernommen. Nach Aussagen seines Anwalts Stephan Holthoff-Pförtner belastet der 25-Jährige dabei weitere Schiedsrichter und auch Spieler. Hoyzer gesteht 67.000 Euro für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben. Am Abend durchsucht die Berliner Polizei vier Objekte, darunter das als Zentrum des Skandals geltene Café King, und nimmt vorübergehend vier Personen fest.

29. Januar: Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigt, dass Haftbefehl gegen drei mutmaßliche kroatische Wett-Betrüger erlassen wurde. Der DFB kündigt einen Antrag auf Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Berlin an.

30. Januar: Nach Hinweisen aus einem offenbar ernstzunehmenden Umfeld auf eine Verwicklung von Referee Jürgen Jansen in den Skandal setzte der DFB den Unparteiischen für das Sonntagspiel der Bundesliga zwischen Meister Werder Bremen und Hansa Rostock wieder ab und überträgt kurzfristig Lutz Wagner (Hofheim) die Leitung der Partie.

31. Januar: Der DFB setzt eine "Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen" unter Leitung von DFB-Justiziar Goetz Eilers ein, die für lückenlose Aufklärung im Betrugs-Skandal sorgen soll. Der SC Paderborn bestätigt, dass Kapitän Thijs Waterink vor dem Pokalspiel gegen den Hamburger SV 10.000 Euro von einem Unbekannten erhalten habe. Paderborns Vereins-Präsident Wilfried Finke beschuldigt HSV-Spieler, an der Manipulation beteiligt gewesen zu sein, was die Hamburger vehement zurückweisen. Torhüter Ignjac Kresic vom Regionalligisten Dynamo Dresden bestätigt, dass die Mannschaft im Juni 2003 nach einem Sieg 15.000 Euro zusätzliche Prämie von einem unbekannten Sponsor erhalten habe.
Februar 05
1. Februar: Die polizeilichen Ermittlungen weiten sich bundesweit auf 40 Wettbetreiber und insgesamt 300 Annahmestellen aus, die ermittelnde Staatsanwaltschaft will dem DFB die gewünschte Akteneinsicht gewähren.

2. Februar: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen ausgeweitet und bundesweit Hausdurchsuchungen durchgeführt. Zwischen 6.00 und 11.30 Uhr wurden in 10 Bundesländern an 32 verschiedenen Durchsuchungsorten bei 19 Beschuldigten "mit Erfolg Beweismittel" gesichert. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Berlin mit. Es waren dabei 150 Polizeibeamte, darunter Beamte des Landeskriminalamtes Berlin, im Einsatz. Festnahmen erfolgten nicht.

4. Februar: Schiedsrichter Jürgen Jansen beteuert auf einer Pressekonferenz in Passau seine Unschuld.

6. Februar: Torwart Georg Koch vom Zweitliga-Tabellenführer MSV Duisburg bestätigt, dass ihm am letzten Spieltag der vergangenen Saison 20.000 Euro geboten worden seien, um eine Zweitligabegegnung zu verschieben. Damals stand der Keeper noch bei Energie Cottbus zwischen den Pfosten.

10. Februar: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verhängt gegen Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer wegen grob unsportlichen Verhaltens eine Vorsperre. Hoyzer hatte in der Anhörung durch den Sportgerichts-Vorsitzenden Rainer Koch in Essen eingestanden, mehrfach nach Verabredung mit Kunden von Wettbüros Spiele des DFB-Pokals, der 2. Bundesliga und der Regionalliga manipuliert zu haben.

11. Februar: Für eine Entschädigung im Gesamtvolumen von rund zwei Millionen Euro hat Bundesligist Hamburger SV auf eine Wiederholung des von Ex-Referee Robert Hoyzer manipulierten Pokal-Spiels beim Drittligisten SC Paderborn (2:4) verzichtet.

12. Februar: Robert Hoyzer wird in Berlin festgenommen. Wie die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte, vollstreckte die Polizei einen bereits am zwei Tage zuvor erlassenen Haftbefehl.

14. Februar: Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark) wird vom DFB vorläufig nicht mehr eingesetzt. Er hatte den Verband über einen Anwerbungsversuch von Robert Hoyzer nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt.

15. Februar: Das von Robert Hoyzer manipulierte Zweitligaspiel zwischen Wacker Burghausen und LR Ahlen (0:1) vom 22. Oktober 2004 muss wiederholt werden. Diese Entscheidung fällt das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter dem Vorsitz von Rainer Koch. Der DFB verhängt gegen Zweitliga-Schiedsrichter Dominik Marks (Stendal) eine Vorsperre.

25. Februar: Nach 13 Tagen wird Robert Hoyzer überraschend aus der Untersuchungshaft in Berlin-Moabit entlassen. Der Haftbefehl, in dem ihm in acht Fällen mittäterschaftlicher Betrug angelastet werden, bleibt bestehen.
März bis August 05
3. März: Das mutmaßlich von Schiedsrichter Dominik Marks manipulierte Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren von Hertha BSC Berlin und den Amateuren von Arminia Bielefeld (2:1) vom 14. August 2004 muss wiederholt werden.

10. März: Die Staatsanwaltschaft Berlin erlässt Haftbefehl gegen den ebenfalls beschuldigten Schiedsrichter Dominik Marks (Stendal) und lässt diesen vor dessen Berliner Wohnung festnehmen.

11. März: Die Staatsanwaltschaft Berlin nimmt den ersten Spieler fest. Die Behörden vollstreckten einen Haftbefehl gegen den früheren Bundesliga-Profi Steffen Karl vom Regionalligisten Chemnitzer FC. Gegen Karl besteht der dringende Tatverdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten Verbrechensabrede sowie der versuchten Nötigung.

6. April: Der DFB-Kontrollausschuss fordert eine sechsmonatige Sperre gegen Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark). Nach Vorstellung des Gremiums soll Koop rückwirkend ab dem 1. Februar bis einschließlich 31. Juli gesperrt werden.

7. April: Thijs Waterink vom Regionalligisten SC Paderborn wird als erster Spieler im Zuge des Wettskandals gesperrt. Der Niederländer wurde vom Sportgericht wegen "eines unsportlichen Verhaltens in Tateinheit mit passiver Bestechung" mit einem Spielverbot bis einschließlich 31. Juli 2005 belegt. Der Kontrollausschuss hatte eine Sperre von acht Monaten gefordert.

11. April: Milan Sapina aus dem Berliner Café King wird wenige Stunden nach seiner Freilassung erneut in Haft genommen. 12. April: Robert Hoyzer tritt zum 31. März aus seinem Verein Hertha BSC Berlin aus und unterliegt damit nicht mehr der DFB-Sportgerichtsbarkeit.

21. April: Das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unabhängige Ständige Schiedsgericht unter Vorsitz von Wolfgang Grunsky (Bielefeld) weist den Einspruch des Zweitligisten LR Ahlen gegen die Neuansetzung der Partie gegen Wacker Burghausen (1:0) vom 22. Oktober 2004 zurück. Das Spiel wird nun wie geplant am 27. April ausgetragen. Damit sind alle 16 Einsprüche gegen Spielwertungen abgeschlossen.

27. April: Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer kommt zwar um eine Geldstrafe von 50.000 Euro herum, muss aber in Kürze mit dem Urteil und einem Verbandsausschluss auf Lebenszeit und einer Schadensersatzklage des DFB rechnen.

28. April: Der Außerordentliche Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Mainz beschließt ein Wettverbot für Spieler, Trainer, Funktionsträger sowie Unparteiische und den ordnungsgemäßen Abschluss des Spielbetriebs zum 30. Juni durch eine Ergänzung der Rechts- und Verfahrensordnung. Danach kann nicht mehr auf Punktverlust oder Spielwiederholung entschieden werden. Verabschiedet wird auch der von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingebrachte Antrag auf Einführung einer eigenen Fußballwette ab der Saison 2006/2007.

29. April: Das Sportgericht des DFB verurteilt Schiedsrichter Torsten Koop wegen unsportlichen Verhaltens überraschend zu einer Sperre von nur drei Monaten. Der DFB-Kontrollausschuss hatte Anklage gegen Koop erhoben, da dieser einen Anwerbeversuch der belasteten Ex-Referees Robert Hoyzer und Dominik Marks beim DFB nicht gemeldet hatte.

18. Mai: Ante Sapina wird vernommen und äußert sich zum Tatverdacht. Die Staatsanwaltschaft wertet die Aussagen als Geständnis.

8. Juni: Milan Sapina wird gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen.

29. Juni: Das Verfahren gegen Schiedsrichter Jürgen Jansen wird von der Berliner Staatsanwaltschaft eingestellt.

27. August: Der Dresdner Schiedsrichter-Betreuer Wieland Ziller wird für fünf Monate gesperrt. Das Urteil begründete der DFB-Sportgerichtsvorsitzende Rainer Koch damit, dass Ziller nach Aktenlage "Betrug am Betrüger" vorzuwerfen ist. Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter hatte im November 2004 eine Summe von mindestens 25.000 Euro von Ante Sapina erhalten und den Eindruck erweckt, einen Großteil dieses Betrags an den vermeintlich manipulationsbereiten Schiedsrichter Jürgen Jansen weiterzuleiten. Tatsächlich behielt jedoch Ziller das gesamte Geld für sich.
Prozessverlauf
18. Oktober 2005: Prozess-Auftakt vor dem Berliner Landgericht.

17. November 2005: Die Berliner Richter verurteilen Hoyzer wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Der Hauptangeklagte Ante Sapina erhält wegen Wettbetrugs durch manipulierte Fußballspiele in elf Fällen eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und elf Monaten.

28. November 2006: Bundesanwalt Hartmut Schneider beantragt vor dem Bundesgerichtshof, die Urteile des Landgerichts Berlin vom 17. November 2005 aufzuheben.

15. Dezember 2006: Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil des Berliner Landgerichts vom November 2005 bestätigt. Danach muss Hoyzer wegen Beihilfe zum Betrug für zwei Jahre und fünf Monate in Haft. Die Revisionen des Ex-Referees und der kroatischen Brüder Sapina blieben damit vor dem 5. Strafsenat in Leipzig erfolglos.
Manipulationsskandale im Fußball
2010
Vor dem Landgericht Bochum beginnt im August der erste Prozess im Zusammenhang mit den Spielmanipulationen. Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, 370.000 Euro aufgewendet zu haben, um Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Funktionäre zu bestechen und anschließend Wetten auf vereinbarte Spielausgänge zu platzieren. Zwei der Angeklagten zeigten sich teilgeständig. Der Prozess ist nur der Auftakt der juristischen Aufarbeitung des Wettskandals. Es geht in Bochum lediglich um 32 Partien in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Schweiz.

Vor einer anderen Institution gibt es bereits eine Entscheidung: Der ehemalige Osnabrücker Zweitligaspieler Marcel Schuon wurde vom DFB-Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Sperre von zwei Jahren und neun Monaten belegt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schuon sich bereit erklärt hat, Spiele zu manipulieren.
2009
Laut Angaben von Ermittlern stehen europaweit rund 270 Partien im Verdacht, manipuliert worden zu sein. Darunter 53 Partien in Deutschland von der Zweiten Liga bis in den Juniorenbereich. In keinem anderen Land ist die Zahl derart hoch. Außerdem sollen Begegnungen in Österreich, Belgien, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Bosnien, der Türkei und der Schweiz betroffen sein. Zudem drei Spiele der Champions und zwölf der Europa League. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum belaufen sich die bislang für all diese Partien ermittelten Wetteinsätze auf rund zwölf Millionen Euro, die Gewinne werden mit 7,5 Millionen Euro angegeben.
2006
Eine Manipulationsaffäre um Juventus Turin weitet sich zu einem der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Fußballs aus. 29 von 38 Meisterschaftsspielen soll Juve-Manager Luciano Moggi nach Vermutungen der Staatsanwaltschaft Neapel mit Hilfe von korrupten Schiedsrichtern, Spielern und Funktionären in der Saison 2004/2005 zugunsten des Meisters manipuliert haben. Außer zahlreichen Funktionären geraten neun Erst- und Zweitligisten ins Visier der Staatsanwaltschaften in Neapel, Turin, Rom und Parma. Das Sportgericht des italienischen Fußballverbandes verurteilt Juventus Turin zum Zwangsabstieg in die 2. Liga, Moggi und seine Komplizen werden mit langjährigen Berufsverboten und Geldstrafen belegt.
2005
Im größten Wettskandal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geht es um 23 Spiele im DFB-Pokal, der Zweiten Bundesliga und in den Regionalligen. Sie waren so manipuliert worden oder sollten so beeinflusst werden, dass die kroatischen Brüder Ante, Milan und Filip Sapina Hunderttausende Euro verdienten. Das Trio hatte auf den Ausgang bestimmter Partien gewettet. Schiedsrichter Robert Hoyzer war einer ihrer Handlanger. Hoyzer und Drahtzieher Ante Sapina erhalten Haftstrafen, die anderen Beteiligten kommen mit Bewährungsstrafen davon.
2005
In Brasilien kommt ein Wett- und Schiedsrichterskandal ans Licht. Unter anderem sollen Unternehmer bei Schiedsrichtern Ergebnisse "bestellt" haben, um bei Internet-Fußballwetten zu gewinnen. Die Wettmafia habe so Gewinne von insgesamt mehr als einer Million Real (375 000 Euro) erzielt, lässt die Staatsanwaltschaft wissen. Die Schiedsrichter hätten pro Spiel ein "Entgelt" von umgerechnet 4000 bis 6000 Euro erhalten. Elf Begegnungen der laufenden Landesmeisterschaft werden annulliert und neu angesetzt. Dabei handelt es sich um Begegnungen, die Fifa-Schiedsrichter Edilson Pereira de Carvalho geleitet hat.
1971
Eine Bestechungsaffäre in der Bundesliga entsetzt nicht nur die deutschen Fußballfans. 18 Spiele der Saison 1970/71 sind betroffen, mit Hertha, Bielefeld, Frankfurt, Offenbach, Oberhausen, Duisburg, Stuttgart, Schalke, Braunschweig und Köln zehn Bundesliga-Vereine in den Skandal verstrickt. Nach mühevoller Kleinarbeit der Gerichte und des DFB-Chefanklägers Hans Kindermann werden 50 Spieler mit teilweise harten Strafen belegt, sechs Funktionäre und zwei Trainer gesperrt. Arminia Bielefeld wird 1972 die Lizenz entzogen und in die Regionalliga zurückgesetzt, den Offenbacher Kickers die Lizenz für zwei Jahre entzogen. (dpa)


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