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BFC Dynamo vs. Kaiserslautern: Hunderte Hooligans stürmen Gästeblock

Es galt als Hochrisiko-Spiel, die Polizei war mit 400 Beamten vor Ort - trotzdem kam es zu schweren Krawallen: Hunderte Anhänger des Fünftligisten Berliner FC Dynamo haben nach der Pokalpleite gegen Kaiserslautern den Gästeblock gestürmt und einige Fans verletzt.

Ausschreitungen in Berlin: Rauchbomben und Randale Fotos
dapd

Hamburg - Spieler und Trainer waren schockiert: "Das ist der BFC, wie wir ihn nicht sehen wollen", sagte Vereinssprecher Martin Richter nach dem Spiel in Richtung FCK-Trainer Marco Kurz und ergänzte: "Entschuldigen Sie bitte!" BFC-Trainer Heiko Bonan sagte: "Da kommen ein paar Idioten und tun genau das, was alle befürchtet haben."

Was war geschehen? Nach dem Pokal-Aus gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:3) in der ersten Runde hatten Anhänger des BFC Dynamo Berlin randaliert. Einige hundert Hooligans des Fünftligisten stürmten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark an Ordnern vorbei in den Gästeblock und prügelten auf die überraschten Pfälzer Gäste ein.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd konnten die Berliner durch ein offenes Sicherheitstor in den Bereich der Gäste gelangen. Wie eine Sprecherin der Polizei bestätigte, wurden mehrere Fans und auch zwei Beamte verletzt.

Schon während die Lauterer Fans in den letzten Spielminuten die Berliner mit wedelnden Taschentüchern und einem gesungenen "Auf Wiedersehen" hämisch verabschiedeten, hallten laute "Auf die Fresse"-Rufe durchs Stadion. Laut Augenzeugenberichten bauten sich nach dem Abpfiff zunächst zwei Dynamo-Fans, die durch ein offenes Tor auf die Tartanbahn gelangt waren, vor dem Gästeblock auf. In dem Block befanden sich auch Frauen und Kinder. Einige Lauterer Fans wurden dann durch und über den Trennzaun mit Fahnenstangen attackiert. Dann kamen mehrere dutzend Dynamo-Fans über ein weiteres offenes Tor über die Zuschauerränge in Richtung Gästeblock gestürmt. Warum die Tore geöffnet werden konnten, war zunächst unklar.

Den Berlinern droht eine Geldstrafe

"Der ganze Block hat Panik bekommen", beschrieb Christian Hirsch vom Lauterer Fanklub "Berliner Bagaasch", der sich inmitten der Pfälzer Fans befand, die Szenerie. "Die kamen über die Zäune und die Sitzplätze rüber, bis in den Gästeblock rein", so Hirsch. Erst als den Lauterer Fans am oberen Rand des Blocks der Weg abgeschnitten gewesen sei, habe die Polizei die beiden Lager getrennt, berichteten Beobachter.

Die etwa 400 Polizei-Einsatzkräfte vor Ort hatten die Lage erst nach einigen Minuten unter Kontrolle. Nach ersten Informationen der Polizei gab es "mindestens zehn Festnahmen". Nun droht den Berlinern eine saftige Geldstrafe.

Die Partie war schon zuvor als Hochrisiko-Spiel eingestuft worden. Bereits während der 90 Minuten waren aus dem Dynamo-Fanblock mehrere Feuerwerkskörper und Rauchbomben in Richtung Spielfeld geworfen worden. Schiedsrichter Babak Rafati hatte die Partie deshalb zwölf Minuten vor dem Ende zwischenzeitlich für zwei Minuten unterbrochen.

"Das, was hier passiert, macht mich traurig", sagte BFC-Torhüter Daniel Rothe. "Das sind nicht die wahren BFC-Fans, sondern solche, die eine Plattform suchen." Verteidiger Amadeus Wallschläger sagte: "Beide Niederlagen tun weh. Da haben welche dem Verein wieder einmal einen Bärendienst erwiesen."

Kaiserslauterns Verteidiger Mathias Abel schimpfte: "Es ist eine Sauerei, dass so etwas passiert und die Polizei und die Ordner gucken zu. Es ist unverständlich, dass so ein Club überhaupt so ein Spiel machen darf."

leh/dpa/sid/dapd

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