25 Jahre Premier League Shearer, Stahlmillionen und der Untergang der Blackburn Rovers

Als vor 25 Jahren die Premier League gegründet wurde, kaufte Stahlmagnat Jack Walker beim britischen Traditionsverein Blackburn Rovers groß ein. Eine Saison spielte sein Starensemble fulminant - dann kam der Absturz.

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Wenn man jemanden fragen wollte, der von den Anfangsjahren der Premier League erzählen kann, von ihren Wechselfällen zwischen Triumph und Absturz, von großen Siegen und schlimmen Niederlagen, dann könnte man zu Colin Hendry gehen. Der baumlange Schotte, ein Haudegen von einem Fußballer, wechselte 1987 aus Dundee zu den Blackburn Rovers, er blieb dem Verein bis 1998 treu - und damit erlebte er nicht nur den Start der neuen Superliga vor jetzt 25 Jahren mit, sondern mit diesem Klub auch alles, was man als Fußballer so erleben kann.

25 Jahre Premier League, das heißt normalerweise die regelmäßige Abwechslung der bekannten Top-Vereine an der Spitze. Die Meister hießen und heißen FC Chelsea, Manchester United und City, sogar ab und an der FC Arsenal. Im Vorjahr unterbrach Leicester City dieses Wechselspielchen - viele sprachen damals von einer einmaligen Geschichte und vergaßen das Jahr 1995. Als Hendry und sein Team Englischer Meister wurden.

Es war das Jahr, in dem Jack Walker am Ziel seiner Träume war. Walker hatte sein Geld mit Stahl verdient, das ging damals noch, und es war richtig viel Geld. Walker war das, was man einen Stahlmagnaten nannte. Er stammte aus Blackburn, und er war Rovers-Fan.

Dalglish und Shearer nach Blackburn geholt

Als Walker den Verein 1990 als Präsident und Geldgeber übernahm, waren die Rovers ein hoffnungsloser Zweitligist, längst keine große Nummer mehr. 1918 waren sie letztmals Meister gewesen, damals, als Blackburn noch eine Perle Englands war und noch keine abgewrackte Industriestadt. Walker wollte Blackburn und dem Fußball wieder Glanz verleihen, und das tut man in England immer schon, in dem man viel Geld ausgibt.

Walker holte den Starcoach Kenny Dalglish, eine Liverpool-Legende, nach Blackburn, er investierte so lange, bis dem Klub 1992 der Aufstieg gelang und die Rovers dadurch mit dabei waren, als die Premier League an den Start ging. Es war das Signal für den Boss, noch viel mehr einzukaufen.

Alan Shearer, Englands Top-Torjäger, kam aus Southampton nach Blackburn in den Ewood Park, der extravagante Graeme Le Saux vom FC Chelsea, der junge Hoffnungsträger Chris Sutton aus Norwich, Nationalspieler David Batty. Für Shearer und Sutton zahlte Walker zweimal die damaligen Rekordablösesummen von 3,5 Millionen, beziehungsweise fünf Millionen Pfund. Heute würde man dafür in England nicht einmal den Greenkeeper bekommen. Shearer und Sutton, "SAS", wie sie in Blackburn genannt wurden, wurden die Garanten des Aufschwungs.

In der Champions League abgeschlagen

Geld macht erfolgreich: Das galt schon in den Anfangsjahren der Premier League. Fünf Jahre Walker-Investitionen - und Blackburn war Meister. Vor Manchester United und vor allem dank der Tore von Shearer, der in drei Spielzeiten nacheinander mindestens 30 Treffer erzielte. Plötzlich stand Blackburn in der Champions League, wie die Premier League 1992 aus der Taufe gehoben und wie die englische Liga eine Gelddruckmaschine.

Blackburn spielte in einer Gruppe mit Spartak Moskau, Legia Warschau und Rosenborg Trondheim - und wurde abgeschlagen Letzter. Shearer ging am Ende der Saison, und der Abgesang von Blackburn begann. Andere hatten jetzt noch viel mehr Geld als die Rovers, und so sehr es der Verein auch versuchte, mit Transfers mitzuhalten: Es ging eigentlich nur noch abwärts.

Die Liste der Spieler, die die Rovers nach 1995 verpflichteten, ist ein Dokument der nackten Verzweiflung: von Youri Djorkaeff über Martin Dahlin und Stéphane Henchoz bis hin zu Markus Babbel und Jermaine Jones. Immer dann kamen sie nach Blackburn, wenn sie ihre beste Zeit hinter sich hatten.

1999 folgte der Abstieg, Blackburn berappelte sich noch einmal, kam in die Premier League, sogar in den Uefa-Cup zurück, aber nur, um 2012 erneut in die Zweitklassigkeit abzustürzen. Die abgelaufene Saison beendete das Team als 22. - das bedeutet das Verschwinden in der dritten Liga.

Wenn ab Freitagabend mit dem Anpfiff der ersten Partie FC Arsenal gegen Leicester City (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein Vierteljahrhundert Premier League gefeiert wird, spielt der ehemalige Meister Blackburn parallel an diesem Wochenende sein erstes Saison-Heimspiel gegen die Doncaster Rovers. Am 1. Spieltag hat Blackburn seine Partie bei Southend United 1:2 verloren, in einer Liga mit Vereinen wie dem FC Bury, Scunthorpe United und Plymouth Argyle.

Als Colin Hendry die Rovers nach elf Jahren verließ, war der Verein schon im freien Fall. Auch mit seiner Karriere ging es danach nur noch niederwärts, von den Glasgow Rangers wurde er verliehen, nacheinander an Coventry City, die Bolton Wanderers, Preston North End und zuletzt an den FC Blackpool. Blackpool, dritte Liga. Damals schon und heute wieder. Am zwölften Spieltag kommt es zum Duell mit den Blackburn Rovers.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Crom 11.08.2017
1.
Das ist ja das tolle am Fußball, es geht hoch und runter, hoch und runter. Das ist der große Unterschied z.B. zu den Profiligen in den Staaten, wo man nicht absteigen kann.
peterparca 11.08.2017
2. Toll?
Zitat von CromDas ist ja das tolle am Fußball, es geht hoch und runter, hoch und runter. Das ist der große Unterschied z.B. zu den Profiligen in den Staaten, wo man nicht absteigen kann.
Eigentlich zeigt der Artikel doch deutlich, dass nur Geld im Fussball oben schwimmt. Das hat mit Tradition oder Sportsgeist nicht mehr so viel zu tun. In den amerikanischen Profiligen kann zwar niemand absteigen, aber es gibt meist Regelungen, die es den schwächsten Vereinen erlauben die stärksten Nachfolgespielern zu rekrutieren. So wird echt Spannung aufrecht erhalten. Auch in Deutschland wird über kurz oder lang eine ernsthafte Diskussion aufkommen, ob es für den Sport an sich wirklich gut ist, dass der FCB seine finanzielle Gewalt so stark manifestieren kann.
bürgermeister_horst 11.08.2017
3. Also @#1
Das ist Quatsch. Ich bin HSV-Fan und der HSV ist ja per Gesetz unabsteigbar. Aber hoch geht es auch nicht mehr. :-)
asdf01 11.08.2017
4.
"Die Meister hießen und heißen FC Chelsea, Manchester United und City, sogar ab und an der FC Arsenal." Der Satz ist seltsam formuliert. Er implziert, dass eine Meisterschaft Manchester City ein Normalfall wäre und eine von Arsenal die Ausnahme. Tatsächlich hat Arsenal immernoch mehr Premier-League-Titel als Manchester City. Zugegebenermaßen spricht das Momentum eher dafür, dass City höhere Chancen auf weitere Titel hat, aber wenn den Scheichs die Lust vergeht, kann sich das auch wieder drehen.
bloub 11.08.2017
5.
Zitat von peterparcaEigentlich zeigt der Artikel doch deutlich, dass nur Geld im Fussball oben schwimmt. Das hat mit Tradition oder Sportsgeist nicht mehr so viel zu tun. In den amerikanischen Profiligen kann zwar niemand absteigen, aber es gibt meist Regelungen, die es den schwächsten Vereinen erlauben die stärksten Nachfolgespielern zu rekrutieren. So wird echt Spannung aufrecht erhalten. Auch in Deutschland wird über kurz oder lang eine ernsthafte Diskussion aufkommen, ob es für den Sport an sich wirklich gut ist, dass der FCB seine finanzielle Gewalt so stark manifestieren kann.
graue theorie, die sich in der praxis mal wieder nicht bewahrheitet. weil trotzdem immer noch das geld regiert und die herausragenden talente nach ablauf des ersten vertrags richtung grosse clubs ziehen.
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