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Blamables WM-Aus: Italien schlittert in die Calcio-Katastrophe

Von Oliver Birkner, Rom

Drei Spiele, kein Sieg, als Gruppenletzter raus: Titelverteidiger Italien hat sich bei der WM in Südafrika schlimm blamiert. Trainer Marcello Lippi trat mit einer trägen Altherrentruppe ohne Esprit an. Sein Nachfolger steht nun vor einer großen Herausforderung - es mangelt an geeignetem Nachwuchs.

dpa

Italiens Stürmer Fabio Quagliarella hockte noch weinend auf dem Feld, da begann der verletzte Stammtorhüter Gianluigi Buffon an der Seitenlinie bereits mit der schonungslosen Analyse: "Wenn man von drei Partien nicht eine einzige gewinnt, ist es vollkommen verdient, wieder nach Hause zu fahren."

Aus und vorbei. Nach der 2:3-Pleite gegen die Slowaken tritt Italien, der Weltmeister von 2006, die Heimreise an - als letzter seiner Gruppe. Ein Desaster für ein Land, das Fußball lebt.

Dabei ist das Ausscheiden nur logisch. Ein mäßiges 1:1 gegen Paraguay, ein peinliches 1:1 gegen die Underdogs aus Neuseeland und nun die Schlappe gegen die Slowakei - die Turnierbilanz der Italiener in Südafrika bietet Tristesse pur. Und das in einer Gruppe, die die Fans nach der Auslosung noch belächelt hatten.

Entsprechend vernichtend waren die Urteile der Berichterstatter nach dem ersten Aus der Azzurri in einer WM-Vorrunde seit 1974 in Deutschland. "Lächerliches Italien, blutleer, desaströs und ohne Zukunft" befand der "Corriere della Sera". Die "Repubblica" erklärte: "Wenn wir uns qualifiziert hätten, wäre es ein Diebstahl gewesen. Ein Spiel schlimmer als das nächste. Die hässlichsten Azzurri aller Zeiten. Unsäglicher als das 0:1 gegen Korea 1966."

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WM-Gruppe F: Arrivederci Italia!
Wenigstens sparte die Mannschaft nicht mit Selbstkritik. "Vor vier Jahren hat man uns den Ritterorden der Arbeit verliehen. Jetzt bekommen wir den Ritterorden der Schande. Der Calcio hat heute Abend den Tiefpunkt erreicht", sagte Mittelfeldmann Gennaro Gattuso.

Kritik an der Zusammenstellung des Kaders

Sogar der in der Heimat seit Monaten umstrittene Coach Marcello Lippi nahm alle Verantwortung auf sich. "Wenn eine Mannschaft sich in dieser Manier präsentiert, ohne Persönlichkeit, dann hat der Coach sie nicht gewissenhaft vorbereitet."

Oder nicht gewissenhaft zusammengestellt. Der Commissario tecnico wechselte in drei Partien zwischen taktischen Konzepten: vom 4-2-3-1, über ein 4-4-2 zum 4-3-3. Er stellte Spieler auf ungewohnten Positionen auf. Er betonte in einem Duktus, der bisweilen an Managerseminare erinnerte, die "Wichtigkeit der Gruppe": "ein Kollektiv - stark, kompakt, vereint".

Die Nibelungentreue zu alternden Stars wie Fabio Cannavaro, der nicht umsonst zukünftig seine Karriere in den beschaulichen Emiraten ausklingen lässt, oder Mauro Camoranesi wurde ihm nun zum Verhängnis. Ebenso wie die Wahl von mittelmäßigen Akteuren wie Vincenzo Iaquinta oder Simone Pepe.

"Fehlende Förderung und Qualität im Nachwuchs"

Und so erspielte sich Lippis Kollektiv in drei Partien gegen durchaus bezwingbare Gegner kaum Torchancen. Es fehlte an Tempo, Esprit und Überzeugung. Vielleicht hätte der Coach doch über die Nominierung von versierten und zuletzt überzeugenden Spielern wie Francesco Totti, Mario Balotelli, Antonio Cassano oder Fabrizio Miccoli nachdenken sollen. Sie passten jedoch nicht in Lippis angestaubtes Konzept, das 2006 in Deutschland noch funktionierte und jetzt die Schwächen des italienischen Fußballs gnadenlos offenlegt.

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Italiens WM-Aus: Tränen von Mailand bis Neapel
Denn alle Schuld dem Teamchef in die Schuhe zu schieben, wäre falsch. Die Probleme liegen tiefer, sie liegen im System. "Die Leistung bei dieser WM ist auch eine Bestandsaufnahme des Calcio", analysierte denn auch Buffon. Tatsächlich haben die Italiener in den vergangenen Jahren keinen echten Spielmacher mehr hervorgebracht. Alle Last lag jetzt auf Andrea Pirlo, der jedoch ging schon angeschlagen ins Turnier. Einen adäquaten Ersatz gab es nicht.

Auch verpassten es die Clubs, einen neuen Jahrgang ihrer gewohnt ausgezeichneten Defensivspezialisten auszubilden. Die Nachwuchsteams der Azzurri versagten zuletzt meist in Turnieren ebenso wie jetzt die A-Mannschaft in Südafrika. "Unser großes Problem ist die fehlende Förderung und Qualität im Nachwuchs", klagte vor einigen Tagen Verbandschef Giancarlo Abete und spielte auf die Schlüsselrollen in den Top-Mannschaften der Serie A an, die allesamt durch Ausländer besetzt sind.

Lippi jedenfalls wird die Wende nicht mehr einleiten. "Ich entschuldige mich bei allen und wünsche meinem Nachfolger, dass er so schnell wie möglich die Stimmung hebt und bessere Resultate erzielt", sagte der Trainer.

Der neue Coach heißt Cesare Prandelli und kann die frommen Wünsche seines Vorgängers gut brauchen. Denn nach dem letzten Platz in der WM-Gruppe mit Paraguay, Neuseeland und der Slowakei klingt die kommende EM-Qualifikation gegen Serbien, Nordirland, Slowenien und Estland wie eine kaum lösbare Aufgabe.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 137 Beiträge
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1. Herr Ministerpräsident Berlusconi,
#_eumel 25.06.2010
fordern Sie eine Verminderung der Gehälter der Fußball-“Stars“ auf einen Bruchteil! Jetzt ist die beste Gelegenheit dazu, den Exzess mit Gehältern der „Spitzen“-Sportler endlich einmal zu bremsen. Da kann Italien doch mit gutem Beispiel voran gehen.
2. Wer den Cup gewinnt....
utuvien 25.06.2010
Wer den Cup gewinnt ist scheißegal, nur Italien nicht, Italien nicht. Wer den Cup gewinnt ist scheißegal, nur Italien nicht nochmaaaal. *sing* sing*
3. Italiens WM Aus
petsche 25.06.2010
Zitat von sysopDrei Spiele, kein Sieg, als Gruppenletzter raus: Titelverteidiger Italien hat sich bei der WM in Südafrika schlimm blamiert. Trainer Marcello Lippi trat mit einer trägen Altherrentruppe ohne Esprit an. Sein Nachfolger steht nun vor einer großen Herausforderung - es mangelt an geeignetem Nachwuchs. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,702745,00.html
Wer oder was ist denn Calcio ? Beim Einstecken von ueberhoehten Zahlungen haben die Herren aber nicht versagt, nicht wahr ?
4. http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=5754368#post5754368
Steppenwolf8 25.06.2010
Einen kleinen Hauch von Genugtuung verspürte ich dann doch,hat der italienische Fußball mich doch fast 3 Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts an den Rand des Wahnsinns getrieben.Noch zu Zeiten des Schwarz-weiß-Fernsehens lagen in wichtigen Spielen ständig scheinbar schwerstverletzte Italiener am Boden und schunden Zeit. Simulanten!!
5. Italiens blamables WM aus
pimchanok 25.06.2010
Das ist die Quittung fuer das Verhalten Italiens bei der letzten WM. Ein rausgeschundener Elfmeter gegen Australien, die nachtraegliche erzwungene Sperrung von Torsten Frings, und die unsaeglichen verbalen Gemeinheiten gegen die Franzosen im Endspiel. Schoen, dass es doch noch Gerechtigkeit gibt!
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WM 2010: Die Sünderkartei der WM

Fußball-WM in Südafrika
Bafana Bafana
Die Fußball-Weltmeisterschaft findet vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 statt. Gastgeber ist Südafrika - mit dem Nationalteam Bafana Bafana. Die wichtigsten Infos zur WM...
Klima
Die WM fällt in den südafrikanischen Winter. In Johannesburg und Pretoria ist es im Winter (Juli und August) aufgrund der Höhenlage von knapp 1400 bis 1750 Metern sonnig und trocken, im Schnitt um die zehn Grad, selten über 18 Grad, Nachtfrost.
Durban am Indischen Ozean hat subtropisches und damit auch im Juni warmes Klima, im Schnitt um die 17 Grad.
In Kapstadt an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans herrschen im Schnitt Temperaturen um die 13 Grad, am Abend unter zehn Grad Celsius. Im Juni und Juli sind hier die Niederschlagsraten im Jahresverlauf am höchsten.
Anreise und Einreise, Nahverkehr
Täglich Nonstop-Flüge von South African Airways, Lufthansa und weiteren Gesellschaften zu Johannesburgs Airport OR Tambo. EU-Bürger erhalten am Airport kostenlos ein drei Monate gültiges Touristenvisum.
Der öffentliche Nahverkehr in Johannesburg ist noch kaum vorhanden. Besucher sind in der Regel auf Mietwagen oder Taxis angewiesen.
Ticketverkauf
Für die Südafrika-WM sind Pauschalreisen erhältlich, bei denen neben Anreise, Hotels und Ausflügen auch Stadiontickets enthalten sind. In Deutschland sind Dertour in Frankfurt am Main, Passion Southafrica in Darmstadt, Thomas Cook Sport in London und Vietentours in Meerbusch die Veranstalterpartner der Fifa.
Austragungsorte, Stadion
Johannesburg, Soccer City
Durban, Moses-Mabhida-Stadion
Kapstadt, African Renaissance Stadium/Green-Point-Stadion
Johannesburg, Ellis-Park-Stadion
Tshwane/Pretoria, Loftus-Versfeld-Stadion
Nelson Mandela Bay/Port Elizabeth, Nelson-Mandela-Bay-Stadion
Nelspruit, Mbombela-Stadion
Mangaung/Bloemfontein, Free-State-Stadion
Polokwane, Peter-Mokaba-Stadion
Rustenburg, Royal-Bafokeng-Stadion
Information
South African Tourism
Friedensstraße 6
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069/929 12 90
Internet: www.southafrica.net
de.fifa.com/worldcup/index.html
Sicherheitstipps der südafrikanischen Polizei
Reisende sollten die Sicherheitstipps der Polizei ernst nehmen, vor allem in Johannesburg, Durban, Kapstadt und anderen großen Städten:

Fluggepäck mit Schlössern sichern und auf dem Airport nicht unbeaufsichtigt lassen.

Schmuck nicht zur Schau stellen. Handys nicht auf offener Straße, sondern nur im Hotel, an Tankstellen oder in Gaststätten verwenden.

Bei Dunkelheit auf längere Spaziergänge verzichten. Hotels geben Auskunft über Gegenden, die gemieden oder nur in geführten Gruppen aufgesucht werden sollten.

Pässe und Wertgegenstände im Hotelsafe aufbewahren, Kopien von Pässen und Kreditkarten mitbringen. Möglichst wenig Bargeld einstecken - fast überall kann mit Kreditkarte bezahlt werden. Geld und Karten in verschließbaren Kleidungstaschen sichern.

Nur lizensierte Taxis benutzen.

Autofahren: Türen stets verriegeln, immer ein Handy dabeihaben und vorher die Notrufnummern einspeichern. Polizei: 112 oder 082/911, AA-Pannendienst: 0800/10101. Die Route gut studieren. Mobile Navigationsgeräte mit Südafrika-Software sind nützlich. Keine Anhalter mitnehmen. Unfallszenen können Fallen sein. Nicht halten, per Handy Polizei rufen. Tankstellen an Fernstraßen sind bewacht.
Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts
Das Auswärtige Amt in Berlin empfiehlt Touristen, vor allem in den Großstädten und ihren Randgebieten vorsichtig zu sein. Die Zentren von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt sollten nach Geschäftsschluss ebenso gemieden werden wie Fahrten mit Vorortzügen. Township-Besuche seien nur in Gruppen mit ortskundigem Führer ratsam. Bei Überfällen sei es besser, keinen Widerstand zu leisten. Ausführliche Ratschläge gibt das Ministerium online.
Weltmeister seit 1930
Jahr Weltmeister
1930 Uruguay (4:2 gegen Argentinien)
1934 Italien (2:1 n.V. gegen Tschechoslow.)
1938 Italien (4:2 gegen Ungarn)
1950 Uruguay (Finalgruppe*)
1954 Deutschland (3:2 gegen Ungarn)
1958 Brasilien (5:2 gegen Schweden)
1962 Brasilien (3:1 gegen Tschechoslow.)
1966 England (4:2 n.V. gegen Deutschland)
1970 Brasilien (4:1 gegen Italien)
1974 Deutschland (2:1 gegen Niederlande)
1978 Argentinien (3:1 n.V. gegen Niederl.)
1982 Italien (3:1 gegen Deutschland)
1986 Argentinien (3:2 gegen Deutschland)
1990 Deutschland (1:0 gegen Argentinien)
1994 Brasilien (3:2 n.E. gegen Italien)
1998 Frankreich (3:0 gegen Brasilien)
2002 Brasilien (2:0 gegen Deutschland)
2006 Italien (5:3 n.E. gegen Frankreich)
2010 Spanien (1:0 n.V. gegen Niederlande)
*Bei der WM 1950 gab es keine K.o.-Spiele. Der Weltmeister wurde in einer Finalgruppe ausgespielt.

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