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Blatter-Kandidatur: Der Machiavelli-Sepp

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Fifa-Boss Blatter mit Russlands Präsident Putin: Macht-Experten unter sich Zur Großansicht
REUTERS

Fifa-Boss Blatter mit Russlands Präsident Putin: Macht-Experten unter sich

Joseph Blatter macht's noch einmal: Der 78-Jährige wird 2015 für seine fünfte Amtszeit kandidieren - und natürlich wird er gewählt. Blatter hat am Ende immer bekommen, was er wollte. Dass er den Ruf der Fifa ruiniert hat, nimmt er in Kauf.

Es ist wahrscheinlich das Letzte, was man will. Aber man kann nicht umhin, Joseph Blatter zu bewundern: für seine Wendigkeit, für seine Cleverness, für seinen Machtinstinkt, für sein untrügliches Gefühl, was zu tun ist, um die eigene Position zu stärken. Korruptionsvorwürfe begleiten den mittlerweile 78-Jährigen seit Beginn seiner Amtszeit, für die Öffentlichkeit ist die Fifa ein macht- und geldbesessener Klub alter Männer. Aber all das perlt an Joseph Blatter ab, den alle verniedlichend Sepp nennen.

Der Schweizer strebt 2015 seine nächste Amtszeit an, es wird seine fünfte sein, und es gibt ernsthaft niemanden, der daran zweifelt, dass er wiedergewählt wird. Blatter hat das Feld dafür bestellt. Er hat seine Machtbasis bei den Kontinentalverbänden außerhalb Europas systematisch ausgebaut, er versteht es, die Afrikaner, die Mittelamerikaner, die Asiaten mit den richtigen Gesten und Worten zu umschmeicheln. Es muss noch nicht einmal Geld fließen, damit Blatter die aus seiner Sicht richtigen Leute auf die aus seiner Sicht richtige Seite bringt.

Und wenn der Wind ihm mal wieder ins Gesicht bläst wie im Moment, wo es um die Umstände der WM-Vergabe an das Emirat Katar geht, wird Blatter sich hinstellen und die Schultern zucken mit dem Hinweis, er persönlich habe ja damals nicht für Katar gestimmt. Er wird wieder Aufklärung versprechen, am Ende werden ein paar Menschen aus der Fifa-Exekutive ihr Amt verlieren, vielleicht wird Katar das Turnier auch weggenommen, aber Joseph Blatter wird immer noch da sein.

Woanders hätte Blatter längst gehen müssen

In Unternehmen vergleichbarer Größe, in der Politik ohnehin, hätte Blatter längst zurücktreten müssen, zu viel ist in den Jahren seiner Regentschaft passiert, das den Ruf des Weltfußballverbandes beschädigt hat. Der Name Blatter ist mit dem Mega-Schmiergeldskandal um die Marketing-Gruppe ISL verbunden. All die Vorgänge um die der Korruption beschuldigten ehemaligen Fifa-Granden Mohammed Bin Hammam und Jack Warner hat er schadlos überstanden, ebenso die Vorwürfe des Stimmenkaufs, als es um seine Vorsitzendenwahl 1998 ging.

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WM in Katar: Die Fifa, eine WM und viele Vorwürfe
Mittlerweile seufzt die Öffentlichkeit nur noch kurz, wenn wieder neue Skandale, neue Vorwürfe, neue Unappetitlichkeiten rund um die Fifa bekannt werden wie die Geschichte um die teuren Uhren-Geschenke an Funktionäre während der WM in Brasilien. Typisch Fifa eben, typisch Blatter - anschließend wird zur Tagesordnung übergegangen.

Der Ruf der Fifa ist ruiniert, und Blatter hat daran den Hauptanteil. Da kann er noch so viel über die friedensbringende Botschaft des Fußballs twittern, über Fairplay und Anti-Rassismus-Kampagnen. Das sind die PR-Phrasen, die keiner mehr ernst nimmt. Aber solange die Instinkte des alten Mannes aus Zürich noch funktionieren, solange die Fifa aus jedem WM-Turnier säckeweise Geld für sich herausschleppt, wird es niemanden mit Erfolgsaussichten geben, der sich ihm in den Weg stellt.

Auch und erst recht nicht beim DFB. Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger geriert sich zwar als der gute Mensch von Altendiez, aber als es 2011 zum Schwur um Blatters Wiederwahl ging, als die Wogen im Fall Bin Hammam besonders hoch schlugen, blieb er still. 2015 wird ihm DFB-Boss Wolfgang Niersbach nachfolgen, der bisher wahrlich nicht als Blatter-Kritiker ersten Ranges aufgefallen ist.

Blatter wird gerne mit Niccolò Machiavelli verglichen, der Raffinesse und Amtserhalt über Moral und Anstand stellt. Für Machiavelli war nicht entscheidend, ob man als gut oder böse gilt. Einziger Maßstab war für ihn: Man hat Erfolg, oder man scheitert.

Blatter hat sich für den Erfolg entschieden. Und wenn es nur der persönliche ist. Wenn er irgendwann mit über 80 Jahren abtritt, wird er mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze des Weltfußballs gestanden haben. Die Fifa wird mindestens so lange brauchen, sich davon zu erholen.

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1. ist der ruf.....
imlattig 26.09.2014
ruiniert dann lebt es sich voellig ungeniert.
2. Es nütz leider nichts...
e.pudles 26.09.2014
da können noch zig tausende negative und der Wahrheit entsprechende Artikel und Kommentare geschrieben werden es wird sich leider nichts ändern. Die Frage ist nur was hat dieser alte Mann in der Hand um seine Vasallen so an sich zu binden. Diesem Milliarden Verein geht es nur noch ums Geld, seinen Auftrag den Fussball zu fördern ist nicht mal mehr Nebensache. Zudem bezahlt die FIFA, welche ihren Hauptsitz in der Schweiz hat, dort, als gemeinnütziger Verein, nicht mal Steuern (die Gesetze erlauben das). Ich und viele Schweizer schämen uns zu tiefst für so einen Landsmann
3. zuviel der Ehre
Pless1 26.09.2014
Viel wahres in dem Artikel, was längst Allgemeinwissen ist. Zuviel der Ehre aber, Blatter zuzugestehen, er hätte den Ruf der FIFA ruiniert. Denn das war in der Ära Havelange längst geschehen. Man darf aber sagen, das er dessen würdiger Nachfolger ist. Joseph I. ist sozusagen Joao 2.0 Auch die Einzigartigkeit der FIFA in dieser Beziehung ist nicht gegeben. Ja, in den allermeisten Organisationen hätte er seine Position längst räumen müssen - aber eben nur in den zumindest halbwegs seriösen. Und wohl auch in den, sagen wir einmal, "halbseidenen". Aber selbst dieses Adjektiv ist ja für die FIFA ein purer Euphemismus. Trotzdem ist sie nicht allein, sie hat einen würdigen Herausforderer: Das IOC.
4. Glückwunsch
inhabitant001 26.09.2014
Glückwunsch zur Motiv-Auswahl, lieber SPIEGEL. Blatter und der böse Putin, damit der Leser gleich weiß wie er den Mann einzuordnen hat. Es gäbe auch Bilder von Blatter neben Merkel, vor allem nach der letzten WM, aber das wäre ja irgendwie mißverständlich, oder?
5. da kann man nur hoffen,
xvs650a 26.09.2014
dass dieser alte mann keine gene von joopi heesters in sich trägt..........
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Die Präsidenten der Fifa
Amtszeit Präsident
1904-1906 Robert Guérin (Frankreich)
1906-1918 Daniel B. Woolfall (England)
1921-1954 Jules Rimet (Frankreich)
1954-1955 Rodolphe W. Seeldrayers (Belgien)
1955-1961 Arthur Drewry (England)
1961-1974 Stanley Rous (England)
1974-1998 João Havelange (Brasilien)
seit 1998 Joseph Blatter (Schweiz)

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ISL-Affäre: Vermarktung dank Schmiergeld

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