Blatter zur Fifa-Korruptionsaffäre: Krise? Was für eine Krise?

Der Weltfußballverband wird durch eine Korruptionsaffäre erschüttert - doch der Auftritt seines Chefs wurde zur Farce. Joseph Blatter sprach schlicht von "Schwierigkeiten", die "innerhalb unserer Fifa-Familie" geklärt würden. Neuen Wirbel gibt es um die WM-Vergabe 2022 an Katar.

Hamburg - Die Spannung war groß, als Fifa-Boss Joseph Blatter am Montagabend in Zürich ans Rednerpult trat. Immerhin steckt die Weltorganisation des Fußballs in einer der größten Krisen der Verbandsgeschichte. Doch wer Antworten oder überraschende Erkenntnisse von ihrem Chef erwartet hatte, wurde enttäuscht.

"Die Fifa befindet sich in keiner Krise. Wir haben lediglich Schwierigkeiten", sagte Blatter und ließ die Öffentlichkeit auch gleich wissen, wie er damit umzugehen gedenke: "Probleme werden wir innerhalb unser Fifa-Familie lösen." Der Verband sei stark genug, damit alleine fertig zu werden.

Zu der Entscheidung der Ethikkommission, die seinen Rivalen Mohammed bin Hammam und Vizepräsident Jack Warner wegen des Verdachts der Korruption vorläufig suspendiert hatte, wollte er nichts sagen. "Ich habe kein Recht, diese Entscheidungen zu kommentieren", so Blatter. Bin Hammam wollte ursprünglich gegen den Präsidenten für das Amt der Fifa-Spitze kandidieren, hatte seine Bewerbung aber am Samstag überraschend zurückgezogen.

Präsidentschaftwahl soll wie geplant stattfinden

Blatter selbst war am Sonntag von Sanktionen durch die Ethikkommission der Fifa verschont geblieben. Der 75-Jährige musste aussagen, da bin Hammam ihn beschuldigt hatte, von dem Korruptionsvorwurf gewusst, ihn aber nicht angezeigt zu haben. Die Kommission unter Vorsitz des Namibiers Petrus Damaseb kam jedoch zu dem Schluss, dass bei dem Schweizer nicht von einem Vergehen auszugehen sei. Auch dazu gab Blatter am Montagabend keine Stellungnahme ab.

Der Fifa-Chef ließ sich von kritischen Nachfragen der Journalisten nicht aus der Ruhe bringen. Auch als er mit der Aussage des suspendierten Warner konfrontiert wurde, der gesagt hatte, Blatter müsse "gestoppt" werden, geriet er nicht ins Wanken. Direkt gab er zwar keine Antwort darauf, doch auf die Frage, ob er selbst ein Problem für die Fifa darstelle, sagte Blatter: "Darüber müssen die Mitglieder am Mittwoch entscheiden."

Dann soll wie geplant die Präsidentenwahl stattfinden. Eine Verschiebung sei nur durch den am Dienstag beginnenden Kongress möglich. Dafür müsste die Tagesordnung durch eine Dreiviertelmehrheit geändert werden, so Blatter.

Wirbel um WM-Vergabe 2022 an Katar

Der Fifa-Präsident räumte zwar ein, dass der Fifa durch die jüngsten Vorwürfe ein großer Schaden entstanden sei, doch für rechtliche Schritte gegen weitere Mitglieder sehe er keine Veranlassung. Auch die Rechtmäßigkeit der Vergabe der WM 2022 an Katar werde nicht noch einmal überprüft.

In diesem Zusammenhang hatte der Generalsekretär Jérôme Valcke am Montag für Aufregung gesorgt. Dieser hatte zunächst zugegeben, in einer "privaten E-Mail" an den suspendierten Fifa-Vizepräsidenten indirekt davon gesprochen zu haben, dass Katar den Zuschlag für die WM 2022 gekauft habe. Später dementierte er jedoch: "Was ich sagen wollte ist, dass die Sieger ihre finanzielle Kraft genutzt haben, um Lobbyarbeit zu betreiben", so Valcke. Ein Kauf von Wahlstimmen sei nicht gemeint gewesen.

Doch in diesem Zusammenhang sind wohl noch weitere Enthüllungen zu erwarten: Am Dienstag soll in Zürich nach Angaben des Sport-Informationsdienstes eine Pressekonferenz stattfinden, auf der weitere Einzelheiten zu einer möglichen Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Katar bekanntgegeben werden sollen. Demnach will ein Fifa-Offizieller Namen von vier Mitgliedern nennen, die insgesamt 20 Millionen Dollar kassiert haben sollen.

bka/sid

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Blatter,FIFA & Co
Sickboy Jogi 30.05.2011
Es ist doch nicht wirklich was neues , oder? Das bei der FIFA und Ihrer Vergabepraxis nicht alles mit rechten Dingen zugeht , dürfte mittlerweile auch den größten Ignoranten aufgefallen sein.Schlimm ist nur , das anscheinend niemand die Traute hat etwas gegen den Blatter zu Unternehmen!
2. Blatter
Gani 30.05.2011
Er schmiert und lässt schmieren, setzt eine sogenannte Ethikkommision ein, der er natürlich auch gleich vorgibt was sie zu sagen hat, lässt sich reinwaschen und stellt sich dann vor die Mikrofone und sagt er könne dazu nichts sagen, drischt seine Standardphrasen, vonwegen es gäbe nur ein paar Schwierigkeiten und da soll sich bloss keiner einmischen - das ist übrigens auch als Drohung an die Politik zu verstehen, denn sons wird ein aufmüpfiges Land eben von allen Internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Unter dem Deckmäntelchen das man den Sport vor der Politik schützen müsse - grösserer Hohn ist kaum vorstellbar! Dummerweise kuschen auch noch alle. Dabei könnte z.b. der DFB durchaus, als grösster nationaler Verband, etwas bewirken. Auch scheint Platini und somit die UEFA, kein ausgesprochener Blatter Freund zu sein. ohne Europa, ohne die UEFA, ist die Fifa weniger als die Hälfte wert, auch wenn der korrupte Filz wohl vorallem dort zu finde ist, wo es um den Fussball selbst nicht wirklich gut bestellt ist, das Funktionärswesen aber um so besser dem Selbstzweck dienz. Aber es mangelt eben an den wenigen mutigen, die den ersten Schritt tun um Blatter und seinen korrupten Filz zum Teufel zu jagen. Dann dürften wohl auch mal Handschellen klicken...irgendwo auf der Welt.
3. Überschrift
frendo54 30.05.2011
und Inhalt haben den Nachrichtenwert der Schlagzeile:"Der Papst boxt morgen nicht in Gelsenkirchen." Und der ehrenwerte Herr Präsident Dr. Zwanziger? Spricht von "jederzeit fairem Verhalten der FIFA dem DFB gegenüber". Bei des Herrn Präsidenten nächster Sonntagsrede sollte sich das jeder in Erinnerung rufen!
4. .
taxameter 30.05.2011
Zitat von sysopDer Weltfußballverband wird durch eine Korruptionsaffäre erschüttert - doch der Auftritt seines Chefs wurde zur Farce. Joseph Blatter sprach schlicht von "Schwierigkeiten", die "innerhalb unserer Fifa-Familie" geklärt würden. Eine vorzeitige*Verschiebung der Präsidentenwahl am Mittwoch schloss er aus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,765788,00.html
Dass es noch keinen internationalen Haftbefehl gegen Blatter und andere Fifa-Mitglieder glbt ist ein Skandal. Die gegenseitigen Bezichtigungen reichen für Haftbefehle völlig aus. Das kann doch nicht sein, was sich gerade abspielt! Wenn es hier keine Strafrechtlichen Konsequenzen gibt, haben die Weslichen Demokratien für immer ihren Rechtsstaatsanspruch verloren. Was für eine lächerliche Farce.
5. hm...
rebound68 30.05.2011
Zitat von sysopDer Weltfußballverband wird durch eine Korruptionsaffäre erschüttert - doch der Auftritt seines Chefs wurde zur Farce. Joseph Blatter sprach schlicht von "Schwierigkeiten", die "innerhalb unserer Fifa-Familie" geklärt würden. Eine vorzeitige*Verschiebung der Präsidentenwahl am Mittwoch schloss er aus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,765788,00.html
Ihre Koruptibilität haben sich also entschlossen, Mißstände durch ignorieren zu beseitigen. Wär ja nicht das erste Mal, dass einer damit durchkommt. Eine "vorzeitige Verschiebung" schließt er aus. Eine rechtzeitige oder gar verspätete Verschiebung wäre dagegen also noch möglich?
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Weltfußballverband Fifa: Sepp Blatter und seine Vizes

Das Exekutivkomitee der Fifa
Das Exekutivkomitee des Welt-Fußballverbandes Fifa setzt sich zusammen aus dem Präsidenten Joseph S. Blatter, seinen acht Vizepräsidenten und weiteren 15 einfachen Mitgliedern. Das Komitee tagt zweimal im Jahr. Die Mandatsdauer der Mitglieder beträgt vier Jahre.

Das Exekutivkomitee legt die Termine, Spielorte und Formate der Fifa-Wettbewerbe, darunter die der WM, fest. Es beruft die Fifa-Delegierten für das International Football Association Board (Ifab), das über Regeländerungen bestimmt, und ist für die Ernennung sowie Abberufung des Generalsekretärs (derzeit: Jérôme Valcke) zuständig.

Quelle: sid