Hamburg - Die Spannung war groß, als Fifa-Boss Joseph Blatter am Montagabend in Zürich ans Rednerpult trat. Immerhin steckt die Weltorganisation des Fußballs in einer der größten Krisen der Verbandsgeschichte. Doch wer Antworten oder überraschende Erkenntnisse von ihrem Chef erwartet hatte, wurde enttäuscht.
"Die Fifa befindet sich in keiner Krise. Wir haben lediglich Schwierigkeiten", sagte Blatter und ließ die Öffentlichkeit auch gleich wissen, wie er damit umzugehen gedenke: "Probleme werden wir innerhalb unser Fifa-Familie lösen." Der Verband sei stark genug, damit alleine fertig zu werden.
Zu der Entscheidung der Ethikkommission, die seinen Rivalen Mohammed bin Hammam und Vizepräsident Jack Warner wegen des Verdachts der Korruption vorläufig suspendiert hatte, wollte er nichts sagen. "Ich habe kein Recht, diese Entscheidungen zu kommentieren", so Blatter. Bin Hammam wollte ursprünglich gegen den Präsidenten für das Amt der Fifa-Spitze kandidieren, hatte seine Bewerbung aber am Samstag überraschend zurückgezogen.
Präsidentschaftwahl soll wie geplant stattfinden
Blatter selbst war am Sonntag von Sanktionen durch die Ethikkommission der Fifa verschont geblieben. Der 75-Jährige musste aussagen, da bin Hammam ihn beschuldigt hatte, von dem Korruptionsvorwurf gewusst, ihn aber nicht angezeigt zu haben. Die Kommission unter Vorsitz des Namibiers Petrus Damaseb kam jedoch zu dem Schluss, dass bei dem Schweizer nicht von einem Vergehen auszugehen sei. Auch dazu gab Blatter am Montagabend keine Stellungnahme ab.
Der Fifa-Chef ließ sich von kritischen Nachfragen der Journalisten nicht aus der Ruhe bringen. Auch als er mit der Aussage des suspendierten Warner konfrontiert wurde, der gesagt hatte, Blatter müsse "gestoppt" werden, geriet er nicht ins Wanken. Direkt gab er zwar keine Antwort darauf, doch auf die Frage, ob er selbst ein Problem für die Fifa darstelle, sagte Blatter: "Darüber müssen die Mitglieder am Mittwoch entscheiden."
Dann soll wie geplant die Präsidentenwahl stattfinden. Eine Verschiebung sei nur durch den am Dienstag beginnenden Kongress möglich. Dafür müsste die Tagesordnung durch eine Dreiviertelmehrheit geändert werden, so Blatter.
Wirbel um WM-Vergabe 2022 an Katar
Der Fifa-Präsident räumte zwar ein, dass der Fifa durch die jüngsten Vorwürfe ein großer Schaden entstanden sei, doch für rechtliche Schritte gegen weitere Mitglieder sehe er keine Veranlassung. Auch die Rechtmäßigkeit der Vergabe der WM 2022 an Katar werde nicht noch einmal überprüft.
In diesem Zusammenhang hatte der Generalsekretär Jérôme Valcke am Montag für Aufregung gesorgt. Dieser hatte zunächst zugegeben, in einer "privaten E-Mail" an den suspendierten Fifa-Vizepräsidenten indirekt davon gesprochen zu haben, dass Katar den Zuschlag für die WM 2022 gekauft habe. Später dementierte er jedoch: "Was ich sagen wollte ist, dass die Sieger ihre finanzielle Kraft genutzt haben, um Lobbyarbeit zu betreiben", so Valcke. Ein Kauf von Wahlstimmen sei nicht gemeint gewesen.
Doch in diesem Zusammenhang sind wohl noch weitere Enthüllungen zu erwarten: Am Dienstag soll in Zürich nach Angaben des Sport-Informationsdienstes eine Pressekonferenz stattfinden, auf der weitere Einzelheiten zu einer möglichen Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Katar bekanntgegeben werden sollen. Demnach will ein Fifa-Offizieller Namen von vier Mitgliedern nennen, die insgesamt 20 Millionen Dollar kassiert haben sollen.
bka/sid
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