Dortmund nach dem Anschlag Ratlos, fassungslos - aber nicht allein

Drei Explosionen, ein verletzter BVB-Profi: Nach der Attacke auf den Teambus von Borussia Dortmund sind die Hintergründe der Tat noch immer unklar. Fans des AS Monaco haben sich auf anrührende Weise mit dem Gegner solidarisiert.

Monaco-Fans mit BVB-Schals
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Monaco-Fans mit BVB-Schals

Aus Dortmund berichtet


"Da war eine Explosion, wie im Krieg." Der ältere Mann, der an der Wittbräucker Straße im Dortmunder Süden wohnt, war immer noch schockiert.

Es war etwa 19.15 Uhr, als drei Sprengsätze detonierten, kurz nachdem der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund den Parkplatz des Mannschaftshotels verlassen hatte. Die Explosionen richteten erhebliche Schäden an dem schwarzen Bus mit dem gelben BVB-Logo an. Scherben von geborstenen Fensterscheiben lagen auf dem Asphalt. Spieler, Betreuer und auch Trainer Thomas Tuchel standen konsterniert auf der Straße, ehe sie in Sicherheit gebracht wurden. Verteidiger Marc Bartra wurde so schwer an der Hand verletzt, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der 26-jährige Spanier wurde wenig später operiert.

Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der BVB an diesem Abend nicht mehr Fußball spielen werde.

Das war dann auch der Tenor bei der kurz darauf anberaumten Krisensitzung mit dem europäischen Fußballverband Uefa, der Polizei und den beiden Vereinen Borussia Dortmund und AS Monaco. Sie sollten am Abend gegeneinander das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League bestreiten. Die Partie wurde eine Viertelstunde vor dem geplanten Anstoß offiziell abgesagt.

Sie soll am Mittwoch um 18.45 Uhr nachgeholt werden. Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange kündigte einen Großeinsatz an. "Wir werden alles dafür tun, dass das Spiel sicher ablaufen kann", sagte er.

Dem Fernsehsender Sky sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Wir müssen versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren. Das wird nicht einfach, wir müssen morgen spielen. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus. Wir waren natürlich geschockt."

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Explosion am Mannschaftsbus des BVB: Drei Bomben, ein Verletzter - Spielabsage

Torhüter Roman Bürki sagte der Schweizer Zeitung Blick: "Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde. Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab, eine regelrechte Explosion."

Die Polizei ermittelte am Tatort, wollte aber zunächst keine näheren Angaben über den Anschlag machen. "Wir müssen die Lage selber klären", sagte eine Sprecherin: "Um was es sich bei der Explosion genau gehandelt hat oder wo genau etwas explodiert ist, kann derzeit noch nicht gesagt werden."

Monaco-Fans solidarisieren sich mit dem BVB

Die Sprecherin bestätigte später dann drei Explosionen von "ernstzunehmenden Sprengsätzen" in unmittelbarer Nähe des Parkplatzes: "Das war keine Pyrotechnik." Vermutlich seien die Sprengsätze in Hecken versteckt gewesen. Das Gelände wurde nach weiteren Sprengsätzen abgesucht.

Im Stadion, das viele Inhaber von Eintrittskarten noch gar nicht betreten hatten, weil sie die Absage ahnten, habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden, teilte der Verein mit. Die Zuschauer wurden um einen ruhigen Abgang gebeten. Die gut 3000 Anhänger des AS Monaco zeigten sich ebenso besonnen. Sie skandierten "Dortmund, Dortmund", als sie von der Absage erfuhren und zeigten sich so solidarisch mit den Anhängern des Gegners.

Zwei Fans im Dortmunder Stadion
DPA

Zwei Fans im Dortmunder Stadion

Einige von ihnen blieben auch nach Absage der Partie fassungslos im Stadion zurück. Andere gingen nach Hause, ruhig und besonnen, teilte die Polizei vor Ort mit.

Die Spieler des BVB standen noch eine Weile am Mannschaftsbus, an der zwei Scheiben besonders stark beschädigt worden waren. Mit ihrem Gepäck und abgeschirmt von schwer bewaffneten Sicherheitskräften gingen sie einige Meter zu Fuß. Später wurden sie in zwei Bussen an einen geheimen Ort gefahren.

Dortmunds Präsident Reinhard Rauball bedankte sich in der Kabine bei den Gästen aus Monaco für das faire Verhalten. Mit Blick auf den Sport war er zuversichtlich, dass die Profis trotz des Anschlags heute ordentlich spielen werden: "Sie werden das wegstecken und in der Lage sein, ihre Leistung abzurufen. Das wäre das Schlimmste, wenn diejenigen, die den Anschlag verübt haben, jetzt auch noch damit etwas erreichen."

Für Aufsehen sorgte eine Internetaktion, mit der französischen Fans auf der Suche nach einer Unterkunft geholfen wurde. Unter dem Hashtag "bedforawayfans" konnten Dortmunder bei Twitter einen Schlafplatz für Gästefans anbieten.



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