Borussia Dortmund Bernd Krauss kommt für Skibbe

Der bisherige Trainer von Borussia Dortmund, Michael Skibbe, ist von seinem Amt zurückgetreten. Seinen Posten übernimmt ab sofort der ehemalige BVB-Profi und frühere Gladbacher Coach Bernd Krauss. Skibbe wendet sich wieder der Jugendarbeit zu.


Dortmund - Nur zwei Tage nach der von massiven Zuschauerprotesten begleiteten 0:1-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern gab Michael Skibbe am Sonntagmittag auf einer Pressekonferenz in Dortmund seinen Rücktritt vom Amt des Cheftrainers bei Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund bekannt. Zermürbt von den vielen Anfeindungen zog der jüngste Coach der Fußball-Bundesliga nach gut 19-monatiger Tätigkeit die Konsequenzen.

Bernd Krauss auf dem Weg zu seiner offiziellen Vorstellung am Sonntagmittag im Westfalenstadion
AP

Bernd Krauss auf dem Weg zu seiner offiziellen Vorstellung am Sonntagmittag im Westfalenstadion

"Wir sind nach den Misstrauenskundgebungen der letzten Wochen überein gekommen, dass ich meine Position an Bernd Krauss übergebe. Eine perspektivisch erfolgreiche Arbeit wäre mit mir nicht länger gewährleistet gewesen. Es fehlte die Akzeptanz der Fans", sagte Skibbe, der bei den Dortmundern wieder als Jugendkoordinator tätig wird. Der gebürtige Dortmunder Krauss, der einen Eineinhalb-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2001 erhält, erklärte: "Ich freue mich darauf, nach 23 Jahren wieder zu Hause zu sein. Michael Skibbe hat hier gute Arbeit geleistet. Ich weiß, dass die Aufgabe nicht leicht ist. Die Zielsetzung, das Erreichen der Champions League, ist aus meiner Sicht realistisch. Ich werde jedoch im Sommer daran gemessen werden."

Mit dem Wechsel von Skibbe zu Krauss ging ein viel beachtets Trainer-Experiment erfolglos zu Ende. Mit dem Engagement eines im Profi-Bereich unerfahrenen ehemaligen Jugend- und Amateurtrainers hatte der Champions-League-Sieger von 1997 im Juli 1998 für Aufsehen gesorgt. Zwar führte Skibbe als Nachfolger des ebenfalls glücklosen Nevio Scala den BVB in seinem ersten Trainer-Jahr vom zehnten auf den vierten Tabellenrang, konnte bei den Fans die letzten Zweifel an seiner Qualifikation jedoch nie ganz ausräumen. Ein sportliches Zwischenhoch zum Saisonbeginn, als der mit einer Rekordsumme von über 50 Millionen Mark verstärkte Luxuskader kurzzeitig die Tabellenspitze übernahm, schien den Mut der Vereinsführung zu belohnen.

Doch die danach einsetzende Talfahrt in der Bundesliga und das peinliche Aus in der Champions League kosteten Skibbe, dessen Vertrag erst im Oktober vorzeitig bis ins Jahr 2002 verlängert worden war, bei den BVB-Anhängern den letzten Rest an Sympathie. "Wir hatten geglaubt, dass Trainer-Thema sei nach dem Uefa-Cup-Sieg über Glasgow ausgestanden. Dieser Kredit war offenbar aber schon wieder verspielt", erklärte Manager Michael Meier. Präsident Gerd Niebaum, der wie Meier den jungen Coach lange gestützt hatte, sagte bei der Pressekonferenz: "Dieser Trainerwechsel findet ohne sportliche Bedrängnis statt." Doch der Rückzug kam dem BVB-Chef dennoch nicht ungelegen. "Die Weichen sind in die richtige Richtung gestellt", erklärte Niebaum.

Mit dem früheren BVB-Spieler Krauss wollen die Dortmunder wieder an alte, erfolgreiche Zeiten anknüpfen. Anders als Skibbe verfügt er über reichlich Erfahrungen im Profi-Bereich. Als Trainer führte Krauss Borussia Mönchengladbach (1992 bis 1996) im Jahr 1995 zum DFB- Pokalsieg und den spanischen Erstligisten Real Sociedad San Sebastian (1997 bis 1999) in den Europapokal. Trotz anfänglicher Erfolge musste der Coach jedoch bei beiden Vereinen vorzeitig seinen Hut nehmen.

Am Montag wird der 42-Jährige den ersten Kontakt mit den BVB-Profis aufnehmen. Die Mannschaft hatte schon am Samstag über die Medien spekulativ von dem Trainerwechsel erfahren. Fest steht: Nun steht die Mannschaft in der Pflicht. Dazu Torjäger Fredi Bobic: "Die Mannschaft trägt Mitschuld an dieser Entwicklung. Ich hoffe, dass Krauss den positiven Trend und wir ein positives Ende der Saison hinkriegen."

Dem bereits dritten BVB-Coach nach der erfolgreichen Ära von Ottmar Hitzfeld bleibt wenig Zeit zum Einarbeiten. Bereits am Mittwoch steht ihm im Spiel seiner neuen Mannschaft beim VfL Wolfsburg die Feuertaufe ins Haus.



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