Dortmund-Sieg bei Tottenham In der falschen Liga

Borussia Dortmund glänzte gegen Tottenham in jeder Hinsicht: Die Fans waren lauter, der Fußball war besser - und der Trainer engagierter. Dank Thomas Tuchel spielt der BVB auf Champions-League-Niveau.

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Von , London


Borussia Dortmund steigt in der Europa League immer mehr zum Top-Favorit auf den Titel auf. Ganz nebenbei war das 2:1 (1:0) des BVB bei Tottenham Hotspur ein historischer Sieg, worauf Trainer Thomas Tuchel auch gleich zu Beginn der Pressekonferenz hingewiesen wurde: "Sie haben heute als erste deutsche Mannschaft an der White Hart Lane gewonnen. Bedeutet Ihnen das etwas?"

Die allermeisten Trainer hätten abgewinkt und beteuert, sich nur mit dem Spiel, nicht mit historischen Statistiken zu beschäftigen. Tuchel aber sagte, ohne zu zögern: "Ja. Das bedeutet uns sehr viel. Wir wussten davon, und es war ein großer Anreiz für uns, das zu schaffen."

Dabei war es nicht nur der erste Sieg einer deutschen Mannschaft im 117 Jahre alten Stadion im Norden von London. Es könnte auch der letzte sein. Denn nach 95 Europapokalspielen an der White Hart Lane wird an der gleichen Stelle eine neue Arena für mehr als 60.000 Zuschauer gebaut, die 2018 eröffnet werden soll. Tuchel war voll des Lobs für die Gastgeber. Schon als Kind habe er sich für den Klub begeistert. Die Zeitung "Daily Telegraph" machte ihn daraufhin zum "Boyhood Tottenham Fan".

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Europa League: Lockerer Sieg für den BVB in Tottenham
Der Dortmunder Trainer lobte die Spurs in perfektem Englisch; besser als das von Tottenhams Coach Mauricio Pochettino, der immerhin schon seit fast drei Jahren in England lebt. Aber Tuchels Enthusiasmus konnte nicht die großen Unterschiede überdecken, die es zwischen Dortmund und Tottenham, vielleicht auch allgemein zwischen Fußball in England und Fußball in Deutschland momentan gibt und die durch die beiden einseitigen Europa-League-Spiele (Hinspiel 3:0 für BVB) offengelegt worden sind.

Da war zum einen die Atmosphäre im Stadion. Die mitgereisten BVB-Fans machten das Match über weite Strecken zu einem akustischen Heimspiel. Das lag daran, dass Tottenham nach Pierre-Emerick Aubameyangs Auswärtstor in der 24. Minute mit einer erneut ersatzgeschwächten Elf fünf eigene Tore gebraucht hätte, um das Viertelfinale doch noch zu erreichen - und das gegen einen BVB, der in seinen vergangenen zwölf Spielen insgesamt zwei Gegentore kassiert hatte. Aussichtslos also.

Dortmund zeigte kaum Schwächen, war auf dem Rasen fast so überlegen wie im Hinspiel. Am deutlichsten zeigte sich das im Mittelfeldduell der beiden Jungstars Dele Alli und Julian Weigl. Alli ist gut und mit 19 Jahren bereits englischer Nationalspieler. Aber Weigl war an der White Hart Lane noch besser. Tuchel lobte den 20-Jährigen als Schlüsselspieler, den er bedenkenlos alleine vor der Abwehr einsetzen könne: "Es ist nicht nur seine Laufstärke. Es sind auch seine Passqualität, sein Raumgefühl, seine Aufmerksamkeit für Organisation."

Engagiert bis zum Schluss

Jenseits der individuellen Qualität hat Borussia Dortmund aber in dieser Saison auch noch andere Stärken. Tuchel ist einer von wenigen Trainern, bei denen die Betonung der richtigen "Haltung", um die es gehe, keine leere Phrase ist. Auch beim Stand von 5:1 in beiden Spielen zusammen stand er angespannt in der Coaching-Zone und justierte die Abstände seiner Abwehrspieler, während Gegenüber Pochettino das Spiel schon lange aufgegeben hatte und mit Händen in den Hosentaschen kopfschüttelnd zusah.

Es ist nicht zuletzt dieser Perfektionismus, der Dortmunds fantastische Serie der vergangenen Monate ermöglicht hat. Hinter Barcelona und Juventus ist der BVB die drittbeste Rückrundenmannschaft in Europas großen Ligen. Da fragt man sich zwangsläufig, wie gut Dortmund im internationalen Vergleich schon jetzt ist.

Pochettino antwortete auf die Frage eines englischen Journalisten, ob der BVB besser als jede Premier-League-Mannschaft sei, zwar ausweichend. Dass Dortmund "auf Champions-League-Level" spiele, betonte er aber dreimal.



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
schwerpunkt 18.03.2016
1.
Richtig! Dortmund spielt auf Champions League Niveau. Und dahören Sie auch hin. Wenn sie nur nicht zu Beginn der letzten Saison diesen Durchhänger gehabt hätten. Nicht umsonst klebt Dortmund so dicht hinter dem FCB in der Tabelle .. und mit so weitem Abstand zum Dritten. Freue mich schon auf euch nächsten Jahr wieder in der CL. Grüße aus München
Boesor 18.03.2016
2.
Ach, naja, so läuft's ja in der hitzigen Medienlandschaft heutzutage, immer etwas übertrieben. Der BVB spielt eine phantastische Saison in allen Wettbewerben. Aber in der EL wie im Pokal kann es auch schnell vorbei sein. Und z.b. mit Sevilla wartet in der EL ein ganz abgezocktes Team erst noch. Aldo, warten wir ab bevor wir den BVB noch zum Englandmeister ehrenhalber machen.
spon-1309986622190 18.03.2016
3. Lieber Autor
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich bewusst sind, dass das Team von Tottenham in keinster Weise nur ersatzgeschwächt war. Es war schlicht und ergreifend eine B-Mannschaft, bei der fast alle Stammspieler geschont wurden. Tottenham hatte schlicht und ergreifend keinen Bock auf EL! Tut mir Leid, falls ich damit Ihre Euphorie über de großartigen, historischen, phänomenalen, etc. Sieg des BVB gebremst habe.
gnarze 18.03.2016
4. Binse
Man spielt dort, wofür man sich in der Vorsaison qualifiziert. So einfach ist das. Und eine Wiederholung von 1997 wäre ja auch nicht schlecht.
kloppskalli 18.03.2016
5. ha ha PL
Tottenham in der Europaleague war nicht das Tottenham der PL und somit kein Massstab, aber sicherlich ist Dortmund besser als jede PL Mannschaft. Das sieht man daran, dass Tottenham 5 Punkte Hinter Leicester und Dortmund 5 Punkte hinter Bayern Muenchen liegt. Jeweils 5 Punkte aber Bayern ist nicht Leicester :-)))))
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