A-Jugend-Finale BVB - Bayern München Die Hierarchie bleibt - noch

Im Finale um die Deutsche A-Jugendmeisterschaft bezwingt Borussia Dortmund den FC Bayern und verteidigt die eigene Vormachtstellung im Jugendfußball. Doch die Bayern planen Großes.

Die Dortmunder Mannschaft feiert den Gewinn der A-Jugend-Meisterschaft
imago/ Eibner

Die Dortmunder Mannschaft feiert den Gewinn der A-Jugend-Meisterschaft

Aus Dortmund berichtet


Zumindest für einen Moment fühlte dieser Fußballabend sich dann doch an wie bei den Großen. Als Amos Pieper den entscheidenden Elfmeter in die Torecke geschoben und Borussia Dortmund zum Deutschen A-Jugendmeister 2017 gemacht hatte, tobte das Westfalenstadion. Die Sieger fielen jubelnd übereinander, ließen sich von der berühmten Südtribüne feiern, und die Verlierer vom FC Bayern München sanken entsetzt zu Boden.

"Unglaublich, was wir in dieser Saison geleistet haben, wir mussten viele Rückschläge wegstecken, einfach überragend", sagte Dortmunds Kapitän Dzenis Burnic in Anspielung auf die vielen Widrigkeiten. Sie hatten den Wechsel von Trainer Hannes Wolf zum VfB Stuttgart zu verkraften, mussten viele verletzte Leistungsträger ersetzen und die frühzeitige Beförderung einiger Spieler in die erste Mannschaft kompensieren. Aber im richtigen Moment waren sie da.

Wobei die Zuschauer vor der Siegesfeier ein recht zähes Fußballspiel sahen. Vielleicht war der Rahmen doch zu groß für die Jugendspieler: 33.450 Zuschauer bildeten die mit Abstand größte Kulisse, vor der in Deutschland je ein Jugendspiel ausgetragen wurde. Hinzu kam eine TV-Übertragung und die große Rivalität zwischen den beiden führenden Klubs des Landes. Nach 120 torlosen Minuten, in denen der BVB leicht überlegen wirkte, gewann der Favorit am Ende 8:7 im Elfmeterschießen.

Im Jugendbereich sind die Kräfteverhältnisse zwischen den Bayern und den Dortmundern anders als in der Bundesliga. Der BVB gehört schon lange zu den Top-Klubs, während die Bayern ihre Nachwuchsarbeit lange Zeit ohne Akribie und Leidenschaft betrieben. In der U19 des BVB spielen Talente, die auch einem breiteren Publikum bekannt sind, Burnic und Felix Passlack standen am Montagabend in der Startelf, der Star des Teams Jacob Bruun Larsen ist derzeit verletzt, und auch Bundesliga-Stammspieler Christian Pulisic hätte im Finale eingesetzt werden können. Der US-Amerikaner ist aber inzwischen so wichtig für die erste Mannschaft, dass er sich ganz der Vorbereitung auf das DFB-Pokalendspiel am Samstag (20 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) widmen sollte.

Situation beim FC Bayern: Bekannte Namen, keine Perspektive

All diese Spieler sind längst mit Profiverträgen ausgestattet, während beim FC Bayern seit David Alaba im Jahr 2011 kein einziger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung ins Bundesligateam schaffte. Die Namen aus der Münchner U19 fielen vor allem aufgrund ihrer berühmten Verwandtschaft ins Auge: Felix Götze beispielsweise, der jüngere Bruder von Mario. Oder Niclas Tarnat, der Sohn des ehemaligen Nationalspielers Michael Tarnat. Ein Spieler mit der Aussicht, in den Kader von Carlo Ancelotti aufzurücken, ist nicht dabei.

Ziel sei daher "noch mehr Talente in die erste Mannschaft zu bekommen", sagte Uli Hoeneß etwas beschönigend. Aber der Präsident zeigte alleine mit seiner Anwesenheit, wie wichtig die eigenen Talente bei den Bayern wieder werden sollen, "es wächst wieder was heran", sagte Hoeneß.

Gerade erst hat der Rekordmeister rund 70 Millionen Euro in ein neues Nachwuchsleistungszentrum investiert, das am 1. August eröffnet und von Hermann Gerland und Jochen Sauer geleitet wird. Der langjährige Co-Trainer der Profis und der ehemalige Jugendfußballspezialist von RB Salzburg sollen dafür sorgen, dass auch die Bayern endlich wieder eigene Spieler entwickeln. "Wir wollen den anderen Vereinen wieder Paroli bieten", sagte Sauer jüngst.

Erfolg der Jugendarbeit bemisst sich nicht nur an Titeln

Beim BVB sind sie da schon weiter. Das Jugendinternat gehört zur höchsten Kategorie, auch weil viele Nachwuchsspieler den Sprung nach oben schaffen. "Das Wichtigste" sei aber, "die Bereitschaft der Mannschaft, die guten Bedingungen anzunehmen, die totale Mentalität", sagte Dortmunds Jugendkoordinator Lars Ricken.

Gerade die derzeitige U19-Generation des Klubs gilt als charakterstark. 2015 wurde der Kern des Teams B-Jugendmeister, 2016 und 2017 hat diese Gruppe nun auch A-Jugend-Titel gewonnen. Im Moment gibt es in Deutschland keinen Klub mit einer erfolgreicheren Jugendarbeit. Als der BVB in der Champions League bei Sporting Lissabon gewann, durften gleich drei dieser Teenager sich auf dem höchsten Niveau zeigen.

Davon sprechen sie noch heute, denn der Erfolg der Jugendarbeit bemisst sich nicht an Titeln und Pokalen, sondern an der Anzahl der Spieler, die den Sprung zu den Profis schaffen und vielleicht bald viele Millionen Euro wert sind. Das ist auch ein Grund, warum die Bayern sich auf dieser Ebene nicht länger mit ihrem Platz hinter dem BVB abfinden wollen.



insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sonntag500 23.05.2017
1. Gratulation und hohen Respekt ...
... für die Leistung der A-Jugend vom BVB Dortmund, die im Elfmeter-Schießen Charakter und Stärke zeigten. Der gegnerischen Mannschaft Trost und Zuversicht: vielleicht im nächsten Jahr.
payblack 23.05.2017
2. Es war das Spiel bei Sporting Lissabon, bessere Recherche bitte.
Dort spielten Passlack und Pulisic von Beginn an, Burnic kam in der Nachspielzeit für Passlack. Im Spiel bei Benfica wurde "nur" Pulisic in der 82.ten Minute eingewechselt, ansonsten spielte keiner der Jugendlichen. Ich möchte hier auch nicht den Spielverderber spielen, die Jugendarbeit von Dortmund ist gut - die Frage ist doch nur: Ist es bei Bayern nicht noch viel schwerer, an das Level der Senioren zu kommen? Wer schafft das bei Real, bei Barcelona - oder eben bei Bayern München? Und zu Dortmund: Einerseits wird teils zu Recht auf eine gute Jugendarbeit verwiesen, andererseits sind gerade in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche ausländische "Top-Talente" eingekauft worden - so ganz passt das ja auch nicht zusammen und ist sicher auch kein Motivationsschub für die Jugendlichen des eigenen Vereins, wenn dann zahlreiche 18-20 jährige für 10-12 Millionen verpflichtet werden. Des Weiteren muss man ja auch einfach sagen, dass der BVB(Tuchel) diese Saison oft einfach auf die Jugend setzt. Beim besagten Spiel bei Sporting(!) Lissabon saßen Leute wie Rode, Sahin oder Piszczek auf der Bank bzw. wurden eingewechselt.
Sal.Paradies 23.05.2017
3. Ja klar, der "Plan" der Bayern!
Sicherlich wird jetzt "endlich" das neue Leistungszentrum eröffnet, nachdem die Nummer_1 jahrelang alles total verschnarcht hat, weil die ja immer ihr scheinbar endloses "Festgeldkonto" vor Augen hatten. Aber was bringen mir heute ca. 170 Mio Euronen, wenn man dafür nicht mehr viel bekommt? Und am hier und jetzt, also mit Coman/Costa, etc..kann man sehen, dass selbst diese Investitionen nicht immer sofort oder überhaupt wirksam sind. Das wird Jahre dauern, bis die Bayern auf den BVB aufgeschlossen haben und was die "Zwischenzeit" angeht, hat Hoeneß ganz sicher einen "Plan". Einfach das machen, was den FCB schon seit Jahrzehnten auszeichnet = dem besten Mitbewerber (BVB) alles "wegkaufen" und wenn es sein muss wird halt so lange geboten, bis niemand mehr nein sagen kann! Wenn die Talente dann auf der Bank versauern, macht das trotzdem nix, denn wenigstens können sich die Jungtalente dann nicht beim Mitbewerber entwickeln und eines Tages den Unterschied ausmachen. Und wenn sie nach ein paar Jahren dann gehen "dürfen" sind sie psychisch so angeschlagen/verunsichert, dass diese jungen Spieler nicht mehr nach oben kommen. Dann heißt es eben die "konnten sich nicht durchsetzen", obwohl die eigentlich nie eine echte Chance oder gar dieselben Bedingungen wie die Mitbewerber der Profi-Abteilung hatten. Wollen wir wetten, dass ein Dembele und ein Pulisic beim FCB gescheitert wären!! Die konnten/können sich so gut entwickeln, weil sie genügend Einsätze und sehr viel Vertrauen bekommen, eben Dinge, die ein FCB nicht permanent bieten kann/möchte. Wer z.B. setzt schon einen Pulisic ein, wenn er einen Müller zur Verfügung hat? Oder Dembele für einen Thiago, Vidal oder einen Alonso, was man auch ein Stück verstehen kann. Ancelotti steht da so unter Druck, dass er natürlich so wenig wie möglich Risiko eingehen kann/möchte, aber genau das ist der Vorteil des BVB. Hier erwartet niemand Titel und der Nachwuchs hat/bekommt eine echte Chance. Freut mich, dass der BVB bezüglich "Titel" vorgelegt hat. Daran können/dürfen sich die "Profis" am Samstag ein Beispiel nehmen..... :-))
huelin 23.05.2017
4. Sogar sehr viele!
Zitat von payblackDort spielten Passlack und Pulisic von Beginn an, Burnic kam in der Nachspielzeit für Passlack. Im Spiel bei Benfica wurde "nur" Pulisic in der 82.ten Minute eingewechselt, ansonsten spielte keiner der Jugendlichen. Ich möchte hier auch nicht den Spielverderber spielen, die Jugendarbeit von Dortmund ist gut - die Frage ist doch nur: Ist es bei Bayern nicht noch viel schwerer, an das Level der Senioren zu kommen? Wer schafft das bei Real, bei Barcelona - oder eben bei Bayern München? Und zu Dortmund: Einerseits wird teils zu Recht auf eine gute Jugendarbeit verwiesen, andererseits sind gerade in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche ausländische "Top-Talente" eingekauft worden - so ganz passt das ja auch nicht zusammen und ist sicher auch kein Motivationsschub für die Jugendlichen des eigenen Vereins, wenn dann zahlreiche 18-20 jährige für 10-12 Millionen verpflichtet werden. Des Weiteren muss man ja auch einfach sagen, dass der BVB(Tuchel) diese Saison oft einfach auf die Jugend setzt. Beim besagten Spiel bei Sporting(!) Lissabon saßen Leute wie Rode, Sahin oder Piszczek auf der Bank bzw. wurden eingewechselt.
Aktuell bei Madrid: Carvajal, Danilo, Nacho, Asensio, Morata und Lucas Vázquez. Und in der Vergangenheit so ruhmreiche Größen wie Raúl oder Casillas. Bei Barça dagegen Jordi Alba, Piqué, Busquets, Iniesta, Messi und Sergi Roberto, d.h. es sind noch wesentlich mehr Stammspieler darunter. Und früher so bekannte Spieler wie Guardiola, Puyol oder Xavi.
payblack 23.05.2017
5. Bester Beitrag seit langem - Respekt.
Ein ganz typischer Beitrag eines BVB-Fans ist diese penetrant-arrogante Mischung aus "eigentlich wir sind die tollsten" und andererseits diesem neiderfüllten kleinbürgerlichen "wir sind ja so klein und andere sind gemein zu uns". Dabei geben sie sich doch eigentlich eine recht gute und plausible Erklärung für den Sachverhalt: Bei Bayern München ist es wesentlich schwerer als Jugendlicher in die erste Mannschaft zu rücken als in Dortmund. Bayern hat halt noch einmal ein anderes Level - auch bei Barcelona oder Real Madrid - wüssten sie, welcher Spieler dort den direkten Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft geschafft hat - sagen wir in den letzten 5 Jahren. Oder es geht über einen Umweg, Lahm, Kroos, auch Alaba wurden verliehen um auf einem niedrigeren Level Erfahrung zu sammeln. Dieses "kaufen" oder gar "wegkaufen" Argument ist absurd - das wissen sie auch. Dortmund "wildert" bei Leverkusen und Gladbach, genau so, wie es Bayern bei Dortmund tut. Und Gladbach "wildert" mal wieder bei Freiburg, bevor die ihnen gefährlich werden können (sie haben sie ja schon diese Jahr in der Tabelle überholt). Götze und Hummels haben die Bayern wirklich gekauft - beide wollten aber nach München und haben dort auch gewisse Wurzeln. Bei Lewandowsky ist das noch ein wenig anders: Er war vertragslos und Dortmund hat ihn im Sommer "vergrault". Lewa hat eine grandiose Saison gespielt, den BVB zur Meisterschaft und Pokalsieg geschossen. Er hat damals "läppische" 1,5 Millionen verdient - aber anstatt seinen Vertrag im Sommer 2012 zu verlängern oder ihm ab sofort erheblich mehr Geld zu bezahlen, hat man einen Marco Reus verpflichtet, der dann im Jahr darauf das dreifache(!) von dem Gehalt Lewandowskys verdient hat. Das konnte nicht gut gehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.