BVB-Keeper Roman Bürki "Eine Woche bist du der Held, eine Woche bist du der Idiot"

Roman Bürki hat beim BVB noch nicht den Heldenstatus seiner Vorgänger erreicht. Beim 1:0 in Mönchengladbach zeigte er eindrucksvoll, dass er Spiele gewinnen kann, wenn seinem Team das nicht gelingen will.

Roman Bürki
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Roman Bürki

Aus Mönchengladbach berichtet


So richtig mochte Roman Bürki das Lob nicht annehmen, mit dem er an diesem Abend überschüttet worden war. Die Heldenrolle liegt dem Torhüter von Borussia Dortmund nicht besonders so gut: "Eine Woche bist du der Held, eine Woche bist der Idiot", sagte er nach dem schwer erkämpften 1:0-Sieg des BVB bei Borussia Mönchengladbach, an dessen Ende er sich als Garant des Sieges feiern lassen durfte.

Bürki hatte seinem Team mit einer beeindruckenden Torhüterleistung drei Punkte gesichert. Doch Kritiken von Journalisten und Experten erfüllen ihn offenbar mit einem Gefühl des Unbehagens, auch wenn sie - wie an diesem Abend - ausnehmend gut sind.

Elf Paraden - das gelang in dieser Saison noch keinem Keeper

"Ich bin so ein Typ geworden, dass mir egal ist, was Leute über mich sagen, außer es sind die, die mir wichtig sind", sagte er. Und wichtig seien ihm eben all jene, mit denen er in seinem Klub zusammenarbeite. Trainer Peter Stöger zum Beispiel, der sagte, dass seine in der zweiten Hälfte unterlegene Mannschaft diesen Sieg vor allem dank ihres "sehr guten Torhüters über die Zeit gebracht" hätte.

Bürki hat dem BVB ein Spiel gewonnen. Endlich! Elf Paraden in einer Partie hat in dieser Saison noch kein anderer Torhüter geschafft, er warf sich ins Getümmel, stand immer richtig und trieb die Gladbacher Stürmer Lars Stindl und Raúl Bobadilla zur Verzweiflung.

Ob Bürki nach zweieinhalb Jahren in Dortmund noch die Herzen der BVB-Gemeinde erobern wird, bleibt aber auch nach diesem beeindruckenden Abend höchst ungewiss.

Der Schweizer ist keiner dieser Torhüterstars, die ihre Schwächen unter einem Mantel permanenter Souveränität verbergen. Er ist kein Keeper, der sich mit einer Aura der Unbezwingbarkeit umgibt, im Gegenteil. Das hat einerseits mit seiner riskanten Spielweise zu tun, immer wieder gibt es diese Momente, in denen dem Publikum der Atem stockt. Andererseits liegt das daran, dass Bürki offen zeigt, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt.

Seine Trainer verlangen von ihm, dass er schwierige fußballerische Dinge probiert, die dann auch mal schiefgehen. Das Publikum stöhnt, die Beobachter auf der Pressetribüne vergeben schlechte Noten, die Bürkis Vorgänger Roman Weidenfeller nicht bekam, weil er den Ball viel häufiger einfach weggeschlagen hat.

Roman Bürki
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Bürki soll weit vor dem eigenen Tor stehen, was im Januar beim Unentschieden gegen den SC Freiburg zu einem Gegentor aus 40 Metern führte - dem Torwart wurde die Hauptschuld gegeben. Im Spiel in Tottenham in der Champions League ließ er zwei Gegentreffer in die kurze Ecke zu.

Bürki selbst bezweifelte danach die Gültigkeit der Traditionalisten-Gleichung "kurze Ecke ist gleich Torwartecke", woraus eine interessante Fachdebatte hätte entstehen können. Statt dessen hagelte es Kritik und Fünfen, kurz darauf übernahm Bürki doch die Verantwortung für die Gegentore, um nicht wie ein kritikunfähiger Besserwisser dazustehen.

Wechselhafte Jahre in Dortmund

Die Sache mit dem gegenseitigen Verständnis ist kompliziert zwischen diesem Torhüter und den Menschen rund um den BVB. Neulich kritisierte Bürki das Publikum für Pfiffe gegen die eigene Mannschaft und musste sogleich zurückrudern. Auch wegen solcher Aktionen waren die bisherigen Jahre Bürkis in Dortmund wechselhaft.

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Dortmunds Sieg in Gladbach: Bürki rettet Dortmund

Dabei gibt es kaum einen kompletteren Torhüter in der Bundesliga. Der 27-Jährige ist beidfüssig, er hat ein sehr gutes Auge für die Räume zur Spieleröffnung, eine sehr ordentliche Strafraumbeherrschung und bewegt sich schnell, was in Mönchengladbach wieder einmal sehr gut sichtbar war. Außerdem ist Bürki gut auf der Linie.

Inzwischen haben große Teile des Dortmunder Publikums sich an das moderne Torhüterspiel gewöhnt, das Fremdeln zwischen Bürki und den Menschen im Umfeld des BVB geht aber tiefer. Geliebt wurden an diesem Standort traditionell Torhüter, die mit spektakulären Paraden Spiele gewinnen und Punkte festhalten, die sich gegen überlegene Gegner in diesen Rausch der Unbezwingbarkeit hineinspielen, die den gegnerischen Stürmern das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten rauben. Die Überzeugung, dass Bürki auch diese Seite des Torwartspiels erlernen kann, ist nicht weit verbreitet in Dortmund.

In Mönchengladbach konnte aber jeder sehen, dass ihm all diese Kunststücke zumindest an diesem einen Abend gelungen waren. "Roman hat sehr gut gehalten", erwiderte Mario Götze auf die Frage nach den Gründen für den Sieg. Dieses Lob hat dem Mann des Abends im Gegensatz zu den Kritikerurteilen ganz sicher sehr gut gefallen.

Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 0:1 (0:1)
0:1 Reus (32.)
Mönchengladbach: Sommer - Oxford, Ginter, Vestergaard, Elvedi - Zakaria (83. Cuisance), Kramer - Hofmann (71. Herrmann), Stindl, Hazard - Bobadilla (79. Drmic)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Akanji, Toljan - Weigl, Castro - Reus (79. Dahoud), Mario Götze (74. Pulisic), Schürrle (87. Toprak) - Batshuayi
Schiedsrichter: Bastian Dankert
Zuschauer: 54.018 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Bobadilla, Oxford, Elvedi (6) - Batshuayi, Castro (3), Bürki (3)



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Seite 1
wiesenflitzer 19.02.2018
1. Dass die Dortmunder gestern gewonnen haben...
... lag zum einen am Unvermögen der Gladbacher, zum anderen am gestern "weltklassigen" Torwart Bürki. Dazu ein Traumtor von Reus. 3 echte Big-Points für den BVB gestern. Weiter so Bürki!!
galagher 19.02.2018
2.
Bürki ist sicher kein schlechter Torwart. Aber ein herausragender war er dennoch nicht. Er vermittelt einfach zu selten das Gefühl von Sicherheit die eine gute Mannschaft braucht. Warum der BvB sich einen Torwart geholt hat der selbst in seinem Land nur die dritte Wahl in der Nationalmannschaft war habe ich nicht verstanden. Jedenfalls nicht nachdem man Mitchell Langerak Jahrelang als Alternative zu Weidenfeller aufgebaut hat. Weidenfeller der in seiner letzten Saison als Stammtorwart nicht immer die souveränste Rolle gespielt hat aber das hat die gesamte Mannschaft nicht. Daher fand ich seine Degradierung schade, er scheint Charakterstark und fügt sich in seiner Rolle und dient der Mannschaft. Ein klasse Sportler. Es stimmt. Bürki ist auf der Linie klasse, seine Strafraumbeherrschung ist nur okey. Mit seiner riskanten Spielweise hat er mehr Punkte gekostet als es Weidenfeller in seinem letzten mäßigem Jahr getan hat. Wenn die Risikofreude die Auflage des Trainerstabs war kann er einem nur leid tun. Ein Torwart muss auch kein guter Spielmacher sein, so etwas ist enorm hilfreich aber nicht zwingen notwendig. Ich beneide Schalke aufrichtig für ihren Fährmann der seit Jahre grundsolide Leistung zeigt. Ich halte ihn für stärker als ter Stegen und finde es schade das seine Leistung erst so spät in der Nationalmannschaft honoriert wird
heinrichhaine 19.02.2018
3. Versteh ich nicht
Ich frage mich...welche Woche das denn sein mag...in der man als BVB Spieler auch mal der Held ist?
Pela1961 19.02.2018
4. Alles richtig,
was hier über Bürki steht. Aber eines fehlt ihm, das vielleicht Wichtigste für einen Torhüter auf Toppniveau: die Konstanz in seinen Leistungen.
albinoooo 19.02.2018
5.
Ich denke nicht dass ihm der 40m Treffer angelastet wurde, sondern eher sahin bzw der Gegenspieler hat das einfach extrem gut gemacht. ansonsten guter Artikel. im Prinzip ist es ganz einfach: er muss konstanter werden und diese saublöden Fehler abstellen.
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