BVB vor Rückrundenstart Unter Beobachtung

Nach turbulenter Hinrunde will der BVB wieder angreifen. Ein Soziologe soll dabei genauso helfen wie die Rückkehrer Reus und Götze. Die Privilegien von Stürmerstar Aubameyang bergen weiter Zündstoff.

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Aus Marbella berichtet


Der leuchtende Schlitten wurde in einen Karton verpackt. Auch der Baum mit den großen Kugeln wird bald aus der Lobby des noblen Hotels an der Promenade von Marbella verschwunden sein. Einen Tag vorher, als auch in Spanien den Heiligen drei Königen gedacht wurde, gab es in vielen Familien erst die Bescherung. Zu der Zeit, als vor allem die Kinder neugierig ihre Pakete aufrissen, spielte die Mannschaft, die gerade in dem Hotel an der Promenade von Marbella wohnt, Fußball.

Es war für Borussia Dortmund der erste Test im neuen Jahr. Ein schmuckloses Spiel gegen den Zweitligatabellenführer Fortuna Düsseldorf endete 2:0 für den BVB. Es war ziemlich kalt in dem Stadion mit Blick auf den Affenfelsen von Gibraltar. Daher waren auch die Geschenke für Stöger gut verpackt. In den dicken Jacken mit Kapuze waren Marco Reus und Mario Götze kaum zu erkennen, als sie ihren Teamkollegen zusahen.

Einen Tag später saßen die beiden Kumpel im "Red-Level-Bereich" des Hotels, um Fragen zu beantworten. Fragen nach dem sportlichen Niedergang der Dortmunder in der Hinrunde, Fragen nach dem neuen Trainer Stöger, Fragen nach der Weltmeisterschaft im Sommer, Fragen nach den Aussichten für die Rückrunde.

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BVB im Trainingslager: Traumduo vor der Rückkehr

Die Jokerfrage bei Reus war die, wann er denn wieder im Trikot Fußball spielen werde. Er sagte: "Ich hoffe, dass ich in naher Zukunft richtig ins Mannschaftstraining einsteigen kann, also Zweikämpfe bestreiten, unangenehme Situationen haben."

Reus verletzte sich im Mai 2017 schwer am Knie, in jenem Spiel, als er mit dem DFB-Pokal seinen ersten Titel gewann. Nach etwa acht Monaten Pause komme es daher nicht mehr auf ein paar Wochen an: "Ich setze mich nicht unter Druck. Ich habe keine Lust, dass ich irgendwelche Probleme bekomme."

Bei Götze wird es deutlich schneller gehen. Er kam am Montag im zweiten Testspiel gegen den belgischen Erstligisten SV Zulte Waregem (3:2) schon wieder zum Einsatz. Bald hofft er dann, zusammen mit Reus auflaufen zu können: "Er ist ein begnadeter Spieler mit enormer Qualität, der auch für mich wichtig sein kann."

Ende der Zurückhaltung

Reus und Götze in körperlich gutem Zustand, dazu Lukasz Piszczek und Gonzalo Castro, die ebenfalls bald wieder spielen können. Zusammen mit den sechs Punkten, die der BVB vor der Winterpause in der Bundesliga noch holte, ergibt das ein schnelles Ende der zurückhaltenden Linie.

Als Stöger im Dezember als Nachfolger von Peter Bosz vorgestellt wurde, mied Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch, die Qualifikation für die Champions League zu fordern. Beim Abflug ins Trainingslager sprach er dann sogar vom zweiten Platz. Das tat nun auch Reus, als er gleichzeitig dem Tabellenführer aus München zur Meisterschaft gratulierte: "Unser Ziel ist, mindestens hinter den Bayern zu landen."

Es sei "Wahnsinn", dass sich der BVB in der Saison, in der auch die Münchner Probleme gehabt hätten, eine Serie von acht Spielen ohne Sieg erlaubt habe: "Wenn wir davon vier Spiele gewonnen hätten, wäre es jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen."

Neue Linie unter Stöger

Über die Ursachen der Krise ist viel geredet worden. Die riskante Ausrichtung von Bosz ist stets als einer der Hauptgründe ausgemacht worden. Götze bestätigte das mit einer Prise Humor: "Dass wir in den ersten sieben Spielen nur einen Gegentreffer bekommen haben, da waren wir selbst ein bisschen verwundert."

Mit der neuen Linie von Stöger geht Götze, der noch als Fürsprecher von Bosz galt, konform: "Es gilt, die Balance zu finden. Wenn ich Trainer wäre, wäre auch meine Philosophie, mal Druck zu machen und mal tief zu stehen. Für Tore sind wir immer gut. Deshalb sollten wir sehen, dass wir keine bekommen."

Reus und Götze lobten den neuen Trainer als jemanden, der harte Arbeit verlange, seine Aufgabe aber mit Humor und Feingefühl angehe. Stöger soll dem Verein Erfolg bringen, vor allem aber auch Ruhe nach einem aufreibenden Jahr 2017.

Soziologe als Beobachter, Sonderbehandlung für Aubameyang

Der Österreicher engagierte deshalb einen Landsmann: Der Soziologe Werner Zöchling, mit dem Stöger auch schon beim 1. FC Köln zusammenarbeitete, soll die Spieler genau beobachten. Wer schießt quer? Wo ist die Einheit zerbrechlich? "Wir werden die Rückrunde mit einem neuen Geist im Team angehen", sagte Reus, der wie Götze zwischen den Zeilen die atmosphärischen Störungen zugab, die in der Hinrunde mit zum Absturz führten.

Derjenige, der die meisten Tore für den BVB schießt, gilt als latente Gefahr für eine ruhige Rückrunde. Pierre-Emerick Aubameyang genießt auch in Marbella wieder Privilegien. Seinen Vater und zwei Brüder, die ihn schon zur Ehrung für Afrikas Fußballer des Jahres begleitet hatten, quartierte der Stürmer mit im Mannschaftshotel ein.

Wegen der Gala in Ghana war Aubameyang von den ersten drei Tagen im Trainingslager freigestellt worden. "Wir sind mit 'Auba' völlig im Reinen", sagte Reus zwar, aber es soll auch Kollegen geben, die mit der Sonderbehandlung ihre Probleme haben. Götze äußerte sich diplomatisch zu der bevorzugten Behandlung von Aubameyang: "Klar ist das auch irgendwo ein gewisses Thema, aber das ist Sache des Vereins."

Der Verein ist in der Zwickmühle: Ein schmollender Aubameyang bedeutet vermutlich weniger Tore und einen sinkenden Marktwert. Daher gibt es für ihn wohl auch in Zukunft Geschenke.



insgesamt 34 Beiträge
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vhn 08.01.2018
1. Watzkes Hochmut
Jetzt den 2. Platz zu fordern ist typisch Größenwahn a la BVB. Es gibt einige Konkurrenten um den 2.Platz, die auch nicht schlecht aufgestellt sind. Die CL Quali wäre schon ein guter Erfolg. Aber mit Stöger als Trainer und nem Soziologen? Die sollten in Dortmund die Saison abhaken und sich in der Zwischenzeit nen gescheiten Trainer und Auba Ersatz suchen. Das wird schon schwer genug...
Shelly 08.01.2018
2. Zitat aus dem Artikel:
"Es sei "Wahnsinn", dass sich der BVB in der Saison, in der auch die Münchner Probleme gehabt hätten, eine Serie von acht Spielen ohne Sieg erlaubt habe: "Wenn wir davon vier Spiele gewonnen hätten, wäre es jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen." Wie sagte kürzlich ein großer Sportphilosoph: Würde, würde, Fahrradkette.
retterdernation 08.01.2018
3. Ich liebe kurze Winterpausen ...
Wir werden also schon bald erleben - ob der Konjunktiv beim BvB zum Indikativ wird - was Erfolg und Leistung betreffen. Das wäre zwar nicht mehr so wirklich unterhaltsam - außerhalb Dortmunds, würde aber einer gewissen Logik entsprechen. Letztendlich geht es den Gelben wie allen anderen Erstligisten - man weiß nicht genau - was nach der Winterpause abgeht. Also lasst die Spiele beginnen ...:-))), damit die Emotionen wieder in Wallung geraten und Hohn und Spott, sowie Ruhm und Ehre das Leben von uns kleinen „Fussballjungs“ wieder mitbestimmen!
Oihme 08.01.2018
4. Wie?
Zitat von Shelly"Es sei "Wahnsinn", dass sich der BVB in der Saison, in der auch die Münchner Probleme gehabt hätten, eine Serie von acht Spielen ohne Sieg erlaubt habe: "Wenn wir davon vier Spiele gewonnen hätten, wäre es jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen." Wie sagte kürzlich ein großer Sportphilosoph: Würde, würde, Fahrradkette.
Was soll daran Spekulation sein, wenn man sein Pech beklagt? Laut wahretabelle wurde kein Bundesligateam in der Hinrunde mehr durch Fehlentscheidungen benachteiligt wie der BVB, das kostete die Borussen satte sechs Punkte. Ohne diese Fehlentscheidungen befänden sich die Bayern mit nur sieben Punkten Vorsprung tatsächlich wieder in realistischer Schlagdistanz für eine spannende Rückrunde.
widower+2 08.01.2018
5. Ziel erreicht
Das soll Reus gesagt haben? ("Unser Ziel ist, mindestens hinter den Bayern zu landen.") Da kann dann ja nicht mehr viel schiefgehen. Hinter den Bayern werden sie wohl ebenso landen wie Köln, Freiburg, der HSV und all die Anderen. Einen Auba-Ersatz braucht Dortmund übrigens nicht. Wenn das vorhandene Personal fit ist/wird und auch noch zu alter Stärke zurückfinden sollte (Reus und Götze), wäre Aubameyang nur ein Hemmschuh und Spaltpilz für ein gesundes Mannschaftsgefüge. Dortmund sollte zusehen, den so schnell wie möglich und so teuer wie möglich zu verkaufen.
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