Dortmund im Pokalhalbfinale Tennis Borussia

Was haben Tennisbälle mit einem Fußballspiel zu tun? Die BVB-Fans haben es gezeigt - und das Wiedersehen mit Kevin Großkreutz in den Hintergrund gedrängt. Alles Wichtige zum DFB-Pokal in Stuttgart.

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Ausgangslage: Elf Spiele konnte der VfB zuletzt nicht gegen Dortmund gewinnen. In der Bundesliga liegt der BVB 21 Punkte vor den Stuttgartern. Die Borussia gewann in der Hinrunde 4:1 - beim Debüt von Trainer Jürgen Kramny. Und trotzdem war die Favoritenrolle nicht mehr so klar verteilt wie im vergangenen November. Mit drei Siegen stellt der VfB die beste Rückrundenmannschaft, der BVB offenbarte dagegen in den Spielen gegen Ingolstadt und Hertha BSC spielerische Probleme.

Das Ergebnis: Der BVB steht nach einem 3:1 (2:1)-Sieg im Halbfinale des DFB-Pokals. Mann des Spiels war Pierre-Emerick Aubameyang mit einem Tor und zwei Vorlagen.

Stürmer Aubameyang: Ein Tor, zwei Vorlagen
Getty Images

Stürmer Aubameyang: Ein Tor, zwei Vorlagen

Taktischer Wechsel: Die Dortmunder spielen unter Trainer Thomas Tuchel seit Monaten konstant in einem 4-1-4-1 mit hoch stehenden Außenverteidigern und schnellem Kombinationsspiel im Zentrum. Tuchels Respekt vor dem erstarkten VfB war so groß, dass er einen völlig anderen Matchplan entwickelte. In einem 4-3-3 verteidigten Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer sehr tief, dafür besetzten Erik Durm und Aubameyang konsequent die offensiven Außen, Marco Reus begann als Mittelstürmer. So sollten die Stuttgarter Konter unterbunden werden, was über weite Strecken auch gelang.

Erste Halbzeit: Auch wenn VfB-Coach Kramny schnell auf die Änderungen seines Kollegen reagierte und einen zweiten Sechser installierte, um im Zentrum kompakter zu stehen, dominierten die Dortmunder vor der Pause. Reus erzielte den frühen Führungstreffer (5. Minute), mit einem abgefälschten Distanzschuss traf Lukas Rupp zum glücklichen 1:1 (21.). Als Aubameyang erstmals die rechte Seite verließ, fiel sofort das zweite Tor: Reus schickte den Top-Torjäger der Bundesliga, Toni Sunjic konnte ihn nicht halten und so stand es 1:2 (31.).

Spoiler des Abends: Der Videotext der ARD kannte den Halbzeitstand schon eine Viertelstunde vor Anpfiff.

Zweite Halbzeit: Es dauerte bis zur 89. Minute, ehe der weiterhin überlegene, aber nicht mehr ganz so zielstrebig auftretende BVB das Spiel entschied. Als die Stuttgarter völlig öffneten, zog Aubameyang auf der linken Seite auf und davon, legte quer und Henrich Mchitarjan schob ins leere Tor. Aubameyang (56.), Reus (67.) und Mchitarjan (75./88.) hatten zuvor beste Torchancen ausgelassen. Deshalb durfte der VfB lange hoffen, die größte Gelegenheit setzte Filip Kostic knapp über das Tor (77.).

Kein Zwanni für das Führungstor: Der Stimmungsboykott einiger Dortmund-Fans hatte vor dem Spiel für viele Diskussionen gesorgt. Die Initiative "Kein Zwanni" hatte wegen der hohen Ticketpreise in Stuttgart dazu aufgerufen, die ersten 20 Minuten unter der Gästetribüne zu verbringen. Der BVB sprang seinen Fans bei, der VfB verteidigte sich. Tatsächlich hielten die Gästeanhänger 18 Minuten durch, verpassten deshalb Reus' Tor.

Dortmunds Hummels und Gündogan: Aufräumaktion vor dem eigenen Fanblock
Getty Images

Dortmunds Hummels und Gündogan: Aufräumaktion vor dem eigenen Fanblock

Tennis Borussia: Das war aber nicht das Ende des Protests. In der 25. Minute flogen aus dem Dortmunder Fanblock Dutzende Tennisbälle auf das Spielfeld. Das war neu, wenn auch nicht besonders originell. Ein "Großes Tennis"-Plakat sollte wohl darauf verweisen, dass der Fußball auf dem Weg zu einer elitären Veranstaltung sei.

Ausgerechnet Großkreutz: Der Dortmunder Junge Kevin Großkreutz spielte erstmals nach seiner Rückkehr in die Bundesliga gegen seine große Liebe. Der 27-Jährige dominierte dann auch die Vorberichterstattung - man musste "Ausgerechnet Großkreutz"-Schlagzeilen befürchten. Diese blieben aus. Er spielte als Rechtsverteidiger ordentlich, mit insgesamt drei Fouls und einer Gelben Karte stellte Großkreutz seine neue Distanz zu den alten Kollegen unter Beweis, offensive Akzente setzte er aber wenige.

Schnuller des Spiels: Bei allen Diskussionen über Ticketpreise, Protestaktionen und Tennisbälle - der wahre "Fan" dieses Pokalabends stand schon vor dem Spiel fest.

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insgesamt 28 Beiträge
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peeka(neu) 10.02.2016
1. Ob jemand mit Tennisbällen
im Millionärsfussball wirft, ist mir persönlich einerlei. Aber mit meinem Verein Tennis Borussia hat das wahrlich wenig zu tun, obgleich wir die Entwicklung zum Schnöselsport durchaus zu schätzen wissen.
33dd 10.02.2016
2. Was für
peinliche "Fans", hoffentlich muss der BVB ordentlich für die Spielunterbrechung zahlen!
brooklyner 10.02.2016
3.
Ja, da hat der Pöbel etwas gegen das zivilisierte Tennisspiel. Ganz groß, die Loser und Rechtsradikalen. Man hat es eben gerne etwas schweisselig und derbe. Das ist aber nicht der Stand der Zeit. Mittlerweile hat 11 Freunde dem reaktionären Proletenblatt Kicker den Rang abgelaufen, gefeierte Trainer sind nicht mehr Kommiss-Sportlehrer wie Schaaaaf, sondern Akademiker wie Klopp. Na wie schmeckt das den Schmuddelkindern?
!!!Fovea!!! 10.02.2016
4. Der Protest gegen die
ist nachvollziehbar. Ich kann es auch nicht verstehen, dass ein Topspiel ausgeschrieben wird und dann rollte evtl. ein Team mit der 2. Garnitur an. Der ÖPNV könnte auch für die Spieltage die Ticketpreise für normale Mitfahrer erhöhen, mit der Begründung, der ÖPNV müsse mehr Busse/Bahnen einsetzen, und nicht nur die Fans würden davon profitieren. Alles Geldschneiderei um verhätschelten Jungmillionären noch ein größeres Forum zu bieten.
Pela1961 10.02.2016
5. Wie reagiert
der DFB? Tennisbälle sind eindeutig Gegenstände. Gut - die Dortmunder "Fans" hatten und haben ja offenbar immer einen Sonderstatus, wenn es darum gilt, Gegenstände aufs Spielfeld zu werfen. Ob Bananen oder Tennisbälle - die Dortmunder Fans sind ja soooo lieb, soooo toll, die tun ja nix, die wollen ja nur spielen. Was passiert eigentlich, wenn ein Spieler in vollem Lauf auf einen dieser Bälle tritt? Vom Gefährdungspotenzial her sicherlich so gefährlich wie ein Plastikbierbecher. Und warum ließ Herr Stieler eigentlich trotz der Platzräumaktionen so wenig nachspielen? Ach ja - der BVB führte ja, dann kommts nicht so genau mit der Nachspielzeit. Hätten sie zurück gelegen, tippe ich auf mindestens 6 bis 8 Minunten Nachspielzeit.
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