BVB-Erfolg über Benfica Jetzt nur nicht abheben

Borussia Dortmund hat in der zweiten Halbzeit gegen Benfica Lissabon ein Fußballfest gefeiert. Aber noch gibt es keinen Anlass zur Euphorie. Das Team muss noch an Reife gewinnen.

Bongarts/Getty Images

Aus Dortmund berichtet


Normalerweise belohnt Thomas Tuchel sich mit einem Glas Champagner, wenn er nach besonderen Siegen in seinen Umkleideraum kommt, und solch einen außergewöhnlichen Erfolg gab es zweifellos zu feiern nach dem 4:0 von Borussia Dortmund gegen Benfica Lissabon. Der BVB gehört nach dieser unterhaltsamen Fußballnacht zum erlauchten Kreis der acht besten Mannschaften Europas, und doch erlebte der Trainer erst mal einen Moment der Ernüchterung, als er den Schampus entkorken wollte.

"Wir waren völlig euphorisiert, und dann sehen wir, in Barcelona steht es 5:1", erzählte Tuchel, "es waren noch zwei Minuten zu spielen, und jeder hatte sofort das Gefühl: Die schießen noch eins. Wahnsinn." Seine Augen leuchteten. "Eigentlich dachten wir, dass wir heute die spektakuläre Nachricht wären, leider wirkt unser Spiel jetzt eher langweilig", sagte Tuchel.

Natürlich trug er ein ironisches Lächeln im Gesicht, als er diese Sätze formulierte, schließlich ist Tuchel mit dem Viertelfinaleinzug sein größter internationaler Erfolg geglückt. Und so schwärmte er von "großartigen Toren" und einer "absoluten Tophalbzeit". Pierre-Emerick Aubameyang war mit drei Treffern zum schillernden Helden dieser Nacht geworden, und doch passte es irgendwie, dass die Sensation von Barcelona diesen Dortmunder Erfolg überstrahlt. Denn ganz so spektakulär, großartig und souverän, wie es das Ergebnis suggeriert, war dieser Sieg nicht.

In der ersten Halbzeit noch "Leichtsinn und Stockfehler"

Vielmehr hatte dieser Abend auch Phasen, in denn man zweifeln konnte, ob die Dortmunder schon reif sind für die Phalanx der Allerbesten. Natürlich waren sie in beiden Spielen gegen die Portugiesen die klar bessere Mannschaft, aber nach Aubameyangs frühem 1:0, als das Hinspielergebnis aufgeholt war, suchten sie eher erfolglos nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Risiko und Kontrolle. Ein stärkerer Gegner hätte vermutlich großen Schaden angerichtet.

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Champions League: Dem dreifachen Aubameyang sei Dank

Sein Team habe sich "Leichtsinnsfehler, Stockfehler und technische Fehler erlaubt, Zweikämpfe verloren und dadurch keine Sicherheit mehr gehabt", sagte Tuchel. Und der übermotiviert wirkende Ousmane Dembélé hatte Glück, dass er nach einer Auseinandersetzung mit den Unparteiischen und einem allzu offensichtlichen Revanchefoul nicht mit Gelb-Rot vom Platz flog. Aber sie haben ja den unglaublichen Aubameyang, den Mann, der offensichtlich alles kann.

In der Pause hatte der Stürmer auf Dembélé eingeredet, "ich habe ihm gesagt, dass er sich bloß keine Rote Karte holen soll, weil es sonst für uns vorbei ist", sagte Aubameyang später. Das hat offenbar genauso gut funktioniert wie sein Rollentausch "vom Verballerkönig zum Allergrößten", von dem Marcel Schmelzer sprach. Im Hinspiel war Aubameyang ja noch als Chancenverschwender in Erscheinung getreten, "nachdem wir in Lissabon mit seinem Zwillingsbruder gespielt haben, sind wir froh, dass er selber heute da war und die Dinge geregelt war", nannte es Tuchel.

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Das Torsystem Aubameyang funktioniert

Aubameyang ist ein Phänomen. All seine Treffer erzielte er aus ganz kurzer Distanz, man ist fast versucht zu sagen: Solche Dinger schiebt jeder Bundesligastürmer über die Linie. Aber seine große Kunst besteht darin, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu stehen. Sieben Treffer sind Aubameyang nun in den vergangenen drei Partien gelungen, zwei in Freiburg, zwei gegen Leverkusen und nun drei gegen Benfica. Er hat sich zum brillanten Schlussspieler für die immer gleichen Spielzüge entwickelt: Vertikalpass - scharfe Hereingabe vom Flügel - Auba. "Ich liebe diese Tore", sagte Tuchel, der zumindest mit der zweiten Halbzeit seiner Mannschaft sehr zufrieden sein konnte. Auch weil Christian Pulisic prachtvoll aufgeblüht war.

Das wichtige 1:0 hatte der 18-Jährige vorbereitet, das noch wichtigere 2:0 mit einem brillanten Chip selbst erzielt. Gemeinsam mit dem 19-Jährigen Dembélé bildete der A-Jugendspieler eine spektakuläre Doppelzehn vor dem 21-Jährigen Chefstrategen Julian Weigl, man kann ihnen nachsehen, dass diese Jungs nicht immer alles richtig machen auf der leuchtenden Champions-League-Bühne.

Tuchel lobte die "tolle Mentalität" und die "Stressresistenz" des US-Amerikaners, dessen Leistung an diesem Abend dennoch im Schatten des Naturereignisses von Barcelona stand. Aber es gibt ja demnächst ein Viertelfinale mit viel Raum für neue Heldentaten.

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Abel Frühstück 09.03.2017
1.
Béla Réthy hat mich wieder sehr genervt. Drei, vier Mal Spieler verwechselt ("Aubameyang liegt am Boden. Ach nein, es ist Dembélé"), ausBartra wurde Sokratis usw. Dazu Schwierigkeiten, Szenen zu interpetieren ("Ach, er kriegt die Gelbe wegen Meckerns, gar nicht wegen des Fouls"). So ganz spritzig wirkte der gute Mann gestern Abend nicht. ich habe den Eindruck, seit es HD-Fernsehen gibt, sieht man manches viel besser als der Reporter vor Ort. Egal, die Bienchen haben es gedreht, war Arbeit, sah am Ende aber sehr gut aus.
Oihme 09.03.2017
2.
Zitat von Abel FrühstückBéla Réthy hat mich wieder sehr genervt. Drei, vier Mal Spieler verwechselt ("Aubameyang liegt am Boden. Ach nein, es ist Dembélé"), ausBartra wurde Sokratis usw. Dazu Schwierigkeiten, Szenen zu interpetieren ("Ach, er kriegt die Gelbe wegen Meckerns, gar nicht wegen des Fouls"). So ganz spritzig wirkte der gute Mann gestern Abend nicht. ich habe den Eindruck, seit es HD-Fernsehen gibt, sieht man manches viel besser als der Reporter vor Ort. Egal, die Bienchen haben es gedreht, war Arbeit, sah am Ende aber sehr gut aus.
Dazu kamen noch weitere Patzer wie "noch keine BVB-Niederlage in der aktuellen CL" (Hinspiel?) oder dass die drei verwarnten Dortmunder aber jetzt im "Rückspiel" gegen Benfica unbedingt aufpassen müssen Habe von diesen dümmlichen Kommentaren nach der ersten Hälfte die Nase voll gehabt und auf Sky umgeschaltet. Das war fast schon eine Wohltat.
mittelerdling 09.03.2017
3. Ähem...
...es sei um Verzeihung gebeten, jedoch stehen die Farben schwarz-gelb für Wespen :-) Gleichwohl ist mir bekannt, dass die Spieler des BVB gerne als "fleißige Bienchen" bezeichnet werden, was ja auch richtig ist, aber...--- Des Weiteren stimme ich zu, was die Leistung von Bela Rethy angeht, und nicht nur er schwadroniert sehr viel herum, ohne das Geschehen richtig zu erkennen, oder es wird abgeschweift und über alles mögliche referiert, dabei außer Acht lassend, was auf dem grünen Rasen so passiert. In Zeiten von "digital" und vielfältigen technischen Möglichkeiten fällt es den übertragenden Sendern jedoch nicht ein, dem Zuschauer die Wahl zu ermöglichen, den Kommentator auszublenden und nur die Außenmikrofone zu schalten, um die Stimmung im Stadion zu hören, anstatt das "Gequatsche" ertragen zu müssen. Ist es wirklich soo schwer, einen Kanal für den Mann am Mikrofon und den zweiten allein für die Außenmikros zur Wahl zu stellen? Ich selbst habe 18 Jahre Fußball gespielt, wenn auch nur Kreisliga, aber ich sehe mich dennoch in der Lage, ein Spiel "lesen" zu können, dazu brauche ich niemanden, der für teures Honorar durch (unqualifizierte) Kommentare die Fans und die Atmosphäre im Stadion zerredet. Jedoch, mein Appell wird wohl > ungehört < in Zeit und Raum verhallen... Mit freundlichen Grüßen
Pless1 09.03.2017
4.
Zitat von Abel FrühstückBéla Réthy hat mich wieder sehr genervt. Drei, vier Mal Spieler verwechselt ("Aubameyang liegt am Boden. Ach nein, es ist Dembélé"), ausBartra wurde Sokratis usw. Dazu Schwierigkeiten, Szenen zu interpetieren ("Ach, er kriegt die Gelbe wegen Meckerns, gar nicht wegen des Fouls"). So ganz spritzig wirkte der gute Mann gestern Abend nicht. ich habe den Eindruck, seit es HD-Fernsehen gibt, sieht man manches viel besser als der Reporter vor Ort. Egal, die Bienchen haben es gedreht, war Arbeit, sah am Ende aber sehr gut aus.
Ich finde Béla Réthy eigentlich ganz nett und unterhaltsam. Zum Beispiel als Gast bei Markus Lanz. Nur eben nicht, wenn er zufällig ein Fußballspiel kommentiert. Mich würde es freuen, wenn man auch hierzulande endlich via zwei-Kanal-Ton den Kommentator ausblenden könnte. Leider sind die meisten Kommentatoren in den 90ern stecken geblieben. Dank riesiger Flatscreens in den Wohnungen kann die Bildregie heute Einstellungen zeigen, in denen der TV-Zuschauer in der Tat ein besseres Bild vom Spiel hat als ein Stadionbesucher. Da braucht man keine Bildbeschreibung mehr, wie Réthy oder Steffen Simon sie bieten. Außerdem habe ich den Eindruck, dass viele dieser Zunft irgendwann allzu routiniert sind, was die Gefahr zunehmend schlampigen Schwadronierens mit sich bringt. Das ist neben Réthy besonders auch bei Marcel Reif zu beobachten. Beide fand ich mal richtig gut, aber seit Jahren nur noch ziemlich nervig. Vielleicht sollten die Sender einmal ganz neue Wege ausprobieren. Statt eines klassischen Kommentators vielleicht zwei, die sich locker die verbalen Bälle zuspielen wie Joko und Claas.
Sal.Paradies 09.03.2017
5. Selbst schuld
Zitat von OihmeDazu kamen noch weitere Patzer wie "noch keine BVB-Niederlage in der aktuellen CL" (Hinspiel?) oder dass die drei verwarnten Dortmunder aber jetzt im "Rückspiel" gegen Benfica unbedingt aufpassen müssen Habe von diesen dümmlichen Kommentaren nach der ersten Hälfte die Nase voll gehabt und auf Sky umgeschaltet. Das war fast schon eine Wohltat.
Dass ein alter Hase wie Sie dieses Spiel auf dem Zweiten mit Béla Réthy verfolgt, nimmt mich wirklich Wunder? Was das gestern erlebte jetzt etwas neues? Ich hatte (füher) auch mal von Sky auf ÖR umgeschaltet, weil der Ton auf Sky schlecht und kaum zu verstehen war, aber den Verbund ÖR+Béla Réthy hätte ich mir niemals angetan. Dann lieber keinen Kommentar, so viel ist sicher... ;-)
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