Von Nils Kemter
Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc fragte ironisch, "ob die Rasenheizung auf vollen Touren lief". Trainer Jürgen Klopp sagte am Mikrofon bei "Liga total": "Früher durften wir bei so einem Wetter nicht raus zum Kicken, weil die Mutter es nicht erlaubt hat, heute mussten wir raus."
Was sich unmittelbar nach dem Abpfiff der Partie in Freiburg wie Erklärungsversuche für eine Niederlage anhörte, war vielmehr die Erleichterung über den ersten Auswärtssieg seit knapp sechs Monaten.
Im starken Schneegestöber gewann der BVB 2:0 (0:0) beim Sportclub und blieb auf fremdem Terrain erstmals in dieser Saison ohne Gegentreffer. Zudem konnte der Rückstand auf Spitzenreiter Bayern zumindest bis zum Spiel der Münchner am Sonntag gegen Leverkusen (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf neun Punkte verkürzt werden.
Drei Tage nach der Gala-Vorstellung gegen Real Madrid (2:1) in der Champions League zeigten die Borussen aufgrund der klimatischen Bedingungen im Breisgau teilweise slapstickartige Aktionen. Die BVB-Spieler rannten sich gegenseitig über den Haufen, rutschten aus und spielten haarsträubende Fehlpässe.
Allein Dortmunds Mittelfeldstrategen Ilkay Gündogan und Marco Reus passten in den 90 Minuten zusammen 40 Mal in des Gegners Füße. Da auch die Freiburger schlecht mit den Bedingungen zurecht kamen, der Pfosten zudem eine Führung verhinderte, blieb es beim 0:0 zur Pause. "Ihr seid besser als der BVB", skandierte der Freiburger Anhang dennoch in der Hoffnung, als "Real-Besieger-Besieger" vom Feld gehen zu können.
Klopp hatte diesmal die richtige Taktik parat
Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht. Bei der Derby-Niederlage gegen Schalke hatte Coach Klopp mit einer personalbedingten Systemumstellung noch für Verwirrung im Spiel des Deutschen Meisters gesorgt, diesmal traf er die richtigen Entscheidungen. "Wir wollten hier ursprünglich Fußball spielen, das ging aber bei diesen Witterungsbedingungen nicht, deswegen mussten wir auf lange Bälle umstellen", erläuterte Klopp später seine Taktik.
Dank der technischen Finesse von Mario Götze und einem genialen Moment von Marco Reus verunglückten die Dortmunder bei der Rutsch-Partie in Freiburg nicht. Reus hatte in der 54. Minute mit einem scharfen Freistoß aus dem Halbfeld Neven Subotic bedient, der per Hinterkopf für die Führung sorgte. Götze vollendete eine Kombination über mehrere Stationen sieben Minuten vor Schluss zum 2:0-Endstand.
Klopp sprach anschließend von einem bestandenen "Charaktertest". Weil der vielzitierte "Vollgas-Fußball" und das gefürchtete Kurzpassspiel auf dem Untergrund nicht möglich waren, stellte der Meister erfolgreich um und überzeugte kämpferisch. "Wir haben in der zweiten Hälfte besser gespielt als Freiburg in der ersten. Deshalb sind wir verdienter Sieger in einem Spiel, in dem alles hätte passieren können", sagte Klopp: "Bei diesen Bedingungen 2:0 zu gewinnen, ist überragend."
Bereits am Dienstag wartet im DFB-Pokal bei Zweitligist VfR Aalen die nächste Prüfung. Klopps Ausblick fiel knapp aus: "Ich hoffe, die haben eine Rasenheizung."
SC Freiburg - Borussia Dortmund 0:2 (0:0)
0:1 Subotic (54.)
0:2 Götze (83.)
SC Freiburg: Baumann - Schmid, Ginter, Diagne, Mujdza - Schuster (86. Flum), Makiadi - Jendrisek (61. Hedenstad), Daniel Caligiuri - Kruse, Guede (69. Terrazzino)
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Reus (81. Schieber), Götze (90. Perisic), Großkreutz (90.+2 Leitner) - Lewandowski
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ginter, Daniel Caligiuri (3) - Kehl (2), Subotic, Gündogan (2)
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