Dortmund siegt 1:0 im Giganten-Duell Das war's, FC Bayern

Vorentscheidung in der Meisterschaft: Borussia Dortmund gewinnt das Top-Spiel gegen Bayern München und eilt mit sechs Punkten Vorsprung der Meisterschaft entgegen. Helden des Abends sind Torschütze Lewandowski und BVB-Torwart Weidenfeller, der einen Elfmeter von Arjen Robben pariert.

Von Jan Reschke


Hamburg - Es ist der Moment, von dem ein Fußballer sein Leben lang träumt: Im entscheidenden Spiel den entscheidenden Treffer zu markieren. Für Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski wurde dieser Moment beim 1:0 (0:0)-Sieg im Bundesliga-Topduell gegen Bayern München wahr. Nach einer Ecke schoss Kevin Großkreutz den Ball von der Strafraumgrenze in Richtung Lewandowski, der ihn mit dem Rücken zum Tor stehend per Hacke an Torwart Manuel Neuer vorbei legte und für kollektiven Dortmunder Jubel sorgte.

Weil Bayerns Arjen Robben nach einem von Towart Roman Weidenfeller verursachten Foulelfmeter an eben jenem scheiterte (86.), blieb es beim knappen Dortmunder Sieg, der bei nun sechs Punkten Vorsprung in der Meisterschaft die Vorentscheidung gebracht haben dürfte.

"Du musst dich für den Aufwand belohnen, und die Jungs haben das getan. Ich bin sehr glücklich. Das war das beste Spiel, das wir bisher gegen sie gemacht haben", so BVB-Trainer Jürgen Klopp. Bayerns Coach Jupp Heynckes sagte. "Die Chancen liegen bei Borussia Dortmund, das ist ganz klar. Es ist sehr schade. Wir müssen aber alles versuchen, um noch ran zu kommen."

Schweinsteiger fehlte in der Startaufstellung

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Giganten-Duell: Lewandowski, der König von Dortmund
Von einem "Gigatreffen" (Karl-Heinz Rummenigge) und einem "'Mia san mia' gegen 'Wir sind Fußball'" (Klopp) war vor dem Topduell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München die Rede. Die Partie wurde zu einem Entscheidungsspiel um die Vorherrschaft im deutschen Fußball stilisiert. Zum Kampf zweier Vereinsphilosophien. Zum deutschen Clásico. Letztlich blieb es ein Bundesliga-Spiel mit einem Tor. Allerdings ein äußerst spannendes.

In der Startaufstellung nahm Klopp einen Wechsel im Vergleich zum 3:1-Sieg gegen Wolfsburg vor, der defensivstarke Kevin Großkreutz begann im linken offensiven Mittelfeld für Ivan Perisic. Schon am Dienstag war bekanntgeworden, dass Mario Götze nach langer Verletzungspause noch nicht zum Kader gehören würde.

Bei den Bayern setzte Trainer Jupp Heynckes im defensiven Mittelfeld etwas überraschend auf Toni Kroos und Luiz Gustavo und ließ den genesenen Bastian Schweinsteiger zunächst draußen. Weniger verwunderlich war, dass Anatoli Tymoshchuk nach seinem Startelfeinsatz in Augsburg am vergangenen Wochenende wieder auf die Bank musste.

BVB mit viel Druck zu Beginn

Bereits nach knapp 30 Sekunden hatten die Münchner die erste Gelegenheit, Gomez scheiterte aber per Kopf an Weidenfeller. Jede Ballberührung der Gäste wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert des Dortmunder Publikums quittiert, die Bedeutung, die Spannung rund um die Partie war deutlich spürbar.

In der zweiten Minute tauchte Jakub Blaszczykowski vor dem Bayern-Tor auf und schoss den Ball aus spitzem Winkel an Torwart Manuel Neuer vorbei - allerdings auch am Tor. Neuer stand auch vier Minuten später im Mittelpunkt, er parierte einen Ball von Großkreutz aus nächster Nähe.

Wie so häufig übte der BVB in der Anfangsphase viel Druck aus, aber wie so oft ließ das Team von Trainer Klopp seine Gelegenheiten ungenutzt - ein altbekanntes Dortmunder Problem.

Beide Teams warteten auf einen Fehler

Im Anschluss standen beide Teams in der Defensive sicher. Räume ergaben sich kaum, entsprechend wenige Torszenen bekamen die Zuschauer zu sehen. Es war ein von großer taktischer Disziplin geprägtes Duell, wobei es die Bayern geschickt verstanden, das Tempo aus dem Dortmunder Spiel zu nehmen, den Ball zu halten und so das schnelle Umschalten des BVB zu unterbinden.

So dauerte es bis zur 25. Minute, ehe sich Shinji Kagawa erneut eine Gelegenheit bot. Sein Schuss wurde aber geblockt. Die beste Chance für die Münchner hatte Toni Kroos, doch sein Versuch aus der Distanz ging vorbei (30.). Bayern wurde in dieser Phase stärker, kontrollierte kurzzeitig das Geschehen - bis der Dortmunder Stürmer Robert Lewandowski mit einem Kopfball am Pfosten scheiterte (37.). Durchatmen hieß es da für den FCB.

Beide Teams spielten sehr geduldig, warteten auf einen Fehler, der zum entscheidenden Treffer genutzt werden konnte. Bis zur Pause wurde dieser Fehler aber nicht gemacht.

Zweimal Latte in der Schlussphase

Beide Trainer verzichteten zunächst auf Wechsel, Blaszczykowski prüfte Neuer drei Minuten nach Wiederanpfiff. In der 54. Minute wurde es im Dortmunder Strafraum gefährlich, doch der Pass von Gomez landete beim Gegner. Auch die nächste Chance hatten die Münchner, die nun immer stärker wurden: Ribéry scheiterte mit einem Schuss in der 60. Minute. Nur eine Minute später der erste Wechsel: Bastian Schweinsteiger kam für Thomas Müller. Kroos rückte fortan in das offensive Mittelfeld.

Und die Bayern bestimmten weiterhin die Partie, hatten wesentlich größere Spielanteile, die Dortmunder ließen sich immer mehr fallen, boten dem Gegner Räume. In der 71. Minute klärte BVB-Torwart Roman Weidenfeller vor Arjen Robben. Zwei Minuten später scheiterte Kagawa knapp.

Beide Trainer reagierten auf das torlose Remis und wechselten in der 74. Minute. Perisic und Moritz Leitner kamen für Gündogan und Kagawa. Bei den Bayern spielte Ivica Olic fortan für Gomez (75.).

Und musste nur zwei Minuten später mit ansehen, wie Lewandowski sein Tor zum 1:0 gelang. In der 86. Minute dann der folgeschwere Fehlschuss von Robben. Doch es sollten nicht die letzten großen Gelegenheiten bleiben.

In der 91. Minute unterlief Dortmunds Verteidiger Neven Subotic fast noch ein Eigentor, bei einem Abwehrversuch köpfte er den Ball an die Latte, anschließend vergab erneut Robben. Doch auch der Dortmunder Lewandowski scheiterte in der Nachspielzeit noch einmal an der Latte. So blieb es beim knappen Dortmunder Erfolg.

Trotz Titel vor Augen mahnte Klopp: "Es kann leider eine ganze Menge passieren. Das interessiert mich aber nicht wirklich. Wir bleiben schön in der Spur. Wenn eine Entscheidung gefallen ist, werden sie uns feiern sehen."

Borussia Dortmund - Bayern München 1:0 (0:0)
1:0 Lewandowski (77.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan (74. Perisic), Kehl - Blaszczykowski (89. Owomoyela), Kagawa (74. Leitner), Großkreutz - Lewandowski
München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Toni Kroos - Robben, Thomas Müller (61. Schweinsteiger), Ribery - Gomez (75. Olic)
Schiedsrichter: Knut Kircher
Zuschauer: 80.720 (ausverkauft)
Besonderes Vorkommnis: Weidenfeller hält Foulelfmeter von Robben (85.)

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insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
BlakesWort 11.04.2012
1.
Lass mal Schalke einen lichten Moment haben und schon sind es wieder nur drei Punkte. Glückwunsch an Dortmund! Bayern, Kopf hoch! Was ist schon die Meisterschaft gegen den CL-Gewinn im eigenen Stadion?
maxgil 11.04.2012
2. Heja
Sehr schön, jetzt noch Schalke weghauen und es sollte alles klar sein.
anomie 11.04.2012
3.
Zitat von sysopDPAVorentscheidung in der Meisterschaft: Borussia Dortmund hat das Top-Spiel gegen Bayern München gewonnen. Damit hat der BVB nun sechs Punkte Vorsprung auf den Rekordmeister - und eilt der Titelverteidigung entgegen. Arjen Robben verschoss kurz vor dem Ende einen Elfmeter. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827000,00.html
SPON nervt so sehr, wenn es um fußball geht. Vielleicht sollte man statt "gut durchstudierte" auch mal ein paar redakteure einstellen, die wissen, wovon sie reden. "Das war´s, FC Bayern" ist so eine richtig schöne klugscheißer überschrift. Ich schreibe das hie rals BVB fan.
h_grabowski 11.04.2012
4. ...
Was ein spannendes Spiel...egal, welcher Mannschaft man wohlgesinnt war. Spannender als jedes EM / WM Finale.... Ich kann nicht mehr.
pakoe 11.04.2012
5. Verschossen?
Der Elfmeter wurde nicht verschossen, sondern gut gehalten. Bitte richtig kommentieren!.
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