BVB vor Supercup: Schwarz-Gelb fährt ins Blaue

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Fotostrecke: Götze gegangen, Lewandowski geblieben Fotos
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Der große Herausforderer des FC Bayern, Borussia Dortmund, steht vor einer ungewissen Spielzeit. Das Team hat sich zwar gezielt verstärkt. Aber ob der BVB damit tatsächlich den Münchnern Paroli bieten kann, weiß niemand. Der Supercup am Abend wird die ersten Antworten darauf geben.

Countdown zum Start der neuen Bundesliga-Saison
Dortmund spielt gegen den FC Bayern um den deutschen Supercup, und die Endlosschleife der Sprüche setzt sich wieder in Bewegung. "Spiel mit hohem Stellenwert", "wir wissen, dass wir die Bayern schlagen können", "Duell auf Augenhöhe" - es ist diese sehr subtile Art des Muskelspiels, die sie in Dortmund mittlerweile beherrschen und vor jedem Duell mit den Bayern kultivieren.

Wobei solche verbalen Versatzstücke, zumeist von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in die Welt gesetzt, vor dem Aufeinandertreffen am Samstagabend (20.30 Uhr ZDF, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die eigentliche Frage überdecken: Wie stark ist Borussia Dortmund in dieser Saison wirklich?

Der Supercup könnte darauf eine erste, wenn auch sehr vorläufige Antwort geben. Das Spiel in Dortmund ist eingeklemmt zwischen all den Audi-, Telekom- und Uli-Hoeneß-Cups, jenen Pseudoturnieren, die sich die Großsponsoren des deutschen Fußballs in der Sommerpause gönnen. Unter all diesen lauen Kicks geht fast unter, dass das Spiel am Samstag das sportlich einzig relevante Kräftemessen vor dem Saisonstart wird. In Dortmund geht es zwar am Abend vor allem ums Prestige, aber es wird mehr als ein vorsichtiges Abtasten. Beide wollen dem jeweiligen Gegenüber eine Demonstration des eigenen Selbstvertrauens abliefern. Dieses Spiel kann bis weit in die Hinrunde abstrahlen.

Supercup im Vorjahr hatte hohe psychologische Wirkung

Als die Bayern im Vorjahr nach einer zuvor für sie demütigenden Saison das Supercup-Spiel gegen Dortmund für sich entschieden, hatte das in München nachhaltige psychologische Wirkung. Die Bayern holten sich die Gewissheit, den Rivalen doch noch schlagen zu können. Von den darauf folgenden vier Aufeinandertreffen gewann der BVB kein einziges mehr.

Auf einen ähnlichen Effekt hoffen sie jetzt am Borsigplatz. Und bis auf Trainer Jürgen Klopp weiß dabei wohl niemand so recht, ob die Borussia 2013/2014 stärker oder schwächer sein wird als der BVB in der Vorsaison - in der man es immerhin bis ins Champions-League-Finale schaffte, in der Liga aber deutlich hinter den Bayern zurückblieb.

Nationalspieler Mario Götze, der am Abend wegen seiner Langzeitverletzung fehlen wird, hat man unter leicht unschönen Begleitumständen an den direkten Mitbewerber abgegeben. Dass dies eine Schwächung des Teams ist, wird keiner in Dortmund bestreiten. Gleichzeitig wurden zahlreiche Spieler abgegeben, die den Durchbruch beim BVB nicht oder noch nicht geschafft haben - von Bittencourt bis Santana. Deren Verlust hält sich in Grenzen.

Zugänge stehen noch für das Prinzip Hoffnung

Im Gegenzug wurden die Götze-Millionen in drei Spieler angelegt, die schon Hoffnungsträger sind, Heilsbringer werden können - aber auch die Gefahr des Fehleinkaufs in sich tragen.

Henrich Mchitaryan aus Armenien und der junge Pierre-Emerick Aubameyang aus Gabun haben alle Anlagen, große Spieler im schwarz-gelben Trikot zu sein. Die Bundesliga ist für sie allerdings komplettes Neuland, Michitaryan hat sich dazu in der Vorbereitung verletzt und wird am Samstag nicht zur Verfügung stehen. Beide stehen derzeit noch für das Prinzip Hoffnung.

Dazu kommt mit dem Innenverteidiger Sokratis von Werder Bremen einer, der sich in der Liga bereits bewährt hat - aber sich hinter dem arrivierten Duo Neven Subotic und Mats Hummels erst einmal hinten anstellen muss. Wenn alle drei Zugänge ihre erwarteten Leistungen bringen, dann ist der Dortmunder Kader durchaus besser besetzt als der aus der Vorsaison.

Bleibt die ganz große Unbekannte: Robert Lewandowski. Nach dem teilweise unwürdigen Transfer-Schauspiel zwischen dem BVB und Bayern München ist der Pole von den BVB-Oberen zuletzt mehrfach dezent bei der Ehre gepackt worden. Tatsächlich wäre es menschlich zwar verständlich, aber auch hochgradig unprofessionell, wenn der abwanderungswillige Stürmer, der sich mit den Bayern schon so gut wie einig war, sich nicht wieder voll und ganz in den Dienst der Borussia stellen würde. Ein lustloser Lewandowski trägt zudem nicht zur Erhöhung des eigenen Marktwertes bei, das wissen auch seine vielgescholtenen Berater.

Zudem dämmert dem 24-Jährigen möglicherweise langsam, dass er in München gar nicht so glücklich geworden wäre, wie er das vor Monaten noch erwartet hatte. Die Ehre, unter einem Josep Guardiola trainieren zu dürfen, heißt schließlich gleichzeitig, sich auch den taktischen Vorstellungen eines Josep Guardiola zu beugen. Und seine Abneigung gegen einen klassischen Stürmertyp hat der Bayern-Coach schon in den wenigen Wochen seines Wirkens in München mehr als deutlich gemacht.

Auf Lewandowski werden am Abend jedenfalls alle schauen, viele im Dortmunder Stadion werden ihn extrem kritisch beäugen. Das muss sich der Stürmer bewusst sein.

Eine schwache Leistung kann sich Robert Lewandowski an diesem Abend eigentlich nicht erlauben. Er steht unter Druck.

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1. Ich freue mich ...
un-Diplomat 27.07.2013
Zitat von sysopDPADer große Herausforderer des FC Bayern, Borussia Dortmund, steht vor einer ungewissen Spielzeit. Das Team hat sich zwar gezielt verstärkt. Aber ob der BVB damit tatsächlich den Münchnern Paroli bieten kann, weiß niemand. Der Supercup am Abend wird die ersten Antworten darauf geben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/borussia-dortmund-fordert-fc-bayern-beim-supercup-heraus-a-913457.html
... auf den Neuzugang von Barca, den Hätschelbubi Thiago. Ich hoffe, dass dies auch auf die Moderatoren zutrifft, die meinen Beitrag übersehen haben/wollten.
2. BVBs Fahrt ins Blaue
blogaktivist 27.07.2013
Zitat von sysopDPADer große Herausforderer des FC Bayern, Borussia Dortmund, steht vor einer ungewissen Spielzeit. Das Team hat sich zwar gezielt verstärkt. Aber ob der BVB damit tatsächlich den Münchnern Paroli bieten kann, weiß niemand. Der Supercup am Abend wird die ersten Antworten darauf geben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/borussia-dortmund-fordert-fc-bayern-beim-supercup-heraus-a-913457.html
Also dass der Ausgang der Partie heute Abend bis zum Ende der Hinrunde strahlt halte ich doch für durchaus gewagt. Natürlich haben alle Duelle der beiden Kontrahenten mittlerweile einen hohen Stellenwert, was aber nicht bedeutet, dass sich die Profis von Sieg oder Niederlage derart beeinflussen lassen, dass Ihnen die Stärke des Gegners lähmt. Ganz im Gegenteil zieht die Borussia doch angeblich aus dieser laut Klopp (Zeit-Interview) gerade ihre Stärken. Ich würde einen Ausgang also nicht zu hoch bewerten, trotzdessen wird er ein Prolog für die Leistungsverhältnisse in der Bundesliga. Und hier sehe ich die Bayern (leider) unangefochten vorne. In diesem Kader gibt es fast 18-20 Stammspieler die auf einem ähnlichen Niveau agieren. So etwas ist in Dortmund finanziell nicht möglich. Wenn bei der Borussia mal 3-4 mögliche Stammspieler ausfallen, springt, wie heute Abend Jonas Hofmann, ein Jugendspieler ein.
3. Lewandowski
to5824bo 27.07.2013
Zitat von sysopDPADer große Herausforderer des FC Bayern, Borussia Dortmund, steht vor einer ungewissen Spielzeit. Das Team hat sich zwar gezielt verstärkt. Aber ob der BVB damit tatsächlich den Münchnern Paroli bieten kann, weiß niemand. Der Supercup am Abend wird die ersten Antworten darauf geben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/borussia-dortmund-fordert-fc-bayern-beim-supercup-heraus-a-913457.html
Den letzten Abschnitt des Artikels halte ich für völlig überzogen. Natürlich kann sich Lewa wie jeder andere auch eine schwache Leistung erlauben. Ein solche bot er auch im CL-Finale, dem bislang wichtigsten Spiel seiner Karriere und das ganz bestimmt nicht aufgrund fehlender Motivation. Er war nicht gut drauf, und die Bayern-Abwehr hatte ihn gut im Griff. Wenn er sich reinhängt (und das wird er tun), ist es ok. Wenn das zu einer guten Leistung führt, umso besser, und wenn nicht, auch kein Problem. Er muss gar nichts beweisen.
4. Nein.....
warndtbewohner 27.07.2013
das wird nix mit dem BVB, leider. Zu sehr geschwächt durch den Weckkauf vom Gotze. Niemand wird diesen FCB schlagen, leider.
5.
MarkusW77 27.07.2013
Lewandowski wurde von Bayern nur benutzt um Unruhe bei sich selbst und ein wenig in der Mannschaft zu erzeugen. Er hat in keinem Spiel der Saison so schlecht gespielt wie bei den drei gegen Bayern nach den ersten Gerüchten. Viertelfinale war der Anfang . Ich hoffe lewandowski merkt das irgendwann...
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