Dortmunder Leihgabe Hakimi Königliche Bilanz

Ein Tor, eine Vorlage: Gegen Hannover zeigte Achraf Hakimi erneut, wie wichtig er für den BVB ist. Die Zukunft des Leihspielers aus Madrid ist ungewiss - genauso wie die des gegnerischen Trainers Breitenreiter.

Achraf Hakimi (l.) und Marco Reus (r.)
ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

Achraf Hakimi (l.) und Marco Reus (r.)

Von , Dortmund


Acht Punkte aus vier Spielen ohne Niederlage: Das war zu Saisonbeginn ein ordentlicher Start für Borussia Dortmund. Aber auf die Idee, dass diese Mannschaft die Tabelle nach 19 Spieltagen mit mindestens sechs Punkten Vorsprung anführen würde, wären nur Träumer gekommen.

Mit einem 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg begann der Prozess, in dem allmählich klar wurde, dass diese Mannschaft mit ihrem neuen Trainer sogar Meister werden könnte. An jenem fünften Spieltag kam Achraf Hakimi zu seinem ersten Spiel in der Bundesliga für den BVB. Er schoss sofort ein Tor.

Sechs Scorerpunkte für Hakimi

Beim 5:1 (1:0) gegen Hannover 96 gelang Hakimi sein zweiter Treffer, dieses Mal war es das wichtige 1:0. Nach einem Doppelpass mit Raphaël Guerreiro schoss er den Ball überlegt in die Ecke. "Ich trainiere das so natürlich auch. Großartig, dass es im Spiel dann heute geklappt hat", sagte Hakimi dem Vereinsfernsehen des BVB. Das 2:0 von Marco Reus bereitete er vor, nachdem er Miiko Albornoz nach einem langen Sprint energisch nötigte, einen krassen Fehler zu begehen. Für Hakimi stehen nun vier Torvorlagen zu Buche, also insgesamt sechs Scorerpunkte.

Hakimi vor dem 1:0
REUTERS

Hakimi vor dem 1:0

Hakimi, 20 Jahre alt, wurde im vergangenen Sommer von Real Madrid ausgeliehen, um die beiden etwas älteren Herren auf den Außenverteidigerpositionen, Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer, zu entlasten. Inzwischen ist er eine feste Größe. Hakimi verpasste in der Bundesliga nur das Spiel bei Fortuna Düsseldorf. Es wurde die einzige Niederlage des BVB, auch weil den Dortmundern die Schnelligkeit des Verteidigers fehlte, der mit seinem Tempo die offensive Wucht des Tabellenführers steigert.

Ausgebildet bei Real Madrid

Achraf Hakimi ist zu Afrikas Nachwuchsfußballer des Jahres gewählt worden. Er spielte bereits 17 Mal für die marokkanische Nationalmannschaft. Bei der WM in Russland bestritt er die drei Vorrundenspiele über die volle Zeit, darunter die Partie gegen Spanien, dem Land, in dem er aufwuchs.

Hakimi wurde bei Real Madrid ausgebildet, schaffte es in die Profimannschaft der "Königlichen" und erzielte in neun Spielen in der Primera División zwei Tore. Er zeigte schon in Madrid, dass er das Zeug hat, auf der Außenbahn etwas ältere Herren zu entlasten - in diesem Fall Dani Carvajal und Marcelo. Trotzdem lieh ihn Real aus, für zwei Jahre. Im Sommer 2020 muss er zurück, so denn die Madrilenen wollen.

"Ich weiß nicht, wo ich mich in ein oder zwei Jahren sehen werde. Jetzt möchte ich hier wachsen und Erfolg haben", sagte Hakimi in einem Interview mit der spanischen Sportzeitung "Marca" über seine Zukunft. Dass der BVB ihn gern fest verpflichten würde, liegt auf der Hand. Ob Real Madrid es überhaupt zu Verhandlungen kommen lassen wird, ist angesichts der Leistungen des Außenverteidigers, der so gern auch ins Zentrum zieht, fraglich.

Wohl auch deshalb sagte Dortmunds Manager Michael Zorc nach dem Sieg gegen Hannover: "Das ist jetzt kein Thema. Da musst du den richtigen Zeitpunkt erwischen." Ein Leistungstief, vielleicht gar eine Verletzung, das dürften bessere Voraussetzungen für eine Kontaktaufnahme mit Real sein.

Breitenreiter vor dem Aus

Mit Achraf Hakimi in der Mannschaft holte der BVB 40 von 42 möglichen Punkten, stets gelang den Borussen dabei ein Tor. Ohnehin blieben sie erst einmal ohne einen Treffer, das war beim 0:0 gegen Hannover im Hinspiel. Damals deutete nichts darauf hin, dass die 96er nach 19 Spieltagen mit elf Punkten einen Abstiegsplatz belegen würden.

André Breitenreiter
Getty Images

André Breitenreiter

"Wir haben das Glück, dass die anderen Mannschaften da unten auch verlieren, aber da können wir uns nicht ewig drauf verlassen", sagte Horst Heldt in Dortmund. Während der Manager mit Journalisten sprach, zog Trainer André Breitenreiter mit einem Rollkoffer an ihm vorbei.

Es war eine Szene mit Symbolkraft. Nach allem, was Heldt in den Katakomben so erzählte, dürfte Breitenreiter schon bald beurlaubt werden. "Wir werden Klarheit schaffen, wenn wir Klarheit gefunden haben", sagte Heldt. Er müsse jetzt erst mit der Geschäftsführung, also vor allem mit Martin Kind, "und den Gremien" sprechen, dann werde eine Entscheidung gefällt und verkündet. Am Sonntag ist damit zu rechnen.



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tafka_neowave 27.01.2019
1. So wie in der Welt,
So wie in der Welt, so in Hannover: (Ganz) Alte weiße Männer (Kind, Schröder, Rossman usw.) führen´ s an den Abgrund.
tretertruppe 27.01.2019
2. Hannover
hat ein gutes Spiel gezeigt. Dem Trainer darf man in dem Spiel gegen BVB keine Schuld geben. BVB hat einen Lauf und viele gute Spieler. Fast jeder Spieler hat gezeigt, dass er Tore schießen kann. Hannover hat sehr mutig gespielt und Möglichkeiten gehabt, dass das Spiel einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Aber kleine Fehler werden z.Z. vom BVB bestraft.
gammoncrack 27.01.2019
3. Breitenreiter wollte ja zum Beginn der Saison, dass noch
zwei Spieler für den Defensivbereich verpflichtet werden. Dem Wunsch ist der Verein nicht nachgekommen. Ich glaube, dass ein Trainer seiner Klasse schon sehr gut beurteilen kann, ob das zwingend erforderlich ist oder nicht. Und ganz offensichtlich ist das bei H96 erforderlich. Deswegen sollte sich das Management wirklich fragen, ob sie mit einer Entlassung etwas erreichen. Wenn der Kader nicht ausreichend besetzt ist, wird auch ein neuer Trainer, egal welchen Namen er trägt, nicht mehr erreichen als Breitenreiter jetzt. Hannover wird wohl absteigen, möglicherweise mit einem neuen Trainer noch sicherer als mit Breitenreiter.
Mister Stone 27.01.2019
4.
Dortmunds jüngster Schachzug ist Weigels neue Rolle. Er ist eine sehr guter Aufbauspieler (Übersicht, starke Passquote) und hat inzwischen auch beachtliche Defensivqualitäten. Wenn man so offensiv spielt wie der BVB braucht man solche ballsicheren "Abwehrspieler". Auf den können sich die anderen (Witsel, Delaney) verlassen, da gibt es kein Unsicherheitsgefühl nach hinten. Das bringt Ruhe und Selbstvertrauen für die ganze Mannschaft. Zu Breitenreiter: Held war überall, wo er als Manager bzw. Sportvorstand tätig war, ein unglücklicher Destruktor. Er begreift sich offenbar immer noch als Azubi, dem man alle Fehler verzeihen muss, solange er daraus lernen wolle.
Oihme 29.01.2019
5. Ob ...
... Hakimi nach Leihende in Dortmund bleibt, liegt letztlich am Spieler selber. Bis zum Sommer 2020 ist Hakimi fest vom BVB ausgeliehen, sein Vertrag bei Real geht bis 2021. Sollte Hakimi also dauerhaft in Dortmund bleiben bzw. ankündigen, nach Vertragsablauf dorthin zurück wollen, wäre der Zeitpunkt des Leihendes im Sommer 2020 für Real die letzte Geleenheit, noch eine angemessene Ablöse für Hakimi zu kassieren. Würde sicherlich teuer für den BVB, aber wenn andere BuLi-Vereine laut Medienberichten schon bereit sind, 40 Mio + für 18jährige Talente mit gerade mal fünf PL- Ligasspielen auszugeben, wären selbst die 50-60 Millionen für Hakimi ein Schnäppchen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.